Virtual Reality beim Segelfliegen

Im Cockpit mit einer 360-Grad-Kamera

Mit speziellen Apps und dem Smartphone lassen sich zwar 360-Grad-Aufnahmen machen – jedoch mit schlechter Bildqualität. Die neue Samsung Gear 360 soll das ändern. Storys hat die Kamera getestet.

Dominik Galliker (Text, Fotos und Video), 18. August 2016

2016, so liest man oft, ist das Jahr des Virtual Reality. Sicher: Gesprochen wird über VR schon seit Längerem. Aber erst in diesem Jahr hat Virtual Reality einen grossen Schritt Richtung Massentauglichkeit gemacht.

 

Die 360-Grad-Bilder sind auf Social Media angekommen, ständig werden neue Kameras auf den Markt gebracht, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bezeichnet VR als «sozialste Plattform» – und ja, selbst die Pornoindustrie tüftelt am virtuellen Sexerlebnis.

Einschalten, filmen, teilen – das klappt gut, so heisst es.
Bisher ging 360-Grad-Video so: Entweder war die Bildqualität mies oder die Kamera brutal teuer. Samsung hat nun ein Gerät auf den Markt gebracht, das zwar nicht gerade günstig, aber doch erschwinglich ist: die Samsung Gear 360. Je nach Anbieter bezahlt man 350 bis 400 Franken dafür. Und in fast allen Tests kommt die Kamera sehr gut weg. Sie liefere Bilder und Videos in hoher Qualität, sei einfach zu bedienen und viel Software-Tamtam brauche es auch nicht. Einschalten, filmen, teilen – das klappt gut, so heisst es.

 

Swisscom Storys hat die Gear 360 getestet. Virtual Reality wird in den nächsten Jahren besser und günstiger – daran besteht kein Zweifel. Es stellt sich darum die Frage: Hat die Samsung Gear 360 wirklich schon ein Level erreicht, bei dem sich der Kauf für Hobby-Filmer und -Fotografen lohnt?

 

Für den Test montierten wir die Kamera an ein Segelflugzeug. Pilot Christoph Schläppi von der Segelfluggruppe Bern ist sich spektakuläre Bilder aus der Luft gewohnt. In Sachen Virtual Reality ist er jedoch ein Laie. Sein Fazit zur Samsung Gear 360 sehen Sie im folgenden Video. Die Aufnahmen aus der Luft gibt’s weiter unten.

 

 

Die Reportage über die Samsung Gear 360

 

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Die 360-Grad-Kamera von Samsung  im Segelflugzeug-Härtetest.

 

 

Im Test bestätigt sich, dass die Bedienung der Samsung Gear 360 einfach und intuitiv ist. Die Einstellungsmöglichkeiten sind zwar begrenzt, doch ist alles Nötige dabei. Viel schiefgehen kann bei der Anwendung nicht.

 

 

1/7 Die Samsung Gear 360 ist etwa so gross wie ein Tennisball (67 x 56 x 60 mm) und 150 Gramm leicht. Mitgeliefert wird ein kleines Stativ. Die Kamera kann filmen, Fotos und Zeitrafferaufnahmen machen – alles jeweils mit einer oder mit zwei Linsen. Die Kamera ist gegen Staub und Spritzwasser geschützt.

2/7 Die Kamera funktioniert mit zwei Fisheye-Linsen, die jeweils 195 Grad aufnehmen. Für die 360-Grad-Ansicht werden die Bilder zusammengesetzt. Dieses «Stitching» funktioniert in der Regel sehr gut, auch wenn die Übergänge meist zu erkennen sind. Der Abstand zwischen den beiden Linsen kann zu Problemen führen, wenn Objekte sehr nahe vor der Kamera sind.

3/7 Die Auflösung jeder Linse beträgt 15 Megapixel, sodass ein 360-Grad-Foto 30 Megapixel entspricht. Videoaufnahmen sind mit maximal 3840 x 1920 Pixel bei 30 Bildern pro Sekunde möglich.

4/7 Zur Steuerung wird die Gear 360 am besten via WLAN-Direct und Bluetooth mit einem Smartphone verbunden. Dies klappt vorerst nur mit Samsung-Geräten der Generationen S6 und S7. Aufnahmen können direkt auf das Smartphone übertragen werden.

