Bewegungsdaten aus dem Fitness-Tracker

40 Rappen für 10'000 Schritte

Wer die Daten seines Schrittzählers zur Verfügung stellt, erhält von manchen Krankenkassen einen Bonus. Betreffend Datenschutz ist dies nicht unbedenklich, doch liegen darin auch Chancen für die Gesundheitsprävention.

Felix Raymann, 20. Januar 2017

So mancher Bewegungsmuffel lässt sich allein durch ein Tracking-Armband oder eine Schrittzähler-App zu mehr Bewegung motivieren. Wem aber die Informationen über gemachte Schritte, zurückgelegte Distanzen oder verbrauchte Kalorien nicht ausreichen, kann sich zusätzlich mit einer monetären Motivationsspritze anspornen lassen: Diverse Krankenversicherungen belohnen ihre Mitglieder, wenn diese ihre per Schrittzähler erfassten Bewegungsdaten zur Verfügung stellen.

 

Die CSS beispielsweise bietet ein entsprechendes Bonussystem an. Als versicherte Person kann man von einem Armband (Fitbit, Garmin oder Jawbone), das man den ganzen Tag trägt, die Schritte zählen lassen. Die gesammelten Daten werden jeden Tag an die Versicherung übermittelt.

 

 

Nur für Zusatzversicherungen erlaubt

 

Von den erfassten Daten, die das Armband misst, wird lediglich die Anzahl der zurückgelegten Schritte verwendet. Konkret gibt es eine Gutschrift von täglich 20 Rappen für 7500 Schritte oder maximal 40 Rappen für 10'000 Schritte. Solche Modelle sind zurzeit nur bei Zusatzversicherungen erlaubt, nicht aber bei der Krankenkassen-Grundversicherung.

Nebst Schritten erfassen manche Geräte auch Werte wie Puls, Blutdruck, Fettanteil im Körper, Schlafverhalten oder Körpergewicht.

Dass die Gutschriften für die Schritte relativ klein sind, hat seinen Grund: Die Belohnungen für die Datenfreigabe dürfen nicht allzu gross sein, sodass sich keiner gezwungen fühlt, sich aus Geldknappheit für ein solches Modell entscheiden zu müssen. Doch immerhin: Besonders agile Menschen können mit dieser Methode jährlich bis zu 146 Franken an Gutschriften sammeln, die sie bei diversen Anbietern für Gesundheitsförderung oder Fitness einlösen können.

 

 

Einige Fitness-Tracker zählen nicht nur Schritte, sondern messen auch den Puls.

 

 

Kontrollverlust der persönlichen Daten

 

Doch Fitness-Armbänder und Apps können mehr als nur Schritte zählen, sie können zu wahren Datenkraken werden. Manche Geräte erfassen auch Werte wie Puls, Blutdruck, Fettanteil im Körper, Schlafverhalten oder Körpergewicht. Von manchen Apps wird man zudem dazu aufgefordert, sämtliche Nahrung, die man aufnimmt, einzutragen.  

«Manche Anbieter von Versicherungen bzw. Fitness-Messgeräten bedingen sich in den AGB das Recht aus, die Daten zu kommerziellen Zwecken weiterzuverwenden.»

Adrian Lobsiger, Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter (EDÖB)

Das Risiko eines Kontrollverlusts der Daten ist gross, sodass es zu Datenschutzverletzungen kommen kann, erläutert der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) in einer Stellungnahme. «Manche Anbieter von Versicherungen bzw. Fitness-Messgeräten bedingen sich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) das Recht aus, die Daten zu kommerziellen Zwecken weiterzuverwenden (bzw. an Dritte zu verkaufen)», schreibt der EDÖB. Er rät deshalb zu einem gut überlegten Umgang mit den Fitness- und Gesundheitsdaten.

 

Auch die Gefahr eines Fremdzugriffs oder einer Manipulation der Daten lässt sich nie ganz ausschliessen. So könnten die Daten beispielsweise beim Arbeitgeber oder bei einer anderen Versicherung landen.

 

 

Schritte als Indikator

 

Die Krankenversicherungen beschränken sich gemäss der AGBs jedoch auf die Anzahl der zurückgelegten Schritte. Gemäss Manuel Heuer von der Gesundheitsförderungs-plattform Dacadoo, die mit Krankenkassen zusammenarbeitet, besteht der Hauptnutzen des Schrittezählens darin, die Versicherten zu mehr Bewegung zu motivieren und sie gesund zu halten.

Probanden, die mit einem Tracking-Armband ausgerüstet wurden, haben signifikant weniger abgenommen als die Vergleichsgruppe.

Welche Informationen die Schrittzahl zum Gesundheitszustand von Personen liefert, ist unklar. Wer sich mit einem Schrittzähler einen Gewichtsverlust verspricht, erreicht damit vielleicht das Gegenteil: Gemäss den Resultaten einer US-Studie haben Probanden, die während einer Testphase von 24 Monaten mit einem Tracking-Armband ausgerüstet wurden, signifikant weniger abgenommen als die Vergleichsgruppe ohne Armband.

 

 

Big Data statt individuelle Informationen

 

Gesammelte Körperdaten können aber für die Prävention nützlich sein. Zwar sind die erwähnten Angebote «Lifestyle-Produkte, weil sie keine medizinische Diagnose machen – und auch nicht machen dürfen,» sagt Heuer, «doch gibt es auch digitale Tracker, die etwa chronisch Kranke unterstützen, um beispielsweise Diabetes, Hypertension oder Herzprobleme besser kontrollieren zu können.»

 

So können etwa Wearables den Blutzuckerspiegel messen und danach die Werte ihrem Arzt übermitteln. Theoretisch sind auch Big-Data-Analysen möglich, bei denen aus Tausenden von Bewegungs-, Schlaf- oder anderen Körperdaten medizinische Erkenntnisse zur Prävention herausgelesen werden können. In Zukunft sollen auf diese Weise Erkrankungen schneller diagnostiziert und Präventionsmassnahmen angesetzt werden können. Gemäss dem Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung gibt es einige Projekte, in denen mit der Selbstvermessung von Patienten gearbeitet wird. So führt die Universität Basel eine Studie mit Schrittzählern durch, um den Einfluss von Bewegung auf die Krebstherapie zu untersuchen.

 

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