Wetterradar

Das Wetter auf dem Schirm

Kommt der Regen oder kommt er nicht? Was früher der skeptische Blick in den Himmel war, ist heute der coole Klick auf den Regenradar. Wie MeteoSchweiz die Prognosen so verblüffend präzise macht.

Simon Fallegger, 27. August 2015

Das Jahr 2015 hat wieder einmal gezeigt, mit welcher Wucht sich Naturgewalten entladen können. So im Juni: An zwei Sonntagen brachten heftige Gewitterzellen Sturmböen, Platzregen und Hagelbomben. Wer zu Hause das Ganze auf dem Wetterradar verfolgte, sah zwei Gewitterzellen, die sich in der Innerschweiz schnell aufeinander zubewegten. Über Luzern stiessen sie zusammen. Der Regen setzte ganze Teile der Stadt unter Wasser.

 

 

Schwarze Flecken wegen Alpen

 

Die Gewitter aufgezeichnet und für alle sichtbar gemacht hat MeteoSchweiz. Die Organisation betreibt im Auftrag des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie vier Radarstationen in der Schweiz, eine fünfte wird Ende 2016 fertiggestellt sein (siehe Karte unten). Die Stationen zeichnen Niederschläge in Form von Wasser, Schnee und Eis auf – in einem Radius von jeweils 250 Kilometern. «Im Prinzip würde die Radarstation 'Albis' reichen, um das Territorium der kleinen Schweiz abzudecken», sagt Daniel Murer von MeteoSchweiz.

 

 

 

Radarstation Albis, 925 m, 4. Generation, modernisiert im Jahr 2012

 

 

Wieso dann fünf Stationen? Die alpine Topografie versperrt den Radarstrahlen den Weg. Ohne die Stationen auf den Jurahöhen bei Genf und dem Monte Lema im Tessin wären das Wallis und die Südschweiz wetterradarmässig zwei schwarze Flecken. Die Station La Dôle bei Genf «zündet» deshalb extra seitlich ins Wallis hinein, die Station auf dem Plaine-Morte-Gletscher schliesst die restlichen Lücken. Zu sehen sind die Radarbilder auf Websites oder in Apps von verschiedenen Wetterdiensten.

 

 

1/5 Gewitterwarnung? Badespass! Auf Stufe 1 der Wetterskala von MeteoSchweiz gibt es nichts weiter zu beachten, als im Sommer die Badehose einzupacken. Und im Winter die Kappe.

2/5 Stufe 2 oder mässige Gefahr: Es blitzt und donnert, aber alles, wie es für die Jahreszeit üblich ist. Weil gesunder Menschenverstand ausreicht, gibt es auch keine speziellen Warnungen.

3/5 Der Wind erreicht die Stärke eines Orkans. Die Stufe 3 sagt eine erhebliche Gefahr voraus, deshalb bringt man sich jetzt besser in Sicherheit.

4/5 Höher als Stufe 4 – «Grosse Gefahr» – wurde in der Schweiz noch kein Wetter eingestuft. Die Hagelkörner sind grösser als Pingpongbälle.

5/5 Schaurig-schönes Bild – aber nur zum Anschauen. Zum Glück musste MeteoSchweiz noch nie eine Gewitterwarnung der Stufe 5 aufschalten.

1/5 Gewitterwarnung? Badespass! Auf Stufe 1 der Wetterskala von MeteoSchweiz gibt es nichts weiter zu beachten, als im Sommer die Badehose einzupacken. Und im Winter die Kappe.

 

 

Atmosphäre in Scheiben

 

Die fünf Stationen senden die Radarstrahlen in langsamen Umdrehungen und hohen Frequenzen aus. So erfassen sie Daten in drei Dimensionen und in hoher Auflösung. Ähnlich wie ein Computertomograf, der einzelne Bilder und Schichten zu einem Gesamtbild zusammenfügt. Der Radar strahlt zu Beginn horizontal – und verändert dann stetig den Winkel nach oben: Er schraubt sich langsam hoch, bis er auf 18 Kilometern stoppt: Die Atmosphäre endet auf dieser Höhe. Ein Vorgang mit 20 Umdrehungen dauert jeweils fünf Minuten, danach beginnt der nächste Scan. Dies ist der Grund, weshalb sich in den einschlägigen Wetter-Apps das Radarbild alle fünf Minuten aktualisiert.

