Aktienhandelsplattform in der Blockchain

Aktienhandel in der Blockchain

«C-Share ist eine Wette auf die Zukunft»


daura, die Blockchain-Applikation von Swisscom und der Anwaltskanzlei MME, macht den Handel mit Schweizer Aktien einfacher, effizienter und sicherer. Wie genau, erklärt Luka Müller von MME.


Text: Hansjörg Honegger, Bilder: Daniel Brühlmann, 08. Mai 2018




Ihre Anwaltskanzlei MME lanciert gemeinsam mit Swisscom ein Blockchain-Projekt zur digitalen Herausgabe und Transfer von Aktien. Worum geht es da genau?


Luka Müller: Wir stellen eine Infrastruktur für die Herausgabe und den Transfer von Aktien auf der Blockchain zur Verfügung, welche das Führen von Aktionärsregistern und letztlich den Aktienhandel erleichtert. Blockchain ist dabei nichts anderes, als ein sinnvoller Beurkundungsmechanismus, mit dem man Daten (hier Aktiendaten) sicher übertragen und registrieren kann.


Wie funktioniert das technisch?


Wir sprechen technisch von dezentralisierten Ledger-Systemen, die eine unterschiedliche Validierungskraft haben. Für uns ist die Datenstruktur interessant: Wir brauchten ein System, das einmalige, unkopierbare Daten garantiert. Als Basis verwenden wir Hyperledger.



Dr. Luka Müller über die Vorteile der Blockchain

Dr. Luka Müller über die Vorteile der Blockchain



Was bringt das?


Viele Firmen haben heute Mühe, ihre Aktionärsregister nachzuführen, insbesondere, wenn Aktien rege die Hände wechseln. Hier bietet die Blockchain ein automatisiertes, einfaches Buchungssystem. Letztlich steigern wir die Effizienz und verkürzen die Prozesse.


Welches Zielpublikum steht in Ihrem Fokus? Grosse börsenkotierte Unternehmen oder eher KMU?


Im Moment sind eher mittelständische Aktiengesellschaften und Start-ups in unserem Fokus, die ein effizientes und einfaches Aktien-Herausgabesystem suchen. Grosse Firmen sind oft zu stark in bestehende System eingebunden.

Zur Person

Dr. Luka Müller ist Co-Gründer der Kanzlei MME in Zug und Zürich. Er ist einer der Pioniere der Blockchain-Technologie und beriet zahlreiche Start-ups aus diesem Umfeld bei er Ansiedlung in der Schweiz. Ausserdem engagiert sich Dr. Luka Müller als Experte in komplexen Compliance-Fällen und ist Experte für Massnahmen gegen Geldwäsche und Korruption.


«Viele Firmen haben heute Mühe, ihre Aktionärsregister nachzuführen, insbesondere, wenn Aktien rege die Hände wechseln. Hier bietet die Blockchain ein automatisiertes, einfaches Buchungssystem.»


Dr. Luka Müller, Co-Gründer der Kanzlei MME in Zug und Zürich.


Letztlich ist Ihr Projekt aber eine Wette auf die Zukunft?


Richtig. In Zukunft werden die Urkunden- und Unterschriftskonzepte digitalisiert. Papier wird es – wie in vielen anderen Bereichen auch – nicht mehr geben. daura, unsere Lösung, ist ein Schritt auf diesem Weg.


Früher wurden Aktien gedruckt, die Unterschriften beglaubigt. Wie ist die Rechtssicherheit des digitalen Aktienhandels gewährleistet?


Unsere Lösung baut auf bestehendem Aktienrecht auf. Es wird ein Wertrechtregister geben. Die Wertrechte könnten über digital zertifizierte Unterschriften übertragen werden. Da haben wir mit der Swisscom einen sehr kompetenten Partner.



Dr. Luka Müller in seiner Kanzlei MME in Zürich

Dr. Luka Müller in seiner Kanzlei MME in Zürich



Ist Ihre Lösung vergleichbar mit den so genannten ICOs (Initial Coin Offerings), die vor allem in den USA für Schlagzeilen sorgt?


Ja, die Lösung ist in Bezug auf die Technologie zum Teil vergleichbar. Unsere Lösung wurde sogar schon als ICO 2.0 bezeichnet. Bei daura vergeben wir aber einen sogenannten Counterparty-Token, der das Recht (Mitgliedschaftsrecht) gegenüber dem Herausgeber «verbrieft».


Für viele Leute ist Blockchain gleichbedeutend mit den doch eher in Verruf geratenen Bitcoins. Bewegen sie sich in zwielichtiger Nachbarschaft?


Nein! Bitcoin ist das beste Proof of Concept für die Blockchain-Technologie. Spekulationen und Blasen haben nichts mit der Technologie zu tun, sondern sind vom Markt gemacht. Zur Erinnerung: Mit unserer Lösung hat man einen Counterparty-Token in der Hand und damit quasi den Aktientitel.


«Bitcoin ist das beste Proof of Concept für die Blockchain-Technologie. Spekulationen und Blasen haben nichts mit der Technologie zu tun, sondern sind vom Markt gemacht.»


