Dank einer von Swisscom eigens für Helvetia entwickelten Software-Lösung, konnte das Unternehmen die Kosten der Serverleistung für Entwicklungs- und Testsysteme um 52 % pro Monat senken.
Instance-Scheduler-Lösung für die Helvetia Gruppe 9 Min.
Die Helvetia Gruppe gehört mit weltweit über 12'000 Mitarbeitenden und sieben Millionen Kundinnen und Kunden zu den fünf grössten Schweizer Versicherungen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1858 setzt die Helvetia Massstäbe in Sicherheit, Kundennähe und Komfort.
2018 begann die Versicherung mit der Umsetzung einer Multi-Public-Cloud-Strategie. Ziel des Unternehmens war es, in einem ersten Schritt alle Systeme am Hauptstandort Schweiz in die Cloud zu migrieren. Neben Kosteneffizienz verspricht sich die Helvetia von der Cloud-Strategie unter anderem, flexibler und schneller am Markt agieren zu können und mithilfe von künstlicher Intelligenz noch mehr Kundenerlebnisse zu schaffen. Aktuell befinden sich knapp 90 Prozent der Applikationen in der Cloud. Seit Ende 2023 betreibt die Helvetia keine eigenen Rechenzentren mehr, sondern hat praktisch alles in die Public Cloud verlagert. Damit nimmt sie unter den Schweizer Versicherungen eine Vorreiterrolle ein. «Cloud-Services ermöglichen es uns, Geschäftsprozesse schneller und einfacher zu automatisieren, Fehler zu minimieren und mit einer modernen Arbeitsumgebung als attraktive Arbeitgeberin zu punkten», sagt Raphael Graber, Leiter Cloud Solutions bei der Helvetia.
Im Rahmen ihrer Cloud-Strategie nutzte die Helvetia zunehmend Ressourcen auf Amazon Web Services (AWS). Dabei zeigte sich, dass das Unternehmen auch Möglichkeiten hatte, seine IT-Kosten weiter zu optimieren. So liefen beispielsweise die Server der Test- und Entwicklungssysteme Tag und Nacht, obwohl nicht permanent mit ihnen gearbeitet wurde. Da die Versicherung seit einigen Jahren energieneutral arbeitet und grossen Wert auf Energieeffizienz legt, war eine weitere Optimierung der Serverleistung naheliegend. «Wir wollen Serverleistung dort uneingeschränkt zur Verfügung stellen, wo sie einen Mehrwert bringt, vor allem im operativen Bereich, und dafür an anderer Stelle einsparen», sagt Raphael Graber. Die Helvetia suchte nach einer Lösung, um die Kosten zu senken und gleichzeitig den CO₂-Fussabdruck weiter zu verringern.
Der langjährige IT-Partner Swisscom empfahl dem Versicherungskonzern 2019 den Instance Scheduler. Eine Software von AWS war damals auf dem Markt. «Sie war jedoch zu diesem Zeitpunkt zu wenig ausgereift und viel komplexer, als es die Helvetia benötigte», erklärt Claude von Dach, Cloud Solution Architect bei Swisscom. Deshalb wurde eine eigene Lösung für die Entwicklungs- und Testsysteme entwickelt, die exakt auf die Bedürfnisse der Helvetia zugeschnitten ist. «Sie lässt sich einfach in den Prozess der Helvetia integrieren und kann leicht an neue Anforderungen angepasst werden», erklärt Claude von Dach.
Innerhalb von nur drei Monaten war die Eigenentwicklung von Swisscom bei der Helvetia installiert und das Go-live verlief reibungslos. «Unser Ziel war es, dass die neue Software für die rund 300 Mitarbeitenden einfach zu bedienen ist und so auf eine hohe Akzeptanz stösst», erklärt Raphael Graber, Leiter Cloud Solutions, Helvetia Gruppe. Mithilfe des Instance Schedulers werden vordefinierte Systeme abends automatisch heruntergefahren und morgens wieder hochgefahren. Die Lösung wird als Infrastructure as Code (IaC) verteilt und kann in jedem AWS-Account der Helvetia in jeder AWS-Region genutzt werden.
Während die technische Umsetzung der neuen Softwarelösung problemlos verlief, stellte der sogenannte Cultural Change die grösste Herausforderung dar. Dabei war das Ziel, Serverleistung zu sparen, für die Mitarbeitenden nicht ganz neu: Im Sinne der Energieeffizienz führte die Helvetia schon seit längerem Wettbewerbe über Weihnachten/Neujahr durch: Die Teams waren aufgefordert, in dieser Zeit möglichst viel Energie zu sparen. Auch hier ging es darum, die Serverleistung so weit wie möglich herunterzufahren. Das energieeffizienteste Team wurde prämiert.
Neu war, dass die Server der Entwicklungs- und Testteams täglich automatisch ein- und ausgeschaltet werden mussten. «Die Mitarbeitenden waren es gewohnt, dass die Server immer verfügbar sind», erklärt Raphael Graber. Die Aufgabe des Cloud Competence Centers bestand deshalb darin, aufzuzeigen, welche grossen ökonomischen und ökologischen Vorteile es hat, wenn nicht alle Systeme rund um die Uhr in Betrieb sind. «Gemeinsam mit den Applikationsteams haben wir deshalb definiert, welche Systeme für den Instance Scheduler geeignet sind», erklärt Graber. Da Swisscom die Lösung laufend erweiterte, kam auch eine Möglichkeit für RDS-Datenbanken hinzu, die es erlaubt, automatisch heruntergefahrene Server jederzeit manuell wieder zu starten. Graber dazu: «Das hat die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden deutlich erhöht.»
Gemeinsam wurde eine passende Lösung erarbeitet: Raphael Graber (Leiter Cloud Solutions, Helvetia Gruppe), Patrick Bolli (Cloud Engineer, Helvetia Gruppe) und Claude von Dach (Cloud Solution Architect, Swisscom)
Inzwischen hat die Helvetia das gesteckte Ziel erreicht – und die Einsparungen sind beachtlich: Die Server und Datenbanken der Test- und Entwicklungssysteme laufen bei gleicher Arbeitsbelastung der Teams statt 720 Stunden nur noch 350 Stunden pro Monat – damit werden bei diesen Systemen monatlich gut die Hälfte der Kosten eingespart. Der CO₂-Fussabdruck hat sich dadurch deutlich verringert.
«Swisscom hat sich während des gesamten Projekts einmal mehr als ein sehr kompetenter, flexibler und zuverlässiger Partner erwiesen», betont Raphael Graber. Und Claude von Dach ergänzt: «Dank unserer Erfahrung mit serverlosen Produkten und Automatisierungen in der Public-Cloud sowie der langjährigen Zusammenarbeit mit der Helvetia konnten wir eine einfache und kostengünstige Lösung entwickeln, welche die Ressourcen der Helvetia effizient nutzt.» Ein weiteres gemeinsames Projekt befindet sich bereits in der Pipeline: Derzeit prüft die Helvetia, die Entwicklungssysteme noch weiter herunterzufahren, sodass sie wirklich nur dann laufen, wenn mit ihnen gearbeitet wird.
Aktuell befindet sich die Helvetia auf der «Reise in der Cloud». «Wir wollen innovative Services, darunter auch künstliche Intelligenz, vermehrt nutzen, um ein noch besseres Kundenerlebnis zu bieten», erklärt Graber. Ziel sei es, so die Vision der Helvetia, die Interaktion der Kundinnen und Kunden mit Helvetia so einfach und übersichtlich wie möglich zu gestalten.