 

 

Fünf braucht das Land: das Radarmessnetz von MeteoSchweiz.

 

 

Sommerphänomen – Regen ohne Tropfen

 

Die Messung bis in diese Höhe führt manchmal zu einem kuriosen Phänomen: Der Radar meldet Regen – der kommt am Boden aber nie an. Das Wasser ist auf dem langen Weg nach unten bereits verdampft. Diese Situation entsteht typischerweise im Sommer und führt gelegentlich zu irritierten Anrufen bei MeteoSchweiz.

 

 

Je lauter das Signal, desto heftiger der Regen

 

Das Wetterradarbild entsteht, weil der Niederschlag die ausgesendeten Strahlen zurückwirft. Aus der Stärke des reflektierten Signals lassen sich Rückschlüsse auf die Intensität und die Art des Niederschlags ziehen. Also ob es sich um Regen, Schnee oder Hagel handelt – und in welchen Mengen. Das Signal wird übrigens in Dezibel gemessen.
Je «lauter» also das Signal, desto heftiger der Niederschlag. Aus der Laufzeit und der Richtung des reflektierten Signals lässt sich der gemessene Niederschlag lokalisieren.

 

Doch wie weiss das System, ob die Wolke Regen oder Hagel entlädt? Für Hagel zum Beispiel ist einerseits die Stärke des Signals massgebend. Andererseits kann über die Höhendifferenz zur Nullgradgrenze eine Abschätzung der Hagelgrösse gemacht werden. Die Intensität von Regen, Hagel und auch Wind entscheidet darüber, ob MeteoSchweiz gar eine Gewitterwarnung herausgibt.

 

Ist nur eines der Kriterien (Wind, Regen, Hagel) in den Gefahrenstufen 3 und 4 erfüllt, warnt MeteoSchweiz vor Gewittern. Die Warnung erfolgt via E-Mail oder Fax an die zuständige Kantonspolizei.

 

 

So warnt uns MeteoSchweiz vor Blitz und Donner

 

Zum Unwetter sind es bloss fünf Schritte. Den letzten geht MeteoSchweiz aber nur im Ausnahmefall.

 

Stufe 1: Keine oder geringe Gefahr

Es ist halt Wetter. Alles im normalen Rahmen, je nach Jahreszeit.

 

Stufe 2: Mässige Gefahr

Die angekündigten Gewitter sind üblich für diese Jahreszeit. Gesunder Menschenverstand ist gefragt. Darum gibt MeteoSchweiz keine speziellen Warnungen heraus.

 

Stufe 3: Erhebliche Gefahr

Der gesunde Menschenverstand sagt: Bring dich in Sicherheit, es gibt heftige Gewitter.

  • – Der Wind ist orkanartig zwischen 90 und 120 Kilometern pro Stunde.
  • – Es regnet stark: 30 bis 50 Millimeter pro Stunde.
  • – Die Hagelkörner können die Grösse von Pingpongbällen erreichen.

 

Stufe 4: Grosse Gefahr

Sofern du bei diesem Blitz und Donner noch denken kannst: Nimm das heftige Gewitter von Stufe 3 und mach es richtig, richtig heftig.

  • – Die Windgeschwindigkeiten sind über 120 Kilometer pro Stunde
  • – Es regnet wie in Thailand zur Regenzeit: über 50 Millimeter pro Stunde
  • – Die Hagelkörner sind grösser als Pingpongbälle.

 

Stufe 5: Sehr grosse Gefahr

Diese Stufe hebt sich MeteoSchweiz noch immer auf. Darum gibt sie bisher nur Gewitterwarnungen auf Stufe 3 und 4 heraus. Trotz modernster Hilfsmittel und Methoden ist es zum heutigen Zeitpunkt nicht möglich, heftige Gewitter zeitgenau und präzise in ihrer Stärke für einen Ort vorherzusagen.

 

Blick hinter Kulissen

Im Oktober 2015 hat MeteoSchweiz die Gelegenheit geboten, einen Blick hinter die Kulissen des Zentrums Locarno-Monti zu werfen. Die Geschichte der Wetterstation lesen Sie hier.

 

 

Die Wetter-App

Mit der prämierten Wetter-App von MeteoSchweiz ist man immer gut informiert. Für alle Geräte, inklusive Möglichkeit für gepushte Unwetterwarnungen.

Zum Download

 

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