Gaming-Turnier um «Dota 2»

An der grössten LAN-Party der Schweiz

4 Tage, 1000 Gamer. Und einer, der keine Ahnung hat. Unser Reporter hat sich an SwitzerLAN, das grösste Gaming-Turnier der Schweiz, gewagt – und war überrascht.

Dominik Galliker (Text, Fotos, Videos), 11. Oktober 2016

Der Achtelfinal ist schnell vorbei. Monster rennen über den Bildschirm. Sie schlagen sich mit Schwert und Axt, einige fallen um. Nach 30 Minuten bricht das Hauptquartier des Gegners zusammen. Und das Spiel ist zu Ende. Das Team mYinsanity ist qualifiziert für den Viertelfinal. Pause bis 17 Uhr.

 

«Dota 2» heisst das Spiel. Und das Team mYinsanity, fünf Jungs Mitte 20, ist darin der Dominator in der Schweizer Szene. Während der Switzerlan, der grössten LAN-Party der Schweiz, bin ich ihr Gast. Ausgerechnet ich, der gerne auf dem Tablet jasst, sonst aber mit Gamen nichts am Hut hat. Ich bin ein «Noob» – ein blutiger Anfänger mit absolut keiner Ahnung, wie dies anscheinend in der Gaming-Welt heisst.

 

 

Gamen als Beruf

 

Diese Gaming-Welt ist mittlerweile riesig, und doch wissen die meisten Leute kaum etwas darüber, haben aber umso mehr Vorurteile. Fakt ist: Heute leben etliche Spieler vom Gamen – auch Schweizer. Die Switzerlan ist einer der grössten Gaming-Anlässe hierzulande. Über tausend E-Sportler reisen dafür mit ihren Computern nach Bern.

 

 

David Morf, Captain des Gamer-Teams mYinsanity.  

 

 

«‹Dota› ist ein schwieriges Spiel für Anfänger», warnt mich David «Davy» Morf, der Captain von mYinsanity. «Man spielt gut und gerne 1000 Stunden, bis man die Strategien des Gegners einschätzen kann.» Wir sitzen in der Halle 2 der Bern Expo, Platz B50. Es ist dunkel und warm, Bildschirm steht an Bildschirm. In den Ecken liegen Luftmatratzen, ein Bärtiger schnarcht.

«‹Dota› ist wie Schach auf Speed»

David Morf, Captain des Gamer-Teams mYinsanity

«‹Dota›, erklärt Davy, geht so: «Zwei Teams, je fünf Spieler. Der Captain wählt für jeden einen Helden – es gibt über Hundert davon. Jeder Held hat seine Fähigkeiten und Schwächen. Wer sie richtig einsetzt, gewinnt. Das ist wie Schach auf Speed», sagt der 27-Jährige aus Uster.

 

 

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Davy und sein Mitspieler Nicolas «Asharon» Bizirianis erklären ihre Favoritenrolle.

 

 

Im Viertelfinal heisst das gegnerische Team Nasty. Davy wählt die Helden: drei Haudegen. Zwei für den Hintergrund, die den Gegner schwächen oder blockieren können. Es sind Helden, die stärker werden, je länger das Spiel dauert. «Die Spieler von Nasty haben nur eine Chance, wenn sie angriffig spielen.» Tun sie aber nicht. Zwei Spiele, zwei Siege für mYinsanity. Zeit fürs Znacht.

 

 

Regelmässiges Training

 

Auf dem Weg zum McDonalds wird über Helden und Spielzüge diskutiert. Ich halte mich zurück. Davy hat mir Webseiten gezeigt mit etlichen Kennzahlen und Statistiken zum perfekten Match-Up.

 

Keiner der Spieler verdient seinen Lebensunterhalt als E-Sportler, erzählen die fünf Gamer beim Essen. Zu tief sind die Preisgelder in der Schweiz. Und zu gut spielt die Weltspitze. David Morf studiert Geografie im Master und unterrichtet. Trainiert wird am Abend, zwei- bis dreimal pro Woche. «Das Zusammenspiel und die Kommunikation im Team sind entscheidend», sagt Davy. «Man muss wissen, was der Mitspieler denkt und was der Gegner will.»

Dank des übermütigen Skorpions ist Davy nach kurzer Zeit auf Level 6 und kann Druck machen.

Es ist 21 Uhr. Halbfinal. Und ich kann dem Spiel ansatzweise folgen. Ein Gegner – ein Skorpion – prescht vor. Mal für Mal geht er k. o. – und macht damit seinen Kontrahenten stärker. Dank des übermütigen Skorpions ist Davy nach kurzer Zeit auf Level 6 und kann Druck machen. «Brutal! Brutal!!», lobt ein Betrunkener, der zuschaut. Bald ist die Partie entschieden. Und Davy sagt: «Alles lief optimal ab.»

 

Feierabend. Der Final findet um 11 Uhr am nächsten Morgen statt. Als ich die Halle verlassen will, sind die Türen bereits verschlossen. Die meisten Spieler übernachten in einer Halle nebenan. Als ich nach dem Weg frage, meint einer: «Es gibt Schlimmeres, als an einer LAN gefangen zu sein.» Und ich stimme zu. Aus mir wird zwar so bald kein «Dota»-Spieler, doch den Reiz kann ich verstehen.

 

 

Fast wie Fussball

 

Vor dem Final wird diskutiert. Lange. Wer wählt welchen Helden, um wen zu schlagen? Es könnte auch ein Gespräch über Fussball oder Eishockey sein. E-Sports – das habe ich gelernt – ist in vielen Belangen ähnlich wie normaler Sport. Die Schnelligkeit, die Strategien – bei einigen Spielern stimmt sogar der Schweissgeruch. Zwei Siege braucht mYinsanity, um das Turnier zu gewinnen. Die Gegner – das Team «Die Honigmänner» – sind gute Freunde.

 

 

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Das Finale: Wie mYinsanity abschneidet, sehen Sie im Video.

 

 

Die Finalpartien dauern mehr als drei Stunden. Am Ende bin ich froh, kann ich an die frische Luft. Im Tram nach Hause nehme ich meint Tablet hervor. Jassen. Das ist eher mein Metier.

 

 

 

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