Ein Tag am Mobile World Congress

12'000 Schritte für ein Gadget

Bluewin-Redaktor Anatol Heib besucht den Mobile World Congress in Barcelona und entdeckt dort das Neuste aus der Mobilfunk- und Gadget-Welt.

Anatol Heib, 23. Februar 2016

Montagmorgen, 9 Uhr in Barcelona. Ich sitze im Bus zum Mobile World Congress (MWC). Meine Mission: neue Smartphones und spannende neue Technologien entdecken. In den acht Hallen zeigen Samsung und Co., aber auch aufstrebende Newcomer eine Woche lang ihre Gadgets, die nur darauf warten, von mir in die Hand genommen zu werden. «Schpiilzüüg», würde meine Freundin jetzt sagen. Und es ist ein exklusiver Kreis: Der MWC ist keine Publikumsmesse.

 

 

Bluewin-Redaktor Anatol Heib (rechts) mit seinem Redaktionskollegen Pascal Landolt am MWC.  

 

 

Genau genommen hat der MWC bereits am Sonntag angefangen: Einen Tag vor dem offiziellen Start zeigten Huawei und LG an Pressekonferenzen ausserhalb des Messegeländes ihre Highlights. Der Sonntagabend gehörte wie auch letztes Jahr Samsung: In einer aufwändigen Show zeigten die Südkoreaner das Galaxy S7 und eine 360-Grad-Kamera.

 

 

 

Der MWC hält fit: Im Schnitt legt der Bluewin-Redaktor 12'000 Schritte pro Messetag zurück.

 

 

So fahre ich also schon gut informiert an den ersten Messetag. Der MWC hält übrigens fit: Das empfohlene Tagesziel von 10'000 Schritten erreiche ich locker. An einem Tag kommen 12'000 bis 15'000 Schritte zusammen, wie meine Smartwatch protokollieren wird. Und mit dem gut gefüllten Rucksack mit Laptop verbrenne ich sicher noch ein paar Kalorien mehr. 

 

 

Überlebenswichtig am MWC: Das WLAN-Passwort.

 

 

Am MWC angekommen, entdecke ich in der Eingangshalle eines der meistfotografierten Sujets: das Plakat mit dem Wifi-Code. Doch was man an der Mobile-Messe kaum für möglich hält: Das Wifi stösst regelmässig an seine Grenzen. Manchmal ist man drin und fliegt wenige Sekunden später wieder raus. Wohl dem, der auf ein anderes Netz eines Herstellers Zugriff hat.

 

 

1/8 Am MWC tummeln sich rund 95'000 Besucher.

2/8 Neben den neusten Smartphones, Wearables und Tablets gibt es auch Roboter zu sehen, sowie ...

3/8 ... die neusten Virtual-Reality-Brillen.

4/8 Für Aussenstehende kann das schon mal etwas verstörend aussehen: Messebesucher mit der VR-Brille Vive von HTC.

5/8 Gehört zu den Highlights der Messe: Das neue Samsung Galaxy S7 Edge.

6/8 Ebenfalls prominent: Das LG G5.

7/8 An den riesigen Tischen können viele Besucher gleichzeitig die neusten Smartphones ausprobieren.

8/8 Am Stand des Herstellers ZTE können Besucher die Zoom-Funktionen der Handys an einer chinesischen Miniatur-Landschaft testen.

1/8 Am MWC tummeln sich rund 95'000 Besucher.

 

 

Ich erlebe die nächsten Tage einen Endlosstrom von Menschen. Überall. Immer. In den Hallen ist es fast wie ein Hindernislauf. An ruhigeren Orten sitzen Leute am Boden, die in das Notebook hacken. Smartphone-Starrer, die scheinbar blind durch die Menge laufen, sind hier akzeptiert.
 
Wie sieht mein Tag aus? Es ist eine Mischung aus vereinbarten Gesprächsterminen, persönlichen Erkundungen durch die Hallen und so manchen überraschenden Begegnungen mit Menschen aus aller Welt. Und klar, schliesslich liefere ich für Bluewin mit meinem Kollegen Pascal Landolt die vereinbarten Artikel ab. Unterwegs treffe ich immer wieder einmal andere Schweizer Journalistenkollegen. Man kennt sich und tauscht sich zwischen zwei Terminen gerne mal aus.