5/7 Auch ohne Smartphone kann man die Kamera verwenden. Die Bedienung ist sehr einfach: Ein kleines Display zeigt Batterie- und Speicherstand sowie den Aufnahmemodus an. Man drückt auf den Aufnahme-Knopf und die Kamera läuft.

6/7 Eingeschaltet wird das Gerät über einen Knopf an der Seite. Dort ist ebenfalls ein Menü-Button angebracht, mit dem man alle nötigen Einstellungen vornehmen kann. Die Kamera speichert die Aufnahmen auf einer Mini-SD-Karte. Der Akku ist auswechselbar, zudem ist ein Micro-USB-Anschluss vorhanden.

7/7 An der Unterseite der Kamera ist ein 1/4-Zoll-Gewinde vorhanden. Damit kann die Gear 360 auf die meisten Foto- und Videostative gesetzt werden.

1/7 Die Samsung Gear 360 ist etwa so gross wie ein Tennisball (67 x 56 x 60 mm) und 150 Gramm leicht. Mitgeliefert wird ein kleines Stativ. Die Kamera kann filmen, Fotos und Zeitrafferaufnahmen machen – alles jeweils mit einer oder mit zwei Linsen. Die Kamera ist gegen Staub und Spritzwasser geschützt.

 

 

Bei wenig Licht beziehungsweise bei Innenaufnahmen taucht bei Filmaufnahmen schnell ein Bildrauschen auf. Im Freien liefert die Samsung Gear 360 aber erstaunlich gute Bilder. Richtig eindrücklich sind diese allerdings erst, wenn man sie mit einer Virtual-Reality-Brille anschaut. Die Samsung Gear 360 liefert dafür – anders als viele der bisherigen Kameras – eine genügend grosse Auflösung. Wichtig ist, dass man die Kamera an einem Ort fix platziert. Trägt man sie herum, werden die Bilder wacklig und den Zuschauern kann es schlecht werden.

 

 

Das eindrückliche 360-Grad-Video

 

Das 360-Grad-Video lässt sich am eindrücklichsten mit einer VR-Brille ansehen. Am PC lässt sich die Ansicht mittels den Pfeilen am oberen linken Bildschirmrand oder per Maus und festgehaltenem Cursor verändern. Ausnahme: Der Safari-Browser unterstützt die 360-Grad-Darstellung nicht.  

 

 

Trotzdem: Auch die Samsung Gear 360 ist nicht frei von den Kinderkrankheiten, die bei Virtual Reality oft auftauchen. Zu nennen sind etwa die kurze Akkulaufzeit der Kamera und die unsauberen Übergänge an den Stellen, wo die Bilder der beiden Linsen zusammengeflickt wurden. Darüber kann man jedoch hinwegsehen.

 

 

Nur mit Smartphones von Samsung kompatibel

 

Ein Minus dagegen wiegt sehr schwer: die Inkompatibilität. Die Gear 360 kann man bis anhin nur mit Samsung-Handys der neueren Generationen verbinden. Besitzt man ein anderes Smartphone, hat man keinen Zugriff auf die Live-Ansicht. Zum Bearbeiten der Bilder bietet Samsung gratis das Schnittprogramm Gear 360 Action Director an. Allerdings: Die Software läuft bislang nur auf Windows-Geräten. Wer also weder mit einem Samsung-Handy noch mit einem Windows-PC arbeitet, für den ist die Kamera zunächst einmal nutzlos. Ohne spezielle Software kann man die Bilder nicht einmal ansehen.

 

Samsung hat bereits angekündigt, man wolle die Kompatibilität mit anderen Smartphones verbessern. Ab wann aber zum Beispiel eine Verbindung zum iPhone möglich ist, bleibt offen.

 

Die fehlende Kompatibilität dürfte Samsung viele Kunden kosten. Was schade ist, denn in Sachen Bildqualität und Kaufpreis setzt Samsung mit der Gear 360 ein dickes Ausrufezeichen.

 

 

 

 

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Haben Sie schon mal 360-Grad-Aufnahmen gemacht oder solche angesehen? Welches sind Ihre Erfahrungen damit?

 

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