Einfacher und effizienter soll der Aktienhandel dank daura werden. Heisst das, auch weniger bürokratische Hindernisse?


Im bürokratischen Ablauf gewinnen wir nichts, da wir uns nach dem schweizerischen Aktienrecht richten. Sichere Information ist dank Blockchain heute aber sehr viel einfacher und effizienter herstellbar. Wir können eine Aktienverschiebung zwischen A und B vollziehen, ohne eine Verwahrungsstelle einbinden zu müssen und gleichzeitig wird diese Transaktion im Aktienregister der Gesellschaft registriert.


Sie entziehen sich mit der Blockchain nicht der staatlichen Kontrolle?


Nein, überhaupt nicht. Es geht nicht um eine Umschiffung von rechtlichen Vorgaben, sondern um einen Effizienzgewinn.


Was genau ist einfacher, wenn die Bürokratie nicht kleiner wird?


Der Verkauf einer Aktie ist beispielsweise per Handy möglich und fälschungssicher im Aktienregister verbucht. Das digitale Aktienregister ist ausserdem genauer und aktueller als jedes analoge Aktienregister.


«Wir können eine Aktienverschiebung zwischen A und B vollziehen, ohne eine Verwahrungsstelle einbinden zu müssen und gleichzeitig wird diese Transaktion im Aktienregister der Gesellschaft registriert.»


Wer bleibt mit Ihrem System auf der Strecke?


Zentralverwalter müssen ihr Businessmodell sicherlich überdenken. Aber daura ist nur eine Infrastrukturkomponente wie eine Printmaschine für Wertpapiere und hat beispielsweise keine Banking-Komponenten. Das ist auch nicht unser Ziel. Für die Banken bietet daura im Gegenteil sogar viele coole Möglichkeiten.


Was war bei der Umsetzung von daura schwieriger: die technologische Komponente oder die rechtliche?


Weder das eine noch das andere. Mit Hyperledger haben wir eine funktionierende Technologie und beim Recht kannten wir die heiklen Punkte. Die beiden Pole zusammenzubringen, war die Herausforderung.


Der Prototyp ist jetzt live. Wie geht es konkret weiter?


Wir gehen nun in Phase zwei. Die Applikation muss bis zum vierten Quartal 2018 mit ein oder zwei Kapitalerhöhungen durchgetestet und marktreif werden.



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DAURA – The new crypto-share platform that uses Blockchain (1:39)



Haben Sie schon Kandidaten für einen solchen Test?


Ja, wir haben einige Interessenten, die am liebsten schon morgen loslegen würden.


Aus welchen Branchen?


Verschiedene. Die Technologiebranche ist vertreten, aber auch der Versicherungsbereich und natürlich jede Art von Start-up.


Womit soll daura Geld verdienen?


Mit den Gebühren, welche die Unternehmen bezahlen.


Sind diese Gebühren vergleichbar mit jenen der analogen Konkurrenz?


Eine technische Lösung skaliert ab einem gewissen Volumen. Es ist preislich aber auf jeden Fall interessant. Ein günstiges, genaues und aktuelles Aktienregister – das sind gute Argumente für Nutzer.


«Es geht nicht um eine Umschiffung von rechtlichen Vorgaben, sondern um einen Effizienzgewinn.»


Was wird die Zukunft noch bringen für daura und die digitale Aktie?


Wir arbeiten beispielsweise an der virtuellen Generalversammlung, an der man mit daura abstimmen kann. Möglich ist auch die Dividendenzahlung auf die Aktie per Knopfdruck. Ich kann den Aktientitel also nicht nur als Titel verschieben, sondern verknüpft mit Funktionen.


Die Lösung


MME und Swisscom betreiben gemeinsam das Joint Venture daura AG, das Schweizer Aktien mit Hilfe der Blockchain-Technologie digitalisiert. daura, die entsprechende Applikation garantiert die weltweite, sichere Übertragung von Schweizer Aktien und deren Registrierung auf der Blockchain. Die sogenannten Crypto Shares ermöglichen nichtgelisteten Firmen den Zugang zum Kapitalmarkt. Alle rechtlichen Funktionen der Aktien, wie das Ausüben des Stimmrechts, werden in einem Smart Contract abgebildet.

Blockchain ist die digitale und verteilte Speichertechnologie, die alle Transaktionen ohne einen Vermittler ermöglicht. Die grossen Vorteile sind: Transparenz, schnellere Transaktionen, geringere Transaktionskosten und Dezentralisierung. Unternehmensanteile können mittels eines Anlage-Tokens im Rahmen eines «Token Generating Events (TGE)» generiert werden. Für eine Finanzierungsrunde werden dabei die Token durch ein Blockchain-basiertes Programm mit einem bestimmten Volumen an einen Investorenkreis ausgebeben. Rechtlich gesehen werden dabei Aktien als Wertrechte ausgegeben, die durch die Verwendung einer elektronischen Signatur einfach und rechtsgültig übertragen werden.





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