20 Jahre Swisscom

Erinnern Sie sich noch an «Beck & Bondi»?

Swisscom wird 20 Jahre alt: Internet, Telekommunikation und Digitalisierung haben unser Leben stark verändert. Sie war in dieser Zeit am Puls vieler gesellschaftlicher Entwicklungen. Aber es lief nicht immer alles nach Plan.

Bjørn Schaeffner (Text), 2. Oktober 2017

Am 1. Oktober 1997 wurde aus Telecom PTT die Swisscom. Viele Projekte sind in dieser Zeit entstanden – einige davon haben funktioniert, andere wiederum nicht. Wir stellen Ihnen zehn Tops und Flops vor:  

 

 

Du-Kultur

 

Wer schon mal versucht hat, in einem Gespräch dem Du oder dem Sie aus dem Weg zu gehen, der weiss: Es geht schon irgendwie, aber es tönt meist holprig. Das hat auch Swisscom-CEO Carsten Schloter realisiert und 2008 allen Mitarbeitenden das Du angeboten. Ein cleverer Schachzug, denn Swisscom konnte so mit einem Quäntchen Silicon-Valley-Start-up-Easiness glänzen. Anfänglich brachte dies Häme in ein paar Zeitungen ein. Heute macht das Duzen bei vielen anderen Schweizer Grossunternehmen Schule – Swisscom war hier ein Schweizer Pionier.

 

 

Debitel

 

Im Ausland scheitern viele Schweizer Firmen. Weil der Markt klein ist, suchen sie ihr Glück ennet der Grenze. Doch längst nicht alle Übernahmen werden zum Erfolg. 1999 stieg Swisscom bei Debitel ein und steigerte ihre Beteiligung sukzessive auf 93 Prozent. Beim Kauf erhoffte sich Swisscom, mit der Beteiligung eine der deutschen UMTS-Lizenzen ersteigern zu können. Für Swisscom resultierte aus dem Markteintritt in Deutschland ein Verlust in Milliardenhöhe. Gleichzeitig schied Swisscom aus dem Bieterrennen aus. Im Nachhinein war das wohl ein Glück, weil sich die in den UMTS-Lizenzauktionen in Europa erzielten Preise als viel zu hoch erwiesen.

 

 

Eingestiegen – und bald wieder ausgestiegen: Swisscom wollte mit 93% Beteiligung an Debitel in den deutschen UMTWS-Markt einsteigen, hat die deutsche Mobilfunk-Tochter 2004 jedoch verkauft.

 

 

Mistral

 

Haben Sie gewusst, dass Swisscom das älteste umweltzertifizierte Telco-Unternehmen der Welt ist? Swisscom verhält sich seit den Anfängen ökologisch. Um den Stromverbrauch von Telefonzentralen auf konstantem Niveau zu halten, wurde etwa «Mistral» entwickelt: Die Technologie kühlt die Zentralen mit Aussenluft. Unternehmensweit deckt Swisscom den Stromverbrauch seit Jahren zu 100 Prozent mit einheimischer, erneuerbarer Energie – und bezieht so mehr Strom aus Sonnen- und Windenergie als jedes andere Unternehmen in der Schweiz.

 

 

Joker

 

Mit diesem Punktesystem wollte Swisscom ab 1999 treue Kunden belohnen. In der Werbung trat der Joker erst als klassischer Jack-in-the-Box auf, samt Narrenmütze und blaurot gestreiftem Outfit. Später trug dieses Kostüm dann eine Frau und erinnerte dabei ein wenig an die Schauspielerin Audrey Tautou im französischen Publikumshit «Die fabelhafte Welt der Amélie». Sie zeigte in der Werbung einem King Kong auch mal die lange Nase und flog durch die Wolkenkratzerschluchten von New York. Doch alles Werben half nichts. Die Resonanz war klein, und Joker passte nicht zur Dynamik des Telekom-Markts. 2001 stellte Swisscom das Programm ein.

 

 

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Nur zwei Jahre: Das Punktesystem hat leider nicht funktioniert und wurde 2001 bereits eingestellt.

 

 

Mobile Unlimited

 

«Uff, welch angenehme Zeiten: Ich umgehe die Hauptreisezeit und setze mich schon um 16 Uhr in den Zug. Jederzeit, überall und sicher bin ich mit der besten verfügbaren Bandbreite mobil verbunden; E-Mails kann ich unterwegs bearbeiten, habe Zugriff auf Internet und Firmendaten.» Das schrieb Swisscom vor 13 Jahren. Damals wurde das Produkt Mobile Unlimited eingeführt. Es basierte auf der sogenannten «Seamless Handover»-Technologie, die unmerklich zwischen WLAN und Handynetzen wechselt. Eine Weltpremiere. Man war plötzlich nahtlos drahtlos. Und ja, es war eine gewichtige Innovation. Das kann man auch daran erkennen, dass sich heute kaum mehr jemand vorstellen kann, dass es irgendwann mal anders war.

