Serie: Wer hat's erfunden?

Replay – Kampf für mehr TV-Komfort

Schweizer TV-Konsumenten konnten schon früh zeitversetzt fernsehen. Allerdings gegen den erbitterten Widerstand von TV-Stationen und Filmproduzenten.

Lukas Mettler (Text), 11. Mai 2016

«Centurio, wann legen wir endlich los?» fragt der Soldat seinen Offizier. Hinter ihm wartet eine Hundertschaft Soldaten in der brütenden Hitze vor der feindlichen Festung auf den Angriffsbefehl. «Wenn Nico für uns bereit ist, mein Sohn», antwortet der Anführer lakonisch. Nico kommt nach Hause, zieht seine Jacke aus und gönnt sich noch einen Snack und ein Bad, bevor er auf dem Sofa Platz nimmt und auf den Wiedergabeknopf seiner TV-Fernbedienung drückt. Endlich können die Soldaten in den Kampf stürmen.

 

 

Dank Replay nicht mehr auf Nico warten

 

So inszenierte Swisscom 2014 in einem Werbespot die Möglichkeit, zeitunabhängig fernzusehen. Dadurch können Zuschauer das Programm jederzeit schauen und Werbeunterbrechungen überspringen. Den Ursprung hat die Replay-Funktion in der Digitalisierung des Fernsehens, genau genommen als 2010 erste Web-TV-Dienste in der Schweiz Replay anboten. 2012 folgten herkömmliche Anbieter wie Swisscom und Sunrise.

 

 

TV-Werbespot für Swisscom Replay TV.

 

 

So sehr TV-Zuschauer die Funktion begrüssten und nicht mehr auf sie verzichten wollten, so sehr wehrte sich die Unterhaltungsindustrie gegen deren Verbreitung. 2012 erklärte die Motion Picture Association (MPA) der US-Filmindustrie, die Replay-Funktion verletze das Urheberrecht und forderte deren Verbot – jedoch ohne Erfolg. Die Produzenten und TV-Anbieter einigten sich auf ein maximal um sieben Tage zeitversetztes Fernsehen.

«Die Kutschenbauer hätten sich auch gewünscht, dass man die Eisenbahn verbietet. Aber der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten.»

Ralph Beyeler, Telecom- und TV-Experte bei Comparis.

2013 setzte die SRG nach und forderte ebenfalls ein Verbot von Replay, besorgt um ihre Werbeeinnahmen. Mit ihrer Forderung stiess die SRG jedoch bei Konsumenten, Anbietern und Politikern auf harsche Kritik und blieb erfolglos. «Die Kutschenbauer hätten sich auch gewünscht, dass man die Eisenbahn verbietet. Aber der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten», liess Ralph Beyeler von Comparis damals verlauten.

 

 

Replay-Funktion heute Standard

 

Inzwischen hatten die Schweizer Konsumenten die erweiterten Möglichkeiten liebgewonnen, weitere Attacken von Fernsehstationen wie etwa von ProSiebenSat.1 blieben wirkungslos.


Die Replay-Funktion gewann in der Schweiz die Schlacht um die Gunst der Zuschauer, die dem Centurio heute den Befehl zum Angriff erteilen, wann immer es ihnen passt.

 
BISHERIGE ARTIKEL:
 
Das Ur-Tablet aus der Schweiz

Lange vor dem iPad brachte Swisscom mit dem Screen-Pad ein Tablet auf den Markt – zwar nicht erfolgreich, doch für seine Zeit enorm innovativ.

 

Kupfer auf Speed

Macht Glasfaser Kupfer zu Altmetall? Mitnichten! Mit der Kombination neuer Technologien werden Kupferleitungen so schnell wie nie zuvor.

 

Die Jungfrau brachte 1954 das Wunder

Die PTT Richtstrahlantenne auf dem Ostgrat der Jungfrau sorgte dafür, dass die Fussball-WM zum TV- und Radio-Spektakel wurde.

 

Telefonrundspruch

Jahrzehntelang war die Telefonleitung eine der wichtigsten Verbreitungswege für das Radio – via Telefonrundspruch.

 

 

Diskutieren Sie mit

 

Wie nutzen Sie zeitversetztes Fernsehen?