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Das Smartphone verbindet Jugendliche mit ihren Freund*innen und begleitet sie überall hin. Doch es kann darüber auch zu Spott, blossstellenden Bildern und gezielter Ausgrenzung kommen. Dieser Leitfaden hilft dir als Elternteil oder Bezugsperson, Cybermobbing zu erkennen, dein Kind präventiv zu stärken und ruhig und wirksam zu handeln, wenn dir Cybermobbing auffällt.
Cybermobbing ist Mobbing im digitalen Raum, etwa in einem Klassenchat oder auf Social Media. Jemand wird dabei wiederholt beleidigt, blossgestellt, bedroht oder ausgegrenzt. Manchmal werden Gerüchte über diese Person verbreitet oder sie sogar erpresst. Täter*in und Opfer kennen sich meistens. Und nicht selten hat Cybermobbing seinen Ursprung in der physischen Welt.
Mobbing ist kein neues Phänomen. Beim Cybermobbing kommt jedoch die 24/7-Erreichbarkeit der Jugendlichen sowie die unsichtbaren Tatorte in privaten Nachrichten oder Gruppenchats belastend hinzu. Die meisten Jugendlichen verfügen über ein eigenes Smartphone und verlagern einen Teil ihrer sozialen Interaktionen ins Internet. Dadurch sind sie nach Schulschluss für Nachrichten erreichbar, auch für Mobbing in digitaler Form. Der sichere Rückzugsort zu Hause fällt damit weg, obwohl er für die Betroffenen so wichtig wäre, um sich von den Angriffen zu erholen und Kraft zu tanken.
Die Weiterführung von Mobbing ins Netz verstärkt dessen Auswirkungen: Cybermobbing-Botschaften verbreiten sich online schneller und dauerhafter, als wenn jemand auf dem Pausenplatz oder im Schulzimmer beschimpft wird. Was einmal im Netz ist, ist kaum mehr kontrollierbar. Denn Bilder können heruntergeladen und weiter geteilt werden. So kommt es vor, dass selbst wenn sich alle wieder vertragen, die verunglimpfenden Bilder plötzlich wieder auftauchen. Und auch vor Deepfakes schrecken viele Täter*innen nicht mehr zurück. Im Gegenteil: Die neuen Möglichkeiten der KI-generierten Bildbearbeitung befeuern die Dynamik vielerorts sogar noch.
Im anonymen Web fällt es Täter*innen zudem leichter, gemein zu sein, weil sie ihrem Gegenüber nicht in die Augen schauen müssen. Sie müssen sich nur vor dem Bild, das sie sich von der anderen Person gemacht haben, verantworten. Nicht aber vor der Person selbst. Viele Täter*innen treten selbst gar nicht in Erscheinung, sondern verstecken sich hinter einem Fake-Profil.
Nach einem Streit in der Schule schreibt jemand im Klassenchat: «Niemand mag dich hier. Du bist einfach nur peino.» Andere reagieren mit Lach-Emojis. Die betroffene Person traut sich am nächsten Tag kaum noch in die Schule.
Beim Online-Gaming wird ein Junge immer wieder beleidigt, weil er angeblich schlecht spielt. Andere werfen ihn aus dem Team, machen sich über seine Stimme lustig und nehmen das Ganze auf.
Eine Jugendliche wird absichtlich aus dem Klassenchat entfernt. Danach schreiben andere: «Endlich ist sie weg.» Sie bekommt wichtige Infos nicht mehr mit und fühlt sich ausgeschlossen.
Ein Schüler wird nach dem Sport heimlich fotografiert oder ein entsprechendes KI-Bild generiert. Das Bild wird in einer Chatgruppe geteilt und mit Sprüchen kommentiert. Obwohl es später gelöscht wird, haben es bereits viele gesehen oder gespeichert. Und selbst, wenn ein KI-Bild nicht echt ist, kann es für die betroffene Person in diesem Fall sehr belastend sein.
Jemand erstellt ein falsches Profil mit dem Namen und Foto einer Mitschülerin. Über dieses Profil werden peinliche Aussagen gepostet. Andere glauben, die Beiträge seien echt.
