Im Gesundheitswesen verspricht die Digitalisierung mehr Effizienz. Aber sie schafft nur dann einen echten Mehrwert, wenn sie auch den Pflegekräften, den Patientinnen und Patienten zugutekommt. Geoffrey Willems, Geschäftsführer der Physiothérapie La Colline Groupe, erklärt, wie sein Unternehmen technologische Innovation, klinische Exzellenz und einen menschlichen Ansatz in Einklang bringt.
Versorgungsqualität, Mensch und Innovation schliessen sich nicht aus – im Gegenteil. Im Interview erklärt Geoffrey Willems, Geschäftsführer der Physiothérapie La Colline Groupe, wie das Unternehmen Digitalisierung und künstliche Intelligenz nutzt, um die administrative Arbeit zu vereinfachen, die Behandlungsqualität zu erhöhen und den Therapeutinnen und Therapeuten die Konzentration auf das Wesentliche – ihre Patientinnen und Patienten – zu ermöglichen.
Geoffrey Willems, wie sichern Sie die Wettbewerbsfähigkeit der Physiothérapie La Colline Groupe im Gesundheitsmarkt, und was unterscheidet Sie von anderen Physiotherapiepraxen?
Unsere Differenzierung basiert auf einer starken Überzeugung: Ein erfolgreiches Unternehmen ist ein Unternehmen, das eine positive Wirkung für sein gesamtes Ökosystem schafft. Wir wollen einen Beitrag leisten zur Gesundheit unserer Patientinnen und Patienten, zu den Herausforderungen der öffentlichen Gesundheit, zur Weiterentwicklung unseres Berufsstandes sowie zur Qualität der Arbeitsbedingungen unserer Mitarbeitenden.
Diese Vision schlägt sich in einem hohen Anspruch an die Qualität der Behandlungen nieder. Diese erfüllen die WZW-Kriterien, d. h. sie müssen wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sein. Wir ergänzen diese um eine vierte Dimension, die aus unserer Sicht untrennbar mit unserem Beruf verbunden ist: der Mensch.
Um dieses Spitzenniveau zu erreichen, investieren wir kontinuierlich in die Aus- und Weiterbildung, den Aufbau von Kompetenzzentren, moderne Infrastrukturen und innovative Technologien. Dank unserem Netzwerk an spezialisierten Zentren können wir allen Patientinnen und Patienten eine individuell auf ihren therapeutischen Bedarf und ihre Gesundheitsziele abgestimmte Betreuung anbieten.
Welches sind die grössten IT-Herausforderungen in Ihrem Tagesgeschäft?
Die IT ist heute ein wichtiger Pfeiler unserer Organisation. Um die Entwicklung der Gruppe zu begleiten, arbeiten wir mit verschiedenen Fachpartnern zusammen. Unsere Infrastruktur, ihre Wartung und Cybersicherheit werden von Experten betreut, und die gesamten Patientendossiers sind vollständig digitalisiert.
Alle Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sind mit einem Tablet ausgerüstet, und alle unsere Patientendossiers sind komplett digitalisiert. Unsere Branchensoftware Softplus, eine ausschliesslich in der Schweiz gehostete Schweizer Lösung, vereint das elektronische Patientendossier, die Kalenderverwaltung, die Rechnungsstellung sowie die statistische Kontrolle unseres Geschäfts auf einer Plattform. Weitere Plattformen unterstützen Übungsprogramme, Online-Terminvereinbarungen sowie die Entwicklung unseres digitalen Auftritts.
Auch für unsere Umgebung Microsoft Dynamics, Microsoft 365 und Power BI setzen wir auf Swisscom. Diese Lösungen unterstützen unsere HR- und Finanzprozesse, die Steuerung der Geschäftstätigkeit sowie die teamübergreifende Zusammenarbeit.
Wie stellen Sie sicher, dass die IT die Versorgungsqualität unterstützt?
Unsere Philosophie ist einfach: Die Technologie muss hinter der Behandlung zurücktreten. Bevor wir ein neues Tool einsetzen, evaluieren wir systematisch den klinischen und organisatorischen Mehrwert.
Wenn eine Lösung den Therapeuten die Arbeit erschwert oder sie vom Patienten ablenkt, ist sie bei uns fehl am Platz. Deshalb binden wir unsere Teams bereits bei der Projektplanung ein, damit die Tools den Gegebenheiten vor Ort entsprechen. Die Technik muss intuitiv, zuverlässig und unauffällig sein. Sie ersetzt nie die Therapeutin oder den Therapeuten, sondern ermöglicht ihnen einfach bessere Arbeitsbedingungen.
Wo schafft die Digitalisierung den grössten Wert, für die Patientinnen und Patienten oder für Ihr Fachpersonal?
Ich glaube nicht, dass wir die beiden Gruppen als Gegensatz sehen sollten. Die Digitalisierung bringt den Teams in erster Linie Mehrwert, indem sie den Alltag vereinfacht, gewisse administrative Aufgaben automatisiert und den Zugang zu Informationen erleichtert.
