Mobilfunknetz für die Patrouille des Glaciers

«Die Anlage muss auch Föhnstürmen widerstehen»

Für die Austragung der Patrouille des Glaciers bauen Swisscom-Mitarbeiter und WK-Soldaten ein temporäres Mobilfunknetz auf. Hansrudolf Ziegler sagt im Interview, welche Herausforderungen die Techniker auf über 3000 Metern überwinden mussten.

Andreas Turner (Text), Lukas Wassmann (Fotos), 25. April 2016

Welche Herausforderungen stellen sich Swisscom und dem Militär beim Aufbau des «Patrouille de Glacier»-Mobilnetzes?


Wir bauen alle zwei Jahre für jede Austragung ein temporäres GSM-Netz auf – über die ganze Wettkampfstrecke. In Zermatt, Arolla und Verbier gibt es fixe Basisstationen und Mobilfunkzellen, die dauernd in Betrieb sind. Dazwischen gibt es allerdings Funklöcher. Um diese zu überbrücken, braucht es drei zusätzliche Basisstationen und drei Signalverstärker oder Repeater. Oberstes Ziel des Netzes ist, die Sicherheit für alle Teilnehmenden zu gewährleisten.

Woraus besteht eine mobile Basisstation im Detail?


Sie umfasst ein 19-Zoll-Rack, das etwa einen Meter hoch ist. Darin enthalten sind Sende- und Empfangseinheit sowie die Anbindung ans Netz für die Übertragung. Dazu kommen Masten und Antennen. Jeder Punkt auf der Route wird lückenlos abgedeckt. Es handelt sich schliesslich um ein Sicherheitsnetz.

 

 

Die Route der Patrouille des Glaciers führt von Zermatt nach Verbier.  

 

 

Wie werden die Geräte und Antennen im Untergrund verankert?


Die Masten werden mit Spannseilen fixiert. Am Ende der Spannseile befinden sich 60 mal 60 cm grosse Bretter, die im Schnee vergraben werden. 2012 hatten wir einen grossen Föhnsturm, dabei gab es Windgeschwindigkeiten um 200 Km/h. Aber die Masten sind stehengeblieben – sie waren danach höchstens ein wenig schief.

Wie funktioniert die Stromversorgung?


Die Mobilfunkposten sind alle mit Dieselaggregaten versorgt. Die 1500 GPS-Tracker, welche die Teilnehmer mit ihren speziell widerstandsfähigen Mobiltelefonen auf sich tragen, haben Batterien. Dazu bekommen sie als Stromreserve noch einen kleinen Not-Akku. Wir haben gut 4300 Teilnehmer dieses Jahr. Die Langsamsten kommen in 14 Stunden über die Runden. Das verkraften die Akkus mühelos.

 

 

1/4 Die Mitarbeiter des Fachdienstes Telecom arbeiten unter harten Bedingungen.

2/4 Die Antennen für die temporäre Mobilfunkversorgung auf der Rosa Blanche müssen Windgeschwindigkeiten bis zu 200 km/h überstehen können. Die Masten werden mit Spannseilen fixiert und die Bretter-Fundamente im Schnee vergraben.

3/4 Der Schlafsack wurde vom Heli eingeflogen. Für die Arbeiten der nächsten Tage bleiben die Soldaten weiterhin auf der Rosa Blanche.

4/4 Im Innern des Biwaks auf der Rose Blanche.

1/4 Die Mitarbeiter des Fachdienstes Telecom arbeiten unter harten Bedingungen.

 

 

Was leistet das Netz konkret für die Sicherheit?


Jede der rund 1500 teilnehmenden Patrouillen bekommt einen GSM-Tracker, der in den erwähnten Mobiltelefonen eingebaut ist. Dieser Tracker empfängt das GPS-Satellitensignal und bestimmt die Position der Teilnehmer. Alle zwei Minuten übermittelt der Tracker automatisiert ein SMS an die Zentrale in Sion. Von dort aus überwacht die Rennleitung jederzeit die Position der Patrouillen. Gleichzeitig kann jede Patrouille über diesen Tracker im Ernstfall einen Notruf auslösen, der in Sion eintrifft.

Welche zusätzlichen Funktionen erfüllt das Netz?


Da geht es um die eigentliche Sportzeitmessung innerhalb von 14 Posten, welche die Patrouilleure durchlaufen. Von dort aus werden über Transponder die Signale zur Zeitmessung ausgesendet.

 

 

Die Techniker sorgen mit einer temporären LTE-Zelle für eine Mobilfunkverbindung während der Austragung der Patrouille des Glaciers.

