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Hate Speech erkennen und handeln

Wer im Internet unterwegs ist, trifft früher oder später auf Hate Speech. Rund ein Viertel der Schweizer Bevölkerung ist regelmässig davon betroffen. Bei den Jugendlichen sind es sogar doppelt so viele. Wie schützen wir uns und unsere Kinder vor den negativen Auswirkungen von Hate Speech? Wir zeigen, woran du Hate Speech erkennst, warum Menschen haten und was du dagegen tun kannst.  

Das Wichtigste in Kürze:

Hass kennt keine Grenzen – auch online nicht

Definition

Was genau ist Hate Speech?

Hate Speech (auch Hatespeech oder Hassrede) begegnet dir im Netz in unterschiedlicher Form. Das macht sie manchmal schwer greifbar. Mal ist der Hass offensichtlich, mal so geschickt getarnt, dass er kaum auffällt. Wir zeigen dir, wie du sie in jedem Fall entlarvst. 

An diesen 3 Kriterien erkennst du Hate Speech: 

  1. Hate Speech meint jegliche Kommunikation, die Personen … 
  2. … aufgrund ihrer Identitätsmerkmale (z. B. Aussehen, sexuelle Orientierung, Herkunft und Hautfarbe sowie Nationalität) … 
  3. … angreift, abwertet oder ausgrenzt.  Erst wenn alle Kriterien erfüllt sind, gilt eine Äusserung als Hate Speech.

Erst wenn alle Kriterien erfüllt sind, gilt eine Äusserung als Hate Speech. 

Hate Speech schürt Feindseligkeit, kann gesellschaftlich spalten und sogar zu Gewalt aufrufen. Am offensichtlichsten zeigt sich das in beleidigenden Kommentaren oder Drohungen unter Beiträgen:  

«He Hummel, du mit deinem dicken Bauch und deinen kleinen Flügeln darfst nicht mit uns mitfliegen!»  

Ein anderes Gesicht von Hate Speech sind Hass-Memes. Und immer häufiger taucht Hate Speech auch als Deepfake auf. Das sind täuschend echte KI-Bilder oder -Videos. Auch Verschwörungstheorien können Hate Speech enthalten, wenn sie Feindbilder gegen bestimmte Gruppen aufbauen. 

Hate Speech oder Cybermobbing? 

Nicht jeder abwertende Kommentar im Netz ist automatisch Hate Speech:  

Hate Speech (Hassrede): Alle 3 oben genannten Kriterien müssen erfüllt sein. Sie richtet sich gegen Menschen(gruppen) aufgrund ihrer Identität, schürt Feindseligkeit und kann zu Gewalt aufrufen.   

Cybermobbing: Das ist Mobbing im Netz und zielt auf zwischenmenschlicher Ebene gegen einzelne Personen. Meist in einem halböffentlichen Raum wie dem Klassenchat, der Sportgruppe oder am Arbeitsplatz.  

Beides kann sich überschneiden. Etwa wenn ein Kind in der Schule wegen seiner Herkunft gemobbt wird. Mobbing dauert häufig über eine längere Zeit an als Hate Speech. 

Nicht immer auf den ersten Blick erkennbar

Wenn Hate Speech als Humor getarnt daherkommt («Ist doch nur Spass!»), wirkt sie plötzlich harmlos. Der Ton klingt locker, der Inhalt ist es aber nicht. Memes sind ein gutes Beispiel: Hinter scheinbar witzigen Bildern stecken oft abwertende Botschaften.  

Manchmal reicht aber auch schon die Wortwahl einer Aussage. Bestimmte Begriffe (z. B. «Invasion von [Personengruppe]») erzeugen automatisch Bedrohungsbilder.  

Und auch die Plattformen selbst spielen eine Rolle. Ihre Algorithmen pushen polarisierende Inhalte gezielt, weil sie viele Reaktionen auslösen und damit die Userinteraktionen steigern. Wer ständig denselben Hassreden ausgesetzt ist, läuft Gefahr, sich zu radikalisieren.

Thema

Hate Speech und ihre Auswirkungen 

Hate Speech streut Negativität im Netz und trifft damit längst nicht nur die Person, an welche der Hass gerichtet ist. Die negativen Auswirkungen von Hate Speech sind sowohl für die Betroffenen, die Täter*innen als auch die Mitlesenden (auch Bystander*innen) weitreichend und betreffen die gesamte Gesellschaft. 

