Serie: Wer hat's erfunden?

Die Anfänge des mobilen Internets

Die Geschwindigkeit des Datenflusses war tief und die Preise hoch, als Swisscom 2004 Mobile Unlimited einführte. Doch mit jeder technischen Innovation und mit jedem neuen Abo kommt man dem Ideal des mobilen Internets näher.

Esther Hüsler (Text), 23. Mai 2016

«Uff, welch angenehme Zeiten: Ich umgehe die Hauptreisezeit und setze mich schon um 16 Uhr in den Zug. Jederzeit, überall und sicher bin ich mit der besten verfügbaren Bandbreite mobil verbunden; E-Mails kann ich unterwegs bearbeiten, habe Zugriff auf Internet und Firmendaten. Wenn ich aus dem Zug steige, habe ich mein Tagewerk von unterwegs beendet und komme erst noch um die Menschenmenge herum, die sich nun auf den Heimweg macht. Es lebe der Feierabend!»

Als Weltneuheit präsentierte Swisscom im Sommer 2004 Mobile Unlimited

Obiges Zitat ist bereits zwölf Jahre alt: Als Weltneuheit präsentierte Swisscom im Sommer 2004 Mobile Unlimited als echtes «Always on»-Erlebnis, das man bislang nur vom Festnetz mit Breitbandanschluss her kannte. Es war die Zeit, als die dritte Mobilfunkgeneration UMTS (Universal Mobile Technology Standard) verfügbar wurde und ihre Vorteile voll ausspielen konnte.

 

 

Nahtloser Wechsel zwischen den Netzen


Die Übertragungsleistungen bewegten sich in neuen Dimensionen: Am Hotspot mit WLAN bis zu 54 MBit/s, in Ballungsräumen mit UMTS bis zu 384 KBit/s – und ansonsten flächendeckend mindestens 30–40 KBit/s über GPRS. Der grosse Vorteil: Beim Wechsel der Technologie merkte der Nutzer nichts, denn die Verbindung blieb bestehen. Einzig ein Geschwindigkeitsverlust oder eine Tempozunahme machten sich bemerkbar.

40 Megabyte (MB) kosteten 70 Franken im Monat
Neu war auch das Verrechnungsmodell: Die übertragene Menge an Daten war entscheidend und nicht – wie bis anhin – die Nutzung der Übertragungstechnologie. 40 Megabyte (MB) kosteten im Pakettarif 70 Franken im Monat, 200 MB schlugen mit 200 Franken zu Buche. Löste der Kunde kein Paket, kostete ein MB 2.50 Franken. Ein Business-Angebot lohnte sich für Firmen ab 20 Nutzern. Dazu wollte die nötige PC-Karte auch noch bezahlt werden: Stolze 899 Franken musste hinblättern, wer kein Datenabonnement zu 10 Franken pro Monat kaufen wollte. Mit dem Abonnement waren es 299 Franken.

 

 

 

Erstmals Internet für unterwegs – die PC-Karte für 899 Franken machte es möglich.  

 


Wegbereiter für Smartphones

 

Mobile Unlimited wurde schnell zum Verkaufsschlager. Wer etwas auf sich hielt, reiste nicht mehr ohne. So wurden Arbeit und Unterhaltung im Zug und an öffentlichen Orten möglich – und innert Kurzem zu einem ganz neuen Verhaltensmodell, auf dessen Grund Smartphones und Notebook wenig später ihre Abnehmer fanden.

So viel Innovation wurde belohnt: Am GSM World Congress in Cannes erhielt Swisscom im Februar 2005 den Preis für die beste mobile Geschäftsanwendung. Bald darauf übertrug sie ihre Daten auch über EDGE, den neuen Datenübertragungsstandard – und machte im Laufe der Jahre die Preise für die Datenübermittlung deutlich günstiger.

Die Zeit der Filmdownloads konnte kommen – auch dank LTE, der schnellen 4. Generation im Mobilfunk.

2007 bekamen die Kunden für 79 Franken 5 GB Datenvolumen. Für gelegentliche Nutzer war ein Zeittarif eingeführt worden: 15 Minuten kosteten 1 Franken. Zwei Jahre später kam die unbeschränkte Datennutzung für 59 Franken. Wobei: Unbeschränkt hiess damals noch 10 GB. Mit HSPA wurde das Netz zum Datenturbo: Mit 14,2 Mbit/s konnten die mittlerweile 250’000 Kunden surfen.

 

 

Unbegrenzte Datenmengen


Die Zeit der Filmdownloads konnte kommen – auch dank LTE, der schnellen 4. Generation im Mobilfunk seit 2012 und mit budgetfreundlichen Preismodellen für jedes Bedürfnis. Das Thema Datenmenge hat sich mit den Infinity-Abos erledigt: Sie schliessen je nach Bedürfnis Datenmengen mit ein und drosseln höchstens bei übermässiger Nutzung das Übertragungstempo – dies zu Preisen, die dort aufhören, wo sie vor zehn Jahren angefangen haben.
 

 

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