Das zweite Leben eines Smartphones
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Das zweite Leben eines Smartphones

Um gebrauchte Mobiltelefone weiterzuverkaufen und zu verwerten arbeitet Swisscom eng mit zwei Partnern in der Westschweiz zusammen. Das Swisscom Magazin war zu Besuch in der Werkstatt der Ausbildungsfirma «Réalise» in Genf.

Mit einer Uhrmacherlupe auf dem Auge beugt sich der Techniker über ein in die Jahre gekommenes Schmuckstück der Mobiltelefonie. «Zuerst müssen wir von jedem Gerät die IMEI-Nummer ermitteln. Das ist manchmal echte Detektivarbeit», erklärt Massimo, Techniker bei «Réalise» in Genf. Nachdem jedes einzelne Gerät in der Datenbank erfasst ist, wird es gründlich gereinigt. Dann folgt die kritische Diagnostikphase: technische Prüfung, Datenlöschung und Einschätzung des Allgemeinzustandes des Apparates. «Sehen Sie hier diese Kerben? So können wir es nicht im Premiumsegment weiterverkaufen», bedauert Massimo.

Jérôme Grandgirard, Country Manager bei RS Switzerland.

Kreislaufwirtschaft: Alle haben etwas davon

Ehe die von Swisscom gesammelten Telefone ihr zweites Leben anfangen oder zur Rückgewinnung der Rohstoffe ausscheiden, werden sie von den Experten der gesellschaftlich engagierten Ausbildungsfirma «Réalise» untersucht. «Mit unserem Konzept der Kreislaufwirtschaft fördern wir nicht nur den Wiederverkauf und das Recycling gebrauchter Telefone, sondern bevorzugen auch die Zusammenarbeit mit Schweizer Akteuren, um Stellen lokal zu schaffen und die Umweltbelastung des Transportes zu minimieren», erklärt Jérôme Grandgirard, Country Manager beim Swisscom-Partner RS Switzerland.

«Von den 9000 Telefonen, die wir im Durchschnitt monatlich bearbeiten, stammt ungefähr ein Drittel aus dem Programm Mobile Bonus. Dabei handelt es sich um neuwertige Smartphones in gutem bis sehr gutem Zustand, die wir den Kunden direkt über den Swisscom Shop oder die Mobile Bonus Website abkaufen», erklärt Jérôme Grandgirard. Ein Teil der Telefone erhält sein Team auch von Geschäftskunden. «Alle Geräte durchlaufen verschiedene Tests, bevor sie auf unserer Plattform oder über die M-Budget-Website zum Weiterverkauf angeboten werden», führt er weiter aus.

Tipps zur Handy-Rückgabe

Wer sich entscheidet, sein altes Smartphone weiterzuverkaufen oder zu spenden, sollte vor der Abgabe folgende Schritte unternehmen:

– das Gerät auf jeden Fall aus dem Google-Konto oder der Apple-iCloud entfernen.

– unbedingt auch die Ortungsfunktion deaktivieren, sonst bleibt der Zugriff auf das Telefon blockiert und die Techniker können die persönlichen Daten nicht löschen und das Gerät nicht zurücksetzen.

Da viele Benutzer ihr Handy bereits nach 18 oder 24 Monaten wechseln, verkauft der Online-Shop von Recommerce die Modelle 8 und X des iPhones und die Samsung Galaxy Modelle S8 und S9 zu unschlagbar günstigen Preisen. Die Secondhand-Geräte sind mit einer neuen, zwölfmonatigen Garantie versehen. Der Kauf birgt kein grösseres Risiko, als der Erwerb eines neuen Smartphones.

Auch «steinzeitliche» Mobiltelefone werden verwertet

Im Raum direkt neben den glamourösen Bildschirmen moderner Smartphones stapelt sich eine Sammlung von Geräten aus der «Steinzeit» der Mobiltelefonie: Faltbare Nokias erinnern an den Beginn des Millenniums und rufen nostalgische Gefühle hervor. Hier und dort erblickt man auch uralte Tablets und sogar einen elektronischen Terminplaner der ersten Stunde. «Telefone ohne Kamera und solche mit vorstehender Antenne landen im Behälter zur Rohstoffverwertung», erzählt Modesto, der die Telefone aus der Swisscom-Aktion Mobile Aid aufbereitet. Diejenigen die noch funktionieren, werden in Sets weiterverkauft.

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Jérôme Grandgirard fügt hinzu, dass es sich im Allgemeinen bei diesen Geräten um ältere Telefone handelt, die jahrelang in einer Schublade herumlagen, bevor sie an der Swisscom-Sammelstelle abgegeben wurden: «Die Kunden spenden diese Geräte an Swisscom und so bleibt sie die Eigentümerin der Apparate, bis wir auf den internationalen Märkten Käufer finden. Swisscom spendet daraufhin den Verkaufserlös dem Hilfswerk SOS-Kinderdorf.»

Laut der Organisation Swico Recycling, die in der Schweiz für das Sammeln und Recycling von elektrischen und elektronischen Geräten zuständig ist, wird nur ungefähr eines von fünf Mobiltelefonen wiederverwertet. Sei es mit einem zweiten Leben dank Weiterverkauf oder der Verwertung der Rohstoffe, das Recycling gebrauchter Mobiltelefone ist auf jeden Fall eine positive Geste, sowohl für die Umwelt als auch für die Kinder, die von der Initiative Mobile Aid profitieren.

Ältere Smartphones werden in Sets verkauft. Der Erlös wird ans Hilfswerk SOS-Kinderdorf gespendet.

Um mehr über die Rückgewinnung von Rohstoffen zu erfahren, die in alten Mobiltelefonen enthalten sind, lesen Sie auch den Artikel «Ungeahnte Schätze in Schweizer Schubladen.»

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