Digitale Geräte der ersten Stunde

Gadget-Nostalgie

Smartphone, intelligente Wearables und VR-Games. Ein Alltag ohne digitale Geräte ist kaum mehr vorstellbar. Doch wie fing eigentlich alles an? An welche digitalen Geräte der ersten Stunde erinnern Sie sich noch?

Dr. Jörg Rothweiler (Text), 12. September 2016

«Pokémon Go» ist in aller Munde. Die virtuelle Monsterjagd hat Nintendo an der Börse bereits derart beflügelt, dass das Unternehmen Mitte Juli 2016 erstmals in seiner Geschichte wertvoller war als der japanische Tech-Konzern Sony. Dabei ist Pokémon eigentlich ein alter Hut. Die ersten vermarkteten Spiele kamen am 27. Februar 1996 in Japan auf den Markt – also vor mehr als 20 Jahren!

 

Apple Newton: Digitale Sekretärin


Ebenfalls extrem Teuer, seiner Zeit voraus und nicht wirklich ausgereift war Apples erste digitale Assistentin. Das Apple Newton Message Pad von 1993 vereinte Adressbuch- und Kalenderfunktion zur elektronischen Agenda. Die Handschrifterkennung war allerdings unausgereift und der Preis von 700 Dollar zu hoch. 1999 zeigte der Palm Pilot 1000, wie es besser geht: Mit 128 KB Speicher, tadelloser Handschrifterkennung und voller Kompatibilität – sowohl mit PC als auch mit Mac – war er die ideale Ergänzung zum Computer – und ebnete den Weg zum heutigen Smartphone.

 

 

Lange vor dem iPhone: 1993 brachte Apple den Newton Message Pad.  

 

 

Tamagotchi: Die digitale Nervensäge wird 20


Das von Akita Maita erfundene digitale Haustier ging weltweit mehr als 82 Millionen Mal über den Ladentisch. Zwar haben sich die meisten der digitalen Nervensägen, die regelmässig gehätschelt und gefüttert werden mussten, längst ins digitale Nirwana verabschiedet. Doch wie Pokémon ist das Tamagotchi noch immer up to date: Heute, 20 Jahre später, haust es als App im Smartphone oder in der Apple Watch statt wie einst im Plastik-Ei.

 

 

In den 90er-Jahren wurden Millionen von digitalen Haustieren gehegt und gepflegt. Foto: wikipedia.de/Tomasz Sienicki  

 

 

Diamond Multimedia Rio: Zehn MP3-Songs in der Tasche

 

Nicht viel besser als Aibo klang der erste kommerziell erfolgreiche portable MP3-Player. Der kam – Überraschung – nicht von Apple, sondern von Diamond. Der Multimedia Rio PMP300 aus dem Jahr 1998 lief mit einer AA-Batterie und konnte mit 32 MB gerade mal zehn Songs speichern. Immerhin gab es für 200 Dollar Einstandspreis eine Random-Play-Funktion.

 

 

Sollte den Kassetten-Walkman ablösen: Der erste MP3-Player von Diamond. Foto: museumofintellectualproperty.org 

 

 

Floppy Disc: Zahlreicher als wir selbst


Kaum mehr Speicherplatz als der MP3-Player-Urahn hatte die 1971 von IBM lancierte Floppy-Disc. 80 KB fassten die ersten der 8 Zoll messenden, biegsamen Speicherscheiben. Mit den Jahren wurden die «Floppys» kleiner und leistungsstärker. Die 3,5-Zoll-Disk (ab 1982) fasste bis zu 2,88 MB. Heute, im Zeitalter von USB-Sticks mit 256 GB, mutet das lächerlich an. Doch 1997 waren Floppy-Disks das Mass der Dinge – und mit 5 Milliarden Stück weltweit zahlreicher vertreten als die Menschen auf der Welt.

 

 

Damals Speichergiganten, heute obsolet: Die Floppy-Discs.  

 

 

Hamilton Pulsar: Luxus am Handgelenk


Viel seltener war die präsentierte Hamilton Pulsar P1 (1971). Die erste digitale Armbanduhr hatte ein Goldgehäuse, kostete rund 4000 Dollar und zeigte die Zeit per LED-Display an – sofern zuvor der Knopf gedrückt wurde. Die Edelstahl-Version P2 kostete zwar nur 275 Dollar, doch auch ihre Knopfzelle war jeweils viel zu schnell leer. Dennoch war die P2 ein Status-Symbol. 1973 trug sie sogar Roger Moore – als James Bond in «Leben und Sterben lassen».

