Modebloggerinnen

«Wir bleiben gerne ein bisschen geheimnisvoll»

Seit 2010 führen die beiden Schaffhauserinnen Charlene und Désirée Lynch mit «Döid» einen der erfolgreichsten Modeblogs der Schweiz. Mit Storys sprechen sie über die Anfänge, ihr Leben abseits des Webs und über die Liebe.

Reda EL Arbi (Text), Markus Lamprecht (Fotos), 27. Oktober 2015

Wir treffen die beiden jungen Frauen in der Schaffhauser Altstadt auf einen Kaffee. Sprichwörtlich, denn die Bloggerinnen bestellen beide nur ein Glas Wasser. Sie müssen zweimal den Platz wechseln, damit unser Fotograf ihre Schokoladenseite erwischt.

 

Wer ist eitler von euch beiden?

 

Charlene: Ich.

Désirée: Charlene. Eigentlich sind wir beide eitel, aber wir können uns auch total lächerlich machen. Ohne Probleme.

Ihr tragt für Schweizerinnen eher ungewöhnliche Namen. Eine Charlene oder eine Désirée Lynch erwartet man eher in den USA als in Schaffhausen.

 

Charlene: Unsere Mutter wuchs mit einem Namen auf, den es in Schweizer Schulklassen immer mehrmals gab. Also wurden sie durchnummeriert. Das wollte sie uns ersparen und gab uns beiden drei eher aussergewöhnliche Namen.

Désirée: Und mit Lynch hat sie das Beste unseres Vaters für uns behalten: Das irische Blut und den irischen Nachnamen.

Wo wir gerade beim Namen sind: Was bedeutet eigentlich der Name eures Blogs «Döid»? Sieht elegant aus. Französisch? Gälisch?

 

Désirée: Nein. Charlene und ich wuchsen wie Zwillinge auf, obwohl wir 14 Monate auseinander sind. Und wie viele Kinder, die so eng verbunden sind, entwickelten wir eine Art geheime Sprache. Döid ist ein Begriff, den nur Charlene und ich wirklich verstehen.

«Wir entschieden uns, nicht erwachsen zu werden, wie Peter Pan.»

Charlene Lynch, Modebloggerin

Ihr habt 2010 mit eurem Blog begonnen. Wie alt seid ihr?

 

Charlene: Wir haben kein Alter. Wir legten unser Alter in dem Augenblick ab, in dem wir merkten, dass wir uns nicht mehr altersgerecht verhielten. Wir entschieden uns, nicht erwachsen zu werden, wie Peter Pan. Und so sind wir alterslos.

 

Was war der Auslöser für euch, einen Modeblog zu starten?

 

Désirée: Eigentlich war das zu Beginn gar kein Modeblog. Wir sind beide in sehr verschiedenen Bereichen aktiv und kreativ. Das fing beim Tanzen und Singen als Kinder an, und erstreckt sich übers Malen und Kreieren von Kleidung und Accessoires bis zum Fotografieren. Charlene ist eher der visuelle Typ, ich eher der haptische. Und vor ein paar Jahren suchten wir ein Gefäss für all unsere Leidenschaften.

 

Charlene: Damals gab‘s noch nicht so viele Blogs, und uns erschien ein Blogformat ein ideales Gefäss, um all unsere Sachen an einem Ort zu sammeln. Dass daraus jetzt mehrheitlich ein Modeblog wurde, hat mit der Frequenz zu tun. Wir machen einfach am häufigsten Modebilder, da sie sich auch am leichtesten posten lassen.

Désirée (lacht): Ausserdem ist eine elegante Art, den Leute eins auszuwischen, die uns während der Schulzeit gemobbt haben. Was eignet sich besser, als mit einem erfolgreichen Blog zu sagen «Nehmt das, ihr Luschen».

Ihr macht ja auch keine Mainstream-Modebilder oder Empfehlungen wie man sie in den gängigen Magazinen sieht. Woher holt ihr eure Inspiration?

 

Désirée: Wir ziehen uns einfach gerne aussergewöhnlich an. Das dann zu fotografieren, ist einfach ein kleiner Schritt weiter.

Charlene: Viele meiner Outfits fotografiere ich ja im Büro, an meinem «seriösen» Arbeitsplatz. Es sind also Sachen, die ich im täglichen Leben wirklich trage und nicht nur, um damit zu posen. Aber neben diesen Alltagsoutfits machen wir natürlich auch «gestellte», etwas aufwändigere Shootings.

«Wir merkten, dass nicht alle Leute in diesem Geschäft ehrlich und anständig sind.»

