Smartphone-Attrappen und No-Phone-Gadgets

Der Schein trügt

Ein Smartphone-Dummy beruhigt Handysüchtige und das iBrettchen unterstützt bei der Küchenarbeit: Gadgets, die aussehen wie Mobiltelefone bewegen sich zwischen Nützlichkeit und Lächerlichkeit.

Jörg Rothweiler (Text), 27. Juni 2016

Manche Pseudo-Handys sind bloss ein Jux, andere wiederum entstehen aus einer Idee heraus, seinen Besitzern einen (vielleicht vermeintlichen) Dienst zu erweisen. So etwa das Kühlhandy: Der deutsche Anwalt Michael Kierdorf, Spezialist für Verkehrsrecht, sieht nicht ein, warum man als Autofahrer zwar zum Diktiergerät, zur Zigarette oder gar zum Rasierapparat greifen darf, nicht aber zum Handy.

 

Aus Protest hat er das «Kühlhandy» entwickelt, einen Gel-Schwamm mit PVC-Hülle in Handy-Optik. Seine Hoffnung: Autofahrer, die mit dem Handy am Steuer erwischt werden, könnten dieses gegen das Kühl-Handy austauschen und mit dem Hinweis auf Zahnschmerzen einer Strafe entgehen.

 

 

Das Kühlhandy an der Backe soll gegen Zahnschmerzen helfen. Bild: Amazon.de

 

 

Bissfest

 

Zahnende Babys lieben es, auf dem Handy ihrer Eltern rumzubeissen. Statt nun das neue Smartphone als Beisswiderstand zu verwenden, gibt es mit dem jChews-Smartphone eine günstigere Alternative, auf dem jedes Baby nach Herzenslust kauen darf. Denn der Beissring in Handyform besteht aus BPA-freiem Silikon, ist mit Wasser und Seife waschbar und spülmaschinenfest.

 

 

Nicht zum Abbeissen, sondern zum darauf Rumkauen: Beisshandy für Kleinkinder.

Bild: jellystonedesigns.eu

 

 

Zeitgemäss

 

Dieses Smartphone passt garantiert in keine Jackentasche. Dafür zeigt die von NexTime vertriebene Wanduhr Wall Pad jederzeit, was die Stunde geschlagen hat. Der smarte Wandschmuck mit batteriebetriebenem Uhrwerk ist in zwei Grössen erhältlich: Als Version «Mini» in der Grösse 15 x 20 cm für ca. 40 Franken und als normale Version in der Grösse 30 x 40 cm für etwa 55 Franken. 

 

 

Jedes Handy hat eine Uhr. Dieses Handy ist ausschliesslich eine Uhr. Bild: nextimestore.com 

 

 

Haftstark

 

Nur nicht die Haftung verlieren!  Die aus Epoxidharz gefertigten Magnete im App-Look sind etwa 2 x 2 cm gross und haften am Kühlschrank oder an der Metall-Pinnwand im Büro. Der Smartphone-Pack zu je 18 Stück kostet ab 2,50 Franken. 

 

 

Ach, wie schön: App-Icons an der Magnetwand. Bild: magnethandel.de

 

 

Schnittfest

 

Wer schon beim Frühstück nicht auf sein Smartphone verzichten kann, darf statt einem Teller das sogenannte iBrettchen benutzen. Dieses ist 23 x 14 cm gross, spülmaschinengeeignet, abrieb- und säurefest, hitzebeständig bis 150°C und aus lebensmittelhygienischem Melamin gefertigt. Sein Preis: ca. 10 Franken.

 

 

Als Schneidebrett oder Serviertablett zu verwenden: das iBrettchen. Bild: amazon.de

 

 

Gefühlsecht

 

Das New Yorker Entwicklerteam von NoPhone bietet ein Handy für zwölf Dollar an, das überhaupt nichts kann – und gerade deshalb erfolgreich ist. Das NoPhone ist nämlich einfach ein Stück Plastik – ohne Bildschirm, Kamera oder Betriebssystem. Die Smartphone-Attrappe soll Handysüchtigen das Gefühl vermitteln, ein Handy in der Tasche zu haben, wenn das echte Mobiltelefon mal für ein paar Stunden zu Hause liegen bleibt. Das NoPhone wird in zwei Ausführungen verkauft: als Standardmodell und als Modell Selfie mit aufgeklebtem Spiegel.

 

 

Die einzige Funktion des NoPhone ist es, seinem Besitzer das Gefühl zu geben, er trage ein Handy mit sich herum. Bild: thenophone.com

 

 

(Beein-)druckend

 

Mit dem Polaroid ZIP Instant Fotodrucker können mit dem Smartphone geschossene Fotos sofort ausgedruckt werden. Und das ganz ohne Tinte, auf 5 x 7,5 cm grosses wasser- und schmutzabweisendes ZINK Paper.  Das 7,4 x 12 x 2,3 cm kleine Gerät wird per Bluetooth mit dem Handy gekoppelt und kann bis zu 25 Bilder mit einer Akkuladung drucken. Sein Preis: ab 150 Franken.

 

 

Der Foto-Printer in Smartphone-Grösse druckt überall und jederzeit Fotos. Bild: polaroid.com

 

 

Gehaltvoll

 

Statt den Schnaps für unterwegs in einen Old-Style-Flachman abzufüllen, bunkert der Handy-Freak seine edlen Tropfen in einem als Mobiltelefon getarnten Fläschchen. Diese Handy-Flachmänner gibt es in diversen Ausführen, etwa als Blackberry, iPhone oder als klassisches Handy.

 

 

Der Handy-Flachmann für die flüssige Notration. Bild: binocktails.com

 

 

Hitzebeständig

 

Auch für Raucher gibt es das ultimative Smartphone-Objekt: den iPhone-Aschenbecher. Der aus Glas gefertigte Eyecatcher für den Büro- oder Salontisch misst 12 x 6,5 cm und wiegt rund 200 Gramm.

 

 

Wegen des massiven Designs des iPhone-Aschenbechers besteht wohl keine Verwechslungsgefahr mit dem echten Smartphone auf dem Tisch. Bild: moebel-style.de

 

 

Elektrisierend

 

Bei uns undenkbar, in den USA und anderen Ländern seit Jahren ein Verkaufshit sind als Smartphones respektive konventionelle Handys getarnte Elektroschocker. Die als «ideale Selbstverteidigungsmittel» angepriesenen sogenannten «Stun Guns» sehen einem echten Mobiltelefon zum Verwechseln ähnlich und können Stromschläge mit mehreren Millionen Volt austeilen.

 

 

Der Handy-Elektroschocker soll im Notfall Angreifer in die Flucht schlagen. Bild: guarddog-security.com

 

 

Abgewogen

 

Mit diesem Smartphone kann man nicht telefonieren, aber bis zu ein Kilogramm schwere Gegenstände auf 0,1 Gramm genau wägen. Denn unter dem im iPhone-Stil gehaltenen Deckel, der zugleich als Waagschale dient, verbirgt sich eine 11,5 x 6 cm kleine Digitalwaage mit LCD-Display.

 

 

Als Küchenwaage wohl etwas zu klein: die iPhone-Waage. Bild: wholesaleforjewelry.com

 

 

Konsequent

 

Für ewig mit dem Handy verbunden: Sogar den Grabstein gibt es im Handydesign.

 

 

Nicht mehr das neuste Modell: Grabstein aus dem Buch «Gestatten Sie, dass ich liegen bleibe. Ungewöhnliche Grabsteine» Bild: kiwi-verlag.de

 

 

 

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