Serie: Wer hat's erfunden?

Das Radio, das übers Telefon kam

Jahrzehntelang war die Telefonleitung eine der wichtigsten Verbreitungswege für das Radio. Doch das Ende dieses legendären Telefonrundspruchs war der Startschuss für ein noch viel erfolgreicheres Projekt.

Roger Baur (Text), 3. Mai 2016

1931 war Radio eine knisternde Angelegenheit. Es rauschte, schepperte, ächzte. Vor allem in hügelige Gebiete und in die Bergtäler drangen die ersten Sendungen der Mittelwellensender kaum vor. Gleichzeitig war die Welt in Aufruhr – kurz: Radio war nicht nur Unterhaltung, sondern überlebenswichtig. So entstand die Idee, die damals schon weitverbreiteten Telefonleitungen zur Übertragung zu nutzen. Anfangs war der Empfang am Telefon direkt möglich – ab den 40er-Jahren brachten komfortable Geräte sogar sechs Radioprogramme nach Hause.

 

Radio war nicht nur Unterhaltung, sondern überlebenswichtig.

 

PTT produzierten mit SRG drei Radiosender


Doch nun standen die PTT vor einer neuen Herausforderung: Wie füllt man sechs Sender, wenn es im Land nur deren drei gibt? Nämlich ein SRG-Radio für jede grosse Sprachregion. Also produzierte man gemeinsam mit den SRG und Schweizer Radio International – dem Vorgänger des heutigen SRG-Mehrsprachdienstes «Swissinfo» – kurzerhand drei eigene exklusive Sender. Einer mit fremdsprachigen Beiträgen auf Kanal 1 («International»), ein Klassik-Programm für Kanal 3 («Klassik») und ein Unterhaltungsprogramm für Kanal 6 – mit dem vielsagenden Namen «Light». In Radiogängen als Huerlibueb (damaliger Ausdruck für ein unerwünschtes Kind) beschimpft, entwickelte sich das erste Schweizer Programm, auf dem auch Pop-Musik zu hören war, zum Lieblingssender der Jüngeren. Bald war es in jedem Coiffeursalon zu hören und wurde so buchstäblich Jahr für Jahr salontauglicher.

 

 

Neue Fernsehsender ersetzen Radioprogramm


Doch Ende 1997 musste der Telefonrundspruch weichen. Die Telefonleitung brauchte Platz für ADSL. Eine neue Zeit, eine neue Technik. Die ehemaligen Radiomacher bei der nun neuen Swisscom liess ihre Erfahrung aber nicht mehr los. Und so gärte der Gedanke, es doch mit Fernsehen zu versuchen. Fünf Jahre später begann die Testphase, wiederum drei Jahre später ging Bluewin TV – das heutige Swisscom TV – auf Sendung. Statt sechs Radioprogramme gibt’s jetzt 700 Fernsehsender. Und natürlich unzählige Radiosender. Darunter auch «Radio Swiss Pop» – wie sich der ehemalige Telefonrundspruchkanal 6 «Light» heute nennt. Etwas hat also überlebt.

 
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