Silencing: Wenn Hate Speech verstummen lässt 

Wenn nur wenige Menschen ihre Meinung laut und bestimmt sagen und alle anderen schweigen, entsteht ein falscher Eindruck: Es wirkt so, als würde die Mehrheit das auch so sehen. Meistens stimmt das aber gar nicht. Trotzdem trauen sich Mitlesende, die anderer Meinung sind, oft nicht mehr, etwas zu sagen.  

Und auch die Menschen, die beschimpft werden, ziehen sich zum eigenen Schutz häufig zurück. So bleibt am Ende nur eine Meinung sichtbar. Und die wird im Netz immer lauter. So sorgt Hate Speech dafür, dass viele Menschen ihre Meinung nicht mehr frei sagen. 

Meinungsfreiheit und ihre Grenzen

Oft wird Hate Speech mit der Meinungsfreiheit gerechtfertigt: «Das wird man ja wohl noch sagen dürfen». Doch die Meinungsfreiheit ist kein Freifahrtschein. Die Wortwahl einer Äusserung ist entscheidend. Ein Beispiel:  

  «Ich finde, es kommen zu viele Migrant*innen ins Land.» «Geflüchtete sind gefährlich und gehören nicht hierher.»
Kriterium 1:
Kommunikation?
Kriterium 2:
Aufgrund eines Identitätsmerkmals?
Kriterium 3:
Angreifend, abwertend oder ausgrenzend?
  Kein Hate Speech Hate Speech

Die freie Meinungsäusserung ist ein Grundrecht und eine wichtige Basis für eine Demokratie wie die Schweiz. Unsere Demokratie lebt davon, dass möglichst viele Menschen gehört werden und verschiedene Meinungen offen nebeneinander stehen dürfen. Wenn einzelne Stimmen durch Hate Speech eingeschüchtert oder ganz zum Schweigen gebracht werden, ist das ein Problem für die Demokratie. 

Desinformation und Hate Speech  

Eng mit Hate Speech verknüpft sind auch Fake News oder eine gezielte Desinformation. Fake News entstehen oft aus Unwissenheit oder Nachlässigkeit. Zum Beispiel, wenn jemand etwas Falsches verbreitet, ohne es böse zu meinen.   

Beispiel Fake News: Nach einer Gewalttat kursiert online ein Foto mit der Behauptung, der Täter gehöre einer bestimmten Gruppe an. Jemand teilt das empört weiter, ohne aber zu wissen, dass diese Zugehörigkeit gar nicht stimmt. Durch das Teilen (ohne vorher die Information zu prüfen) stärkt dieser Jemand das Feindbild.   

Desinformation dagegen wird mit Absicht in Umlauf gebracht*. Zum Beispiel, um Meinungen zu beeinflussen, bestimmte Gruppen schlechtzumachen, die Gesellschaft zu spalten oder das Vertrauen in wichtige Institutionen zu schwächen.   

Beispiel Desinformation: Vor einer Abstimmung taucht ein erfundener «Bericht» auf, der einer bestimmten Gruppe die Schuld an steigender Kriminalität gibt, mit frei erfundenen Zahlen. Solche «Fakten» werden gezielt gestreut, um Stimmung gegen die Gruppe zu machen.  

Wer Fake News und Desinformation erkennt, durchschaut auch Hate Speech rascher.

*Quelle: stophatespeech.ch(öffnet ein neues Fenster)

Thema

Motive für Hate Speech:
Und warum macht das jemand?  

Es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen im Internet haten. Ein internationales Forschungsteam (mit dabei auch die PH Bern) hat dazu Schweizer Jugendliche aus 19 deutschsprachigen Schulen befragt, die selbst schon Hassrede verbreitet haben. Die Ergebnisse wurden 2022 in der Fachzeitschrift Comunicar(öffnet ein neues Fenster) veröffentlicht. 

Insgesamt nahmen 1035 Jugendliche an der Studie teil. Knapp 75 % von ihnen gaben an, keine Hate Speech zu verbreiten. Die übrigen 346 Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren wurden genauer zu ihren Gründen befragt. Dabei kamen 6 zentrale Motive heraus, hier geordnet von häufig bis selten: 

Rund ein Drittel der Jugendlichen hatete, weil sie selbst wütend, verletzt oder geärgert worden waren. Hate Speech ist hier eine spontane Reaktion auf etwas, das sich unfair anfühlt oder angefühlt hat. Wer als Kind oder Jugendliche*r selbst Hass oder Mobbing erlebt hat, gibt diese Erfahrung oft weiter und wird so selbst zum Täter oder zur Täterin.  

