Schweizer Fotografie 2016

Analog lebt!

Ein Besuch an der Photo 16 in Zürich hat gezeigt: Die analoge Fotografie ist auch im Zeitalter der Digitalisierung noch sehr präsent. Fotografinnen und Fotografen erzählen, was sie an der Analog-Technik mögen.

David Sarasin (Text), Markus Lamprecht (Fotos), 13. Januar 2016

Von einer Bilderflut zu reden, ist untertrieben. Ein Bilder-Tsunami kommt dem, was seit Einführung der digitalen Fotografie durchs Internet rollt, schon näher. 4000 Fotos pro Sekunde werden alleine bei Facebook hochgeladen, rund 300 Millionen sind es pro Tag. Man kann davon ausgehen, dass 10 Prozent aller Fotos weltweit in den letzten zwölf Monaten aufgenommen worden sind. Alle zwei Minuten werden heute so viele Bilder geschossen, wie die gesamte Menschheit in den ersten 70 Jahren hingekriegt hat. Dank der technologischen Entwicklung ist die Tendenz steigend.

Pro Sekunde werden alleine bei Facebook 4000 Fotos hochgeladen.

Hinzu kommt: Dank unzähligen Filterfunktionen – schon bei den preiswertesten Smartphones und Bildbearbeitungsprogrammen für jedermann – war es noch nie so leicht, gelungene digitale Fotos zu schiessen. Dass die meisten der 15 Milliarden Bilder zum Beispiel bei Instagram im besten Fall ein paar Likes einheimsen, bevor sie für immer in den Weiten des Netzes verschwinden, ist dabei noch gar nicht erwähnt.

 

 

1/7 Adrian Ehrat, Fotograf und Kurator der Photo 16: «Die Haptik und das Korn bleibt bei der analogen Fotografie unübertroffen.»

2/7 Nicole Bachmann stellt an der Photo 16 aus. Sie sagt: «Ich mag gerade das Ungenaue und Unberechenbare an der analogen Fotografie.»

3/7 Christian Neuenschwander: «Ich brauche beim Fotografieren das Gefühl, dass etwas Physisches entsteht.»

4/7 Michele Limina, Pressefotograf: «Die Geschwindigkeit der digitalen Fotografie überwiegt.»

5/7 Andrea Monica Hug hat zwar noch nie analog Fotografiert, für ihre Bilder wählt sie aber den «analogen Look».

6/7 Die besondere Ästhetik des Analogen. Foto: Christian Neuenschwander.

7/7 Unverkennbare Körnigkeit: So physisch die Bildsprache ist, so physisch ist auch die entstandene analoge Fotografie. Foto: Christian Neuenschwander.

1/7 Adrian Ehrat, Fotograf und Kurator der Photo 16: «Die Haptik und das Korn bleibt bei der analogen Fotografie unübertroffen.»

 

 

Analog-Fotografie bleibt präsent

 

Natürlich gibt es Gegentrends zur Bilderflut. Der Naturfotograf Jim Brandenburg zum Beispiel schiesst pro Monat genau ein Bild. Auch ein Rundgang an der grossen Zürcher Fotoausstellung Photo 16 – sie hat mit ihrer schieren Fülle an Bildern selber etwas flutartiges –, zeigte, dass längst nicht alle Fotografen auf digitale Fotografie setzen. Mehr noch: Die analoge Fotografie war in der Maag-Halle, wo die Ausstellung Anfang Januar stattgefunden hat, auch im Zeitalter der Digitalisierung noch überraschend präsent.

«Ich mag das Ungenaue und Unberechenbare an der analogen Fotografie.»

Nicole Bachmann, Fotografin

Adrian Ehrat, der Kurator der Fotoschau zum Beispiel, setzt auf Einfachheit. Für seine Bilder benutzt der Fotograf bevorzugt alte Polaroid-Kameras. «Die Haptik und das Korn bleibt bei der analogen Fotografie unübertroffen», sagt er. Ähnlicher Meinung ist auch Nicole Bachmann, die ihre mit analoger Kamera geschossenen Bilder an der Photo 16 ausstellt. «Ich mag gerade das Ungenaue und Unberechenbare an der analogen Fotografie», sagt sie. Und fügt relativierend an: «Auftragsarbeiten mache ich ausschliesslich digital.»

 

 

Der «warme, analoge Look» der Analog-Fotografie

 

Der Fotograf Christian Neuenschwander glaubt zwar nicht, dass mit alter Technik angefertigte Bilder qualitativ besser seien. Trotzdem fotografiert er ausschliesslich mit Film. «Ich brauche beim Fotografieren das Gefühl, dass etwas Physisches entsteht», sagt er.

Pragmatischer sieht es der Pressefotograf Michele Limina. Für den ehemaligen Keystone-Fotografen überwiegen, wie wohl für die meisten seines Berufsstandes, die Vorteile der digitalen Fotografie – nämlich die Geschwindigkeit und die Möglichkeit, am Ende eines Shootings aus einer ganzen Reihe von Bildern aussuchen zu können. Doch selbst er kommt nicht ganz vom Analogen weg: «Manchmal beschränke ich mich selber und schiesse, wie früher, nur eine vorher festgelegte Anzahl Bilder.»

Richtiggehend kompliziert wird es im Fall der 25-jährigen Fotografin Andrea Monica Hug, die ihre leuchtenden Modefotografien ebenfalls an der Photo 16 zeigt. Sie habe zwar noch nie in ihrem Leben analog fotografiert, sagt sie. Trotzdem versuche sie, in ihren Bildern den «warmen analogen Look» hinzukriegen.

Zusammenfassend gibt es nach dem Besuch der Photo 16 festzuhalten: Analoge Fotografie, und sei’s nur der Look, ist auch im Zeitalter der Bilderflut noch äusserst präsent.

 

 

Die Ausstellung Photo findet jedes Jahr in der Maag-Halle in Zürich statt. Bild: Photo 15.

 

Photo 16

Mehr zur Fotoausstellung Photo 16 finden Sie auf

photo-schweiz.ch

 

 

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