E-Commerce für Kinder

Taschengeld 2.0

Die Digitalisierung erreicht die Hosentaschen von Kindern und Jugendlichen. Erste Angebote für digitales Taschengeld haben im Ausland zwar einen schweren Stand, doch gibt es dafür durchaus Potenzial – auch in der Schweiz.

Felix Raymann, 26. Januar 2017

Anstatt den Kindern wöchentlich Bargeld in die Hand zu drücken, sollen Eltern das Sackgeld künftig digital überweisen können. Diese neue Möglichkeit reiht sich zwar perfekt in Möglichkeiten wie E-Banking und Online-Shopping ein und passt in eine Zeit, in der das Bezahlen per Smartphone langsam in die Gänge kommt. Doch raubt es den Kindern auch ein Stück Freiheit.

 

Weil sich Eltern und Kinder nicht immer einig sind, wozu das Geld ausgegeben werden darf, behalten die Eltern mit einem Taschengeldkonto stets die Kontrolle darüber, wofür die Kids ihr Geld ausgeben. Im Unterschied zum Bargeld, das die Kinder in jedem Laden ausgeben können, steht beim digitalen Taschengeld nur eine eingeschränkte Anzahl an Online-Shops zur Verfügung. Entsprechende Angebote gibt es bereits in Deutschland, Grossbritannien und in den USA.

Kinder können nur in bestimmten Online-Shops einkaufen, die Eltern können die Einkäufe überwachen.

Bei Okiko können Eltern die Einkäufe ihrer Kinder durch Freigaben kontrollieren.

 

 

Das «Online-Kinderkonto»

 

In Deutschland und Österreich bietet Okiko (Online-Kinderkonto) demnächst eine Plattform an, auf der Kinder ihr Taschengeld verwalten und damit «kindergerechte Produkte» im Internet kaufen können. Ein Kaugummi am Kiosk liegt also nicht mehr drin. Kinder und Jugendliche können nur in dafür vorgesehenen Online-Shops beziehungsweise bei Vertragspartnern einkaufen, und die Eltern können mit dem sogenannten Okiko-Smart-Filter-System die Einkäufe der Kids überwachen.

 

Das Angebot gilt für Kinder von 7 bis 17 Jahre. Okiko will auch in der Schweiz aktiv werden. «Wir haben etliche Anfragen aus der Schweiz erhalten. Schon Ende 2017 könnte auch die Schweiz integriert sein», sagt Michael Nake, Produktmanager bei Okiko.

 

 

Was der Jugendmedienschutz-Beauftragte Michael In Albon zum digitalen Taschengeld sagt:

 

«Es stellt sich die Frage nach dem Mehrwert, Taschengeld zu digitalisieren. Wir wissen alle aus eigener Erfahrung: Bezahlt man regelmässig mit Karte, gibt man mehr aus. Das Übergeben des Taschengeldes am Sonntagabend in Form von Münzen und Noten hat etwas Rituelles. Kinder erkennen Geld so auch als Objekt mit Wert und nicht nur als Zahl auf einem Bildschirm. Freilich mag es für Eltern manchmal praktisch sein, wenn man nicht nach Münzen suchen muss, oder wenn man nicht sicher ist, ob der Ehepartner das Geld vielleicht schon ausbezahlt hat. Aber den Verlust des Rituals und die Konkretisierung von Geld wiegen meiner Meinung nach schwerer.»

 

Michael In Albon ist Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom und Medienkompetenz-Experte. Für Swisscom Storys schreibt er regelmässig Kolumnen

 

Eltern können per Banküberweisung das Konto der Kinder aufladen. Danach können diese selbst Einkäufe tätigen.

Es kann durchaus Vorteile haben, wenn Kinder oder Jugendliche etwas übers Internet bestellen wollen und dazu nicht die Kreditkarte der Eltern verwenden müssen. Mit einem eingeschränkten Taschengeldkonto wie Okiko genügt es, dass die Eltern per Banküberweisung das Konto der Kinder aufladen. Danach können die Kinder selbst Einkäufe tätigen.

 

Wo genau man mit Okiko einkaufen kann, ist noch ungewiss. Das Start-Up-Unternehmen gibt auf seiner Website noch keine konkrete Liste der Online-Shops und Vertragspartner an. In einer Testphase, die im Mai startet, werden die beiden Shops Duo-shop.de und Rakuten.de integriert sein.

 

 

Vor dem Einkauf wird jeder Artikel überprüft und von den Eltern freigegeben.

 

 

Viele Start-ups, mässiger Erfolg

 

Neben Okiko gibt es eine Reihe weiterer Projekte, die das digitale Taschengeld propagieren. Bei Osper, einer britischen FinTech-Lösung für Kinder können die Eltern das Taschengeld direkt auf eine Prepaid-Kreditkarte überweisen, mit der die Kinder ebenfalls nur in bestimmten Shops einkaufen können.

 

Das österreichische Start-up Papayer setzte 2014 ebenfalls auf digitales Taschengeld. Die Kinder bekamen eine eigene Prepaid-Kreditkarte, mit der sie zwar fast überall (online oder offline) einkaufen konnten, doch behielten die Eltern per App jederzeit die Kontrolle. Der Dienst wurde in dieser Form jedoch eingestellt. Auch Paypal machte entsprechende Versuche mit dem PayPal Student Account, der ebenfalls nicht weitergeführt wurde.

 

 

Schlummerndes Potenzial

 

Alternativen zu speziellen Taschengeld-Konten sind beispielsweise Sparkonten für Kinder oder Guthaben für die Online-Stores wie etwa von Apple oder Google, in denen die Jugendlichen mittels Familienfreigabe oder Kindersicherung nur bestimmte Apps, Games, Filme etc. kaufen oder nutzen können.

«Mangels entsprechender Angebote besteht in der Schweiz eine Marktlücke für Plattformen, die eine Möglichkeit für digitales Taschengeld anbieten.»

Sascha Gysel, Leiter Swisscom e-foresight Think Tank

Artikel, die Eltern als ungeeignet einstufen, sind für die Kinder nicht erhältlich.

 

 

Zwar ist bisher noch keines der Taschengeld-2.0-Projekte so richtig durchgestartet, doch sieht Sascha Gysel, Leiter Swisscom e-foresight Think Tank, durchaus Chancen: «In der Schweiz gibt es diesbezüglich noch gar kein Angebot. Wir sehen deshalb für die Zukunft durchaus ein Potenzial für digitales Taschengeld», sagt Gysel.


Abgesehen davon, dass im digitalen Taschengeld für Banken ein grosses, noch kaum bewirtschaftetes Geschäft in Milliardenhöhe schlummert, geht es bei solchen Projekten auch darum, die Kunden möglichst früh an einen Gelddienstleister binden zu können. Spätestens dann, wenn das Bargeld vollständig aus den Läden verschwunden sein sollte, werden wohl auch Kinder und Jugendliche bargeldlos bezahlen.  

 

e-foresight

Der unabhängige Non-profit-Think-Tank der Swisscom forscht und begleitet Banken im Bereich digitales Banking.

 

Sascha Gysel, Verantwortlicher des Think Tank e-foresight, direkt kontaktieren.

 

 

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