Raphael Jehle, Inhaber und VRP Jehle AG, am Prix SVC Nordschweiz 2025.
6 min

«Wir optimieren Prozesse zuerst fachlich, bevor wir sie digitalisieren»

Die Jehle AG ist ein traditionsreicher Industriebetrieb, aber trotzdem hoch digitalisiert. Weshalb dies entscheidend ist für die Wirtschaftlichkeit, erläutern Inhaber und Verwaltungsratspräsident Raphael Jehle sowie Geschäftsführer Robert Reimann im Interview.

Bei der Jehle AG im aargauischen Etzgen dominieren schwere Maschinen. Das Unternehmen fertigt massgeschneiderte Bauteile aus Metall und Kunststoff in verschiedenen Produktionsverfahren. Doch im Hintergrund sind die Maschinen vernetzt, die Produktion hochdigitalisiert. Im Interview führen Verwaltungsratspräsident und Inhaber Raphael Jehle und Geschäftsführer Robert Reimann aus, worin das wirtschaftliche Potenzial der Digitalisierung liegt, aber auch, welche Cyberrisiken drohen.

Welchen Stellenwert hat Digitalisierung bei Jehle?

Raphael Jehle: Die Digitalisierung hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert und ist ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. Sie wird nicht nur unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit – etwa durch die Reduktion des Papierverbrauchs – betrachtet, sondern vor allem als Hebel zur Verbesserung der gesamten Arbeitsprozesse. Im Fokus stehen dabei drei übergeordnete Ziele: papierloses Arbeiten zur Steigerung der Effizienz, die Reduktion von Fehlerquellen durch durchgängige Prozesse sowie eine bessere und transparentere Kommunikation – sowohl intern als auch extern. Digitale Arbeitsabläufe beschleunigen Entscheidungswege, reduzieren manuelle Tätigkeiten und stellen Informationen strukturiert, ortsunabhängig und jederzeit verfügbar bereit.

Wo liegt der Mehrwert der Digitalisierung in der Entwicklung und Produktion von Bauteilen?

Robert Reimann: Hierbei ist die Digitalisierung ein wesentlicher Treiber für Qualität, Geschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit. Digitale Werkzeuge wie CAD-Systeme, Simulationen und digitale Prüfprozesse ermöglichen schnellere Iterationen und fundierte Entscheidungen. Designänderungen lassen sich kurzfristig umsetzen, testen und freigeben.

Ein weiterer zentraler Mehrwert liegt in der durchgängigen Datenverfügbarkeit. Wenn Entwicklungsdaten strukturiert und digital in die Produktion übergehen, werden Medienbrüche vermieden. Produktionsmaschinen, CAM-Systeme und ERP-Lösungen arbeiten mit identischen Datensätzen, was Fehler reduziert, Ausschuss minimiert und die Prozesssicherheit erhöht.

Darüber hinaus schafft die Digitalisierung Transparenz entlang des gesamten Fertigungsprozesses. Echtzeitdaten aus Maschinen, eine digitale Fertigungssteuerung und die Rückverfolgbarkeit von Bauteilen erleichtern die Planung, ermöglichen vorausschauende Wartung und verbessern die Qualitätssicherung. Gleichzeitig erhöht sich die Flexibilität: Wir können Kundenanforderungen schneller umsetzen und Varianten effizient anpassen.

Was sind die grössten Herausforderungen in der IT und der Digitalisierung, und wie gehen Sie diese an?

Raphael Jehle: Eine der grössten Herausforderungen liegt in der Harmonisierung heterogener Systeme und Prozesse. Unterschiedliche bestehende Lösungen und Datenquellen müssen sinnvoll miteinander verbunden werden. Wir setzen dabei auf klare Standards und Schnittstellen, lösen Insellösungen schrittweise ab und optimieren Prozesse zunächst fachlich, bevor sie digitalisiert werden.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Gewährleistung von Datensicherheit und Stabilität. Mit zunehmender Digitalisierung steigen die Anforderungen an IT-Sicherheit, Verfügbarkeit und Datenschutz. Dem begegnen wir mit klaren Sicherheitsrichtlinien, definierten Zugriffsrollen, regelmässigen Backups sowie kontinuierlichem Monitoring und Updates der Infrastruktur. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist zudem die Sensibilisierung der Mitarbeitenden durch gezielte Schulungen.

Nicht zuletzt spielt das Change Management eine entscheidende Rolle. Neue Technologien entfalten ihren Nutzen nur, wenn sie akzeptiert und aktiv genutzt werden. Mitarbeitende werden deshalb frühzeitig in Projekte eingebunden, neue Tools praxisnah eingeführt und durch kontinuierliche Schulung sowie Support begleitet.

Was sind Ihre aktuellen Digitalisierungsprojekte und was erhoffen Sie sich davon?

Robert Reimann: Aktuell arbeiten wir an mehreren Digitalisierungsprojekten mit dem Ziel, Prozesse effizienter, transparenter und zukunftssicher zu gestalten. Ein Schwerpunkt liegt auf der Einführung durchgängiger digitaler Workflows – von der Kundenanfrage über die Entwicklung und Produktion bis hin zur Auslieferung. Davon versprechen wir uns weniger manuelle Schritte, eine höhere Prozesssicherheit, kürzere Durchlaufzeiten sowie eine deutliche Reduktion von Fehlern und Doppelspurigkeiten.

