Zugang auf die Daten verstorbener Personen

Vorausplanen hilft den Hinterbliebenen

Es sind schmerzhafte Momente. Die Zeit bleibt stehen. Ein Angehöriger ist gerade verstorben. Kaum realisiert man, dass der Verlust unumkehrbar ist, kämpft man schon mit bürokratischen Schikanen: Wie erhalte ich Zugang auf seine Mailbox?

Laurent Seematter (Text), 16. Oktober 2017

«Natürlich denkt niemand gerne über seinen Tod nach, aber wenn man seinen digitalen Nachlass nicht vorbereitet, besteht die Gefahr, dass die Hinterbliebenen mit einer sehr konfusen Situation konfrontiert werden», erklärt Martin Steiger, Anwalt für Recht im digitalen Raum. Aus diesem Grund empfiehlt er, eine Liste aller Benutzernamen und Passwörter der benutzen Online-Dienste zu erstellen und sie an einem sicheren Ort zu versorgen, der einer Vertrauensperson bekannt ist.

Er empfiehlt, eine Liste aller Benutzernamen und Passwörter der benutzen Online-Dienste zu erstellen und sie an einem sicheren Ort zu versorgen, der einer Vertrauensperson bekannt ist.

Idealerweise ergänzt man diese Liste mit seinem letzten digitalen Willen: Was passiert mit meinen E-Mails? Mit meinen Fotos und anderen Daten in der Cloud? Wer darf meine Musiksammlung hören? Mediensammlungen, die beispielsweise auf iTunes erworben wurden, können nicht auf das Konto eines Erben transferiert werden, denn sie unterliegen einer beschränkten Nutzungslizenz. Die einzige Art und Weise, wie die Hinterbliebenen sie weiterhin geniessen können, ist über das Benutzerkonto des Verstorbenen.

 

 

Google ist einer der wenigen Online-Dienste, der eine besondere Rubrik anbietet, wo der Benutzer eine Vertrauensperson ernennen kann.

 

 

«Früher brauchte man nur die Post der verschiedenen Person weiterleiten zu lassen, um Zugang auf die Rechnungen und wichtigen Mitteilungen zu erhalten. Heutzutage landen viele dieser Informationen in der Mailbox. Wenn die Hinterbliebenen keinen Zugriff auf das elektronische Postfach der verstorbenen Person haben, sind sie ziemlich verloren», führt Martin Steiger weiter aus.


Google ist einer der wenigen Online-Dienste, der eine besondere Rubrik anbietet, wo der Benutzer eine Vertrauensperson ernennen kann, die nach einer bestimmten Periode der Inaktivität seine Daten herunterladen darf (siehe Details unten).

 

 

 

ZUGANG AUF ONLINE-KONTEN NACH EINEM TODESFALL: PRAKTISCHE INFOS


 

Google

 

Als Benutzer eines Google-Kontos können Sie dank dem Kontoinaktivität-Manager selber bestimmen, was mit Ihren Daten passiert, wenn Ihr Konto eine gewisse Zeit inaktiv bleibt oder wenn sie sterben. Sie können auch eine Vertrauensperson wählen, die unter diesen Umständen einen Zugang zu Ihrem Konto und bestimmten Daten bekommt.

 

Haben Sie keine Kontoinaktivitäts-Parameter definiert, kann ein Angehöriger über ein Online-Formular Zugriff auf gewisse Daten erhalten. Diese Person muss Google Ihre Identität beweisen und eine Sterbeurkunde vorlegen. Zudem müssen alle diese Dokumente zuerst von einem zertifizierten Übersetzer auf Englisch übersetzt werden.

 

 

Microsoft

 

Microsoft bietet keinen Kontoinaktivität-Manager und auch kein Online-Formular an. Um Zugang auf die Daten einer verstorbenen Person zu bekommen, muss ein Angehöriger per E-Mail ein Gesuch bei der Microsoft-Zentrale in den USA stellen: msrecord@microsoft.com. Der Botschaft müssen die üblichen Dokumente (Sterbeurkunde, Erbschein, Identitätspapiere des Gesuchstellers usw.) auf Englisch beigelegt werden. Falls das Gesuch bewilligt wird, werden die Daten auf einer DVD per Post verschickt.

 

 

Swisscom


Wie man es in den Benutzerforen lesen kann, sind die Inhaber eines Mailkontos (Bluewin) oder eines Cloud-Accounts (myCloud) dazu verpflichtet, eine Vertrauensperson über ihre Zugangsdaten zu informieren. Ein legaler Erbe hat jedoch die Möglichkeit, Swisscom anzuschreiben, um den Zugriff auf bestimmte Inhalte zu bekommen. Der Gesuchsteller muss die übliche Dokumentation vorlegen. Swisscom ist der Meinung, die E-Mails unterstünden dem Fernmeldegeheimnis und gibt keine Passwörter weiter.

 

 

Facebook


Laut Schätzungen aus den USA geistern zwischen zehn und zwanzig Millionen Profile von verstorbenen Personen auf der Plattform herum. Um diesen Zustand zu beseitigen hat Facebook ein Online-Formular eingeführt, mit dem Sie einen Nachlassverwalter bestimmen können, der nach Ihrem Tod Ihr Konto verwaltet. Sie können sich auch für die automatische Löschung Ihres Kontos entscheiden.

 

Falls ein Benutzer zu Lebzeiten keine Vorkehrungen getroffen hat, können Angehörige gegen Vorlegung der entsprechenden Dokumente das Konto in den sogenannten Gedenkzustand setzen lassen oder die Löschung beantragen.

 


PayPal

 

Wenn man das Umfeld über das Bestehen eines PayPal-Bezahlungs-Kontos nicht frühzeitig informiert, geht das Guthaben nach dem Tod verloren. Gegen Vorlegung der üblichen Dokumentation (Sterbeurkunde, Kopie des Testaments oder legaler Dokumente des Kontoinhabers, Identitätspapiere des Gesuchstellers usw.) hat ein Erbe die Möglichkeit per Fax (1-303-395-2815) das Konto schliessen und sich das Saldo überweisen zu lassen.

 

 

 

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