Das Weltraumspiel «No Man's Sky» von Sony

Gaming: «No Man's Sky»

Unfertige Games und enttäuschte Spieler

Das Computer-Game «No Man’s Sky» enttäuschte die Spieler: Das Game kam unfertig auf den Markt. Das ist kein neues Phänomen, sondern schon fast der Normalfall beim Gaming.

Hansjörg Honegger (Text), 30. September 2016

Kürzlich kaufte ich einen Tisch: «The Noble Kings Table». Tolle Sache: Echtholz, künstliche Patina, Tischplatte. Und vor allem: Er wurde immer besser. Mit dem ersten Update kamen zwei Beine dazu. «Ihr Day-One-Patch» stand in grossen Lettern auf dem Paket. Die anderen beiden Beine würden mit dem ersten – kostenpflichtigen – Update geliefert, meinte der enthusiastische Händler.


Blödsinn. Ein Schreiner, der die ersten beiden Beine vom Marketing frenetisch als «Verbesserung» feiern liesse und die beiden anderen nur gegen Aufpreis liefert, wäre innert Stunden pleite. Nicht so die Game-Industrie. Die lebt von diesem Konzept. Jüngstes Beispiel in einer leider sehr langen Liste ist «No Man’s Sky» von Sony.

Das Resultat war ernüchternd: Die meisten versprochenen Funktionen tauchen gar nicht auf, es ist sehr repetitiv, und der Spielspass hält sich in Grenzen.

Das Weltraumspiel «No Man's Sky» wurde vor der Veröffentlichung in den Himmel gelobt: 18 Trillionen Planeten könne der Spieler entdecken, ein ausgeklügeltes Rohstoff-, Crafting- (Entwicklung) und Handelssystem wurde dem Spieler versprochen. Er könne sich Allianzen anschliessen, sei Teil epischer Schlachten und das Ganze sei erst noch mehrspielertauglich.


Das Resultat war ernüchternd: Die meisten versprochenen Funktionen tauchen gar nicht auf, es ist trotz Trillionen von Planeten sehr repetitiv, und der Spielspass hält sich nach einer anfänglich durchaus interessanten Erfahrung in Grenzen. Spielen mit Freunden: Fehlanzeige, der Multiplayer-Modus ist nicht im Spiel enthalten.

 

 

Der Trailer von «No Man's Sky» verspricht viel. Video: Youtube/HelloGamesTube

 

 

Unfertige Games wie «No Man's Sky»: der Normalfall


«No Man’s Sky» wurde auf den Markt geworfen, obwohl es nicht fertig war. Die Spielergemeinde beklagt diesen Umstand wortreich, obwohl sie doch eigentlich daran gewöhnt sein sollte. Nur einige Beispiele aus den letzten Jahren: «Tony Hawk's Pro Skater 5»: Das Game war in der Originalversion gar nicht spielbar. Der Day-One-Patch war satte 7,7 Gigabyte schwer – das ursprüngliche Game 7,3 Gigabyte! Wer das Game als DVD kaufte, weil er nicht über eine schnelle Internetleitung verfügte, guckte in die Röhre.


Oder «Batman Arkham Night» für PC. Das Game wurde nach wenigen Tagen wieder aus dem Verkauf genommen, weil es dermassen fehlerhaft war. Genauso wie «Assassin's Creed – Unity», das von Fehlern wimmelte und praktisch unspielbar war. Ebenfalls schwere Mängel hatte «Battlefield 4», dessen unfertiger Netcode das Multiplayer-Erlebnis mit anderen Spielern stark trübte.

 

 

1/5 «Batman Arkham Night»: Das PC-Game wurde nach wenigen Tagen wieder aus dem Verkehr gezogen, weil es fehlerhaft war.

2/5 «Just Cause 3»: Gamer auf der ganzen Welt meldeten Probleme kurz nach dem Release des Spiels.

3/5 «Assassin's Creed – Unity»: Verursachte nach der Installation viele Abstürze und schwarze Bildschirme. Zur Schadensbegrenzung offerierte der Hersteller «Dead Kings» einen kostenlosen DLC (Download Content).

