Games von anno dazumal

6 Gründe, warum Retrogames so beliebt sind

Nintendo plant für November mit dem Classic Mini NES eine Neuauflage des Konsolenklassikers. Nicht nur dieses Beispiel zeigt: Die Videospiele von damals liegen im Trend. Doch warum bekommen wir bei alten Geräten und Games mit Pixel-Grafik leuchtende Augen? Ein Erklärungsversuch.

Anatol Heib (Text), 9. September 2016

Nintendos Classic Mini NES neu Aufgelegt im Jahr 2016. Video: Youtube/Nintendo

 

 

1. Konservierte Erinnerungen

 

Retrogames aus den 80er- und 90er-Jahren sind wohlige Nostalgie und wecken konservierte Erinnerungen. Mit den Games und Konsolen von damals holen wir uns Kindheitserinnerungen aus einer besonderen Zeit zurück: Die Games für Heimcomputer und Konsolen komplettierten damals neben «Knight Rider» und Digitaluhren das Gefühl, in der Zukunft zu leben. Science-Fiction fand im Kinderzimmer statt. Kommt hinzu, dass sich jede Generation mit den Geräten identifiziert, mit denen sie aufgewachsen ist.

 

Jedes Game war pures Abenteuer – und manchmal auch ein richtiger Kraftakt, wenn man im Leichtathletikspiel «Decathlon» den 2000-Meter-Lauf in Echtzeit durchlebte. Da ging manch ein Joystick kaputt. Oder man schaffte alle Levels von «Super Mario» perfekt, meisterte die Räume mit den fiesen Fallen im C64-Game «Bruce Lee» oder überlebte wieder mal eine brenzlige Szene in einem Sierra-Adventure wie «Space Quest» oder «Police Quest». Es sind Erinnerungen dieser Art, die uns schmunzeln lassen, Emotionen wecken und eben auch wieder die Sehnsucht nach diesen Games wecken.

 

 

 

«Decathlon», der ultimative Zehnkampf, der den Gamern einiges abverlangte. Video: Youtube/Commodore C64 Ring

 

 

2. Blütezeit der Spielideen

 

Die Leistung der damaligen Computer und Konsolen ist aus heutiger Sicht lächerlich. Und trotzdem wurden am Fliessband geniale Spielideen geboren, viele Konzepte sah man zum ersten Mal. Mit viel Fantasie und Kreativität lockten uns Programmierer in neue Welten – ohne Full-HD-Grafik und 3-D-Welten bieten die alten Games Spass in Dungeons, im Weltraum oder beim Städtebau in «Sim City». Und wenn man es schafft, mit ein paar Punkten unverwechselbare Figuren wie Mario mit Schnauzbart zu erschaffen, dann ist das eine Leistung.  

 

Fernab aller nostalgischen Gefühle bleiben einige der Titel spielerisch bis in die Gegenwart genial und holen sogar die heutige Full-HD-Generation ab. Die Pixel sind heute aktueller denn je: Viele Game-Entwickler greifen in ihren neuen Games den Pixel-Look wieder auf. Prominentestes Beispiel ist «Minecraft» mit seinen Klötzchenwelten. Auch viele Smartphone-Games wie zum Beispiel «Canabalt», «Magic Mansion» oder «Limbo» nutzen die Retro-Optik als Stilmittel.

 

 

 

3. Pixel bauen Brücken

 

 

Eine frühe, sehr pixelige Version von «Super Mario». Video: Youtube/Mingos Commodorepage

 


Ob an Retrogaming-Börsen, in der Runde mit Freunden oder Arbeitskollegen, die sich bei Meldungen wie dem Remake von Nintendo plötzlich als Gamer von damals outen: Die alten Games sind ein Gesprächsthema (ob sie für den Smalltalk taugen, sei dahingestellt). Jeder, der in dieser Zeit aufgewachsen ist, kam irgendwie in Berührung mit Games wie «Super Mario» oder «Summer Games» und hat eine Geschichte parat – und flugs steckt man in einem «Weisst du noch»-Gespräch.

 

 

4. Einschalten und los geht's

 

Oldie-Konsolen sind Playstation 4 und Co. technisch hoffnungslos unterlegen, aber in einem Punkt sind sie klar im Vorteil: Es gibt keine zeitfressenden System-Updates, die einen beim Einschalten begrüssen und vorerst am Spiel hindern. Retrokonsolen stammen hingegen aus der Offline-Ära und funktionieren ganz einfach: Game-Modul oder CD einlegen, Konsole einschalten – und los geht's.

 

 

5. Retrogames machen fit: Das Navy-Seal-Training unter den Games

 

 

Pausenlos in Bewegung: «Wonder Boy Ghost'n Gobblins». Video: Youtube/SaikyoMog

 

 

Wer die wirkliche Herausforderung sucht, spielt Retro: Häufig kein Speichersystem, manchmal sogar keine Pause-Taste und vor allem schwere Levels. «Wonder Boy Ghost'n Gobblins», «Mario» und viele mehr forderten alles von uns. Hinzu kommen die unzähligen Olympia-Games wie «Summer Games», «Winter Games» oder «Decathlon», die einem auch physisch alles abverlangten. Wer ein Game knackte, konnte ruhig ein bisschen stolz sein – und blöffen.

 

 

6. Der klassische Retro-Charme

 

Zu den anfangs erwähnten Nostalgiegefühlen gesellt sich der Pixel-Charme, den ein «Pac-Man» oder «Mario» in seinen bunten 2-D-Landschaften und den Ohrwurm-Melodien versprüht. Ein Geräusch aus dem Jump’n Run hört man aus allen anderen heraus. Kein Wunder, bieten Shops Lampen oder Möbel im «Tetris»-Look, Gameboy-Brotdosen, Handyhüllen im Stile eines NES-Joypads und vieles mehr an.

 

Der Videospiel-Zauberer

Der Autodidakt-Programmierer Yves Schmid Dornbierer entwickelt fantastische Games. Swisscom Storys hat ihn in seinem kleinen Reich in Genf besucht.

 

Medienkompetenz

Wann ist Gamen harmloses Spielen, wann wird es zur Sucht? Der Swisscom-Medienkompetenz-Experte Michael In Albon zeigt in seiner Kolumne auf, wie Jugendliche in der realen und in der virtuellen Welt leben.

 

Gamen auf Rezept

Die Medizin nutzt immer öfter Computerspiele als therapeutisches Instrument. Lesen Sie auf Swisscom Storys, wie Games für die Gesundheit von Körper und Seele eingesetzt werden.  

 

 

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