In einer Gruppe wird behauptet, ein Jugendlicher habe etwas gestohlen oder jemanden verraten. Es gibt keine Beweise, aber die Nachricht verbreitet sich schnell. Immer mehr Personen meiden ihn.
Cybermobbing fokussiert auf die Herabwürdigung, Ausgrenzung, Beleidigung oder Bedrohung einer einzelnen Person. Findet typischerweise in einer Halb-Öffentlichkeit statt.
Hate Speech fokussiert auf die Abwertung von Personen oder Gruppen aufgrund von Identitätsmerkmalen wie Herkunft, Geschlecht oder Aussehen. Findet typischerweise im öffentlichen Raum (z.B. Social Media, Kommentarspalten usw.) statt.
Mehr zu Hate Speech
Digitale Gewalt umfasst als Überbegriff zum Beispiel Cybermobbing, Doxing, Stalking, Sextortion, Drohungen oder das Verbreiten von intimen Inhalten.
Mehr zu digitaler Gewalt
Cybermobbing, Hate Speech und digitale Gewalt überschneiden sich teilweise. Zum Beispiel, wenn eine Mitschülerin aufgrund von Identitätsmerkmalen von den Kolleg*innen ausgegrenzt und online beleidigt wird.
Für die Opfer bedeutet Cybermobbing meist eine ernstzunehmende psychische Belastung. Sie fühlen sich zunehmend traurig und ängstlich. Viele verlieren durch die Angriffe ihr Selbstvertrauen, entwickeln Depressionen oder im schlimmsten Fall sogar Suizidgedanken.
Dafür kann schon ein Vorfall ausreichen, da Inhalte online gespeichert, weitergeleitet und immer wieder sichtbar gemacht werden können. Diese Endlosschleife hat im Vergleich zu herkömmlichem Mobbing einen deutlichen Verstärkungseffekt, der sich negativ auf die Opfer auswirkt.
Hinweis: Wenn es deinem Kind schlecht geht, ist rund um die Uhr Hilfe da, kostenlos und anonym unter 147 (Pro Juventute Notrufnummer für Kinder und Jugendliche).
Andere Jugendliche wiederum werden wütend und lassen ihren Frust an anderen aus. Manche werden auf diesem Weg selbst zu Cybermobbing Täter*innen.
In der jüngst veröffentlichten «Jugendstudie 2026» von Pro Juventute gab rund jede*r fünfte Jugendliche*r an, Angst vor Cybermobbing zu haben. Dabei zeigen sich klare geschlechterspezifische Unterschiede: Bei den Mädchen und jungen Frauen (27,4%) war die Angst doppelt so gross wie bei den Jungen (14%).
Die wenigsten entscheiden sich einfach so, jemanden fertigmachen zu wollen. Die Gründe für Cybermobbing gehen stattdessen oft tiefer und ähneln denen von Hate Speech.
Viele Täter*innen sind sich gar nicht bewusst, wie sehr sie ihr Gegenüber mit ihren Kommentaren verletzen, wenn sie sich abfällig über diese Person äussern. Sie finden es vielleicht lustig, denken, es ist ein Scherz. Oder sie merken einfach nicht, wann der Spass aufhört.
Wer andere schlecht macht, fühlt sich in der Gruppe selbst grösser, wichtiger und will «cool» dastehen. Andere Jugendliche machen mit, um dazuzugehören (Mitläufer*innen). Manche davon aus Angst, selbst zum Opfer zu werden, wenn sie sich für die Opfer einsetzen würden.
Nicht aufgearbeitete emotionale Erfahrungen werden nicht selten an Mitmenschen weitergegeben. Das heisst konkret: Wer selbst gemobbt wurde und mit seinen Emotionen nicht umgehen kann, mobbt eher andere.
Wenn das Umfeld der Jugendlichen sich gewöhnlich über andere hinwegsetzt und andere schlecht redet, nehmen Jugendliche das auf und verinnerlichen diese Haltung. Auch mangelnde Konsequenzen begünstigen Cybermobbing.
Die digitale Distanz senkt die Hemmschwelle bei Cybermobbing, denn am Bildschirm fällt das Mitfühlen schwer. Wer sein Gegenüber nicht sieht, merkt nicht, wie sehr eine Aussage trifft. Die Tränen bleiben im Verborgenen, sodass sich die Täter*innen nicht mit den zwischenmenschlichen Konsequenzen auseinandersetzen müssen. Die Gewissensbisse bleiben darum eher aus und die Angriffe im Gegenzug schneller und härter.
