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Cybermobbing: erkennen, stoppen und vorbeugen

Das Smartphone verbindet Jugendliche mit ihren Freund*innen und begleitet sie überall hin. Doch es kann darüber auch zu Spott, blossstellenden Bildern und gezielter Ausgrenzung kommen. Dieser Leitfaden hilft dir als Elternteil oder Bezugsperson, Cybermobbing zu erkennen, dein Kind präventiv zu stärken und ruhig und wirksam zu handeln, wenn dir Cybermobbing auffällt.

Diese Themen findest du auf dieser Seite:

Thema

Was ist Cybermobbing?

Cybermobbing ist Mobbing im digitalen Raum, etwa in einem Klassenchat oder auf Social Media. Jemand wird dabei wiederholt beleidigt, blossgestellt, bedroht oder ausgegrenzt. Manchmal werden Gerüchte über diese Person verbreitet oder sie sogar erpresst. Täter*in und Opfer kennen sich meistens. Und nicht selten hat Cybermobbing seinen Ursprung in der physischen Welt.

Wenn Mobbing in der Freizeit weitergeht

Mobbing ist kein neues Phänomen. Beim Cybermobbing kommt jedoch die 24/7-Erreichbarkeit der Jugendlichen sowie die unsichtbaren Tatorte in privaten Nachrichten oder Gruppenchats belastend hinzu. Die meisten Jugendlichen verfügen über ein eigenes Smartphone und verlagern einen Teil ihrer sozialen Interaktionen ins Internet. Dadurch sind sie nach Schulschluss für Nachrichten erreichbar, auch für Mobbing in digitaler Form. Der sichere Rückzugsort zu Hause fällt damit weg, obwohl er für die Betroffenen so wichtig wäre, um sich von den Angriffen zu erholen und Kraft zu tanken.

Die Weiterführung von Mobbing ins Netz verstärkt dessen Auswirkungen: Cybermobbing-Botschaften verbreiten sich online schneller und dauerhafter, als wenn jemand auf dem Pausenplatz oder im Schulzimmer beschimpft wird. Was einmal im Netz ist, ist kaum mehr kontrollierbar. Denn Bilder können heruntergeladen und weiter geteilt werden. So kommt es vor, dass selbst wenn sich alle wieder vertragen, die verunglimpfenden Bilder plötzlich wieder auftauchen. Und auch vor Deepfakes schrecken viele Täter*innen nicht mehr zurück. Im Gegenteil: Die neuen Möglichkeiten der KI-generierten Bildbearbeitung befeuern die Dynamik vielerorts sogar noch.

Im anonymen Web fällt es Täter*innen zudem leichter, gemein zu sein, weil sie ihrem Gegenüber nicht in die Augen schauen müssen. Sie müssen sich nur vor dem Bild, das sie sich von der anderen Person gemacht haben, verantworten. Nicht aber vor der Person selbst. Viele Täter*innen treten selbst gar nicht in Erscheinung, sondern verstecken sich hinter einem Fake-Profil.

Fiktive Beispiele für Cybermobbing

Nach einem Streit in der Schule schreibt jemand im Klassenchat: «Niemand mag dich hier. Du bist einfach nur peino.» Andere reagieren mit Lach-Emojis. Die betroffene Person traut sich am nächsten Tag kaum noch in die Schule.​

Beim Online-Gaming wird ein Junge immer wieder beleidigt, weil er angeblich schlecht spielt. Andere werfen ihn aus dem Team, machen sich über seine Stimme lustig und nehmen das Ganze auf.​

Eine Jugendliche wird absichtlich aus dem Klassenchat entfernt. Danach schreiben andere: «Endlich ist sie weg.» Sie bekommt wichtige Infos nicht mehr mit und fühlt sich ausgeschlossen.​

Ein Schüler wird nach dem Sport heimlich fotografiert oder ein entsprechendes KI-Bild generiert. Das Bild wird in einer Chatgruppe geteilt und mit Sprüchen kommentiert. Obwohl es später gelöscht wird, haben es bereits viele gesehen oder gespeichert.​ Und selbst, wenn ein KI-Bild nicht echt ist, kann es für die betroffene Person in diesem Fall sehr belastend sein.​

Jemand erstellt ein falsches Profil mit dem Namen und Foto einer Mitschülerin. Über dieses Profil werden peinliche Aussagen gepostet. Andere glauben, die Beiträge seien echt.​

In einer Gruppe wird behauptet, ein Jugendlicher habe etwas gestohlen oder jemanden verraten. Es gibt keine Beweise, aber die Nachricht verbreitet sich schnell. Immer mehr Personen meiden ihn.​

Wie unterscheidet sich Cybermobbing von Hate Speech und digitaler Gewalt?

