Software im Auto

Rollende Rechner

Dem Autofahrer bringen softwarebasierte Assistenzsysteme mehr Komfort und Sicherheit. Allerdings steigt dadurch auch die Gefahr von Hacker-Angriffen.

Andreas Turner (Text), Keystone (Fotos), 5. November 2015

Der Feierabendverkehr auf der Stadttangente läuft zügig, auf allen Spuren sausen die Fahrzeuge in dichter Folge dahin. Da leuchten plötzlich die Bremslichter des vor mir fahrenden Autos alarmrot auf. Hätte ich dies nur einen Sekundenbruchteil zu spät bemerkt, wäre es echt gefährlich geworden.

 

Normalerweise. Doch heute kann ich mich entspannt zurücklehnen: Ohne dass ich das Bremspedal auch nur berührt hätte, verzögert mein VW-Passat-Testwagen so wirksam wie selbsttätig und passt sich dem aktuellen Kriechtempo des Vordermanns an. Ich habe die Distanzregelung ACC (Adaptive Cruise Control) an Bord: Tempomat, Abstandsregler und Notbremsassistent vermeiden kritische Situationen ganz ohne mein Zutun. Ausserdem ist mein Fahrzeug mit Kameras und Sensoren ausgestattet, die das Verkehrsgeschehen rundum überwachen und mich bei Gefahr alarmieren oder gleich selber in Aktion treten. 

 

 

Das Bordsystem warnt vor Gefahren auf und neben der Strasse.  

 

 

Entlastungstechnik für den Fahrer ist nichts Neues


Natürlich ist die Technik zur Unterstützung und Entlastung des Fahrers nicht erst mit moderner IT ins Auto gekommen – Servolenkung und Bremskraftverstärker etwa stehen schon seit einem halben Menschenleben zur Verfügung. Ebenfalls etabliert hat sich die «Drive by Wire»-Technik: Drückte ich früher aufs Gaspedal, veränderten Drosselklappen per Drahtzug das Benzin-Luft-Gemisch im Motor. Führe ich heute die gleiche Fussbewegung aus, registriert eine für die Beschleunigung zuständige Software im Auto meinen Wunsch, schneller zu fahren, und steuert über elektrische Leitungen und Servomotoren die entsprechenden Einstellungen zur Kraftstoffverbrennung.

 

 

Immer komplexere Assistenzsysteme

 

Digitaltechnik und Miniaturisierung von Bauteilen haben immer komplexere Assistenzsysteme ermöglicht. Heute sind Autos in der Lage, Verkehrsschilder zu lesen oder die Silhouette von Fussgängern und Radfahrern sicher zu erkennen. Sie warnen vor unbeabsichtigtem Überfahren der Fahrbahnbegrenzung – auch beim Herannahen eines Fahrzeugs im toten Winkel. Die Vernetzung geht heute sogar so weit, dass sich ein Staugebilde aus mehreren hundert Autos bis zu einer bestimmten Geschwindigkeit selbsttätig fortbewegt. Das schont Nerven und spart erst noch Sprit. Ähnliches gilt für moderne Parkassistenten, die das Auto zielführend auch in knappste Parklücken wuchten – alles auf Knopfdruck und per Kamera-Erkennung. Und was bis vor kurzem noch der automobilen Oberklasse vorbehalten war, hält nach der Mittelklasse bald auch bei den Kompaktfahrzeugen Einzug.

 

 

Die Distanzregelung ACC hilft, den Sicherheitsabstand einzuhalten.

 

 

Software erledigt vieles effizienter als der Mensch


«Die Denkarbeit des Autofahrens einer Software zu überlassen, macht durchaus Sinn», sagt Dr.-Ing. Christian Schwede vom Fraunhofer-Institut in Dortmund, «denn diese kann vieles einfach besser und effizienter als der Mensch. Sobald allerdings Softwaresteuerungen nicht nur innerhalb des Autos, sondern auch mit Diensten im Internet vernetzt werden, kann es gefährlich werden.»  

«Im Gegensatz zu Angriffen auf PCs geht es beim Auto nicht nur um Manipulationen und Verluste von Daten, sondern im Extremfall um Menschenleben.»

Jedes Gerät, das über drahtlose Systeme wie WLAN, Bluetooth oder Mobilfunk verbunden ist, bietet potenziell Einlass für Hacker, die bei Autos sogar leichteres Spiel haben könnten als bei herkömmlichen Computern. PCs wurden über die Jahre immer sicherer, indem Sicherheitslücken nach Angriffen fortlaufend behoben wurden. Das Hacken von Autos hingegen ist noch Neuland – und unbedingt ernst zu nehmen. Denn im Gegensatz zu Angriffen auf PCs oder Websites geht es beim Auto nicht mehr nur um Manipulationen und Verluste von Daten, sondern im Extremfall um Menschenleben.

 

 

Wie uns Software im Auto unterstützt

Adaptive Cruise Control (ACC):

Das System unterstützt den Fahrer aktiv, den Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug präzise einzuhalten. Die Variante ACC Stop & Go kann selbsttätig bis zum Stillstand abbremsen und automatisch wieder anfahren.


Verkehrszeichen-Assistent:

Sobald der Assistent über eine Videokamera wichtige Verkehrszeichen erkennt, werden diese im Kombiinstrument angezeigt. In Verbindung mit einem Navigationssystem bestimmt er, ob ein Verkehrszeichen für die gewählte Route relevant ist.

 
Intelligente Scheinwerfersteuerung:

Über eine Videokamera erkennt die Scheinwerfersteuerung die Umgebungshelligkeit sowie vorausfahrende und entgegenkommende Fahrzeuge. Diese Daten werden genutzt, um eine Vielzahl von Lichtfunktionen zu steuern.


Automatischer Parkassistent:

Das Ein- und Ausparken für die ausgewählte Parklücke erledigt der Assistent vollautomatisch. Der Fahrer entscheidet, ob er dabei im Auto sitzen bleiben oder vorher aussteigen möchte.


Toter-Winkel-Assistent:

Das ultraschallbasierte System zur Überwachung des toten Winkels reduziert das Unfallrisiko beim Spurwechsel. Zwei Ultraschallsensoren pro Fahrzeugseite dienen dabei als elektronische Augen.


Rückfahrkamerasystem:

Bei vielen Fahrzeugmodellen hat der Fahrer eingeschränkte Sicht auf die unmittelbare Fahrzeugumgebung. Eine Nahbereichskamera im Heck unterstützt den Fahrer beim Rückwärtsfahren.

 

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