 

 

Wie wird die Live-Übertragung des Renngeschehens organisiert?


Swisscom wartet dieses Jahr mit einer Innovation auf, dank der die Zuschauer das Rennen direkt und aus nächster Nähe verfolgen können. Sie besteht aus einem Kamerasystem, das von den Swisscom-Broadcast-Teams entwickelt wurde und eine qualitativ hochstehende Bildübertragung unter allen Bedingungen garantiert. Dies geschieht über mobile Kameras, die ferngesteuert funktionieren.

Die Signale werden über eine LTE-Zelle im 1800-MHz-Band direkt an die temporäre Basisstationen auf dem Mont Fort und von dort via ein Glasfaserkabel in ein Rechenzentrum gesendet, wo sie dann für die PdG-App und das Internet aufbereitet werden.

 

 

Sicherheitsfunknetz

 

Swisscom Broadcast rüstet die Organisation der Patrouille des Glaciers neben dem temporären Mobilfunknetz auch mit einem DMR-Funksystem (Digital Mobile Radio) aus. Dieses sorgt für eine störungsfreie Kommunikation unter den Veranstaltern und den Einsatzkräften wie etwa der Sanität. Das modulare Funknetz besteht aus 14 Basisstationen an sieben Standorten. Insgesamt stehen 180 Funkgeräte im Einsatz.

Das Technical Operating Center in Sion überwacht sowohl das Mobilfunk- als auch das DMR-Sicherheitsfunknetz und sorgt für einen einwandfreien Netzbetrieb während 7 x 24 Stunden.


 

 

Diese ganze Mobilfunkversorgung wird temporär erstellt, nur für diese eine Woche der «Patrouille de Glaciers»-Austragung. Können Teile der Infrastruktur für die nächste Austragung in den Bergen verbleiben?


Wenige Ausrüstungsgegenstände, wie einige Antennen an SAC-Hütten, sind fix montiert. Der grössere Teil muss aber wieder abgebaut werden, denn das Netz wird zum Teil direkt auf dem Gletscher installiert – oder in einer Alphütte.

 

Von welchem Umfang an Material sprechen wir? Wie kommt das Material an seinen Bestimmungsort und wie wird es wieder weggebracht?


Es sind rund drei Tonnen Material auf 14 Rahmen mit SBB-Palletten, das hinaufgebracht werden muss. Zum Teil passiert dies via Seilbahn, der Hauptteil jedoch wird vom Militär per Helikoptern ans Ziel geflogen – wie auch das gesamte Material der Teilnehmer, das dort oben gebraucht wird.

 


Der steile Aufstieg zur Rose Blanche auf der Patrouille des Glaciers.

 

 

Wie ist die operative Arbeitsteilung zwischen Swisscom und dem Militär?


Beim Aufbau der Netze arbeitet Swisscom eng mit dem Kommando der Patrouille des Glaciers sowie der Führungsunterstützungsbasis der Armee (FUB) zusammen. Swisscom übernimmt den technischen Teil über ihren Fachdienst Telekom. Das sind technisch ausgebildete Leute aus dem Bau- und Betriebsbereich, die es gewohnt sind, unter harten Bedingungen zu arbeiten.

Seit 2014 gibt es die Zusammenarbeit mit Uepaa – dem digitalen Dienst, spezialisiert auf Mobilfunk-Lebensrettung.


Der Uepaa-Dienst ist mehr für die Schlachtenbummler gedacht, die das Geschehen ebenfalls live auf dem Gletscher mitverfolgen. Gerät von diesen Fans jemand in Not, kann über die «Patrouille de Glaciers»-App die Uepaa-Funktion bedient werden, über welche sich auch der Live-Stream von der Rosablanche aus betrachten lässt.

 

Hansrudolf Ziegler

Der 61-jährige Hansrudolf Zielger hat während der letzten 17 Jahre den Betrieb der Wirelessnetze von Swisscom geleitet und arbeitet heute als Service Owner Wireless im Bereich Netze. Er ist gelernter Maschineningenieur und ist für die Technik und den Betrieb der temporären Wirelessnetze an der Patrouille des Glaciers verantwortlich.

 

 

 

Hilfe ohne Netz

Rund 1000 Bergwanderer verunglücken pro Jahr in den Bergen. Dank der Schweizer App Uepaa! können Sie auch dort Hilfe anfordern, wo kein Netz ist. Wie das funktioniert, lesen Sie in «Rettungsdienst für Wanderer».

 

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Machen Sie selbst Skitouren? Würden Sie sich auf eine solch harte Route wie die Patrouille des Glaciers wagen?

 

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