Strassenumfrage

«Momol, das chani scho!»

Wie fit bist du im Umgang mit dem eigenen Smartphone? «Ach, durchschnittlich», meinen Passanten in Solothurn. Nach unserem kleinen, nicht-repräsentativen Test muss man ergänzen: Aber auf hohem Niveau! Und wie fit sind Sie?

Michael Frischkopf (Text) und Markus Lamprecht (Bild), 27. August 2015

Bei warmem Wetter ist die Wiese beim Chantier-Areal ein fröhlicher Spielplatz. Auch heute: Kleinkinder rennen, schreien, lachen – beobachtet von Müttern, deren Aufmerksamkeit routiniert zwischen WhatsApp und Windeln pendelt.

 

 

Cloud? Aber klar doch!

 

Eine der Mütter sprechen wir an. Wie gut haben Sie Ihr Handy im Griff, Corine Flück? «Durchschnittlich, aber ich probiere gerne Neues aus», meint die 37-jährige lachend. Wir wollen es genauer wissen. Machen Sie doch als erstes ein Selfie und publizieren Sie es auf Facebook. Gefragt, getan: Für Corine Flück ähnlich anspruchsvoll wie Nase putzen. Wie halten Sie es mit dem Schutz der eigenen Daten? «Code, verschiedene Passwörter, was wollen Sie wissen»? Aha, auch diese Aufgabe hat noch Luft nach oben. Speichern Sie alle ihre Daten auf dem Smartphone? «Bilder setze ich auch in die Cloud, so habe ich sie auf anderen Geräten verfügbar».

 

 

 

Corine Flück, 37, wandert in wenigen Wochen mit Kind und Kegel in die USA aus. Das Smartphone wird dann noch mehr zur direkten Verbindung in die Heimat.

 

Eine meisterliche Antwort. Zeit für Schwierigeres. Errichten Sie ein eigenes kleines Netzwerk, damit wir mit unserem Tablet per Wifi darauf zugreifen und im Internet surfen können! Stirnrunzeln bei Corine Flück – doch dann ein Lachen. «Alles klar, das machen wir oft in den Ferien!» Etwa eine halbe Minute tanzen die Finger Ballett auf dem Touchscreen, ein Tippen da, ein Wischen dort. Kennen Sie den Film «Minority Report» mit Tom Cruise – die Szene, wo er mühelos unverständliche, aber coole Technik anwendet? Genauso flink ist Corine Flück. Ist der Test zu einfach?

 

 

Telefon und Fotoapparat

 

Gleich nebenan spielen Bruno und Heidi Studer mit ihrer Enkeltochter Elina. Der 66-jährige erklärt sich spontan bereit, den Anwendertest mitzumachen. «Ich muss Sie aber warnen: Mein Smartphone ist für mich Telefon und Fotoapparat, mehr nicht.» Mit dem Selfie klappt’s auf Anhieb – die Bildfunktion hat Bruno Studer im Griff. Doch Bilder publizieren will er nicht. WhatsApp und Facebook? Kein Interesse. Nun, er hat uns ja gewarnt.

 

 

1/4 Adrian Stoll, 54 Jahre alt. Sein Hobby ist die elektronische Schnitzeljagd, Geocaching genannt. Hat er einen Schatz gefunden, dokumentiert er dies manchmal mit einem Selfie. Die wesentlichen Sicherheitsbestimmungen beim Smartphone wendet er an; Daten teilt er via Dropbox.

2/4 Diana Knuchel, 37, nutzt ihr Smartphone selektiv, aber intensiv. Selfie machen und posten – kein Problem. Facebook meidet Diana Knuchel, sie sei im Web nicht so mitteilsam. Kurzstrecken plant sie oft mit dem Smartphone, ein eigenes Netzwerk erstellen kann sie nicht auf Anhieb, weil sie es schlicht nicht braucht.

3/4 Maqsood Sadid, 21, ist ein digital native: Hotspot errichten, Arbeiten mit Dropbox, Reisen planen – alles hat er im Griff. Kein Wunder: In seiner Heimat Afghanistan arbeitete Sadid als Informatiker in einer Bank.

4/4 Thomas Gaschle nutzt sein Smartphone selektiv und fühlt sich wohl dabei: «Me cha ja nöd alles wüsse!» Facebook meidet er, doch Reise- und andere Informationen recherchiert er schnell und routiniert. Ein eigenes Netzwerk hat er noch nie erstellt, Daten speichern in einer Cloud hat für ihn keine Bedeutung. Seine Kompetenz beurteilt er als durchschnittlich.

1/4 Adrian Stoll, 54 Jahre alt. Sein Hobby ist die elektronische Schnitzeljagd, Geocaching genannt. Hat er einen Schatz gefunden, dokumentiert er dies manchmal mit einem Selfie. Die wesentlichen Sicherheitsbestimmungen beim Smartphone wendet er an; Daten teilt er via Dropbox.

 

 

Sein Smartphone nutzt Bruno Studer übrigens ohne Sicherheit-Zahlencode. Unsere Warnung, das sei vielleicht etwas fahrlässig, ignoriert er: «Ich habe sowieso nichts Wertvolles auf dem Handy». Ein letzter Test noch: Angenommen, wir wollen von Solothurn nach St.Moritz fahren – wäre das schneller mit dem Auto oder mit dem Zug? Bruno Studers Augen blitzen voller Schalk: «Wenn Sie mir etwas Zeit geben, finde ich das ohne Probleme heraus!» Fazit: Bruno Studer konzentriert sich aufs Wesentliche und beherrscht die für ihn wesentlichen Funktionen tadellos.

 

Insiderwissen bringt’s

 

Wir verlassen den Kinderspielplatz und wenden uns der Aare zu. Hier ist die Atmosphäre sehr relaxt. Es weht ein laues Lüftchen. Chillout-Musik. Wortwörtlich alles im Fluss irgendwie. Wir treffen auf Michelle Wenger, Jeanne Bodmer und eine dritte Kollegin, die anonym bleiben will, was wir natürlich respektieren. Michelle Wenger und Jeanne Bodmer sind 17 Jahre alt. Die Frage, ob sie ein Smartphone besitzen erübrigt sich. Die jungen Frauen tippen und diskutieren und chillen – alles gleichzeitig. Michelle schätzt ihre Handykompetenz übrigens auf leicht überdurchschnittlich: «Meine Cousine arbeitet bei Swisscom und sie gibt mir immer wieder wichtige Tipps.» Wie nützlich diese Tipps sind, zeigt wenig später der Benutzertest. Die Frage, ob sie den gemachten Selfie auf WhatsApp und ins Facebook stellen soll, quittieren beide mit ungläubigem Staunen. Passwortschutz? Eigenes Netzwerk erstellen? Reiserouten bestimmen? Und wann genau beginnt der Test? Ok, war wohl zu einfach. Welcome, Digital Natives!

 

 

 

Für Bruno Studer, 66, ist das Smartphone vor allem Telefon und Fotoapparat. Entsprechend unwichtig bewertet er die Daten auf seinem Handy – Passwortschutz Fehlanzeige.

 

 

 

 

Medienkompetenz im Selbsttest

Wie fit sind sie im Umgang mit digitalen Medien?

Zum Test

 

 

 

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