4/5 «Tony Hawk's Pro Skater 5»: Gamer meldeten Bugs und fehlerhafte Grafik, sodass der Hersteller einen Patch zum Download anbot, der mit 7,7 Gigabyte grösser war als das Spiel selbst.

5/5 «Battlefield 4»: Sein unfertiger Netcode trübte das Multiplayer-Erlebnis mit anderen Spielern stark.

1/5 «Batman Arkham Night»: Das PC-Game wurde nach wenigen Tagen wieder aus dem Verkehr gezogen, weil es fehlerhaft war.

 

 

Schlecht programmierte Spiele, fehlende Funktionen oder eine mangelhafte Story: Warum setzen auch namhafte Game-Hersteller wie Ubisoft, EA Games, Sony oder Microsoft ihren Ruf so leichtfertig aufs Spiel? Einerseits dürfte es der wirtschaftliche Druck sein. Die Entwicklung eines modernen Computerspiels verschlingt schnell einmal Dutzende von Millionen Dollar. Verspätet sich das Game, geht das schnell ins Geld.

 


Rückgaberecht bei Plattformen wie Steam


Kommt dazu, dass die Game-Industrie mit ihrem zweifelhaften Vorgehen noch keine wirklich schlechten Erfahrungen gemacht hat. Die Community regt sich zwar fürchterlich auf, kauft aber den nächsten Titel mit genauso grosser Begeisterung. Das zeigen die Umsätze der Spieleindustrie, die weltweit jene der Filmindustrie weit hinter sich lassen.


Immerhin besteht heute bei Download-Plattformen wie Steam ein Rückgaberecht. Wenn das Game angespielt wird und sich dieses – wie beispielsweise bei «Just Cause 3» zehntausendfach passiert – als nicht spielbar erweist, kann es ohne weitere Angabe von Gründen zurückgegeben werden.

 

 

Der nächste grosse Hype: Vorschau auf «Battlefield 1». Video: Youtube/Battlefield

 

 

Neue Games in der Pipeline


Nach «No Man’s Sky» stehen bereits die nächsten Hypes an: «Battlefield 1» erscheint gegen Ende Oktober – und die Community überschlägt sich vor Begeisterung, als ob sie noch nie enttäuscht worden wäre. Steht der richtige Name hinter einem Projekt, werden schon mal Rekorde gebrochen. So treibt zurzeit Chris Roberts – Erfinder der in den 90er-Jahren sehr erfolgreichen «Wing Commander»-Serie – das Projekt «Star Citizen» voran. Auch das soll wieder eine Weltraumoper werden. Zur Finanzierung startete der legendäre Spieleentwickler ein Crowdfunding-Projekt, das nach kurzer Zeit in die Geschichte einging: Rund 1,4 Millionen Menschen zahlten insgesamt über 100 Millionen Dollar für das Projekt. Erste Ingame-Sequenzen sehen vielversprechend aus. Aber wer weiss, was im fertigen Spiel davon noch zu sehen ist.

 

Vielleicht sind die Spieler einfach ein wenig naiv. Wahrscheinlich aber gibt es einfach genügend Games, die sie immer wieder begeistern können. Mit guter Story, toller Grafik und – vor allem anderen – einer nachhaltigen, unterhaltsamen und überraschenden Spielmechanik. So wie im letzten Jahr «The Witcher 3» oder «Fallout 4».


Wer weiss, vielleicht wird «No Man’s Sky» auch mal so ein Spiel. Nach dem neunten Patch und dem dritten DLC (Download Content). Nur: Wenn es so weit ist, wird das vermutlich niemand mehr merken. Schade eigentlich.

Falsche Versprechen?

«No Man's Sky» leidet unter akutem Spielerschwund, berichten Portale wie Eurogamer.de. Doch damit nicht genug: Gemäss einer Meldung von Computerbild.de ermittelt die britische Aufsichtsorganisation für Werbestandards wegen Betrugs gegen den Produzenten Hello Games.  

 

 

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