Digitale Helfer beim Einkaufen

Roboter beflügeln Supermärkte

Von Seattle über Tokio nach Glattbrugg: Roboter, Chatbots und smarte Brillen sorgen für Aufbruchsstimmung im Handel und glückliche Kunden in den Supermärkten.

Sascha Bianchi (Text), 13. April 2017

Noch rasch die Einkäufe erledigen, bevor der Laden schliesst. Und dann das: Eine riesige Schlange vor der Kasse. Der eine Kunde zahlt mit Münzen. Ein anderer hat vergessen, die Tomaten zu wiegen. Das Kind bekommt einen Schreikrampf, weil der begehrte Schokoriegel laut Ansage der Mama im Regal bleiben soll. Ja, der Gang zur Kasse kann ganz schön nerven. Bei Amazon erübrigt sich dieser. 

 

Mit «Amazon Go» hat der Internetriese im Dezember ein neues Ladenkonzept präsentiert, das Kunden das Warten an der Kasse erspart. In Seattle können Nutzer der «Amazon Go»-App im 167 Quadratmeter grossen Laden einkaufen. Sensoren im Regal registrieren Einkaufskorb und Handy, sobald sich ein Kunde nähert und das gewünschte Produkt in den Einkaufskorb legt. Sind alle Einkäufe verstaut, verlassen Kunden das Geschäft ohne das übliche Kassenprozedere. Der Bezahlvorgang erfolgt automatisch über die App. Abgerechnet wird über das hinterlegte Amazon-Konto. Amazon plant in den kommenden Jahren die Eröffnung von 2000 weiteren Supermärkten. Das eigentliche Geschäft wittern Experten aber im Verkauf der Patente der Technologie.

 

 

 

 

Deutschland: Bei Saturn neue Welten entdecken

 

Word, Excel, Powerpoint: Diese Programme kennt heute jedes Kind. Wie können sie neu belebt werden? Wie kann die Interaktion mit Microsoft-Produkten in Zukunft aussehen? Die Antwort lautet: Augmented Reality. In der Saturn-Filiale in Hamburg bietet Microsoft den Besuchern seit Mitte Dezember 2016 eine neue, holografische Erlebniswelt.

 

Für ungeübte Nutzer steht ein Demoraum zur Verfügung. Wagemutige testen das neue Gadget nach dieser Einführung direkt auf der Verkaufsfläche. Auf den Displays der Augmented-Reality-Brille HoloLens wird die Realität mit weiteren digitalen Informationen angereichert. Beim Blick auf Hardwaregeräte erhalten Besucher auf dem Display Spezifikationen, Besonderheiten und passendes Zubehör eingeblendet.

 

 

 

 

Japan: Roboter helfen beim Einpacken

 

Der Bezahlvorgang scheint auch in Japan für rote Köpfe zu sorgen. Deshalb tüfteln im Fernen Osten kreative Händler an neuen Lösungen. In Osaka setzt die Ladenkette Lawson auf den Roboter «Reji Robo». Dieser packt die Einkäufe ein. Damit Kunden den Einpackdienst nutzen können, braucht es einen intelligenten Einkaufskorb mit integriertem Scanner. Produkte werden so bereits beim Einkaufen registriert. An der Kasse setzen Kunden den Korb auf eine spezielle Vorrichtung, wählen via Touchscreen die Bezahlmethode aus und begleichen dann die Rechnung. Danach öffnet sich der Boden des Korbs, und der Einkauf landet in einer Tüte. Diese wird dann automatisch zum Kunden hinaufbefördert. Praktisch. Ob sich diese Methode auch für schwere Grosseinkäufe eignet, sei an dieser Stelle bewusst ausgeklammert.

 

 

 

 

Auch andere Verkäufer setzen auf die kleinen technischen Helfer. In japanischen Nescafé-Filialen steht beziehungsweise rollt der fast schon menschlich anmutende Roboter «Pepper» umher. «Welchen Kaffee trinkst du gern?», fragt der kecke Roboter die Gäste. Und egal, was man darauf antwortet, «Pepper» hat immer eine passende Antwort auf Lager. Simbe Robotics hat wiederum einen Roboter für den Einzelhandel entwickelt, der vollautomatisch Regale kontrolliert. Tally sucht selbstständig nach leeren Stellen oder falsch eingeräumten Produkten und sendet die Informationen per App an das Ladenpersonal. Japan ohne Roboter? Unvorstellbar.

 

 

 

 

USA: Passende Geschenke dank Chatbots

 

Die Mall of America ist der Traum jedes Shopaholics. Sie gehört zu den grössten Verkaufsflächen der USA: 500 Läden und Themenparks sorgen für unvergessliche Shoppingmomente. Doch wie finden sich Herr und Frau Shopaholic in dieser Masse zurecht? In Zusammenarbeit mit IBM hat die Mall of America kurz vor dem Weihnachtsgeschäft den Chatbot E.L.F. entwickelt. Dieser stellt den Gästen eine personalisierte Tour zusammen. Dazu müssen Nutzer via Facebook-Messenger oder Browser ein paar Fragen beantworten. Das Chatbot-System wählt anschliessend die Händler und Aktivitäten aus und teilt diese den Gästen über einen Chat mit. Wir finden, E.L.F. ist ein ideales Instrument für alle, die sich nie entscheiden können, was sie eigentlich kaufen wollen.

 

 


Chatbots – sprechende Assistenten

 

Sie heissen Poncho, Mildred oder Zo. Neben Smalltalk können sie mir zum Beispiel sagen, wie das Wetter wird oder wann der Flug nach San Francisco am günstigsten ist. Die Rede ist von Chatbots. Diese Programme können mit uns sprechen und so eine menschliche Interaktion simulieren. Auch hierzulande setzen immer mehr Unternehmen auf die smarten Bots. Ihr Ziel ist es, uns zu unterhalten, aber auch Aufträge zu erledigen.

 

 

 

Schweiz: Sprechende Plakate

 

Auch die Schweiz mischt bei der Schaffung neuer Einkaufserlebnisse kräftig mit. Ein Plakat, das Geld verschenkt? Klingt verrückt, oder? Besucher im Glattzentrum in Zürich staunten nicht schlecht, als sie im Frühling 2016 beim Vorbeigehen am Guess-Plakat einen Wertgutschein erhielten, der ihnen direkt auf ihr Smartphone zugestellt wurde. Swisscom, das Start-up poinz, APG|SGA und Guess testeten so das Potenzial interaktiver Plakate. Dafür wurden im und um das Glattzentrum 23 Plakatstellen mit einem Smart Beacon ausgestattet. Der Beacon lokalisiert Geräte mit eingeschaltetem Bluetooth im Raum und sendet ihnen den Wertgutschein. Rückblickend ein Gewinn, sowohl für Kunden als auch für Guess.

 

 

 

 

Die neuen Entwicklungen zeigen: Der Laden um die Ecke hat den Kampf gegen reine Online-Händler noch lange nicht aufgegeben. In Zukunft liegt der Erfolg wohl in der smarten Verbindung zwischen Online- und Offline-Erlebnissen. Wir freuen uns auf alle Fälle auf weitere technische Highlights.

 

 

 


Robotik-Ausbildung in der Schweiz

 

ZHAW: Robotik und Automation


ETH: Master Robotics, Systems and Control

 

HSLU: Automation und Robotik

 

 

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