Cybermobbing fokussiert auf die Herabwürdigung, Ausgrenzung, Beleidigung oder Bedrohung einer einzelnen Person. Findet typischerweise in einer Halb-Öffentlichkeit statt.

Hate Speech fokussiert auf die Abwertung von Personen oder Gruppen aufgrund von Identitätsmerkmalen wie Herkunft, Geschlecht oder Aussehen. Findet typischerweise im öffentlichen Raum (z.B. Social Media, Kommentarspalten usw.) statt.
Mehr zu Hate Speech

Digitale Gewalt umfasst als Überbegriff zum Beispiel Cybermobbing, Doxing, Stalking, Sextortion, Drohungen oder das Verbreiten von intimen Inhalten.
Mehr zu digitaler Gewalt

Cybermobbing, Hate Speech und digitale Gewalt überschneiden sich teilweise. Zum Beispiel, wenn eine Mitschülerin aufgrund von Identitätsmerkmalen von den Kolleg*innen ausgegrenzt und online beleidigt wird.

Wie wirkt sich Cybermobbing aus?

Für die Opfer bedeutet Cybermobbing meist eine ernstzunehmende psychische Belastung. Sie fühlen sich zunehmend traurig und ängstlich. Viele verlieren durch die Angriffe ihr Selbstvertrauen, entwickeln Depressionen oder im schlimmsten Fall sogar Suizidgedanken.

Dafür kann schon ein Vorfall ausreichen, da Inhalte online gespeichert, weitergeleitet und immer wieder sichtbar gemacht werden können. Diese Endlosschleife hat im Vergleich zu herkömmlichem Mobbing einen deutlichen Verstärkungseffekt, der sich negativ auf die Opfer auswirkt.

Hinweis: Wenn es deinem Kind schlecht geht, ist rund um die Uhr Hilfe da, kostenlos und anonym unter 147 (Pro Juventute Notrufnummer für Kinder und Jugendliche).

Andere Jugendliche wiederum werden wütend und lassen ihren Frust an anderen aus. Manche werden auf diesem Weg selbst zu Cybermobbing Täter*innen.

In der jüngst veröffentlichten «Jugendstudie 2026» von Pro Juventute gab rund jede*r fünfte Jugendliche*r an, Angst vor Cybermobbing zu haben. Dabei zeigen sich klare geschlechterspezifische Unterschiede: Bei den Mädchen und jungen Frauen (27,4%) war die Angst doppelt so gross wie bei den Jungen (14%).

Aber warum mobben Jugendliche überhaupt?

Die wenigsten entscheiden sich einfach so, jemanden fertigmachen zu wollen. Die Gründe für Cybermobbing gehen stattdessen oft tiefer und ähneln denen von Hate Speech.

Viele Täter*innen sind sich gar nicht bewusst, wie sehr sie ihr Gegenüber mit ihren Kommentaren verletzen, wenn sie sich abfällig über diese Person äussern. Sie finden es vielleicht lustig, denken, es ist ein Scherz. Oder sie merken einfach nicht, wann der Spass aufhört.

Wer andere schlecht macht, fühlt sich in der Gruppe selbst grösser, wichtiger und will «cool» dastehen. Andere Jugendliche machen mit, um dazuzugehören (Mitläufer*innen). Manche davon aus Angst, selbst zum Opfer zu werden, wenn sie sich für die Opfer einsetzen würden.

Nicht aufgearbeitete emotionale Erfahrungen werden nicht selten an Mitmenschen weitergegeben. Das heisst konkret: Wer selbst gemobbt wurde und mit seinen Emotionen nicht umgehen kann, mobbt eher andere.

Wenn das Umfeld der Jugendlichen sich gewöhnlich über andere hinwegsetzt und andere schlecht redet, nehmen Jugendliche das auf und verinnerlichen diese Haltung. Auch mangelnde Konsequenzen begünstigen Cybermobbing.