Was auf dem Pausenhof als Mobbing beginnt, kann sich mit dem ersten Klassen-, Gruppenchat oder dem ersten eigenen Smartphone ins Netz verlagern. Die Prävention von Cybermobbing muss daher früh ansetzen. Erwachsene Bezugspersonen können hierzu viel beitragen. Denn ob zuhause oder in der Schule, Eltern und Lehrpersonen prägen die Einstellung und Haltung von Jugendlichen massgeblich.
Eine hundertprozentige Garantie, dein Kind vor Cybermobbing zu schützen, gibt es leider nicht. Aber du kannst einiges dafür tun, dass dein Kind widerstandsfähiger wird und bei Cybermobbing gegen sich oder andere zu reagieren weiss.
Wenn dein Kind sich wertgeschätzt fühlt, so wie es ist, muss es sich auch nicht über andere erheben, um sich besser zu fühlen. Fördere den Selbstwert deines Kindes, indem ihr gemeinsame Aktivitäten findet, wobei dein Kind sich selbst verwirklichen und aufblühen kann. Auch wertschätzende Worte und ernst gemeintes Lob können das Selbstvertrauen eines Kindes steigern.
Sprache schafft Bewusstsein: Wer einen Begriff für Cybermobbing hat, erkennt auch besser, wenn es passiert. Kinder und Jugendliche können das Phänomen damit besser einordnen. Gib deinem Kind also einen Begriff mit. Für jüngere Kinder (bis 12 Jahre) eignet sich dazu die Geschichte «Der junge Schwan und die (wirklich) hässlichen Entlein»(öffnet ein neues Fenster), für ältere Kinder und Jugendliche: «Sicher online: Alles, was Recht ist»(öffnet ein neues Fenster) der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP).
Kinder lernen von den Menschen um sie herum. Lebe deinem Kind darum selbst einen empathischen Umgang mit anderen vor. Erkläre, welche Auswirkungen eine bestimmte Aussage auf andere haben kann und warum die Netiquette online wichtig ist.
Einige wenige geben beim Cybermobbing den Ton an, während die restlichen aus der Gruppe aus unterschiedlichen Gründen nachziehen. Erkläre deinem Kind, dass eine solche Gruppendynamik nur funktionieren kann, solange alle mitmachen. Betone, wie wichtig es ist, dem eigenen inneren Wertekompass zu folgen und sich gegen Gruppendynamiken und Gruppendruck zu stellen, wo nötig. Das zu tun fällt leichter, wenn dein Kind ein gesundes Selbstvertrauen hat.
Übt gemeinsam, wie sich dein Kind wehren kann, wenn es plötzlich selbst zum Ziel würde. Eine klare Haltung zu vertreten und diese zu kommunizieren, kann eine solche Strategie sein. Das kann zum Beispiel so aussehen, dass dein Kind bei einem Angriff auf sich selbst oder andere mit «Das sehe ich nicht so» oder «Das ist nicht fair» reagiert. Eine weitere Möglichkeit ist, zu wissen, wie Kommentare oder Profile auf der jeweiligen Plattform gemeldet und gesperrt werden können.
Vielen Jugendlichen ist nicht klar, dass Beleidigungen, Drohungen oder das Verbreiten von bestimmten Bildern strafbar sein können. Die rechtlichen Konsequenzen (je nach Alter in geeignetem Rahmen) aufzuzeigen, ist eine sinnvolle präventive Massnahme.
Wenn Jugendliche selbst von Cybermobbing betroffen sind oder anderweitig darunter leiden, kann es sein, dass sie damit aber nicht zu dir als Elternteil kommen möchten. Vielleicht aus Scham, vielleicht aus anderen Gründen. Umso wichtiger, dass dein Kind aber weiss: Es gibt neutrale Stellen, die jederzeit gerne weiterhelfen. Bei Pro Juventute können sich Jugendliche kostenlos und anonym beraten lassen(öffnet ein neues Fenster), je nach Wunsch über WhatsApp, per Telefon oder E-Mail. Auch die Schulsozialarbeit ist für Fragen und Sorgen da. Es beruhigt, solche Adressen schon zu kennen, bevor man sie braucht
Was einmal online ist, lässt sich kaum zurückholen. Geht deshalb je nach Alter deines Kindes gemeinsam oder dein Kind selbstständig durch, wer die Online-Beiträge sehen kann, und stellt Profile möglichst auf privat. Besprecht, welche Fotos, Videos und Infos besser nicht ins Netz gehören – gerade solche, die sich später gegen dein Kind verwenden lassen.
