3D-Druck in der Schule

3D-Drucker verändern die Zukunft der Kinder

Kinder sollen an der Schule den Umgang mit 3D-Druck lernen. Erste Industriebetriebe stellen bereits die Produktion auf ein Robotik-System um, das dem 3D-Druck sehr ähnlich ist. Um Fachkräftemangel zu vorzubeugen, handelt die Schule im bernischen Riggisberg bereits.

Roger Baur (Text), 20. November 2017

«Man könnte fast meinen, ich sei nur zur Bespassung hier», lacht Giorgio Macaluso, als er vor der Schule Riggisberg (BE) den über 20 Kilo schweren 3D-Drucker aus seinem Auto wuchtet. «Aber», sagt er, «die Sache ist die: Es soll Spass machen, hat aber auch einen ganz ernsten Hintergrund. Es geht hier um nicht weniger als die Zukunft dieser Kinder.» Und während er sich auf dem Weg zum Schulzimmer macht, vergleicht er die heutige Zeit mit dem Ende der 80er. «Auch da wusste man: Wer jetzt den richtigen Berufsweg einschlägt, kann viel erreichen. Wenn sich zu dieser Zeit ein Schüler für Softwareprogrammierung entschied, hat er rückblickend gesehen eine gute Wahl getroffen.»

 


Fit für die digitale Zukunft


Giorgio Macaluso, gehört seit vielen Jahren zu den über 15 Lehrpersonen, die im Auftrag der Swisscom in der ganzen Schweiz unterwegs sind, um mit Medienkursen nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern auch Lehrer und Eltern fit für digitale Technologien zu machen. Anfangs gings ums Internet und seine vielen Funktionen, dann rückte ein verantwortungsvoller und sicherer Umgang damit ins Zentrum. Nun wird zusätzlich auch noch ein Kursmodul für 3D-Druck und Robotik angeboten.

 

 

brightcoveVideo_skipAdTitle
brightcoveVideo_skipAdCountdown
brightcoveVideo_skipAdRest
brightcoveVideo_skipAdForReal

Video: Melanie Racine, Tobias Frehner.

 

 

3D-Druck ist ein Thema, das dereinst Teil des offiziellen Lehrplanes werden soll. Die Vorbereitungen an den Fachhochschulen zur Weiterbildung der Lehrer laufen schon – bis die Schüler davon profitieren können, dürften aber noch Jahre vergehen. In der Zwischenzeit springt Swisscom im Rahmen ihres Medienkompetenz-Angebotes ein. «Denn, ihr müsst euch fragen: Wie wird mein Traumberuf in 20 Jahren aussehen?» sagt Giorgio Macaluso im Schulzimmer den 9. Klässlern. Spätestens dann ist klar, dass der 3D-Drucker alles andere als ein Spielzeug ist. Neue Fabrikationsbetriebe arbeiten nämlich bereits genau nach diesem Prinzip. Statt Fliessbandproduktion fertigen heute 3D-Drucker-ähnliche Roboter die Produkte. Ganze Häuser können heute gedruckt werden. Solche Betriebe benötigen viel weniger ungelernte Fabrikarbeiter – dafür aber viele ausgebildete Spezialisten.

 


Wirtschaftswunder oder Fabrikensterben?


Kein Wunder, dass darum erste Firmen vor Jahrzehnten ins Ausland ausgelagerte Produktionen zurück in die Schweiz holen. Ovomaltine und Ypsomed gehören zu den Vorreitern. Statt in Belgien beziehungsweise Mexiko laufen nun Brotaufstrich und Insulinpumpen wieder in Neuenegg beziehungsweise Burgdorf vom Stapel.


Nur: Die für die Produktion dringend benötigen Fachkräfte fehlen – das bedroht die Ansiedlung neuer Firmen. «Es ist ganz simpel», erklärt Giorgio Macaluso. «Roboterisierte Betriebe werden dorthin gehen, wo die Fachkräfte sind. Wenn die Schweiz schnell genug Fachkräfte bereitstellen kann, könnte das ein kleines Wirtschaftswunder auslösen. Wenn nicht, könnte es dazu führen, dass wir die letzten Schweizer Fabriken auch noch verlieren.» Sagts, und wendet sich wieder der Klasse zu. «Iz Ärmu ufe u schaffe», sagt er. Und meint es im doppelten Sinn. Denn es gibt noch viel zu tun bis zur Digitalisierung.

 

 


90'000 Schweizer Firmen leiden unter Fachkräftemangel

 

Wie gross das Ausmass des Fachkräftemangels wirklich ist, ist aktuell schwer zu beziffern. Unterschiedliche Studien kommen zu unterschiedlichen Schlüssen. Eine aktuelle Erhebung der Credit-Suisse etwa sagt, dass insbesondere KMU leiden: 90'000 Schweizer Firmen seien von Fachkräftemangel betroffen. Denn IT-Fachkraft ist nicht immer gleich IT-Fachkraft; spezifische Kenntnisse sind gesucht und die Bandbreite an Aus- und Weiterbildungen ist gross. Doch in einem sind sich alle Studien einig: Schafft es die Schweiz, neue Fachkräfte bereitzustellen, wird das nicht nur derzeit unbesetzte Stellen helfen – es wird auch neue Firmen wieder in die Schweiz ziehen und entstehen lassen.

 

 

 

Diskutieren Sie mit

 

 

Nutzungsbedingungen

Vielen Dank für Ihren Beitrag. Wir publizieren Leserkommentare von Montag bis Freitag.