Die digitale Distanz senkt die Hemmschwelle bei Cybermobbing, denn am Bildschirm fällt das Mitfühlen schwer. Wer sein Gegenüber nicht sieht, merkt nicht, wie sehr eine Aussage trifft. Die Tränen bleiben im Verborgenen, sodass sich die Täter*innen nicht mit den zwischenmenschlichen Konsequenzen auseinandersetzen müssen. Die Gewissensbisse bleiben darum eher aus und die Angriffe im Gegenzug schneller und härter.

Thema

Cybermobbing vorbeugen

Was auf dem Pausenhof als Mobbing beginnt, kann sich mit dem ersten Klassen-, Gruppenchat oder dem ersten eigenen Smartphone ins Netz verlagern. Die Prävention von Cybermobbing muss daher früh ansetzen. Erwachsene Bezugspersonen können hierzu viel beitragen. Denn ob zuhause oder in der Schule, Eltern und Lehrpersonen prägen die Einstellung und Haltung von Jugendlichen massgeblich.

Für Eltern und Bezugspersonen: Dein Kind stark machen

Eine hundertprozentige Garantie, dein Kind vor Cybermobbing zu schützen, gibt es leider nicht. Aber du kannst einiges dafür tun, dass dein Kind widerstandsfähiger wird und bei Cybermobbing gegen sich oder andere zu reagieren weiss.

Das macht dein Kind widerstandsfähig

Wenn dein Kind sich wertgeschätzt fühlt, so wie es ist, muss es sich auch nicht über andere erheben, um sich besser zu fühlen. Fördere den Selbstwert deines Kindes, indem ihr gemeinsame Aktivitäten findet, wobei dein Kind sich selbst verwirklichen und aufblühen kann. Auch wertschätzende Worte und ernst gemeintes Lob können das Selbstvertrauen eines Kindes steigern.

Sprache schafft Bewusstsein: Wer einen Begriff für Cybermobbing hat, erkennt auch besser, wenn es passiert. Kinder und Jugendliche können das Phänomen damit besser einordnen. Gib deinem Kind also einen Begriff mit. Für jüngere Kinder (bis 12 Jahre) eignet sich dazu die Geschichte «Der junge Schwan und die (wirklich) hässlichen Entlein»(öffnet ein neues Fenster), für ältere Kinder und Jugendliche: «Sicher online: Alles, was Recht ist»(öffnet ein neues Fenster) der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP).

Kinder lernen von den Menschen um sie herum. Lebe deinem Kind darum selbst einen empathischen Umgang mit anderen vor. Erkläre, welche Auswirkungen eine bestimmte Aussage auf andere haben kann und warum die Netiquette online wichtig ist.

Einige wenige geben beim Cybermobbing den Ton an, während die restlichen aus der Gruppe aus unterschiedlichen Gründen nachziehen. Erkläre deinem Kind, dass eine solche Gruppendynamik nur funktionieren kann, solange alle mitmachen. Betone, wie wichtig es ist, dem eigenen inneren Wertekompass zu folgen und sich gegen Gruppendynamiken und Gruppendruck zu stellen, wo nötig. Das zu tun fällt leichter, wenn dein Kind ein gesundes Selbstvertrauen hat.

Übt gemeinsam, wie sich dein Kind wehren kann, wenn es plötzlich selbst zum Ziel würde. Eine klare Haltung zu vertreten und diese zu kommunizieren, kann eine solche Strategie sein. Das kann zum Beispiel so aussehen, dass dein Kind bei einem Angriff auf sich selbst oder andere mit «Das sehe ich nicht so» oder «Das ist nicht fair» reagiert. Eine weitere Möglichkeit ist, zu wissen, wie Kommentare oder Profile auf der jeweiligen Plattform gemeldet und gesperrt werden können.

Vielen Jugendlichen ist nicht klar, dass Beleidigungen, Drohungen oder das Verbreiten von bestimmten Bildern strafbar sein können. Die rechtlichen Konsequenzen (je nach Alter in geeignetem Rahmen) aufzuzeigen, ist eine sinnvolle präventive Massnahme.