Natürlich hast du hier nicht alles in der Hand: Auch in der Schule kann ein Foto entstehen, das im schlimmsten Fall gegen dein Kind verwendet wird. Umso wichtiger, dass dein Kind die Meldefunktionen der Plattformen kennt, um unerwünschte Inhalte sofort melden zu können.
Sharenting setzt sich aus «share» und «parenting» zusammen und meint das Phänomen, wenn Eltern oder andere Bezugspersonen Bilder ihrer Kinder online teilen. Oft landen dabei persönliche Daten im Netz. Oder Fotos, die Erwachsene niedlich finden, dem Kind selbst aber peinlich sind. Solche Bilder können auch für Cybermobbing missbraucht werden.
Zeig echtes Interesse am Leben deines Kindes. Frag, was dein Kind beschäftigt, redet über schöne wie schwierige Erlebnisse. So entsteht mit der Zeit ein Vertrauen, das deinem Kind das Gefühl gibt: Wenn etwas ist, kann ich zu meinen Eltern kommen.
Wie eine 14-Jährige mit Hass auf Snapchat umgeht (und dabei gelassener bleibt als ihre Mutter) erzählt dieser Erfahrungsbericht einer Mutter bei Jugend und Medien. Er zeigt, wie viel ein offenes Verhältnis zu Hause und Rückhalt von anderen auffangen können.
Cybermobbing hat neben dem eigenen Freundeskreis und bekannten Gleichaltrigen häufig auch einen Bezug zur Schule und zur Klasse. Die Schule spielt deshalb eine wichtige Rolle in der Prävention. Sie kann zum Beispiel Zugehörigkeit und ein stabiles Klassenklima fördern. Verlässliche Bezugspersonen wirken als Schutzfaktor, damit ein Ausgrenzen (sowohl offline als auch online) gar nicht erst erfolgt.
An Schulen mit offener, respektvoller Gesprächskultur trauen sich Kinder und Jugendliche zudem eher, sich jemandem anzuvertrauen. So melden sie sich leichter bei einer Bezugsperson, wenn ihnen etwas auf dem Herzen liegt. Ein festgelegtes Vorgehen für solche Vorfälle entlastet diese Bezugspersonen (zum Beispiel Klassenlehrperson oder Sozialpädagog*innen).
Die Plattform Jugend und Medien stellt für Lehrpersonen Unterrichtsmaterial zu Cybermobbing zur Verfügung. Ein eindrückliches Format, das auch didaktisch eingesetzt werden kann, ist das Theaterstück #byebitch, bei dem das Kollektiv Stick Around vor allem die Zivil-Courage im Rahmen von Cybermobbing thematisiert.
Erarbeite für und mit der Klasse klare Regeln, die im Klassenchat gelten. Formuliert auch verbindliche Konsequenzen, die umgesetzt werden, sollte es dennoch zu Cybermobbing kommen.
Sowohl bei Hate Speech als auch bei Cybermobbing sind diejenigen, die zwar nicht aktiv beteiligt sind, aber zuhören oder zuschauen, von zentraler Bedeutung. Durch ihr Schweigen verstärken sie die Ausgrenzung. Wenn Bystander*innen hingegen Zivilcourage beweisen und eingreifen, kann das Cybermobbing (genauso wie Hate Speech) entschärfen. Manchmal reicht es, zu sagen: «Das sehe ich nicht so.» Damit bieten Bystander*innen den Opfern emotionalen Support.
Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche wissen, an wen sie sich im Notfall wenden können. Im Unterricht können deshalb präventiv verschiedene Hilfsangebote vorgestellt werden.
Kein Problem. Mit unseren Medienkursen kommen unsere Trainer*innen in deine Schule und sprechen mit deiner Klasse über Cybermobbing.