Prävention: Jugendliche im Umgang mit Wut und Frust sowie beim Konfliktmanagement stärken. Zum Beispiel, indem ihr gemeinsam über Gefühle redet und gesunde Möglichkeiten findet, um Frust abzubauen. 

Jugendliche mit diesem Motiv sind von ihren hasserfüllten Aussagen überzeugt, weil sie zu ihren politischen oder weltanschaulichen Ansichten passen. Sie reden zum Beispiel abwertend über eine bestimmte Gruppe und sind der Meinung, damit nur die Wahrheit zu sagen. In der Studie stimmten Mädchen diesem Motiv häufiger zu als Jungen. 

Prävention: Politische Bildung fördern, lernen Quellen zu prüfen und sich mit demokratischen Werten auseinandersetzen. Schulen können hier viel bewirken. 

Manche Jugendliche beleidigen andere, um zur «coolen» Gruppe zu gehören. Eine der grössten Ängste von Menschen ist es, ausgeschlossen zu werden. Wer mit der coolen Gruppe mithatet, schützt sich also auch selbst davor, plötzlich zu den «Uncoolen» zu zählen. Gerade für Jugendliche ist es besonders wichtig, dazuzugehören. 
 
Prävention: Ein Klassenklima fördern, in dem Vielfalt normal ist und alle miteinander reden. 

Ein kleiner Teil der Befragten findet Hate Speech lustig oder fühlt sich beim Haten gut. Oft kommt sie als Witz daher: «War ja nur Spass!» Dazu gehören aber auch Fälle, in denen jemand Freude daran hat, andere leiden zu sehen.  

Prävention: Empathie-Übungen, damit Täter*innen die Auswirkungen verstehen, was ihr Verhalten bei anderen auslöst. 

Das am seltensten genannte Motiv hat besonders üble Folgen: Wer sich durch Hate Speech stark und überlegen fühlt, übt oft Druck auf andere aus, um dieses Machtgefühl zu behalten. 
 
Prävention: Klar aufzeigen, welche Konsequenzen das Verhalten hat und wie das Umfeld darauf reagiert. 

Was die Studie sonst noch zeigt: Ob Jugendliche haten oder nicht, hängt weniger von Verboten ab (etwa durch Eltern oder Lehrpersonen) als vielmehr vom eigenen Umfeld. Anerkennung, sozialer Druck und Nachahmung spielen eine grosse Rolle. Anders gesagt:  

Wenn Hate Speech in der Klasse oder im Freundeskreis als normal gilt, machen mehr Jugendliche mit. Selbst wenn alle wissen, dass es eigentlich nicht okay ist.  

Wer oft Hate Speech mitliest, läuft Gefahr, irgendwann selbst zu haten. Ob es so weit kommt, hängt vor allem von zwei Faktoren ab, wie eine weitere internationale Studie(öffnet ein neues Fenster) zeigt:   

  • Empathie schützt. Wer sich in andere hineinversetzen kann, lässt sich weniger leicht mitreissen und wird seltener selbst zum Täter oder zur Täterin.  
  • Moralisches Abschalten verstärkt den Sog dagegen. Damit sind Gedanken gemeint wie «selbst Schuld», «die sind doch nicht normal» oder «war ja nicht so schlimm gemeint». 

Als Eltern behältst du diese beiden Faktoren am besten im Blick. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.  

Tipps

Schütze dich und dein Kind vor Hate Speech 

In der Jugend verändert sich nicht nur das Weltbild, sondern auch das Gehirn. Der präfrontale Kortex (der Bereich im Gehirn, der für Selbstkontrolle, langfristiges Denken und kritisches Abwägen zuständig ist) entwickelt sich erst bis ins junge Erwachsenenalter vollständig. Deshalb sprechen Inhalte, die starke Gefühle auslösen, Jugendliche besonders an. Genau das tut Hate Speech. 

Jugendliche sind mitten dabei, ihre eigenen Werte zu finden, sich politisch zu orientieren und herauszufinden, wer sie sind. Wer in dieser Phase viel mit Hate Speech zu tun hat (ob als Betroffene*r oder als Mitlesende*r) wird davon stark geprägt.  

Das Beste, was du als Eltern tun kannst: Sprich früh mit deinem Kind darüber. Wer Bescheid weiss, lässt sich weniger leicht beeinflussen. Hier ein paar Möglichkeiten, wie du vorgehen kannst: 

Nutze Dinge, die wirklich passiert sind (z. B. eine Schlagzeile, ein Streit im Klassenchat oder ein aktuelles Meme), um über Hate Speech zu reden. Damit holst du dein Kind am besten ab.