Wenn Jugendliche selbst von Cybermobbing betroffen sind oder anderweitig darunter leiden, kann es sein, dass sie damit aber nicht zu dir als Elternteil kommen möchten. Vielleicht aus Scham, vielleicht aus anderen Gründen. Umso wichtiger, dass dein Kind aber weiss: Es gibt neutrale Stellen, die jederzeit gerne weiterhelfen. Bei Pro Juventute können sich Jugendliche kostenlos und anonym beraten lassen(öffnet ein neues Fenster), je nach Wunsch über WhatsApp, per Telefon oder E-Mail. Auch die Schulsozialarbeit ist für Fragen und Sorgen da. Es beruhigt, solche Adressen schon zu kennen, bevor man sie braucht

Was einmal online ist, lässt sich kaum zurückholen. Geht deshalb je nach Alter deines Kindes gemeinsam oder dein Kind selbstständig durch, wer die Online-Beiträge sehen kann, und stellt Profile möglichst auf privat. Besprecht, welche Fotos, Videos und Infos besser nicht ins Netz gehören – gerade solche, die sich später gegen dein Kind verwenden lassen.

Natürlich hast du hier nicht alles in der Hand: Auch in der Schule kann ein Foto entstehen, das im schlimmsten Fall gegen dein Kind verwendet wird. Umso wichtiger, dass dein Kind die Meldefunktionen der Plattformen kennt, um unerwünschte Inhalte sofort melden zu können.

Sharenting setzt sich aus «share» und «parenting» zusammen und meint das Phänomen, wenn Eltern oder andere Bezugspersonen Bilder ihrer Kinder online teilen. Oft landen dabei persönliche Daten im Netz. Oder Fotos, die Erwachsene niedlich finden, dem Kind selbst aber peinlich sind. Solche Bilder können auch für Cybermobbing missbraucht werden.

Zeig echtes Interesse am Leben deines Kindes. Frag, was dein Kind beschäftigt, redet über schöne wie schwierige Erlebnisse. So entsteht mit der Zeit ein Vertrauen, das deinem Kind das Gefühl gibt: Wenn etwas ist, kann ich zu meinen Eltern kommen.

Wie eine 14-Jährige mit Hass auf Snapchat umgeht (und dabei gelassener bleibt als ihre Mutter) erzählt dieser Erfahrungsbericht einer Mutter bei Jugend und Medien. Er zeigt, wie viel ein offenes Verhältnis zu Hause und Rückhalt von anderen auffangen können.

Für Schulen: Zugehörigkeit und ein gutes Klassenklima reduzieren die Ausgrenzung

Cybermobbing hat neben dem eigenen Freundeskreis und bekannten Gleichaltrigen häufig auch einen Bezug zur Schule und zur Klasse. Die Schule spielt deshalb eine wichtige Rolle in der Prävention. Sie kann zum Beispiel Zugehörigkeit und ein stabiles Klassenklima fördern. Verlässliche Bezugspersonen wirken als Schutzfaktor, damit ein Ausgrenzen (sowohl offline als auch online) gar nicht erst erfolgt.

An Schulen mit offener, respektvoller Gesprächskultur trauen sich Kinder und Jugendliche zudem eher, sich jemandem anzuvertrauen. So melden sie sich leichter bei einer Bezugsperson, wenn ihnen etwas auf dem Herzen liegt. Ein festgelegtes Vorgehen für solche Vorfälle entlastet diese Bezugspersonen (zum Beispiel Klassenlehrperson oder Sozialpädagog*innen).

Prävention im Klassenzimmer

Die Plattform Jugend und Medien stellt für Lehrpersonen Unterrichtsmaterial zu Cybermobbing zur Verfügung. Ein eindrückliches Format, das auch didaktisch eingesetzt werden kann, ist das Theaterstück #byebitch, bei dem das Kollektiv Stick Around vor allem die Zivil-Courage im Rahmen von Cybermobbing thematisiert.

Erarbeite für und mit der Klasse klare Regeln, die im Klassenchat gelten. Formuliert auch verbindliche Konsequenzen, die umgesetzt werden, sollte es dennoch zu Cybermobbing kommen.

Sowohl bei Hate Speech als auch bei Cybermobbing sind diejenigen, die zwar nicht aktiv beteiligt sind, aber zuhören oder zuschauen, von zentraler Bedeutung. Durch ihr Schweigen verstärken sie die Ausgrenzung. Wenn Bystander*innen hingegen Zivilcourage beweisen und eingreifen, kann das Cybermobbing (genauso wie Hate Speech) entschärfen. Manchmal reicht es, zu sagen: «Das sehe ich nicht so.» Damit bieten Bystander*innen den Opfern emotionalen Support.

Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche wissen, an wen sie sich im Notfall wenden können. Im Unterricht können deshalb präventiv verschiedene Hilfsangebote vorgestellt werden.

