Medienkompetenz: Tipps für Eltern

Wie Kinder mit digitalen Medien umgehen

Tanja und Marco leben mit ihren vier Kindern auf dem Land. Neben der fast erwachsenen Tochter haben sie drei Buben – 1, 5 und 8 Jahre alt. Sie lieben: spielen, draussen sein, sich bewegen. Einerseits. Andererseits werden sie von digitalen Spielsachen und Gadgets in den Bann gezogen.

Sabine Hunziker (Text), Jürg Isler (Fotos), 2. November 2016

Das ist Idylle. Nicht einmal mein Navi kannte die Adresse. Am Horizont steht einsam ein Bauernhaus, vereinzelte Wohnhäuser säumen die Quartierstrasse. Dazwischen: Maisfelder. Die drei Buben stehen erwartungsvoll vor dem Haus, denn heute steht ein Fotoshooting auf der Agenda. Andrin, der Kleinste, bestaunt uns Unbekannte, bevor er kurzerhand ins Haus rennt und sich hinter seiner grossen Schwester Chiara versteckt.

 

Die älteren Kinder, Noé und Joris, beachten uns hingegen kaum – ihre Aufmerksamkeit gilt dem Maishäcksler, der sich durch ein Maisfeld frisst. Doch ihr Vater fordert sie auf, ins Haus zu kommen, wo uns Noé und Joris stolz ihre Zimmer zeigen. Mit ihren Spielen, ihren Büchern, ihren Zeitschriften, ihren Comics. Noé hat, seit er in die zweite Klasse geht, ein eigenes Zimmer: «Ich bin der Älteste. Und ich brauche jetzt ein Pult für die Ufzgi.»

 

 

Bücher sind bei den drei Jungs beliebt, auch wenn sie gerne digitale Medien und Spiele nutzen.  

 

 

Bilder veröffentlichen

 

Als der Fotograf einige Bilder schiesst, stellt sich Noé daneben und will es genau wissen: «Wofür sind die Bilder? Was machst du damit?» Joris ist seinem grossen Bruder gefolgt und spitzt ebenfalls die Ohren, bleibt aber in sicherem Abstand stehen.  

 

 

TIPPS ZU BILDERN AUF BILDSCHIRMEN

 

Mein Bild, dein Bild?
Bereits kleine Kinder lieben Bilder von Menschen, die sie kennen. Und wollen ganz natürlich wissen, was mit ihren Bildern geschieht.

 

Persönlichkeitsrechte
Als Eltern vertreten Sie die Persönlichkeitsrechte Ihres Kindes. Achten Sie darauf, dass nur Bilder Ihres Kindes veröffentlicht werden, zu denen Sie Ihre Zustimmung erteilt haben. Das gilt etwa für die Schule, den Sportverein oder Kindergeburtstage. Und respektieren Sie unbedingt auch die Persönlichkeitsrechte fremder Kinder.

 

 

 

Das ist der Zeitpunkt, die Story zusammen noch einmal durchzugehen. Ich habe den Ablauf mit der Mutter zuvor besprochen. Vereint gehen wir jetzt noch einmal alle erwähnten, typischen Familiensituationen durch. Sodass alle die Möglichkeit erhalten, zu intervenieren oder zu korrigieren und sich in die Situationen einzudenken. Damit Bilder entstehen, die passen – zur Familie und zur Story.

 

 

Sprechende Bücher

 

 

Der digitale Stift gibt akustische Informationen von Dingen, die im Buch gezeigt werden.  

 

 

Wir beginnen mit den digitalen Büchern mit dem Tiptoi-Stift. Tiptoi ist ein interaktives Lernspiel, bestehend aus einem digitalen Stift und einem Spielbrett, Buch oder Puzzle. Man kann den Stift auf verschiedene digitale Stellen halten, und eine Audiodatei wird abgespielt, die das Spiel oder die Bilder eines Buches erklärt, Wissen vermittelt oder Personen eine Stimme verleiht.

 

Joris eilt sogleich zum Gestell mit diesen Büchern und schleppt alle ins Wohnzimmer. Gezielt greift er nach einem Band und beginnt wohl an der Stelle, an welcher er das letzte Mal aufgehört hat. Ebenso Noé. Sie blättern konzentriert durch die Bücher und lassen sich die Informationen und Geräusche gezielt vorspielen.

 

Andrin meldet sich, reklamiert. Er will auch. Daraufhin schaut seine ältere Schwester mit ihm ein Büchlein an, das auf Antippen mit dem Stift Tierstimmen ertönen lässt. Andrin interessiert sich vor allem für die Geräusche. Blättern. Schauen. Antippen. Antippen. Antippen. Hören. Er lacht. Und will auch schon wieder etwas anderes tun. Er schaut einer Fliege zu, die sich ins Haus verirrt hat, und schon drängt er zur Fliegenklatsche und jagt die Fliege.

Das lehrreiche, interaktive Buch hat ihn voll und ganz vereinnahmt.

Derweil scheint Joris hin und her gerissen – weiter Informationen ertippen oder mit Andrin Fliegen jagen? Einzig Noé scheint am Ziel seiner Träume angelangt – im Tiptoi-Himmel. Das lehrreiche, interaktive Buch hat ihn voll und ganz vereinnahmt und lässt ihn so schnell auch nicht los.

 

 

 

TIPPS ZU INTERAKTIVEN BÜCHERN UND APPS

 

Interaktive Spiele
Interaktive Spiele ersetzen herkömmliche Spielsachen nicht, denn sie sprechen die Kreativität nicht oder nur wenig an. Dafür bleiben Bauklötze und Malblock unschlagbar.

