Serie: Helmi kocht

Schwelgen und Schlemmen

Kochen soll dank digitaler Helfer einfacher werden. Aber wird das Essen per Rezepte-App tatsächlich besser? Hobby-Koch Helmi Sigg versucht sich an fünf seiner Lieblingsspeisen. Heute zaubert er einen Shepherd’s Pie mit Hilfe der App Kochmeister auf den Teller.

Helmi Sigg (Text), Barbara Sigg (Fotos), 12. Juli 2016

Auf meiner Suche nach geeigneten Apps bin ich schnell auf Kochmeister gestossen. Genau 67'112 Rezepte bietet die App an. Kosten: 1 Franken. Nach dem Download erfolgt die Anmeldung und muss via E-Mail bestätigt werden, erst dann erfolgt der komplette Zugriff auf die riesige Rezeptesammlung. Ich habe die App gleich ins Herz geschlossen. Die optisch vermittelte Rustikalität zeigt Wirkung. Wenn ich zwischen bürgerlicher und gehobener Küche entscheiden muss, gewinnt immer Erstere.

 

 

Die Qual der Wahl

 

Die Suchfunktionen sind beeindruckend, eine Grobauswahl schnell möglich. Zwei vertikale Funktionen bieten links Gerichte und rechts Länder an. Das grosse Angebot überwältigt mich fast. Ich entscheide mich für «Shepherd’s Pie». Diesen habe ich Ende der 80er-Jahre in London in Begleitung meiner schwangeren Frau gegessen. Mir hat er damals sehr geschmeckt, ihr wegen auftretenden Unwohlseins eher weniger.

 

 

HELMI KOCHT – DIE REGELN:

 


Die drei eisernen Regeln, nach denen unser Autor Helmi Sigg die Koch-Apps testet:


1. Ich koche nur Rezepte, die ich noch nie zubereitet habe.

 

2. Absolutes Einhalten von Zutaten, Mengenangaben und Kochzeiten.

 

3. Eigene Koch-Skills und Tricks dürfen nicht angewendet werden.

 

 

 

Flashback – oder Essen ist oft eine Zeitreise

 

29 Jahre später, das Gericht nun im digitalen Selbstversuch. Die App bietet nicht nur zu jedem Rezept eine separate Einkaufsliste, sondern auch die kleine Funktion des Abhakens: Gekaufte Lebensmittel sind sofort ersichtlich.

 

Es geht nichts über frischen «Stock», da kommen Kindheitserinnerungen hoch. Und gleich der Schwur, nie mehr mit vorfabrizierten Flocken zu kochen.
 

Ich habe Glück: Einige Gewürze werden heute frisch angeboten. Thymian oder Oregano sind geschmacklich so viel intensiver. Der Shepherd’s Pie besteht aus drei Lagen: Am Boden das Fleisch, dann Gemüse und abschliessend der frische Kartoffelstock. Dieser ist schnell zubereitet, die gekochten Kartoffeln werden durchs Passevite gepresst, mit Milch und Butter verfeinert. Die Anweisungen der App sind kurz und bündig, das Resultat sehr schmackhaft.

 

1/6 Man nehme: Die von der App Kochmeister aufgelisteten Zutaten.

2/6 Andächtig verarbeitet der Hobby-Koch die Kartoffeln.

3/6 Nachdem das gehackte Lammfleisch angebraten und der Kartoffelstock gemacht ist, ...

4/6 ... gibt er die Zutaten schichtweise in die Gratinform.

5/6 Danach kommt das Ganze in den Backofen.

6/6 Et voilà: Sheperd's Pie wie aus dem Bilderkochbuch.

1/6 Man nehme: Die von der App Kochmeister aufgelisteten Zutaten.

 

 

Es geht nichts über frischen «Stock», da kommen Kindheitserinnerungen hoch und gleich der Schwur, nie mehr mit vorfabrizierten Flocken zu kochen. Jetzt geht’s ans gehackte Lammfleisch. Auch hier sind die Anweisungen kurz und verständlich: Fleisch anbraten, Zutaten beigeben und schon ist die erste Lage erledigt.

 

 

Schummeln beim Gemüse

 

Habe ich schon erwähnt, dass ich manchmal undiszipliniert oder widersprüchlich bin? Ok, beim Gemüse habe ich geschummelt. Im Rezept stand: «gemischtes, gekochtes Gemüse (Tomaten, Erbsen, grüne Bohnen ...)». Tja, und da bin an den Tiefkühlprodukten vorbeigekommen. Eine vorfabrizierte Mischung hat mich regelrecht angelacht und ich konnte einfach nicht widerstehen.

Den Ritterschlag bekomme ich von meiner Frau. Ihr schmeckte das Gericht um einiges besser als vor neunundzwanzig Jahren.

Diese Entscheidung hat dem Resultat letztlich aber nicht geschadet. Ich verteile das Gemüse über dem Fleisch wie angeordnet und bedecke den Pie mit der letzten Lage, dem Kartoffelstock. Jetzt noch mit 180° im Rohr überbacken, bis das Püree eine goldene Kruste bekommt, also nach rund 45 Minuten. Die letzte Anweisung: Kurz vor Schluss den Stock noch leicht mit Paprika bestäuben. Auch nicht schlecht.

Zur Bratensauce (Gravy) gibt es keine spezifischen Angaben, also kommt sie bei mir 1:1 aus der Tube. Der Sheperd’s Pie steht dampfend auf den Tisch und schmeckt einfach herrlich. Den Ritterschlag bekomme ich von meiner Frau, die meine Kocherei fotografierte. Ihr schmeckte das Gericht um einiges besser als vor neunundzwanzig Jahren. Dem gibt es nichts hinzuzufügen, ausser, dass dieses App mit fünf ***** Sternen ausgezeichnet wird.

 

Über den Autor:

 

Helmi Sigg (63) arbeitet als Autor, Blogger und Journalist. Er war Mitglied der legendären Zürcher Comedytruppe Trio Eden. Inzwischen schreibt er an seinem sechsten Hotelbuch, das im Herbst 2016 erscheinen wird. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Thai-Suppe

«Chicken and Coconut Soup» nach dem Rezept der App Thai Food.

 

Zimtrollen

Mit der Chefkoch-App hat Helmi Zimtrollen gebacken. 

 

Tabbouleh

Mit Hilfe der Koch-App Healthy Recepies wagt sich Helmi an ein Tabbouleh-Rezept.  

 

Russische Pelmeni

Mit der App Rezepte hat Helmi Pelmeni gemacht

 

 

 

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