Désirée Lynch, Modebloggerin

Ihr geht beide einer ganz normalen Arbeit nach. Habt ihr euch nicht überlegt, vom Bloggen zu leben?

 

Désirée: Natürlich träumt man davon, einmal nur von seiner Kreativität leben zu können. Aber wir mussten auf die harte Tour herausfinden, dass das auch seine Tücken hat. Da wir beide im Bereich Musical tanzten und sangen, wollten wir uns vor ein paar Jahren in diesem Bereich beruflich betätigen. Wir merkten, dass nicht alle Leute in diesem Geschäft ehrlich oder nur schon anständig sind. Vielleicht waren wir auch etwas naiv zu dieser Zeit.

Charlene: Was wir aber herausgefunden haben: Unsere besten Sachen machen wir, wenn wir absolut frei sind. Sobald man versucht, Geld damit zu verdienen, muss man sich anpassen. Dazu sind wir wohl zu unkonventionell.

«Wenn man Produkte empfiehlt, hinter denen man nicht wirklich stehen kann, verliert man seine Integrität.»

Charlene Lynch, Modebloggerin

Eure Bilder haben immer eine sehr feminine Ausstrahlung. Bringt euch das nicht jede Menge unangenehme Aufmerksamkeit ein? Stalker?

 

Charlene: Es kommt schon immer mal wieder vor. Das kann ganz schön unangenehm sein, vor allem in einem kleinen Städtchen wie Schaffhausen, wo sowieso schon jeder jeden kennt.

Désiree: Wir wollen den Typen hier auch nicht so viel Plattform geben. Denn eigentlich interessiert uns diese Form der Aufmerksamkeit nicht. Und wir sind da hart genug, um Grenzen zu setzen.

Ihr empfehlt Produkte auf eurem Blog. Werdet ihr gesponsert?

 

Charlene: Wir nehmen einzelne Produkte auf, von denen wir wirklich überzeugt sind. Es ist teilweise schon fragwürdig, welche Mode- oder Pflegeproduktelinie versuchen, uns ihre Sachen anzudrehen. Wenn man Produkte empfiehlt, hinter denen man nicht wirklich stehen kann, verliert man seine Integrität. Und das merken die Leser.

Ihr betreibt den Blog so nebenbei. Wie viel Zeit verbringt ihr Online und in sozialen Medien?

 

Charlene: Zehn Stunden.


Désiree: Zehn Minuten.

 

Was macht ihr, wenn ihr gerade nicht arbeitet, blogt oder online seid?

 

Charlene: Wir besuchen gerne Musicals oder Tanzshows und lesen viel. Und ich gehe auch gerne mal an eine Party.

Désirée: Ich bin nicht so der Partytyp. Früher habe ich Charlene zwar ab und zu begleitet, aber ich bin in dieser Hinsicht fast zu anspruchsvoll.

Charlene: Désirée kann ein richtiger Stimmungskiller sein. Sie kann fünf Stunden lang mit verschränkten Armen dastehen und die Leute finster anstarren.

Und zum Schluss: Wie siehts in der Liebe aus? Über fehlende Angebote werdet ihr euch wohl kaum beschweren können …

Charlene: Ich scheine ein schlechtes Händchen für Männer zu haben. Wenn ich mein Herz an einen verliere, kann ich ihn sehr lange aus der Ferne anhimmeln. Bisher habe ich mich immer irgendwann plötzlich für einen «Verfügbaren» entschieden, was dann aber auch nicht geklappt hat, da mein Herz meistens noch dem anderen gehörte. Da ich dies nun durchschaut habe, versuche ich, es sein zu lassen und keine Kompromisse mehr einzugehen. Besser alleine, als mit der falschen Person zusammen.

Désirée: Ich bin glücklicher Single. Punkt.

Charlene: Die Männer scheinen unsere unkonventionelle Art manchmal einfach nicht zu verstehen. Und oberflächliche Online-Flirts sind halt auch nicht so unser Ding.

Désirée: Manche Frauen sind aber tatsächlich eifersüchtig auf unsere Freiheit, was zu Gerüchten wie, wir seien lesbisch, führt. Aber was soll’s. Jede Publicity ist gute Publicity. Und wir bleiben gerne ein bisschen geheimnisvoll …

 

Modeblog

Den Modeblog von Charlene und Désirée Lynch finden Sie unter  

Doeid.blogspot.ch

 

 

Diskutieren Sie mit

 

Lassen Sie sich von Modeblogs inspirieren?

 

Vielen Dank für Ihren Beitrag. Wir publizieren Leserkommentare von Montag bis Freitag.