Um die Gesellschaft fürs Thema Cybermobbing zu sensibilisieren, gibt es vermehrt Kampagnen und Initiativen. Hier eine Auswahl:
Trotz Prävention lässt sich Cybermobbing leider nicht immer verhindern. Als Bezugsperson von Jugendlichen ist es deshalb wichtig, aufmerksam zu bleiben. Nur so kannst du Verhaltensänderungen oder Anzeichen von Cybermobbing früh erkennen und rechtzeitig handeln.
Die beste Voraussetzung ist eine vertrauensvolle Beziehung zwischen dir und deinem Kind. Existiert so eine, kann sich dein Kind dir bei Problemen mitteilen und um deine Hilfe bitten. Doch selbst unter optimalen familiären Beziehungen schweigen viele Opfer. Teilweise aus Scham, aus Angst oder einfach, weil sie niemanden damit belasten wollen. Was also, wenn sich dein Kind dir nicht mitteilt oder Cybermobbing abstreitet und du aber dennoch ahnst, dass etwas nicht normal ist?
Auf diese Warnsignale von Cybermobbing kannst du achten:
Einzelne Veränderungen können in der Pubertät normal sein. Aber wenn mehrere Anzeichen gleichzeitig oder über längere Zeit auftreten, suche in einem geschützten Rahmen das Gespräch.
Du hast erfahren, dass dein Kind gemobbt wird? Gut möglich, dass sich da bei dir gerade einige Emotionen zeigen. Atme erstmal durch, denn blinder Aktionismus hilft deinem Kind jetzt gerade nicht weiter. Das kannst du stattdessen tun:
Tatsächlich geschieht das häufiger als man sich als Eltern vielleicht erhofft. Laut JAMES-Studie 2024 hat rund jede*r fünfte Jugendliche schon mal jemanden online gehänselt oder sich über ihn lustig gemacht. Wenn dir bewusst wird, dass dein Kind andere online beschimpft, spricht es an:
Ein Elternteil informiert dich oder du wirst selbst Zeug*in von Cybermobbing in deiner Klasse. Wie reagierst du richtig?
Hat dich jemand online fertiggemacht und du weisst nicht, wie du dich dagegen wehren kannst? Gut, dass du dich informierst, denn du bist ihnen nicht hilflos ausgeliefert, im Gegenteil.
Vertrau dich jetzt am besten jemandem an, auch wenn du dich wegen der herabwürdigenden Onlineinhalte vielleicht schämst. Gibt es in deinem Umfeld jemanden, der dir urteilsfrei zuhören würde? Eltern, Geschwister, Götti oder Gotti, Freund*innen, dein*e Klassenlehrer*in oder ein*e Sozialpädagog*in? Wenn ja, kontaktiere sie und erzähle ihnen, was passiert ist und wie du dich fühlst.
Wenn dir gerade niemand einfällt, dem du dich anvertrauen möchtest, empfehlen wir dir die Cyber-Mobbing Erste-Hilfe App(öffnet ein neues Fenster) von klicksafe (gibt’s sowohl auf iOS(öffnet ein neues Fenster)- als auch Android(öffnet ein neues Fenster)-Geräten und für Menschen mit Behinderung gibt es die Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App). Die Coaches Emilia und Tom geben dir in Kurzvideos Verhaltenstipps, was du jetzt machen kannst. Sie sprechen dir für deine nächsten Schritte Mut zu. Und melde und blockiere die Inhalte und Absender*innen der gehässigen Botschaften am besten gleich.
Sich gegen Gruppendynamiken zu stellen, kann sehr schwierig sein. Trotzdem ist es wichtig, dass Bystander*innen sich ihrer Verantwortung und ihres Einflusses bewusst werden. Denn häufig sind sie das entscheidende Zünglein an der Waage: Wenn sie nicht mehr mitlachen oder gar das Schweigen mit einer Gegenstimme brechen, stehen die Täter*innen plötzlich allein da.
