Internet im Flugzeug

Das Wie, Was, Wo des Wolkensurfens

Die Nutzung des Internets wird ab diesem Sommer auch in der Luft «Highspeed»-tauglich. Möglich macht dies die Zusammenarbeit von vier europäischen Unternehmen.

Mario Wittenwiler (Text), 6. Juni 2017

Auch hoch über den Wolken das Internet nutzen – das ist keine ferne Zukunftsmusik mehr. Verschiedene Fluggesellschaften bieten auf ausgewählten Flugstrecken bereits heute diesen Mehrwert an. In den USA ist dies bei Inlandflügen seit Jahren üblich. Web an Bord gibt es auch bei den Fluggesellschaften Lufthansa, British Airways, Emirates, Qatar Airways, Norwegian, Turkish Airlines und – etwas überraschend – bei der Billig-Airline Air Berlin. Die Nutzungsgebühren unterscheiden sich jedoch erheblich. Am allergünstigsten – nämlich umsonst – surft man in diesen drei Fluggesellschaften: Während Norwegian und Turkish Airlines in ihren Boeing-Maschinen kein Entgelt verlangen, gibt es bei Qatar Airways immerhin 15 Minuten Webnutzung gratis. 

 

Internet im Flugzeug hatte bisher allerdings einen Haken. Die Geschwindigkeit ist etwa mit jener eines Public WLAN vergleichbar. Also nichts mit Highspeed-Connection. Damit sich das ändert, entwickelte das European Aviation Network (EAN) eine Technik für Highspeed-Internet an Bord von Flugzeugen.

 

 

Die Deutsche Telekom und Inmarsat haben gemeinsam mit ihren Technologiepartnern Nokia und Thales ein erfolgreiches Testflugprogramm in Grossbritannien durchgeführt.

 

 

Wer?

 

European Aviation Network (EAN) ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Telekom mit dem britischen Satelliten-Mobilfunkdienst Inmarsat. Beteiligt sind auch das französische Militär- und Raumfahrtunternehmen Thales sowie der finnische Telekommunikationskonzern Nokia. Ziel ist es, die Internetqualität in Flugzeugen auf highspeed Standard zu heben. Inmarsat liefert den Satellitenservice, die Telekom den heute üblichen 4G-Mobilfunk. Die Bodenantennen stammen von Nokia, die Technik an Bord der Flugzeuge von Thales.

 

 

 

Was?

 

EAN nutzt eine Hybridtechnologie: Es kombiniert Mobilfunknetztechnologie mit modernster Satellitenkommunikation. Ein klassischer 4G-Sendemast verfügt über eine Reichweite von wenigen tausend Metern. Die EAN-Antennen dagegen von mehr als 80 Kilometern. Mehr als genug, um Flugzeuge auf ihrer üblichen Reisehöhe zu erreichen. Telekom und Nokia bauen derzeit in ganz Europa 300 solcher EAN-Basisstationen auf. Ab einer Flughöhe von 3000 Metern werden die Signale des Satelliten durch die Hardware an Bord der Flugzeuge automatisch mit denjenigen der Bodenstationen ergänzt.

 

 

Deutsche Telekom und Nokia bauen derzeit in ganz Europa 300 EAN-Bodenstationen auf.

 

 

Wann?

 

Die Ergebnisse des ersten EAN-Testflugs in Grossbritannien Ende 2016 übertrafen die Erwartungen. Ab Mitte 2017 wird EAN in grossen Teilen Westeuropas zu empfangen sein. Ab 2018 soll der schnellere Internetzugang in ganz Europa zur Verfügung stehen und Standard bei innereuropäischen Flügen sein. Als erste Fluggesellschaften haben sich British Airways, Iberia und Aer Lingus von der International Airline Group (IAG) den neuen Service gesichert. Bis 2019 will IAG 90 Prozent der Kurzstreckenflotte mit EAN ausstatten.

 

 

 

 

Wo?

 

Die nur etwa faustgrosse EAN-Antenne von Thales ist ein technisches Meisterwerk. Aussen am Rumpf des Flugzeugs befestigt, zeichnet sie sich durch höchste Widerstandsfähigkeit aus. Schliesslich muss sie auch bei Reisegeschwindigkeiten bis 1200 km/h funktionieren. Highspeed-Internet wird nur auf Flügen innerhalb Europas angeboten, da der Dienst auf die von EAN aufgestellten Bodenantennen angewiesen ist.

 

 

Die Antenne von EAN befindet sich am Rumpf des Flugzeuges.

 

 

Wie?

 

Bisher funktionierte das Internet auf 10'000 Metern Höhe über reine Satellitenkommunikation: Ein Sender auf dem Flugzeug schickte Daten und Signale an einen Satelliten im All. Dieser wiederum leitete die Informationen an eine Bodenstation weiter. Von dort wurden die Nachrichten, Fotos und Mails an den Empfänger übermittelt. Der hochmoderne neue Satellit von Inmarsat in Kombination mit dem weitreichenden Mobilfunk der EAN-Antennen bietet eine deutliche Verbesserung – vor allem in Sachen Geschwindigkeit. Bezüglich Datensicherheit birgt Internet per EAN nicht mehr Risiken als ein WLAN-Netzwerk auf dem Boden.

 

 

 

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