sotomo-Studie: Vernetzte Schweiz 2016

4G schlägt GTI

Internet und Smartphone sind wichtiger als das Auto. Das ist eines der überraschenden Ergebnisse einer neuen Studie zur Digitalisierung der Schweiz.

Hansjörg Honegger (Text), 9. Mai 2016

Das Internet ist im Kanton Aargau wichtiger für die Partnersuche als im Welschland. Wer im Kanton Aargau lebt, hat mit einiger Wahrscheinlichkeit einen Partner oder eine Partnerin aus Zürich. Den Tessinern sind die Nachbarn viel wichtiger als den Deutschschweizern oder den Welschen. Allen gemeinsam ist: Schnelles Internet zuhause und unterwegs ist ihnen wichtiger als das Auto oder der öffentliche Verkehr (ÖV).

 


Vernetzte und digitalisierte Schweiz: Die Drohnen-Aufnahme zeigt die Gemeinde Arnex-sur-Orbe (VD) inklusive visualisierter Datenströme.

 

 

Digitale Vernetzung hält Schweiz zusammen

 

Die neue Studie «Vernetzte Schweiz 2016» des Umfrageinstituts sotomo zeigt, wie wichtig die digitale Vernetzung für die moderne Schweiz ist. Die Digitalisierung spielt eine zentrale Rolle in verschiedenen Lebensbereichen – bei der Arbeit ebenso wie bei der Freizeitgestaltung der Pflege von Freundschaften und in der Familie.

 

 

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Wie pflegen Herr und Frau Schweizer ihre Kontakte und wie liebt es sich im 21. Jahrhundert? Michael Hermann fasst im Interview die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

 

 

Besonders stark zeigt sich der Wandel im Vergleich zwischen Verkehrsmitteln und Kommunikationsinfrastruktur. So hat das einstige Statussymbol Auto viel von seiner Bedeutung eingebüsst: 68 Prozent der Befragten geben an, das Auto sei «ziemlich wichtig» bzw. «sehr wichtig». Für 79 Prozent ist der schnelle Internetanschluss zuhause ziemlich oder sehr wichtig. Bei 71 Prozent gilt dies für das Mobiltelefon.

 

 

Schnelles Internet ist für mehr Befragte wichtiger als das Auto. Quelle: sotomo

 

 

Überraschung 2: Kein Stadt-Land-Graben


Einen Stadt-Land-Graben konnte die Studie in diesem Bereich nicht ausmachen, genauso wenig einen Altersgraben. Einzig bei den über 64-jährigen ist das Festnetztelefon noch immer einigermassen beliebt. Wenig überraschend: Auf dem Land ist das Auto wichtiger, in der Stadt der ÖV.

Drei Viertel der Befragten geben an, Geschäfts-E-Mails auch zuhause zu checken.

Die weiteren Studienergebnisse zeigen, warum die Kommunikationsinfrastruktur so immens wichtig geworden ist: Für die Arbeit, aber auch für die Pflege privater Beziehungen sind Computer und Mobiltelefon unerlässliche Hilfsmittel. So geben drei Viertel der Befragten an, ihre Geschäfts-E-Mails auch zuhause zu checken. Immerhin noch 54 Prozent arbeiten auch zuhause am Computer.

 

 

Geschäftliche E-Mails werden von rund drei Vierteln der Befragten auch zuhause bearbeitet. Quelle: sotomo.

 

 

Satte 35 Prozent würden gern mehr zuhause arbeiten. Je weiter der Arbeitsweg, desto häufiger wird dieser Wunsch geäussert. Dies wäre eine nicht zu unterschätzende Chance, die überlastete Verkehrsinfrastruktur massiv zu entlasten.

 

 

Trotz digitaler Medien sind Besuche zuhause für 73 Prozent der Befragten «sehr oder ziemlich wichtig».  

 

Die Verwendung von Videotelefonie ist unter den ältesten Studienteilnehmern am weitesten verbreitet. Aber auch das Festnetz.

Auch im Privatleben ist die digitale Vernetzung nicht mehr wegzudenken. Zwar sind Besuche zuhause nach wie vor sehr oder ziemlich wichtig für 73 Prozent der Befragten. Allerdings zeigt sich bei den restlichen Fragen ein zum Teil deutlicher Graben zwischen den verschiedenen Altersgruppen. SMS oder Whatsapp sind vor allem bei den Jüngeren extrem beliebt, die Älteren telefonieren sehr gern mit dem Festnetztelefon. Der Besuch von Restaurants, Bars oder Clubs ist mit steigendem Alter immer weniger beliebt. Erstaunlich: Die Verwendung von Videotelefonie ist unter den ältesten Studienteilnehmern am weitesten verbreitet.



Das Festnetztelefon ist nur noch bei den über 64-Jährigen  einigermassen beliebt.

 

 

Vereine haben in diesem Umfeld einen zunehmend schweren Stand. Unabhängig, ob in der Stadt, in der Agglo oder auf dem Land: Nur eine kleine Minderheit von weniger als 25 Prozent der Befragten geben an, ihre Freundschaften in Vereinen oder beim Sport zu pflegen. Am beliebtesten sind Vereine bei den jüngsten und den ältesten Studienteilnehmern.

 

 

In der Freizeit und im Ausgang entstehen noch immer mehr Beziehungen als übers Internet. Quelle: sotomo.

 

 

Liebe im digitalen Leben

 

Wo sich Freunde finden, entstehen auch Beziehungen fürs Leben. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass der Arbeitsplatz der beste Kuppler ist, geben nur 18 Prozent an, sich bei der Arbeit kennengelernt zu haben. Ebenfalls nicht wirklich wichtig ist das Internet als Dating-Plattform: Nur gerade 13 Prozent fanden ihren Schatz im Web.

Vermeintliche Erzfeinde entpuppen sich bei näherem Hinsehen als schwer verliebt.

Hier lohnt sich aber ein Blick auf die regionale Verteilung: Im Aargau gaben 21 Prozent an, sich im Web kennengelernt zu haben, gefolgt vom Thurgau mit 18 Prozent.



54 Prozent arbeiten teilweise im Home Office, rund drei Viertel lesen ihre Geschäfts-E-Mails auch zuhause.  

 

 

Im Kanton Genf waren es 6 Prozent, im Kanton Jura sogar nur 3 Prozent. Die Erklärung der Studienverfasser: Die beiden Spitzenreiter sind Kantone ohne wirkliches städtisches Zentrum, es fehlt aber auch die ländliche Nähe, wie sie im Jura noch vorhanden ist. Lustig: Vermeintliche Erzfeinde entpuppen sich bei näherem Hinsehen als schwer verliebt. Am meisten Partnerschaften entstehen zwischen Aargau und Zürich, prozentual schwingt Basel-Landschaft mit Basel-Stadt obenauf. Ganz nach dem Motto: Was sich liebt, das neckt sich.

 

 

Die Studie in den Medien

Was die Bewohner der Schweiz bewegt, wollte Swisscom wissen und gab eine umfangreiche Studie in Auftrag. Zahlreiche Medien haben über die Ergebnisse der sotomo-Studie berichtet. Zum Beispiel im «Tages-Anzeiger», im «Blick» und in der «Handelszeitung».

 

 

 

 

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