Reden mit Maschinen

Warum wir Sprachassistentinnen meiden

Praktisch jedes Smartphone besitzt eine Sprachassistenz, die auf mündlichen Befehl Aufgaben ausführt oder Fragen beantwortet. Doch wir streichen lieber mit dem Finger über den Touchscreen. 7 Gründe, warum wir kaum mit Siri & Co. sprechen.

Felix Raymann (Text), 19. Mai 2017

«Hey Siri, wie wird das Wetter heute?» Statt eine App zu öffnen und auf dem Smartphone-Display herumzutippen, lassen sich viele Anfragen auch mündlich machen. Das ist zwar ganz praktisch, aber für die meisten Benutzer keine gängige Alternative. Gemäss einer Bitkom-Umfrage in Deutschland können sich nur gerade 39 % der Befragten vorstellen, überhaupt je digitale Sprachassistenten zu nutzen. Autofahrer und Sehbehinderte schätzen die akustische Gerätebedienung, die Mehrheit der Smartphone-Nutzer verzichten aber darauf. Die Gründe:

 


1. Sprachassistentinnen sind peinlich


Wie oft haben Sie schon jemanden im Zug oder im Café mit Siri oder Google Now reden hören? Eben. Zwar haben viele in der Öffentlichkeit überhaupt keine Skrupel, lauthals mit anderen Menschen zu telefonieren, doch scheuen sie sich davor, eine Nachricht zu diktieren oder per Sprache einen Termin in den Kalender einzutragen. Wer mit Maschinen redet, wirkt verschroben.

 

 

Telefonieren in der Öffentlichkeit: ja. Mit Sprachassistenten reden: nein.  

 

 

2. Sprachassistentinnen sind langsam


Siri und Co. erledigen einfache Aufgaben zuverlässig. Doch geht dies per Finger und Touchscreen oft schneller als mittels eines Sprachprogramms.

 


3. Sprachassistentinnen sind unsichtbar


Wir vergessen schlichtweg, dass wir eine Sprachassistentin haben. Insbesondere bei unscheinbaren Geräten wie Google Home oder Amazon Echo, die fast nur aus Lautsprecher und Mikrofon bestehen, fehlen die visuellen Komponenten, die sie uns in Erinnerung rufen. Aus diesem Grund plant Amazon, den neuen Echo-Lautsprecher mit einem 7 Zoll grossen Touchscreen auszustatten – obwohl diesen das Gerät eigentlich gar nicht braucht.

 

 

Sprachsteuerung


Neben den Smartphone- und Computer-Sprachdiensten wie Apples Siri oder Microsofts Cortana lassen sich mit Google Now und Amazon Alexa auch Heimgeräte (Google Home, Amazon Echo) steuern. Die Sprachassistenten (oder besser gesagt Sprachassistentinnen, denn sie alle haben standardmässig weibliche Stimmen) werden immer ausgeklügelter und bekommen mit jeder Generation neue Fähigkeiten, so dass sie das Potenzial haben, grafischen Benutzeroberflächen wie Touchscreens oder Tastaturen künftig zu ersetzen.

 

 

 

4. Wir fühlen uns belauscht


Datenschützer warnen vor Sprachassistenten, und laut der Bitkom-Umfrage sorgen sich rund drei Viertel der Befragten um den Datenschutz bei Sprachassistentinnen. Dies, weil die Mikrofone der Geräte stets aktiv sind, um bei Bedarf per Kennwort wie «Alexa», «Hey Siri» oder «Ok, Google» reagieren zu können. Gemäss Betreiber werden zwar keine Daten an die Server der Unternehmen weitergeleitet, solange der Sprachservice nicht per Kennwort aktiviert wurde. Doch ist das permanente Lauschen vielen Nutzern nicht ganz geheuer, sodass sie die Sprachassistenten deaktivieren.

 

 

5. Sprachassistentinnen sind dumm


Analysen zeigen, dass beispielsweise Siri vorwiegend für ganz einfache Aufgaben benutzt wird. Etwa, um jemanden Anzurufen, eine Nachricht zu verfassen oder den Wecker zu stellen. Echte Konversation können sie kaum führen, ebenso wie schwierige, unangenehme und zeitraubende Aufgaben übernehmen. Dafür können sie sinnentleert plaudern, wie folgendes Video zeigt.

 

 

Die Sprachassistentinnen Amazon Alexy und Google Home führen eine endlose Diskussion. Video: Youtube/Andreas Goeldi

 

 

6. Wir wollen uns (noch) nicht daran gewöhnen


Dass es sich bisher nicht einmal die Digital natives angeeignet haben, mit ihren Geräten regelmässig zu reden, spricht nicht für Sprachassistenzen. Normalerweise ist es bloss eine Generationenfrage, bis neue Technologien von den Jüngsten vorbehaltlos angewendet werden. Zwar probiert Jung und Alt mit Interesse die Sprachassistenten aus, doch zeigte sich, dass nur gerade 3 Prozent der Alexa-Nutzer die Sprachassistenz eine Woche nach der ersten Nutzung noch einmal verwendet haben.

 

 

7. Sprachassistentinnen sind noch nicht ausgereift


Missverständnisse, akustische Unzulänglichkeiten und mangelnde künstliche Intelligenz machen das Sprechen mit Maschinen noch umständlich. Doch das wird sich bessern. Alexa, die Sprachassistentin von Amazon Echo beispielsweise soll schon bald ein Update erhalten, mit dem nicht nur der Inhalt des Gesprochenen analysiert wird, sondern auch die momentane Befindlichkeit der sprechenden Person. So sollen die Geräte unsere Stimme analysieren und so unsere Stimmung erkennen und entsprechend reagieren können. Vielleicht sind die Sprachassistentinnen ja künftig nicht mehr peinlich, dumm und langsam.

 

Sprechen mit dem TV

Die Fernbedienung für Swisscom TV 2.0 lässt sich per Sprache bedienen. Sie versteht neben Deutsch, Französisch und Italienisch auch alle Deutschschweizer Dialekte. So werden Missverständnisse bei der Suche nach Sendungen oder Schauspielern immer seltener.

 

 

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Nutzen Sie Sprachassistenten am Smartphone oder auf anderen Geräten? Wenn ja, für welche Aufgaben?

 

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