Sprachlern-Apps

Unterwegs mit der Fremdsprache in der Tasche

Die düsteren Zeiten der Sprachlabore, in denen jeder für sich alleine seine Sätze wiederholte, schien der Vergangenheit anzugehören. Doch dank Smartphone-Apps hält die Technologie beim Sprachenlernen nun wieder Einzug. Ein Fortschritt?

Laurent Seematter (Text), 1. Juni 2017

Die erste Lektion meines Spanischkurses mit der kostenlosen App Duolingo: Ich muss zu den angezeigten Bildern das richtige Wort für das Kind (el niño), den Mann (el hombre) oder die Frau (la mujer) auswählen. Später werde ich aufgefordert, kurze Sätze schriftlich zu übersetzen: «Soy un niño.». Das System erfasst meine Fehler automatisch und gibt mir eine Note. Ist das motivierend genug?

 

 

Sprachenlernen: eine soziale Tätigkeit

 

«Was die Lernenden motiviert sind Übungen und Konversationen in einer Gruppe», gibt Rhea Stalder, Lehrerin und Ausbildnerin für Fremdsprachendidaktik, zu bedenken. «Meiner Erfahrung nach brechen Lernende, die sich für reines E-Learning entscheiden, den Kurs oft vor seinem Ende ab.» Das Erlernen einer Sprache ist vor allem ein sozialer Prozess.

 

««Meiner Erfahrung nach brechen Lernende, die sich für reines E-Learning entscheiden, den Kurs oft vor seinem Ende ab.»

Rhea Stalder, Lehrerin und Ausbildnerin für Fremdsprachendidaktik

 

Die Blütezeit der Sprachlabore dauerte nicht lange an.

 

 

Mobiles Training

 

Dennoch haben mobile Apps ihre Vorteile: «Das Smartphone hat man immer bei sich, dadurch kann man jederzeit Vokabeln wiederholen oder Übungen machen, ohne seine Bücher und Hefte dabeihaben zu müssen», fügt Rhea Stalder hinzu. In Ergänzung zu ihrem Unterricht benutzt sie beispielsweise die App Quizlet, mit der die Schüler eigene elektronische Vokabelkarten erstellen können.

«Das Smartphone hat man immer bei sich, dadurch kann man jederzeit Vokabeln wiederholen oder Übungen machen.»

Im Unterschied zu Duolingo bieten kostenpflichtige Apps wie Babbel oder Rosetta strukturierte Lektionen zu verschiedenen Themenbereichen und zu realen Kommunikationssituationen aus dem Privat- und Berufsleben. Schenkt man den Kritiken in den Benutzerforen Glauben, weisen die automatischen Korrekturfunktionen für die Aussprache jedoch noch Schwächen auf. Und Rhea Stalder sieht noch ein weiteres Problem: «Die Programme sind im Allgemeinen nicht in der Lage, Sätze differenziert zu korrigieren, da sie Synonyme nicht erkennen.»

 

Auch wenn sie das inspirierende Umfeld eines Sprachkurses nicht ersetzen können, sind Lern-Apps praktisch für alle, die unterwegs Vokabeln und Grammatik üben möchten.

 

 

 


EINIGE SPRACHLERN-APPS

 

Duolingo ist die wohl bekannteste App zum Sprachenlernen. Die kurzen Lerneinheiten lassen sich gut in den Alltag integrieren. Die App kann kostenlos für Android und iOs heruntergeladen werden.

 

PodClub ist eine App für das Auffrischen Ihrer Fremdsprachenkenntnisse. Hören Sie sich beispielsweise an, was der Waliser Gerry, die Elsässerin Marie oder die Madriderin Alicia im Alltag erleben. Die Karaoke-Funktion zeigt Ihnen den gesprochenen Text an. Die Basis-App ist kostenlos für Android und iOs verfügbar. Der optionale Vokabeltrainer kostet CHF 6.

 

Quizlet erlaubt es Ihnen, eigene Lernkarten zu erstellen oder aus Millionen von Sammlungen, die von anderen Benutzern angelegt wurden, auszuwählen. Die App eignet sich ideal, um Vokabeln zu wiederholen, und kann kostenlos für Android und iOS heruntergeladen werden.

 

Babbel ist eine App, die auf kontextabhängiges Lernen setzt und mit der sich das Hörverständnis und der mündliche Ausdruck trainieren lassen. Mit einem monatlichen Abonnement für EUR 9.95 kann man alle Funktionen nutzen. Sie ist für Android und iOS erhältlich.

 

Eli Explorer ist eine App, die speziell für Kinder zwischen 2 und 5 Jahren entwickelt wurde. In einer sicheren, interaktiven Welt lernen sie ihre ersten hundert Worte und Sätze in zehn verschiedenen Sprachen. Die App kostet EUR 1.99 und ist nur für iOS erhältlich.

 

 

 

 

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