Diese Effizienz kommt dann direkt den Patienten zugute, da die Physiotherapeutinnen mehr Zeit für die klinische Bewertung, die Behandlung und die therapeutische Beziehung aufwenden können. Grundsätzlich ist der grösste Mehrwert der Digitalisierung, den Pflegekräften wieder mehr Zeit zu geben. Und diese wiedergewonnene Zeit wird vollumfänglich in den Dienst der Patientinnen und Patienten gestellt.
Wie gehen Sie mit gesetzlichen Anforderungen und Datenschutz um?
Im Gesundheitswesen ist der Datenschutz ein wichtiges Thema. Deshalb bevorzugen wir Partner, die garantieren können, dass die Daten unserer Patientinnen und Patienten ausschliesslich in der Schweiz gehostet und gespeichert werden.
Diese Anforderung ist integraler Bestandteil unserer Digitalstrategie. Sie ermöglicht es uns, von neuen Technologien zu profitieren und gleichzeitig die höchsten Standards in Bezug auf Sicherheit, Vertraulichkeit und die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen zu erfüllen.
An welchen Digitalisierungsprojekten arbeiten Sie derzeit?
Unser digitales Ökosystem entwickeln wir in enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern laufend weiter. Unter anderem beteiligen wir uns an der Entwicklung neuer Funktionen für unser elektronisches Patientendossier, mit der schrittweisen Integration von künstlicher Intelligenz.
Gleichzeitig arbeiten wir an der Automatisierung diverser administrativer Prozesse und der Weiterentwicklung unserer ERP-Umgebung. Ausserdem bauen wir unsere Analysefähigkeiten mittels Power BI aus, um Betriebs-, Statistik- und Finanzdaten effizienter zu nutzen. Das Ziel ist nach wie vor, die operative Effizienz zu steigern, damit unsere Teams mehr Zeit für ihre Patientinnen und Patienten haben.
Swisscom, Ihre Begleiterin auf der Digitalisierungsreise
Nutzen Sie die Digitalisierung in Ihrem KMU, um Fachkräftemangel und Margendruck entgegenzuwirken und die Effizienz zu steigern. Swisscom unterstützt Sie dabei und hilft Ihnen, heutige und zukünftige Chancen der Digitalisierung zu nutzen.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz in der Physiotherapie?
Wir sind davon überzeugt, dass die künstliche Intelligenz unseren Beruf allmählich verändern wird, vorausgesetzt, sie wird in einem sicheren, ethischen Umfeld eingesetzt, das den gesetzlichen Anforderungen entspricht.
Gegenwärtig arbeiten wir daran, KI-Funktionen in das elektronische Patientendossier zu integrieren, um bestimmte Aufgaben wie Gesundheitschecks oder Anamnesen zu optimieren und den Zeitaufwand für die klinische Dokumentation zu reduzieren.
Unser Ziel ist es nicht, von künstlicher Intelligenz gestützte Physiotherapeutinnen zu schaffen, sondern Physiotherapeuten mit erweiterten Möglichkeiten. Das sind Fachkräfte, die auf intelligente Tools zurückgreifen, um ihre Effizienz zu steigern, und zugleich ihre Fachkompetenz, ihr klinisches Urteilsvermögen und die Qualität der menschlichen Beziehung zu ihren Patientinnen und Patienten vollständig bewahren. Die Technologie soll das Fachpersonal unterstützen, aber es nicht ersetzen.
Wie wichtig ist Ihnen Cybersicherheit?
Cybersicherheit hat für unsere Gruppe oberste Priorität. Neben den zusammen mit unseren Partnern eingeführten technischen Lösungen basiert sie auch auf der Wachsamkeit unserer Mitarbeitenden, die täglich mit unseren Tools arbeiten.
Wir führen regelmässig Sensibilisierungsaktionen sowie Phishing-Simulationskampagnen durch, um die richtigen Verhaltensweisen beim Auftreten von Cyberbedrohungen zu stärken. Unser Ziel ist es, die Cybersicherheit zur gemeinsamen Verantwortung aller Teams zu machen und das Vertrauen unserer Patientinnen und Patienten dauerhaft zu erhalten.
Über Physiothérapie La Colline Groupe
Physiothérapie La Colline Groupe wurde 2012 gegründet und betreibt 11 spezialisierte Physiotherapiezentren in der Westschweiz sowie zwei Domizil-Physiotherapie-Einrichtungen Qlick and Care in Genf und Lausanne. Das Unternehmen setzt auf eine Betreuung, die auf klinischer Exzellenz, Innovation und einem zutiefst menschlichen Ansatz basiert. Dank einem Netzwerk von Fachkräften, moderner Infrastruktur und einem fortlaufend weiterentwickelten digitalen Ökosystem begleitet es jährlich zahlreiche Patientinnen und Patienten auf ihrem Behandlungsweg. Geschäftsführer Geoffrey Willems ist einer der Mitgründer.
Physiothérapie La Colline Groupe hat sich für das Finale des Prix SVC Genève 2025 qualifiziert und den von Swisscom gesponserten Preis gewonnen.