Freemium Games

Gratis ist nicht kostenlos

Freemium Games oder Free 2 Play locken mit Gratisangeboten, aber erst Zusatzkäufe machen das Spiel spannend, und das kann ganz schön kosten.

Marc Bodmer (Text), 24. August 2017

Das Genörgel kennen Eltern bestens: «Papi, kannst du mir bitte dieses Spiel herunterladen?», fragt Joel (9) seinen Vater. – «Nein», kommt die prompte Antwort. – «Ou, bitteee, es ist total cool.» – «Mag sein, aber ich habe keine Lust, für irgendeinen Mist zu zahlen, den du zweimal spielst und der womöglich noch Probleme auf dem PC macht.» – «Es ist aber gratis, und alle spielen es», insistiert Joel und erreicht schliesslich das erhoffte «Also gut ...». 

 

Von gut kann in diversen Fällen von so genannten «Free to Play»-Games (F2P) nicht die Rede sein. Denn bekanntlich ist nichts im Leben kostenlos, und das gilt auch für Computerspiele. Im Zeitalter von «Geiz ist geil» hat sich online eine Gratismentalität unter den Konsumenten durchgesetzt, aber von etwas müssen die Programmierer der Games leben. Gewissermassen in einem Akt der Verzweiflung haben sie zu folgendem Geschäftsmodell gegriffen: Bei Freemium-Games oder Free 2 Play, unter Kritikern auch Pay 2 Win – zahle, um zu gewinnen – genannt, ist das Grundspiel tatsächlich kostenlos. Das Geld wird mit Werbung oder späteren In-App-Käufen verdient. Das sind Zusatzleistungen, die im Spiel erworben werden und es erst richtig attraktiv machen.

 

 

Zahlen, um zu gewinnen – etwa bei den Freemium-Games League of Legends, Dungeon Fighter Online und DOTA 2.

 

 

Der schnelle Griff zum Portemonnaie

 

Grundsätzlich lassen sich F2P-Spiele ohne einen Rappen spielen, aber das bedarf Geduld. Und: Zeit ist Geld – im wahrsten Sinne des Wortes. Mit der Ungeduld der Spielenden lässt sich in manchen Fällen bestens verdienen. Das auf Handy, Tablet-PC und PC spielbare Kartenspiel «Hearthstone» beispielsweise brachte dem Hersteller Blizzard im vergangenen Jahr 395 Mio. Dollar ein. Grund dafür ist, dass der Einstieg in die Games leicht gemacht wird. Man feiert erste Erfolge, macht Fortschritte, doch dann zieht die Anforderungskurve an. Verbesserungen verlangen nach immer mehr Punkten. Um diese zu erlangen, muss man mehr Zeit im Spiel verbringen und «farmen», sprich: sich zäh die Punkte ergattern. Oder: Man greift zum Portemonnaie und kauft das begehrte Upgrade. Dort ein Franken, da mal fünf, und schon gehtʼs vorwärts.

 

Interessant ist, dass unter vielen Schweizer Kindern und Jugendlichen eine Art Ehrenkodex vorherrscht, der besagt: Für ein Gratisgame zahlen wir nichts. Es geht sogar so weit, dass Kids, die einmal ein paar Franken in die Hand nehmen, um zum Beispiel einen Rückstand aufzuholen, als Bescheisser beschimpft werden, obschon sie nichts Unredliches gemacht haben.

 

Aber besonders kleineren Kindern, die ohnehin nicht unbeaufsichtigt am PC oder Tablet-PC fuhrwerken sollten, fehlt ein echter Bezug zu Geld. Wenn Eltern keinen Passwortschutz für In-App-Käufe gesetzt haben, sondern Käufe direkt auf die Kreditkarte oder auf die Telefonrechnung abgebucht werden, kann es teuer werden. Wählt der Sohnemann seine Upgrades ungehindert aus oder dockt das Töchterchen ein Nagelstudio an seinen virtuellen Coiffeursalon an, kommen schnell mehrere hundert Franken zusammen. Also: Auch wenn es mühsam erscheint, legen Sie ein sauber aufgebautes Passwort fest, das jedes Mal abgefragt wird, wenn ein Kauf online getätigt wird. Es lohnt sich.

 

 


Das sind die beliebtesten Freemium-Games:

 

1. League of Legends

2. Crossfire

3. Fantasy Westard Journey Online 2

4. Dungeon Fighter Online

5. DOTA 2

 

Quelle: Superdata / Stand: Juni 2017

 

 

 

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