Die Geschichte des Smartphones

Das Handy ist 90 Jahre alt – nicht erst 20

Der Nokia 9000 Communicator feierte vor 20 Jahren Premiere – und wird als «erstes Smartphone der Welt» gefeiert. Dabei begann die Erfolgsstory des mobilen Telefonierens – und damit auch des Smartphones – schon viel früher. Nämlich 1926.

Dr. Jörg Rothweiler (Text), 6. Oktober 2016

Einen Anruf tätigen, die E-Mails abrufen, chatten, fotografieren und im Word Wide Web surfen. Das Smartphone ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Weltweit gehen jährlich mehr als 1,4 Milliarden Smartphones über den Ladentisch, rund drei Millionen alleine in der Schweiz.

 

Begonnen hat diese Erfolgsgeschichte aber nicht erst mit dem iPhone. Und auch der aktuell gefeierte Nokia 9000 Communicator war nicht der Ursprung, sondern repräsentiert nur einen von vielen Höhepunkten einer Entwicklung, die bereits kurz nach dem ersten Weltkrieg begann.

 

 

Der Nokia 9000 Communicator konnte bereits Faxe versenden.

 

 

Telefonieren im Zug – bei der Reichsbahn schon 1926


Bereits anno 1918, der Meissnersche Röhrensender war noch keine fünf Jahre alt, experimentierte die Deutsche Reichsbahn in Berlin mit Funktelefonen. 1926 gab es erstmals einen mobilen Telefondienst in der 1. Klasse (siehe grosses Bild oben). Wenigstens auf der Strecke Hamburg–Berlin. Und in den USA bot die Firma AT&T ab 1927 transatlantische Gesprächsverbindungen mittels Funkübertragung an.

Bereits 1946 tätigte ein Trucker-Fahrer in den USA einen Anruf über das erste «echte» Mobilfunknetz.

Nach dem zweiten Weltkrieg errichtete AT&T in den USA das erste «echte» Mobilfunknetz – ohne das es nie ein Handy und somit auch kein Smartphone gegeben hätte. Den ersten Anruf über dieses Netz tätigte am 17. Juni 1946 ein simpler Trucker-Fahrer – über ein fix im LKW eingebautes Funktelefon.

 

 

 

Der stolze Martin Cooper mit dem von ihm entwickelten Motorola DynaTAC 8000X, dem ersten kommerziellen Mobiltelefon.  Bild: Rico Shen / Wikimedia

 

 

1974 erhielt Theodore George Paraskevakos ein Patent für ein «Gerät zur Generierung und Übermittlung digitaler Daten». Schon ein Jahr zuvor aber präsentierte Motorola den ersten Prototyp eines Mobiltelefons. Und am 21. September 1983 kam mit dem von Martin Cooper entwickelten «Knochen» (Motorola DynaTAC 8000X) das erste kommerzielle Mobiltelefon in den Handel.

 

 

Internetverbindung, Kalenderfunktion, Touchscreen: Das Ericsson R380 war schon ein richtiges Smartphone.

 

 

IBM als eigentlicher Vordenker


In der darauffolgenden Dekade wurden die Mobilfunk- und Gerätetechnik stetig verbessert. 1994 kombinierte IBM im Simon Personal Computer erstmals ein Mobiltelefon mit einem PDA – inklusive Touchscreen. Allerdings war das Gerät nicht Internet-fähig, also noch kein Smartphone im heutigen Sinne. Doch das war auch der 1996 lancierte Nokia 9000 Communicator nicht – trotz Faxanschluss, elektronischem Kalender, digitalem Adressbuch, Notizanwendung, Taschenrechner und der Möglichkeit, HTML-Seiten anzuzeigen.

Der Nokia-Communicator hatte keine Kamera und liess keine Apps zu, mit dem ersten Blackberry konnte man nicht telefonieren.

Beispielsweise hatte der Communicator keine Kamera, und es konnten keine zusätzlichen Apps verwendet werden. Auch der 1999 lancierte Blackberry war noch nicht ganz Smartphone-tauglich: Er diente zwar als mobiles Büro, taugte aber nicht zum Telefonieren. Dies konnte erst die 10. Blackberry-Generation – ab 2003.

 

Pünktlich zum Millennium wagte auch Ericsson mit dem R380 einen Smartphone-Versuch. Und der Ansatz war gut: weltweit erstmaliger Einsatz von Symbian-Software, Touchscreen, Internetbrowser, Kalenderfunktionen und vieles mehr. Dazu ein Name, der sogar den der Firma überdauert hat: «Smartphone» nannten die Schweden das R380. Dabei war dieses – aus heutiger Sicht – ebenso wenig «smart» wie alle anderen damaligen Geräte. Die Usability war lausig, der Bildschirme schlecht und die Geräte bleischwer.

 

 

Apple und Google


So schlug 2007 Apples iPhone ein wie eine Bombe. Dank seiner intuitiven Nutzerführung war es das erste wirklich «smarte» mobile Multimediacenter. Und ein Jahr später sorgte Google für die nächste Revolution. Mit dem im HTC Dream und dem erstmals verwendeten Betriebssystem Android.

Symbian verschwand und Microsoft kam nie richtig ins Spiel. Es blieben Apples iOS und Googles Android.

Im Schatten dieser Geräte verschwand Symbian irgendwann ganz von der Bildfläche, und Microsofts Mobiles Betriebssystem kam nie richtig ins Spiel. Zudem wurden im letzten Jahrzehnt viele einst mächtige und innovative Player wie IBM, BlackBerry, Motorola oder (Sony) Ericsson zu Statisten – oder sie wurden geschluckt. Die aktuellen Weltmarktführer heissen Samsung, Apple und Huawei. Sie gestalten die Zukunft des Smartphones – aber ohne echte Revolution.

 

Zwar werden die Apps zahlreicher, die Prozessoren schneller, die Kameras besser und die Bildschirme immer brillanter. Doch bessere Lösungen als die QWERTZ-Tastatur im Stil wie vor 150 Jahren und Akkus, die kaum einen Tag durchhalten, brachte noch kein. Diesbezüglich bleibt also noch viel Platz für künftige Revolutionen.

 

 

 

Gewusst? Wo das Wort «Natel» herkommt

 

Natel ist die Abkürzung für «Nationales Autotelefon». Das Wort wird in der Schweiz als Synonym für Mobiltelefon gebraucht, ist jedoch eine von Swisscom eingetragene Marke in der Schweiz, mit der Swisscom Mobilfunk-Angebote vermarktet. Seit 1999 ist Natel in Grossbuchstaben markengeschützt.

 

 

Aktuell bei Swisscom

Die Erfolgsstory des Smartphones dauert schon 90 Jahre an – und geht weiter. Die aktuellsten Erfolgsstorys gibt es bei Swisscom.

 

 

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