 

 

Anatol Heib mit dem neuen Samsung Galaxy S7 Edge.

 

 

Zuerst marschiere ich in die Halle 3. Dort sind die grossen Player Samsung, Sony, LG, Microsoft oder Huawei mit ihren übergrossen und aufwändig inszenierten Booths präsent. Hier probiere ich aus, was die Hersteller kurz zuvor enthüllt haben. Die Armada von Menschen zwischen den Tischen mit den Testgeräten sorgt für regelmässige Checks. Das liegt auch daran, dass fast jeder einen Rucksack trägt. Und das Standpersonal schaut mit Argusaugen, dass hier nichts abhandenkommt.

 

Am MWC trifft man alle Typen von Gadget-Ausprobierern: den artig Wartenden, den Bulldozer, der schnurstracks auf sein Ziel zuläuft, oder den Heimlifeiss, der schnell nach vorne huscht, wenn man eine Sekunde nicht aufpasst. Manchmal befinden sich die vorgestellten Gadgets aber in einem so frühen Entwicklungsstadium, dass nur in einem Hinterzimmer ein Blick darauf möglich ist.

 

 

 

Selfie mit Oppo-Pressechef Nil MacKinnon. Der US-Amerikaner arbeitet seit zwei Jahren für den chinesischen Smartphone-Hersteller und lebt in Shenzen.

 

 

Auf der Tour durch weitere Hallen entdecke ich eine Armada an Smartphone-Herstellern, die in unseren Breitengraden kaum geläufig sind. Am Stand von Oppo aus China spreche ich mit Eli MacKinnon. Der junge US-Amerikaner lebt seit zwei Jahren in China und ist PR Officer des Unternehmens. Nach zwei Jahren könne er langsam von sich behaupten, Chinesisch zu sprechen. Er zeigt mir die Handys von Oppo, danach tauschen wir die Visitenkarten aus.

Es folgt ein Termin bei HTC: Ich spreche mit Fabian Nappenbach über die Virtual-Reality-Erfahrung Vive von HTC. Unweit von uns stehen meist junge Männer mit der aufgesetzten Brille in einem Raum und bewegen sich seltsam. Das Eintauchen in die virtuelle Welt wirkt von aussen unfreiwillig komisch.

 

 

Die Ausrüstung für die Messe: Visitenkarten, Kabel, Zusatz-Akku, Notizblock, Kugelschreiber, Messe-Badge, Not-Proviant und Laptop.

 

 

Ein paar Ecken weiter komme ich mit Khalid Jaghnoune von Accent ins Gespräch, einem Smartphone-Hersteller aus Marokko (diese Geräte werden freilich in China produziert). «Unser Hauptmarkt war bisher Marokko und der Senegal, nun möchten wir in Europa vorankommen», erzählt er mir. Es sind Smartphones fürs kleine Budget.  

Die Zeit vergeht am MWC wie im Flug. Dabei geht auch mal die Nahrungsaufnahme vergessen, wie ich gegen 14 Uhr feststelle. Gut, dass ich zwischen all den Terminen und Hallen immer wieder auf meinen Notvorrat im Rucksack zurückgreifen kann: Vollkornguetzli und Sesamriegel.  

Gegen 16 Uhr geht es ins Hotel, wo ich die Artikel und Bilder für die Redaktion fertigstelle. Der MWC hat so richtig begonnen. Und bis Mittwoch werde ich noch weitere 30 000 Schritte zurücklegen.

 

 

 

Mobile World Congress

Am Mobile World Congress (MWC) in Barcelona zeigen Aussteller aus aller Welt ihre Neuheiten. In den acht Hallen sind über 2000 Firmen präsent: Neben Geräteherstellern sind auch Netzwerkausrüster oder Servicedienstleister dabei. An der Fachmesse sind nur Ausstellungsteilnehmer und Medien akkreditiert. Wer diese Kriterien nicht erfüllt, muss ein Ticket kaufen. Startpreis: 749 Euro.

 

 

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