 

 

Screenpad

 

Acht Jahre bevor Apple das iPad erfand, gab es bei Swisscom schon das Screenpad zu kaufen, das aber eigentlich ein Siemens-Produkt war. Aber bereits nach 15 Monaten wurde das Screenpad wieder vom Markt genommen. Die technischen Hürden waren zu hoch. So benötigten Kunden zur Inbetriebnahme des Screenpad einen ISDN-Anschluss. Ausserdem beschränkte sich der Empfangsradius des Geräts auf den Umkreis von nur 40 Metern – für mehr hätte man aufs GSM-Handy ausweichen müssen. Und dann war da noch der stolze Preis von 2480 Franken. Mit dem Screenpad war Swisscom zwar mit einem innovativen Produkt am Start, der Markt war aber noch nicht reif dafür und die Bedienung zu kompliziert.

 

 


Screenpad: Das Ur-Tablet aus der Schweiz

 

Das Tablet aus dem Jahr 2000: das Screenpad. Damals war es nicht sehr erfolgreich, aber für seine Zeit innovativ. In unserem Storys-Artikel erfahren Sie, was es mit dem Screenpad auf sich hat.

 

 

 

Swisscom TV

 

Swisscom TV ist ein Schweizer Produkt. Zwar basierte es anfänglich auf einer Microsoft-Software, mittlerweile ist es aber eine Eigenlösung. Es war aber als Produkt seiner Zeit schon voraus, als es im Herbst 2006 lanciert wurde. Die Set-Top-Box hatte bereits eine eingebaute Festplatte, auf der bis 200 Stunden Aufnahmen lokal gespeichert werden konnten. «Live-Pause» war möglich und ab 2012 auch Replay (man konnte Sendungen im Nachhinein ansehen). Aber auch punkto Energiebilanz und Bedienbarkeit hatte Swisscom TV die Nase vorn, das Design wurde mehrfach ausgezeichnet. Seit 2016 gibt’s sogar eine Sprachsteuerung via Dialekt – ja, Swisscom TV versteht jetzt auch «Wallisertiitsch».

 

 

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War seiner Zeit voraus, als es im Herbst 2006 lanciert wurde: Swisscom TV.

 

 

Betty TV

 

Betty TV war eine Fernbedienung. Und mit dieser Fernbedienung wollte man – zumindest in der Schweiz und in Deutschland – das Fernsehen ein bisschen neu erfinden. Die Zuschauer sollten an Gewinnspielen, Abstimmungen oder Umfragen teilnehmen. Mit diesem Gerätchen konnte sich der TV-Zuschauer in das Geschehen auf dem Bildschirm einbringen. Doch die Lust am interaktiven Fernsehen hielt sich 2004 noch in Grenzen. Von den 300 000 produzierten Fernbedienungen fand nur ein Bruchteil den Weg zu den Kunden. Swisscom hatte mit viel mehr gerechnet.

 

 

«Beck & Bondi»

 

Man hatte dieser Kampagne den grossen Reinfall prophezeit. Swisscom – und ihre damalige Leitwerbeagentur Contexta – versuchten es dann aber doch. Die «Beck & Bondi»-Spots, die von 2004 bis 2006 liefen, wurden zum Hit. In manchen Kreisen schon fast Kult. So, dass das Publikum sehnsüchtig auf jede neue Folge wartete. Die familiären Fixnetgeschichten hatten vor allem dies: Witz und Schwung. Die in den Alltag zweier Mittelschichtfamilien hineingedichteten Dokusoap-Geschichten sahnten dann auch bei so manchen Werbeauszeichnungen ab.

 

 

NATEL easy

 

Genau genommen stammt die Innovation Prepaid noch aus Telecom-PTT-Zeiten. Als «bahnbrechende Schweizer Entwicklung» und als «Quantensprung» bezeichnete die Telecom-PTT-Generaldirektion das neue Konzept, das im Herbst 1995 vorgestellt wurde. Erfunden hatte NATEL® easy der Mobilfunkpionier Walter Heutschi. Revolutionär daran war natürlich, dass man die Karte beliebig wieder aufladen konnte, ohne ein Abonnement zu haben. Zum eigentlichen Verkaufshit mauserte sich Prepaid aber erst unter der Obhut von Swisscom. Und die Innovation liess sich auch prächtig an andere Telcos verkaufen, die ihren Kunden ebenfalls eine Prepaid-Lösung anbieten wollten.

 

 

 

Rückblick 20 Jahre Swisscom

Das alles hat Swisscom seit 1997 bewegt. 20 Jahre in unserer grossen multimedialen Rückschau.

 

 

 

 

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