Die Angst, selbst zum Opfer zu werden, wenn man sich zivilcouragiert für Schwächere einsetzt, ist einerseits berechtigt. Andererseits gibt es viele Dinge, die Bystander*innen tun können, um Betroffene zu unterstützen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Zum Beispiel:
Auf Social-Media-Plattform hast du in der Regel die Möglichkeit, Personen und Inhalte zu melden und zu blockieren. Hier findest du die Anleitungen der häufigsten Plattformen:
«Cybermobbing» ist im Schweizer Strafgesetzbuch (noch) kein eigener Tatbestand. Trotzdem ist das Internet kein rechtsfreier Raum. Grundsätzlich gilt: Was offline zählt, zählt auch online. Je nach Situation kann Cybermobbing also strafbare Handlungen beinhalten, wobei folgende Artikel greifen:
Strafbar macht sich, wer unbefugt in ein fremdes Datenverarbeitungssystem eindringt.
Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen verschaffen sich Zugang zum Social-Media-Konto ihrer Opfer, um an Bildmaterial für Cybermobbing zu kommen.
Wer unbefugt elektronisch gespeicherte Daten verändert, löscht oder unbrauchbar macht, wird bestraft.
Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen löschen auf dem Smartphone ihrer Opfer deren Fotos oder Chatverläufe.
Strafbar ist, wer jemanden durch Gewalt oder Androhungen zu einem Verhalten nötigt, um sich selbst unrechtmässig zu bereichern.
Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen drohen, peinliche Fotos des Opfer zu veröffentlichen, wenn das Opfer ihnen nicht das Znüni überlässt.
Wer über jemanden etwas behauptet, das den Ruf schädigt (ohne zu wissen, ob es überhaupt stimmt), macht sich strafbar.
Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen schreiben im Klassenchat, das Opfer habe wohl geklaut, ohne aber zu wissen, ob das stimmt.
Wer über jemanden bewusst falsche, rufschädigende Behauptungen verbreitet, wird strenger bestraft als bei übler Nachrede.
Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen posten, das Opfer habe etwas gestohlen, obwohl sie genau wissen, dass das nicht stimmt.
Wer jemanden in seiner Ehre angreift, etwa durch Schimpfwörter, wird auf Antrag bestraft.
Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen beschimpfen ihre Opfer in Kommentaren wiederholt mit Schimpfwörtern.
Strafbar ist, wer eine Tatsache aus dem Geheim- oder Privatbereich einer Person unbefugt mit einem Aufnahmegerät beobachtet oder aufzeichnet.
Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen filmen ihr Opfer heimlich in der Umkleidekabine.
Wer aus Bosheit oder Mutwillen ein Telefon oder ähnliche Geräte missbraucht, um jemanden zu belästigen, macht sich auf Antrag strafbar.
Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen überfluten ihre Opfer nachts mit Dutzenden belästigenden Nachrichten und Anrufen.
Strafbar ist, wer besonders schützenswerte, nicht frei zugängliche Personendaten unbefugt aus einer Datensammlung beschafft.
Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen verschaffen sich unbefugt Zugang zu den Tests und Schulnoten des Opfers, um es damit blosszustellen.
Wer jemanden durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt, wird bestraft.
Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen schreiben dem Opfer wiederholt online, sie werden das Opfer «zusammenschlagen».
Strafbar ist, wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile zu einem Tun, Unterlassen oder Dulden zwingt.
Beispiel für Cybermobbing:
Täter*innen zwingen ihr Opfer mit der Drohung, ein peinliches Video zu posten, ihnen das Handy zu überlassen.
Aktuell wird über eine parlamentarische Initiative debattiert, die einen eigenen Straftatbestand Cybermobbing schaffen will.
Weitere Informationen und Inhalte zum Thema «Cybermobbing» haben wir hier zusammengetragen.
JAMES Studie 2024(öffnet ein neues Fenster)
Schweizerische Kriminalprävention(öffnet ein neues Fenster)
Pro Juventute(öffnet ein neues Fenster)
Kinderschutz Schweiz(öffnet ein neues Fenster)
Opferhilfe Schweiz(öffnet ein neues Fenster)
Bundesamt für Cybersicherheit BACS(öffnet ein neues Fenster)
Jugend und Medien(öffnet ein neues Fenster)
Parlamentarische Initiative «Neuer Straftatbestand Cybermobbing»(öffnet ein neues Fenster)
Klicksafe(öffnet ein neues Fenster)