Keine Ressourcen, um Cybermobbing selbst im Unterricht zu behandeln?

Kein Problem. Mit unseren Medienkursen kommen unsere Trainer*innen in deine Schule und sprechen mit deiner Klasse über Cybermobbing.

Sensibilisierung: Kampagnen und Initiativen

Um die Gesellschaft fürs Thema Cybermobbing zu sensibilisieren, gibt es vermehrt Kampagnen und Initiativen. Hier eine Auswahl:

Thema

Cybermobbing erkennen und handeln

Trotz Prävention lässt sich Cybermobbing leider nicht immer verhindern. Als Bezugsperson von Jugendlichen ist es deshalb wichtig, aufmerksam zu bleiben. Nur so kannst du Verhaltensänderungen oder Anzeichen von Cybermobbing früh erkennen und rechtzeitig handeln.

Wie weiss ich, ob mein Kind gemobbt wird?

Die beste Voraussetzung ist eine vertrauensvolle Beziehung zwischen dir und deinem Kind. Existiert so eine, kann sich dein Kind dir bei Problemen mitteilen und um deine Hilfe bitten. Doch selbst unter optimalen familiären Beziehungen schweigen viele Opfer. Teilweise aus Scham, aus Angst oder einfach, weil sie niemanden damit belasten wollen. Was also, wenn sich dein Kind dir nicht mitteilt oder Cybermobbing abstreitet und du aber dennoch ahnst, dass etwas nicht normal ist?

Auf diese Warnsignale von Cybermobbing kannst du achten:

  • Bedrücktheit, Rückzug oder eine allgemeine Reizbarkeit
  • Angst vor der Schule oder dem Schulweg
  • ständiges Checken des Handys, gefolgt von plötzlichen Stimmungswechseln
  • Konzentrationsprobleme oder schlechtere Noten
  • sozialer Rückzug, auch von Freund*innen
  • körperliche Beschwerden wie Schlafprobleme, Appetitlosigkeit, Frustessen oder unerklärliche und häufig auftretende Kopf- und Bauchschmerzen

Einzelne Veränderungen können in der Pubertät normal sein. Aber wenn mehrere Anzeichen gleichzeitig oder über längere Zeit auftreten, suche in einem geschützten Rahmen das Gespräch.

Cybermobbing Soforthilfe für Eltern

Mein Kind wird online gemobbt

Du hast erfahren, dass dein Kind gemobbt wird? Gut möglich, dass sich da bei dir gerade einige Emotionen zeigen. Atme erstmal durch, denn blinder Aktionismus hilft deinem Kind jetzt gerade nicht weiter. Das kannst du stattdessen tun:

  1. Biete emotionale Unterstützung. Sag deinem Kind: Du musst da nicht allein durch. Hör deinem Kind zu und lass es erzählen. Lauf aber nicht selbst los, um die Täter*innen zur Rede zu stellen. Das macht es für dein Kind möglicherweise nur schlimmer. Nimm dein Kind ernst. «Hör einfach nicht auf sie» hilft selten weiter, wenn dein Kind die Situation als belastend erlebt.
  2. Keine Schuldzuweisungen. Scham ist eine typische Auswirkung von Cybermobbing. Wenn du nun noch nachdoppelst mit «Das Bild von dir hättest du halt nicht posten sollen» oder ähnlichem, dann macht es die Sache nur schlimmer. Zeig stattdessen Verständnis für dein Kind und die Situation. Akzeptiere, was nicht mehr zu ändern ist, und mach deinem Kind aber klar: Cybermobbing ist nicht okay.
  3. Zur Selbstbehauptung ermutigen. Wenn ein Kind lernt, sich selbst gegen Angriffe zu behaupten, stärkt das sein Selbstbewusstsein. Begleite dein Kind dabei aktiv und übt gemeinsam Abwehrmechanismen wie das Nein- oder Stoppsagen. Mit den ersten positiven Erfahrungen merkt dein Kind: Ich bin den anderen nicht hilflos ausgeliefert.
  4. Informiere die Schule. Da Cybermobbing häufig bei Mobbing im schulischen Umfeld beginnt, kann es je nach Situation sinnvoll sein, auch die Schule zu involvieren. Kontaktiere und informiere in so einem Fall am besten die Klassenlehrperson oder verfügbare Sozialpädagog*innen. Gemeinsam könnt ihr definieren, wie weiter vorgegangen werden soll.
  5. Sichere Beweise. Je nach Situation, ist eine Anzeige angebracht. Wenn dein Kind Anzeige erstatten möchte, braucht es Beweise. Sichert in so einem Fall diese Beweise rechtzeitig: Screenshots von Chats oder von Bildern und Videos sind dienlich, jeweils mit Datum, Uhrzeit und Profilname.
    Achtung: Teilt Beweismaterial niemals selbst online weiter, denn dadurch könntet ihr euch strafbar machen. Bei sexuellen Inhalten gilt besondere Vorsicht: lieber direkt der Polizei melden als selbst abspeichern.
  6. Inhalte melden und Profile sperren. Inhalte und Kommentare können auf den meisten Social-Media-Plattformen gemeldet und die Absender*innen von Cybermobbing gesperrt werden. Anleitungen findest du im Melde-Guide. Stosse an, dass im Klassenchat (falls noch nicht vorhanden) die Rolle einer Admin-Moderation eingeführt wird und verbindliche Regeln gelten, die Cybermobbing nicht tolerieren.
  7. Vorfall melden und Anzeige erstatten. Melde einen Cybermobbing-Fall über das Meldeformular des Bundesamts für Cybersicherheit (BACS)(öffnet ein neues Fenster). Sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen kannst du auch bei clickandstop.ch(öffnet ein neues Fenster) melden. Um Anzeige zu erstatten, finde hier einen Polizeiposten in deiner Nähe(öffnet ein neues Fenster).
  8. Hol dir Unterstützung. Auch Fachstellen haben wertvolle Tipps für dich, zum Beispiel die Opferhilfe Schweiz(öffnet ein neues Fenster) oder Pro Juventute Elternberatung(öffnet ein neues Fenster). Zögere nicht, dich den Beratenden anzuvertrauen, wenn dir die Sache selbst über den Kopf zu wachsen droht oder du einfach eine Aussensicht brauchst.
Mein Kind mobbt andere

Tatsächlich geschieht das häufiger als man sich als Eltern vielleicht erhofft. Laut JAMES-Studie 2024 hat rund jede*r fünfte Jugendliche schon mal jemanden online gehänselt oder sich über ihn lustig gemacht. Wenn dir bewusst wird, dass dein Kind andere online beschimpft, spricht es an:

  1. Nimmt Haltung an und mach deinem Kind klar, dass es nicht okay ist, mit anderen so umzugehen. Fordere dein Kind auf, mit dem Cybermobbing aufzuhören.
  2. Versuche die Ursachen herauszufinden, warum dein Kind andere beschimpft oder herabgewürdigt hat. Aus Gruppendruck? Oder liegen da eigene Verletzungen im Verborgenen? Holt gemeinsam professionelle Hilfe, wenn nötig und sinnvoll.
  3. Führe mit deinem Kind eine Empathie-Übung durch, wobei sich dein Kind in sein Gegenüber hineinversetzt. Wenn dein Kind realisiert, dass seine gesagten Worte oder veröffentlichten Bilder Verletzungen verursacht haben, motiviere dein Kind, aktiv Verantwortung zu übernehmen. Ermutige es zu einer Entschuldigung und vielleicht sogar zu einer Wiedergutmachung. Bei Onlineinhalten sind diese natürlich unverzüglich von Plattformen zu entfernen und zu löschen.
  4. Um künftiges Cybermobbing zu verhindern, beuge im Familienalltag so gut wie möglich vor.

Cybermobbing Soforthilfe für Lehrpersonen

Ein Elternteil informiert dich oder du wirst selbst Zeug*in von Cybermobbing in deiner Klasse. Wie reagierst du richtig?