Parallel dazu wird die IT-Landschaft modernisiert und stärker integriert. Bestehende Lösungen konsolidieren wir, schaffen einheitliche Schnittstellen und bauen die digitale Infrastruktur weiter aus. Als Ergebnis streben wir eine einheitliche Datenbasis an, eine bessere Abstimmung zwischen den Abteilungen sowie höhere Stabilität und Sicherheit.

Ein weiterer Fokus liegt auf der digitalen Kommunikation und Kollaboration. Moderne Tools und klare Datenstrukturen sorgen für schnellere Abstimmungen, eine standortübergreifende Zusammenarbeit und transparente Informationsflüsse für Mitarbeitende, Kunden und Partner.

Wie begleiten Sie Ihre Mitarbeitenden auf dieser Digitalisierungsreise?

Robert Reimann: Die Mitarbeitenden stehen im Zentrum der digitalen Transformation. Wir setzen auf eine frühzeitige Einbindung und eine transparente Kommunikation über Ziele, Nutzen und Veränderungen. Feedback aus der Praxis holen wir aktiv ein, um Prozesse gezielt zu verbessern.

Ergänzend dazu bieten wir praxisnahe Schulungen an, die auf neue Tools und Abläufe ausgerichtet sind. Persönliche Ansprechpersonen, interne Wissenträger und klare Leitfäden unterstützen den sicheren Umgang mit den neuen Arbeitsweisen. Die Einführung erfolgt bewusst schrittweise, um Überforderung zu vermeiden und den Mitarbeitenden ausreichend Zeit zur Anpassung zu geben.

Wie beurteilen Sie die Chancen für den Einsatz von KI bei Jehle?

Raphael Jehle: Wir sehen klare Chancen im Einsatz von künstlicher Intelligenz und nutzen bereits erste Anwendungen. Der Ansatz ist dabei bewusst pragmatisch: KI soll einen konkreten Mehrwert für Mitarbeitende und Prozesse schaffen.

Heute unterstützt uns KI vor allem bei administrativen Aufgaben, etwa bei der Dokumentenerstellung, bei Auswertungen oder automatisierten Workflows. Darüber hinaus setzen wir KI in planerischen Aufgaben ein, um komplexe Planungsprozesse besser zu unterstützen und Ressourcen optimal einzusetzen. Besonders im Zusammenspiel von Entwicklung, Planung und Produktion erwarten wir weitere Effizienzgewinne.

Auch im Produktionsprozess spielt KI zunehmend eine wichtige Rolle. KI-basierte Systeme unterstützen die Automatisierung und helfen uns, hohe Qualitätsanforderungen zuverlässig zu erfüllen, beispielsweise durch die Inline-Prüfung auf Masshaltigkeit und optische Qualität bei hohen Taktzahlen.

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Stichwort Cybersecurity: Wo sehen Sie Risiken und wie gehen Sie damit um?

Robert Reimann: Cybersecurity ist ein zentraler Bestandteil unserer Digitalisierungsstrategie. Durch die zunehmende Vernetzung und Abhängigkeit von IT-Systemen wachsen auch die Risiken. Ein wesentlicher Risikobereich sind externe Angriffe wie Phishing oder Ransomware. Dem begegnen wir mit modernen Sicherheitslösungen, regelmässigen Updates und klaren Zugriffs- und Berechtigungskonzepten.

Ein weiterer Faktor ist der Mensch. Viele Sicherheitsvorfälle entstehen durch Unachtsamkeit oder mangelndes Bewusstsein. Deshalb investieren wir gezielt in Schulungen, klare Richtlinien und simulierte Phishing-Tests.

Schliesslich ist auch die Systemverfügbarkeit von zentraler Bedeutung. Verlässliche Backup-Strategien, Notfall- und Wiederanlaufkonzepte sowie ein kontinuierliches Monitoring der IT-Infrastruktur stellen sicher, dass der Betrieb auch im Ernstfall stabil bleibt.

Über die Jehle AG

Die Jehle AG aus Etzgen AG ist ein traditionsreiches Familienunternehmen mit über 75 Jahren Erfahrung in der Fertigung massgeschneiderter Bauteile aus Metall und Kunststoff. Mit einem hochqualifizierten Team von 200 Mitarbeitenden entwickelt und produziert das Unternehmen Stanz- und Umformwerkzeuge sowie Spritzformen für vielfältige Branchen und Kundenanforderungen im In- und Ausland. Von der Idee bis zur Umsetzung bietet die Jehle AG modernste Fertigungstechnologie, innovative Lösungen und höchste Präzision. Im firmeneigenen Zentrum «Werkzeug- und Formenbau» wird mit fortschrittlichsten Methoden sowie einem optimierten Material-, Prozess- und Informationsfluss gearbeitet. Beim Prix SVC Nordschweiz im November 2025 hat das Unternehmen das Finale erreicht und den von Swisscom gesponsorten Preis gewonnen.

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