Kolumne: Kathrin Buholzer

«Nach Oberhofen, bitte!»

Die Kommunikation mit einem Navi ist nicht immer ganz einfach. Manchmal dauert es eine Weile, bis es einen versteht. Oder auch nicht. Das hat Kolumnistin Kathrin Buholzer gemerkt.

Kathrin Buholzer (Text), Milan Hofstetter (Illustration), 12. Oktober 2017

Seit gut sieben Monaten haben wir ein neues Auto. Ein weisses, welches den Namen einer zentralspanischen Gemeinde trägt. Es ist supertoll, kann selber bremsen und Gas geben, es kann den Abstand zum vorderen Auto und zur Seitenlinie messen und genau diesen auch einhalten. Es hat ein schönes Glasdach, Apple CarPlay funktioniert wunderbar, und wenn man die Türe aufmacht, sieht man ein kleines, rundes Licht am Boden leuchten. Das ist irgendwie herzig, man hat dann immer so ein bisschen das Gefühl, als würde sich das Autöli auf einen freuen und mit einer kleinen Lampe den Weg beleuchten ...  

So habe ich gestern mal das interne Voicesystem ausprobiert. Und das, meine Lieben, war wirklich unglaublich erheiternd.

Und: Das Auto kann sprechen. Natürlich nicht so richtig, wie zum Beispiel damals K.I.T.T., der Witzchen machen und sich mit seinem Besitzer ganz normal unterhalten konnte. Aber trotzdem: Es spricht. So zumindest stand es in der Bedienungsanleitung. Irgendwie bin ich bis jetzt noch gar nicht so richtig dazu gekommen, das mal auszuprobieren, denn normalerweise ist Siri meine kleine Helferin, auch in Navi-Fragen. Nun gut, einmal ist das erste Mal, und so habe ich gestern mal das interne Voicesystem ausprobiert. Und das, meine Lieben, war wirklich unglaublich erheiternd, und ich möchte euch dieses lustige Gespräch nicht vorenthalten:

 

«Ich möchte nach Oberhofen fahren.»

«Wie bitte?»

«Nach Oberhofen.»

«Was möchtest du tun?»

«Faaahren, ich möchte nach Oberhofen fahren!»

 

Leicht genervt gucke ich auf das Display und bemerke: «Navigiere nach», so heisst der richtige Befehl. Also gut, nächster Versuch.

 

«Navigiere nach Oberhofen.»

«Du möchtest nach Ob, in Nowosibirsk, Russland, fahren? Die Route wird berechnet.»

«Hä? Was? Nach Russland? Bist du noch bei Trost? Nein, ich will an den Thunersee, du Anfängerin. Was soll ich denn in Russland? Mit dem Auto? Dort ist es sicherlich schon saukalt, und es schneit bestimmt schon.»

«Diese Route enthält Mautstrassen.»

«Halt, stopp! Nix Russland. Oooberhofen.»

«Möchtest du die Navigation abbrechen?»

«Ja. Was für eine doofe Frage. Natürlich will ich sie abbrechen. Ich will ja nicht nach Russland fahren, sondern nach Oberhofen.»

«Wohin möchtest du fahren?»

«Nach O B E R H O F E N!»

Eigentlich hätte ich hier die Übung abbrechen können, aber nein. Mein Ehrgeiz war geweckt.

Mein Deutsch ist eigentlich ziemlich gut. Kein Schweizer Hochdeutsch mit rollendem R, warum um Himmels willen versteht das Navi mich nicht? Eigentlich hätte ich hier die Übung abbrechen können, aber nein. Mein Ehrgeiz war geweckt. Das muss doch einfach klappen, das kann doch jetzt nicht so schwer sein, mich an den Thunersee zu navigieren.

Versteht es nur Männerstimmen? Oder muss man vielleicht ganz leise reden? Ich nehme mein liebliches Säuselstimmchen hervor.

«Tut mir leid, ich habe dich nicht verstanden.»

Ich spreche lauter, es ist schon fast ein Brüllen: «Ooooberhoooofen.»

«Ich bin mir nicht sicher, was du gesagt hast.»

 

Meeeine Güüüte! Was kann man denn an Oberhofen nicht verstehen? Vielleicht ist es taub? Muss ich näher an das Display ran? Muss ich englisch sprechen? Oder meine Stimme verstellen? Versteht es nur Männerstimmen? Oder muss man vielleicht ganz leise reden? Ich nehme mein liebliches Säuselstimmchen hervor.

 

«Navigiere nach Oberhofen!»

«Tut mir leid, ich habe dich nicht verstanden.»

«Oooobeeeerhooooofeeeen!» Ich brülle wieder, und so langsam macht sich Verzweiflung breit und der Zeitdruck.

«Du, ich habe im Fall nicht ewig Zeit.»

«Ich weiss nicht, was du mit ‹Ich habe im Fall nicht ewig Zeit› meinst. Wenn du möchtest, dann kann ich eine Websuche starten.»

«Nein! Du musst nix starten. ICH starte jetzt den Motor! Und fahre los nach Oberhofen. Ich kenne ja eigentlich den Weg. Und DU hältst jetzt einfach die Klappe und lernst noch ein bisschen die Ortschaften rund um den Thunersee.»

 

 

 

Kathrin Buholzer

Für Storys beobachtet die Journalistin, Betreiberin der Elternseite elternplanet.ch und Mutter von 2 Kindern unsere alltäglichen Überforderungen im Umgang mit den neuen Medien und den digitalen Möglichkeiten.

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