Stell offene, neugierige Fragen, zum Beispiel: «Wenn jemand so etwas in deinem Klassenchat posten würde, wie würdest du reagieren?» Hör gut zu, statt eine Moralpredigt zu halten. 

Was im Feed auftaucht, ist kein Zufall, sondern berechnet. Die Plattformen zeigen vor allem das, was viel Aufmerksamkeit bekommt. Und Hass bekommt sehr viel davon. So wird Hate Speech automatisch weit verbreitet, selbst wenn und wo sie verboten ist. 
 
Scroll doch mal gemeinsam mit deinem Kind durch seinen Feed und sprecht darüber, was auftaucht und warum. Probiert auch aus, wie ihr den Algorithmus beeinflussen könnt: Inhalte melden, anderen Beiträgen Likes geben oder gezielt nach anderen Meinungen suchen. 

Wer steckt eigentlich hinter einem Inhalt? Diese Frage hilft nicht nur bei Hate Speech, sondern auch bei Fake News und Desinformation. Wer Quellen einschätzen kann, durchschaut vieles schneller.

Solche Filter sorgen dafür, dass dein Kind seltener mit ungeeigneten Inhalten wie Hate Speech in Kontakt kommt. So sinkt das Risiko, davon negativ beeinflusst zu werden. 

Forschende nennen es «moralisches Abschalten», wenn Jugendliche sich innerlich Sätze zurechtlegen, die Hate Speech rechtfertigen. Typisch sind zum Beispiel:   

  • «Selbst schuld – wer so etwas postet, muss damit rechnen.» 
  • «Die sind doch nicht normal.» 
  • «War ja nicht so schlimm gemeint.» 
  • «Geht mich nichts an, was die anderen machen.» 
  • «Bei uns redet man halt so.» 

Wenn du solche Sätze hörst, frag kurz nach: «Was meinst du mit selbst Schuld? Wie würde es dir gehen, wenn das jemand über dich gesagt hätte?» So machst du deinem Kind bewusst, was hinter solchen Gedanken steckt. 

Sucht zusammen Beispiele, in denen jemand auf Hass freundlich und einfühlsam reagiert hat, und sprecht darüber, warum das so gut funktioniert. Im besten Fall lernt dein Kind so, dies selbst zu tun.  

Und wenn dein Kind sagt «Aber das machen/finden doch alle so!», frag zurück: «Wer ist alle? Und wie siehst du das selbst, ohne deine Freund*innen?» So lernt dein Kind, eine eigene Haltung zu entwickeln. 

Mach deinem Kind klar, dass es nicht die ganze Welt retten und nicht überall widersprechen muss. Manchmal reicht es schon, Hate Speech zu erkennen und den Inhalt zu melden oder zu blockieren. 

Dein Kind schaut sich ab, wie du selbst reagierst. Oft auch ganz unbewusst. Achte deshalb darauf: Wie gehst du selbst mit Hate Speech um? Und wie sprichst du mit deinem Kind? 

Wer öffentlich widerspricht, lenkt den Hass manchmal auf sich selbst. Deshalb lohnt es sich, vorsichtig zu sein: keine persönlichen Daten preisgeben, anonym bleiben und die Privatsphäre-Einstellungen prüfen (zum Beispiel privates Profil, kein echter Name, kein Standort, keine Infos zu Schule oder Wohnort).  

Manche Gruppen werden viel häufiger angegriffen als andere. Laut der BAKOM-Studie(öffnet ein neues Fenster) trifft es zum Beispiel non-binäre Menschen, Menschen mit Behinderung oder Menschen mit nicht-heterosexueller Orientierung öfter. Wenn dein Kind zu einer dieser Gruppen gehört, kann es helfen, das Thema frühzeitig anzusprechen. Mehr dazu im Abschnitt: Bist du oder dein Kind von Hate Speech betroffen? 

Thema

Zivilcourage zeigen:
Wie du Hate Speech mit Gegenrede begegnest 

Wenn du im Netz auf Hate Speech triffst, fragst du dich vielleicht: Bringt es überhaupt etwas, wenn ich etwas dagegen sage? Die Antwort ist: Ja. Eine klare und einfühlsame Antwort (auch Gegenrede oder Counter Speech genannt) zählt immer. Damit setzt du dem Hass etwas entgegen und zeigst allen, die mitlesen, dass es auch eine andere, tolerante Meinung gibt. 