 

 

Noch keine Smartwatch: Die erste digitale Armbanduhr Hamilton Pulsar P1. Foto: watches-fs.com

 

 

Das erste zivile GPS-Navi


Apropos 007: Diese Nummer hatte der Flug der Korean Airlines, der 1983 nach einem Navigationsfehler in den sowjetischen Luftraum eindrang und abgeschossen wurde. Nach diesem Desaster öffnete US-Präsident Ronald Reagan die bis dahin dem Militär vorbehaltene GPS-Technologie für zivile Zwecke. Dies bereitete den Weg für das Magellan NAV 1000, das erste Navi-Handheld, das 1989 auf den Markt kam. Doch erst im Jahr 2000 liess Bill Clinton die «selektive Zugänglichkeit» zu den GPS-Daten abschalten – womit sich die Genauigkeit ziviler GPS-Geräte von 300 Meter auf 20 Meter verbesserte.

 

 

1989 war die GPS-Ortung noch absichtilch ungenau: Das erste mobile Navi Magellan NAV 1000. Foto: Mitac Digital Corp.

 

 

Aibo – der Kult-Hund


Nicht mehr erhältlich und daher ein begehrtes Sammlerstück ist Sonys Roboterhund Aibo. Er wurde 1999 als Modell ERS-110 lanciert und konnte sitzen, stehen, laufen, sich überkugeln und er konnte von seiner Umwelt lernen. In der letzten Entwicklungsstufe (bis 2006) konnte Aibo Stimmbefehle erkennen und dank der eingebauten Webcam als Babyfon eingesetzt werden. Auch spielte er MP3-Songs von der PC-Festplatte ab – was allerdings schrecklich klang.

 

 

Aus heutiger Sicht völlig unsmart: Sonys Computerhund Aibo hätte mit aktueller Technologie viel mehr Fähigkeiten.  

 

 

Logitech Fotoman: «Beep» statt Bildschirm


Eine Million Dollar. So viel bezahlte Logitech anno 1991, um Dycams sogenannte Camera 1 als Fotoman FM-1 vermarkten zu dürfen. Als erste Kamera mit digitaler Bildspeicherung ging die FM-1 in den Verkauf. Sie nahm Bilder mit 376 x 284 Pixeln auf, hatte nur einen Bedienknopf und keinen Bildschirm. Man musste wissen, was ihre Beep-Töne bedeuten, um sie bedienen zu können. War der Akku leer, waren auch alle Bilder und sogar die Firmware weg, denn die Kamera hatte keinen permanenten, sondern nur einen 1-MB-Flashspeicher. Ihr Preis: knapp 1000 Dollar.

 

 

Eine der ersten Digitalkameras und Pionierin auf dem Massenmarkt: Logitechs Fotoman. Foto: Logitech

 

 

Epson HX-20: Ein Laptop!


1981 wurde mit dem Epson HX-20 der Urvater aller Laptops kreiert. Der HX-20 verfügte über einen winzigen Bildschirm und einen Dot-Matrix-Printer. Seine wiederaufladbaren Batterien hielten bis zu 50 Stunden durch. Ein Jahr später kam der GRiD Compass 1101 auf den Markt – mit Magnesiumgehäuse und 6-Zoll-Bildschirm. Da er mehr als 8000 Dollar kostete, wurde er zwar von der NASA und dem US-Militär gekauft, nicht aber von Geschäftsleuten.

 

 

Mobiles Arbeiten im Jahr 1981: Der Akku soll bis zu 50 Stunden durchgehalten haben – eine Dauer, die heute kein Notebook mehr erreicht. Foto: Rama, Cc-by-sa-2.0-fr  

 

 

Nintendo Game Boy: Von allen Kids geliebt


Zeitgleich mit dem Magellan revolutionierte Nintendos GameBoy weltweit die Kinderzimmer. Das mit LCD-Bildschirm (vier Grünstufen, 160 x 144 Pixel) und Schnittstelle für Spiele-Kassetten ausgerüstete Gerät blieb über Jahrzehnte die beliebteste portable Videspielkonsole – zumindest bis zur Sony PlayStation Portable. Mehr als 118 Millionen Game Boys wurden verkauft. Drei Gründe waren ausschlaggebend: Das Gadget war klein genug für die Jackentasche, hatte eine lange Batterielaufzeit und hatte geniale Spiele intus – zum Beispiel «Tetris», «Super Mario» und natürlich «Pokémon»!

 

 

Wurde erst von den Smartphones als beliebteste portable Spielkonsole abgelöst: Nintendos Game Boy.  

Retro-Games

6 Gründe, warum alte Computerspiele heute so beliebt sind. Ein Erklärungsversuch von Bluewin.ch-Redaktor Anatol Heib.

 

Im Gadget-Mekka

Der Bericht vom Mobile World Congress in Barcelona, der weltgrössten Mobilfunk-Messe, zeigt die schillernde Welt der Gadgets im Jahr 2016.

 

Velo-Gadgets

Storys stellt die zehn besten Gadgets für Velo vor, die den Drahtesel zum Smartbike machen.

 

 

 

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An welche Gadgets aus früheren Zeiten erinnern Sie sich noch?

 

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