  1. Schütze die betroffene Person: Führe ein Gespräch mit dem Opfer unter vier Augen. Deine Botschaft und Haltung sollte sein «Wir nehmen das ernst und Mobbing sowie Cybermobbing sind nicht okay».
  2. Richtlinien der Schule: Prüfe die Richtlinien deiner Schule (oder kläre mit der Schulleitung und im Team), ob verbindliche Cybermobbing Konsequenzen gelten. Wenn ja, folge diesen Anweisungen.
  3. Sprich mit allen Beteiligten einzeln: Um Gruppendynamiken zu vermeiden, sprich mit Täter*innen, Mitläufer*innen oder auch mit Bystander*innen einzeln. Sie in der Gruppe zu konfrontieren, trifft rascher auf verhärtete Fronten. Mit den unterschiedlichen Perspektiven kannst du dir ein umfassendes Bild von der Situation machen.
  4. Binde Schulleitung und Schulsozialarbeit ein: Eine Zweitmeinung kann hilfreich sein. Bei wiederholten oder schwereren Fällen ist das Involvieren von Schulleitung und Schulsozialarbeit häufig Pflicht. Bei strafbaren Inhalten wie Drohung, Nacktbildern oder Erpressung entscheidest du am besten gemeinsam mit der Schulsozialarbeit, wie und ob die Polizei involviert werden soll.
  5. Beziehe die Eltern ein: Mit den Eltern der Betroffenen stehst du möglicherweise schon in Kontakt. Falls nicht, kontaktiere sie genauso wie die Eltern der Täter*innen. Gemeinsam besprecht ihr, wie ihr weiter vorgehen wollt.

Für Jugendliche: Hilfe, ich werde online gemobbt!

Hat dich jemand online fertiggemacht und du weisst nicht, wie du dich dagegen wehren kannst? Gut, dass du dich informierst, denn du bist ihnen nicht hilflos ausgeliefert, im Gegenteil.

Vertrau dich jetzt am besten jemandem an, auch wenn du dich wegen der herabwürdigenden Onlineinhalte vielleicht schämst. Gibt es in deinem Umfeld jemanden, der dir urteilsfrei zuhören würde? Eltern, Geschwister, Götti oder Gotti, Freund*innen, dein*e Klassenlehrer*in oder ein*e Sozialpädagog*in? Wenn ja, kontaktiere sie und erzähle ihnen, was passiert ist und wie du dich fühlst.

Wenn dir gerade niemand einfällt, dem du dich anvertrauen möchtest, empfehlen wir dir die Cyber-Mobbing Erste-Hilfe App(öffnet ein neues Fenster) von klicksafe (gibt’s sowohl auf iOS(öffnet ein neues Fenster)- als auch Android(öffnet ein neues Fenster)-Geräten und für Menschen mit Behinderung gibt es die Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App). Die Coaches Emilia und Tom geben dir in Kurzvideos Verhaltenstipps, was du jetzt machen kannst. Sie sprechen dir für deine nächsten Schritte Mut zu. Und melde und blockiere die Inhalte und Absender*innen der gehässigen Botschaften am besten gleich.

Wie können Bystander*innen die Opfer unterstützen?

Sich gegen Gruppendynamiken zu stellen, kann sehr schwierig sein. Trotzdem ist es wichtig, dass Bystander*innen sich ihrer Verantwortung und ihres Einflusses bewusst werden. Denn häufig sind sie das entscheidende Zünglein an der Waage: Wenn sie nicht mehr mitlachen oder gar das Schweigen mit einer Gegenstimme brechen, stehen die Täter*innen plötzlich allein da.

Die Angst, selbst zum Opfer zu werden, wenn man sich zivilcouragiert für Schwächere einsetzt, ist einerseits berechtigt. Andererseits gibt es viele Dinge, die Bystander*innen tun können, um Betroffene zu unterstützen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Zum Beispiel:

  • Nicht mitlachen, nicht teilen, nicht liken.
  • Der betroffenen Person privat schreiben (oder sie persönlich in der Schule ansprechen) und Solidarität zeigen.
  • Eine erwachsene Vertrauensperson über den Vorfall informiere (wenn möglich).
  • Inhalte melden; das können alle User:innen jederzeit und anonym.

Melde-Guide: Täter*innen melden und sperren

Auf Social-Media-Plattform hast du in der Regel die Möglichkeit, Personen und Inhalte zu melden und zu blockieren. Hier findest du die Anleitungen der häufigsten Plattformen:

Thema

Rechtslage zu Cybermobbing in der Schweiz

«Cybermobbing» ist im Schweizer Strafgesetzbuch (noch) kein eigener Tatbestand. Trotzdem ist das Internet kein rechtsfreier Raum. Grundsätzlich gilt: Was offline zählt, zählt auch online. Je nach Situation kann Cybermobbing also strafbare Handlungen beinhalten, wobei folgende Artikel greifen:

Strafbar macht sich, wer unbefugt in ein fremdes Datenverarbeitungssystem eindringt.

Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen verschaffen sich Zugang zum Social-Media-Konto ihrer Opfer, um an Bildmaterial für Cybermobbing zu kommen.

In Fedlex nachschlagen(öffnet ein neues Fenster)

Wer unbefugt elektronisch gespeicherte Daten verändert, löscht oder unbrauchbar macht, wird bestraft.

Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen löschen auf dem Smartphone ihrer Opfer deren Fotos oder Chatverläufe.

In Fedlex nachschlagen(öffnet ein neues Fenster)

Strafbar ist, wer jemanden durch Gewalt oder Androhungen zu einem Verhalten nötigt, um sich selbst unrechtmässig zu bereichern.

Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen drohen, peinliche Fotos des Opfer zu veröffentlichen, wenn das Opfer ihnen nicht das Znüni überlässt.

In Fedlex nachschlagen(öffnet ein neues Fenster)

Wer über jemanden etwas behauptet, das den Ruf schädigt (ohne zu wissen, ob es überhaupt stimmt), macht sich strafbar.

Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen schreiben im Klassenchat, das Opfer habe wohl geklaut, ohne aber zu wissen, ob das stimmt.

In Fedlex nachschlagen(öffnet ein neues Fenster)

Wer über jemanden bewusst falsche, rufschädigende Behauptungen verbreitet, wird strenger bestraft als bei übler Nachrede.

Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen posten, das Opfer habe etwas gestohlen, obwohl sie genau wissen, dass das nicht stimmt.

In Fedlex nachschlagen(öffnet ein neues Fenster)

Wer jemanden in seiner Ehre angreift, etwa durch Schimpfwörter, wird auf Antrag bestraft.

Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen beschimpfen ihre Opfer in Kommentaren wiederholt mit Schimpfwörtern.

In Fedlex nachschlagen(öffnet ein neues Fenster)

Strafbar ist, wer eine Tatsache aus dem Geheim- oder Privatbereich einer Person unbefugt mit einem Aufnahmegerät beobachtet oder aufzeichnet.

Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen filmen ihr Opfer heimlich in der Umkleidekabine.

In Fedlex nachschlagen(öffnet ein neues Fenster)

Wer aus Bosheit oder Mutwillen ein Telefon oder ähnliche Geräte missbraucht, um jemanden zu belästigen, macht sich auf Antrag strafbar.

Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen überfluten ihre Opfer nachts mit Dutzenden belästigenden Nachrichten und Anrufen.

In Fedlex nachschlagen(öffnet ein neues Fenster)

Strafbar ist, wer besonders schützenswerte, nicht frei zugängliche Personendaten unbefugt aus einer Datensammlung beschafft.

Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen verschaffen sich unbefugt Zugang zu den Tests und Schulnoten des Opfers, um es damit blosszustellen.

In Fedlex nachschlagen(öffnet ein neues Fenster)

Wer jemanden durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt, wird bestraft.

Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen schreiben dem Opfer wiederholt online, sie werden das Opfer «zusammenschlagen».

In Fedlex nachschlagen(öffnet ein neues Fenster)

Strafbar ist, wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile zu einem Tun, Unterlassen oder Dulden zwingt.

Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen zwingen ihr Opfer mit der Drohung, ein peinliches Video zu posten, ihnen das Handy zu überlassen.

In Fedlex nachschlagen(öffnet ein neues Fenster)

Aktuell wird über eine parlamentarische Initiative debattiert, die einen eigenen Straftatbestand Cybermobbing schaffen will.

Das ist wichtig

  • Cybermobbing kommt sowohl im Primarschulalter, unter Jugendlichen als auch unter Erwachsenen vor und kann Betroffene psychisch schwer belasten.
  • Cybermobbing ist nicht nur ein Medienproblem. Es hängt stark mit Gruppendynamik, Zugehörigkeit, Klassenklima und sozialer Unterstützung zusammen.
  • Als Eltern oder Lehrperson genau hinzuschauen, lohnt sich. Ob vorbeugend oder im Ernstfall reagierend: Als Bezugsperson kannst du viel bewirken.
  • Kenntnis über das Phänomen Cybermobbing sowie Gruppendynamiken, ein starkes Selbstvertrauen und ein empathischer Umgang mit anderen schützen dein Kind am besten vor Cybermobbing.
  • Jugendliche, die mit Cybermobbing konfrontiert sind, können sich bei Pro Juventute rund um die Uhr Hilfe holen, kostenlos und anonym unter 147.

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