Viele Mitlesende lehnen Hate Speech zwar ab, aber nur wenige sagen wirklich etwas dagegen. Die meisten schweigen, um sich selbst nicht angreifbar zu machen. Das ist verständlich. Aber: Wenn alle schweigen, sieht es so aus, als wäre die Mehrheit mit dem Hass einverstanden. Und genau das macht ihn noch stärker. 

Je mehr Gegenrede, desto besser

Eine Studie(öffnet ein neues Fenster) aus dem Jahr 2024 hat mit fast 600 Teilnehmer*innen untersucht, wie gut Gegenrede wirkt. Das Ergebnis klingt zuerst ernüchternd: Eine einzelne Gegenstimme verändert kaum etwas daran, wie schlimm eine Hate-Speech-Situation wahrgenommen wird.  

Sobald aber mehrere Menschen gemeinsam widersprechen, steigt die Wirkung schnell an. Eine einzelne Gegenrede ist also nie umsonst. Denn sie bricht das Schweigen und macht es anderen leichter, sich anzuschliessen. Darum zählt jede Stimme. 

So gelingt die Gegenrede  

Hier ein paar Tipps, wie du Gegenrede so formulierst, dass sie wirkt und trotzdem respektvoll bleibt. 

Wer sich gut in andere hineinversetzen kann, verbreitet selbst seltener Hass. Sogar dann, wenn er ständig welchen mitliest. Mitgefühl schützt also vor Hate Speech, auch in der Gegenrede. 
 
Deshalb gilt die einfühlsame Gegenrede als das wirksamste Mittel gegen Hate Speech. Sie zeigt, wie sich die Betroffenen fühlen, und bringt die Täter*innen so zum Nachdenken.  
 
In einer Studie der ETH Zürich und der Universität Zürich (zusammen mit Stop Hate Speech) löschten manche Täter*innen danach sogar ihre Hasskommentare. Und auch andere Nutzer*innen teilten und likten die Hate Speech seltener.  

Beispiel: «Kannst du dir vorstellen, dass dieser Kommentar für [betroffene Gruppe] verletzend ist?» (Beispiel von Stop Hate Speech) 

Wütend zu werden und zurückzubeleidigen ist keine Gegenrede. Reagiere stattdessen mit Fakten und bleib sachlich. 
 
Beispiel: «Das ist nur eine Behauptung. Diese Zahlen zeigen etwas anderes: …» 

Manchmal reicht es schon, klar Haltung zu beziehen und zu sagen, dass die Aussage nicht okay ist. Damit bereitest du den Boden für eine einfühlsame Gegenrede. 
 
Beispiel: «Diese Äusserung finde ich nicht okay. / Das ist nicht meine Meinung.» 

Mehr Infos: Die Faltbroschüre der Schweizerischen Kriminalprävention «Bitte misch dich ein»(öffnet ein neues Fenster) zeigt, dass ein gutes Zusammenleben nur funktioniert, wenn jede*r bereit ist, für die demokratischen Werte einzustehen und Zivilcourage zu zeigen.  

Thema

Bist du oder dein Kind von Hate Speech betroffen? 

Hat jemand dich oder dein Kind online angegriffen, abgewertet oder ausgegrenzt – wegen bestimmter Identitätsmerkmale? Dann gilt: nicht einfach hinnehmen, sondern handeln und melden. 

Das kannst du tun 

  1. Gegenrede geben: Mach klar, dass du mit dieser Aussage über dich nicht einverstanden bist. 
  2. Beweise sichern: Mach Fotos, Videos und Screenshots, bevor die Inhalte gelöscht werden. So hast du Beweise, falls es später zu einer Anzeige kommt. Speichere sie nur für dich, um sie bei Bedarf der Polizei zu übergeben.  
  3. Melden und blockieren: Nutze die Meldebuttons der Plattform, blockiere die Person und melde illegale Inhalte auf clickandstop.ch(öffnet ein neues Fenster)
  4. Nicht weiterteilen: Auch, wenn es schwerfällt: Leite die Inhalte nicht weiter, auch nicht empört kommentiert. Jedes Teilen vergrössert nur die Reichweite der Hate Speech. Im schlimmsten Fall machst du dich damit sogar selbst strafbar.  
  5. Privatsphäre schützen: Stell dein Profil auf privat und entferne öffentlich sichtbare Daten wie echten Namen, Wohnort oder Schule. So haben die Täter*innen keinen weiteren Zugriff auf dich oder dein Kind. 
  6. Hilfe holen: Schalte bei einer konkreten Bedrohung die Polizei ein und wende dich an eine Beratungsstelle. Wenn du rechtlich vorgehen möchtest, ist wichtig zu wissen: Hate Speech ist meist ein Antragsdelikt. Das heisst, nur die betroffene Person selbst kann Anzeige erstatten, innerhalb von 3 Monaten.  