 

Einstiegsalter
Lassen Sie Ihre kleinen Kinder nicht allein mit den digitalen Geräten spielen. Begleiten Sie sie vielmehr bei ihren ersten Tippversuchen. Bei Kindern, die schon in die Unterstufe gehen, müssen Sie nicht immer mitspielen, aber bleiben Sie im gleichen Raum.

 

Zeitpunkt und Dauer
Legen Sie genau fest, wann Ihr Kind digitale Medien nutzen darf und wie lange. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und reduzieren Sie wenn nötig Ihren eigenen Mediengebrauch. Dann fällt es auch Ihrem Kind leichter.

 

Apps und Websites
Klicken Sie auf unsere Tipps mit digitalen Kinderangeboten. Dort erfahren Sie, welche Apps und Websites sich für jüngere Kinder eignen und was kindgerechte Angebote ausmacht.

 

 

 

1/5 Jedes Kind soll ein Vetorecht haben, welche Bilder von ihm online veröffentlicht werden sollen.

2/5 Volle Konzentration: Das Globibuch zieht Noé in den Bann.

3/5 Der Tiptoi-Stift erweitert das Buch um akustische Informationen.

4/5 Die Familie: Die Eltern Tanja und Marco mit ihren vier Kindern Chiara, Noé, Joris und Andrin.

5/5 Das Tablet wird zum Buch: Noé und Joris geniessen digitale Hörgeschickten und teilen sich den Kopfhörer.

1/5 Jedes Kind soll ein Vetorecht haben, welche Bilder von ihm online veröffentlicht werden sollen.

 

 

Welt des Hörens

 

Nach einer kurzen Pause fahren wir mit Hörgeschichten fort. Noé und Joris müssen wir nicht zweimal bitten, denn hierzu dürfen sie offiziell das Tablet nutzen – ein Highlight. Gezielt suchen sie das «Dschungelbuch». Sie kennen das Hörspiel aus dem Effeff. Macht aber nichts. Sie lieben es, die Geschichte immer und immer wieder zu hören. Einzelne Passagen kennen sie auswendig.

 

 


TIPPS ZU HÖRBÜCHERN

 

Bilder im Kopf
Ein guter Erzähler, der seine Zuhörer begeistert, setzt alle seine Gefühle ein und bringt sie mit seiner Stimme zum Ausdruck. Er spielt die Geschichte! Kinder zieht das so in den Bann, dass sie Sprache besser aufnehmen, ihren Wortschatz aufbauen und Erzählmuster lernen.

 

Aufmerksamkeit
Beobachten Sie Ihr Kind: Hört es wirklich zu? Kann es etwa Inhalte wiederholen oder Lieder nachsingen? Denn Hörgeschichten sollten keine Dauerberieselung sein.

 

Hörspiele
Kostenlose Hörspiele finden Sie auf dem Kanal
Ohrka.de.  

 

Entdeckungstour
Auf
Auditorix.de finden Sie und Ihre Kinder wertvolle Tipps und Hinweise zur Welt des Hörens. Mit Wissenswertem, Geschichten, Stimmen, Technik, Musik und Geräuschen.

 

 

 

 

Zum Schluss gibt’s Ferienfotos auf dem Fernsehbildschirm. Die ganze Familie freut sich darauf, noch einmal in die Sommerferien einzutauchen. Mir fällt auf: Fotos anschauen verläuft in allen Familien in etwa gleich. Man schaut sich ein Bild an, und die meisten finden es immer noch grossartig. Nur nicht die abgebildete Person – diese verdreht die Augen und stöhnt. Was jetzt? Löschen oder nicht? Das ist die Frage. Die Frage, die uns im Hier und Jetzt immer wieder beschäftigt.

 

 

Die digitalen Ferienfotos schaut die Familie gemeinsam am Fernseher an.

 

 

 

WEITERE TIPPS ZU BILDERN AUF BILDSCHIRMEN

 

Bilder veröffentlichen?
Schon früh empfinden Kinder Bilder von sich gelungen, peinlich oder doof. Eltern sollten darauf eingehen. So sensibilisieren sie ihre Kinder schon früh dafür, dass jeder Mensch entscheiden darf, welche Bilder er oder sie löschen möchte.

 

Vetorecht
Fragen Sie Ihr Kind, bevor Sie ein Bild von ihm online stellen. Akzeptieren Sie seinen Entscheid, auch wenn Sie nicht nachvollziehen können, wieso Ihrem Kind bestimmte Fotos nicht gefallen. So leben Sie Ihrem Kind einen respektvollen Umgang mit dem Recht am eigenen Bild vor.

 

Keine Namen
Vermeiden Sie es, den vollen Namen Ihres Kindes zusammen mit Bildern von ihm zu veröffentlichen.

 

 

 

 

 

Medienstark

Für Familien ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den neuen Medien eine tägliche Herausforderung. Auf der Plattform Medienstark finden Eltern und Jugendliche die nötigen Kniffs für den kompetenten Umgang.

 

 

 

Michael In Albon

Michael In Albon ist Leiter «Schulen ans Internet» und Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom. Er verantwortet das Programm der Swisscom-Medienkurse und hat in dieser Story die Tipps für Eltern gegeben.

 

Michael In Albon ist auch in den sozialen Medien unterwegs: Auf Facebook und Twitter kann man mit ihm über alle möglichen Themen rund um Medienkompetenz plaudern. Lesen Sie zudem seine Kolumnen auf Swisscom Storys.