Was, wenn mein Kind zum oder zur Täter*in wird?  

«Mein Kind würde so etwas nie machen!» Oder vielleicht doch? Ja, auch das kommt vor. So gehst du damit um: 

  • Ruhig bleiben und das Gespräch suchen. Versuche zu verstehen, was dahintersteckt. Ist es Gruppenzwang? Will dein Kind provozieren? Oder steckt eine feste Überzeugung dahinter? 
  • Die Folgen klar machen. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Hassrede kann nicht nur soziale und berufliche, sondern auch rechtliche Folgen haben.  
  • Zum Nachdenken anregen. Frag dein Kind, wie seine Aussage bei anderen ankommt. Greift sie jemanden wegen bestimmter Merkmale an, wertet ihn ab oder schliesst ihn aus? 
  • Einsicht fördern und handeln. Wenn dein Kind merkt, dass es zu weit gegangen ist, ermutige es, sich zu entschuldigen. Und wenn möglich, das Geschehene wieder rückgängig zu machen. 
  • Vor toxischen Räumen schützen. Wer oft Hate Speech mitbekommt, hatet eher irgendwann selbst.(öffnet ein neues Fenster) Ermutige dein Kind, solche Orte im Netz zu meiden. So wird Hate Speech weniger zur Normalität und dein Kind hatet mit geringerer Wahrscheinlichkeit selbst.  
  • Empathie stärken. Wer sich gut in andere hineinversetzen kann, geht respektvoller mit ihnen um. Das hilft, Distanz und Gleichgültigkeit abzubauen. 
  • Fachstellen einbeziehen. Wenn sich eine feste Haltung abzeichnet oder du dir Unterstützung wünschst, wende dich an eine der empfohlenen Fachstellen.  

Hintergrund

Hate Speech und das schweizerische Recht 

Wo hört die freie Meinung auf und wo fängt Strafrecht an? In der Schweiz liegt diese Grenze oft höher, als man denkt. 

Mehrere Gesetze schützen Menschen, die von Hate Speech betroffen sind. Die wichtigsten Gesetze sind:  

Und selbst wenn Hate Speech in deinem Fall nicht strafbar ist, bist du ihr nie hilflos ausgeliefert: Fast alle Plattformen verbieten Hassrede in ihren Richtlinien. Du kannst solche Inhalte deshalb fast immer melden und Personen blockieren. Ganz unabhängig davon, wie die Rechtslage ist. Wenn du unsicher bist, ob ein bestimmtes Recht in deinem Fall gilt, wende dich an die folgenden Anlaufstellen. 

Thema

Anlaufstellen für Hate Speech

Wenn du eine Beratung suchst oder einen Vorfall melden möchtest, empfehlen wir dir diese Organisationen und Angebote: 

Das Wichtigste in Kürze

  • Hate Speech ist kein Randphänomen. Knapp 70 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind ihr schon begegnet. Für viele Jugendliche gehört sie zum digitalen Alltag.  
  • Schweigen verstärkt den Hass. Wenn niemand widerspricht, wirkt es so, als würde die Mehrheit der Hassrede zustimmen. Jede Gegenstimme bricht dieses Schweigen und macht es anderen leichter, sich anzuschliessen.  
  • Gegenrede wirkt, besonders empathisch und gemeinsam. Sie überzeugt nicht die Hassenden, aber stärkt die stillen Mitlesenden und zeigt Betroffenen, dass sie nicht allein sein.  
  • Prävention beginnt zu Hause. Sprich mit deinem Kind über Algorithmen, über toxische Online-Räume und Empathie. Und denk dran: Du bist immer ein Vorbild.  
  • Du bist nicht machtlos. Nicht jede Hate Speech ist strafbar. Aber du kannst sie trotzdem melden, blockieren oder dir Beratung holen. Im Zweifel: handeln statt erdulden.  

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Michael In Albon ist der Jugendmedienschutz-Beauftragte bei Swisscom. Er steht Ihnen bei allen Fragen rund um Kinder und Medien zur Verfügung.

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Michael In Albon

Jugendmedienschutz-Beauftragter