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Herausforderungen im globalen Geschäft mit IoT

Internet der Dinge im globalen Einsatz

Globale Geschäftsmodelle mit kleinen Dingen

Das Internet der Dinge (IoT) eignet sich nicht nur für die Messung stationärer Werte, sondern auch im bewegten Einsatz und ortsunabhängig. Und schafft damit Raum für neue, erweiterte und globale Geschäftsmodelle. Die wiederum neue Herausforderungen bringen.

Text: Andreas Heer, Bilder: Adobe Stock,

Das Internet der Dinge ist gerade erst ins Rollen gekommen. Und bietet damit Raum, um bestehende Geschäftsmodelle zu erweitern. Für den Schweizer Kaffeemaschinenhersteller Franke Kaffeemaschinen AG ist das Internet der Dinge eine willkommene Möglichkeit, den Vertrieb von Kaffeemaschinen um zusätzliche Services zu erweitern.

 

IoT ist aber auch ein Innovationstreiber für komplett neue, datengetriebene Geschäftsmodelle. Nexxiot etwa, ein Spin-off der ETH Zürich, entwickelt auf der Basis von IoT komplett neue Geschäftsmodelle für den Gütertransport. Ansätze, die früher gar nicht möglich gewesen wären.

 

Im Zentrum jeder IoT-Lösung steht eine Daten- und Analyseplattform. Sie wertet die Sensordaten aus und liefert Insights für die Nutzer. Doch wie finden die Messwerte aus verschiedenen Ländern den Weg in die zentrale Datenplattform? Das ist nur eine der Herausforderungen, die sich bei globalen IoT-Lösungen stellen.

Wie kleine Sensoren im grossen Stil installieren?

Eine grosse Herausforderung stellt sich bei der Montage. Bei globalen IoT-Lösungen müssen Tausende von Sensoren oder Geräten über weit entfernte Distanzen installiert werden. Marcel Scheurer, CCO (Chief Customer Officer) bei Nexxiot, kennt diese Problematik aus eigener Erfahrung: «Bis wir die komplette Flotte eines Bahnbetreibers ausgestattet haben, dauert es zwei bis drei Jahre.» Denn der Einbau oder Austausch ist nur möglich, wenn die Wagen stationiert sind oder in einer Werkstatt stehen.

 

Die Nexxiot-Sensoren werden jeweils durch die Kunden selbst an Bahnwagen und Containern installiert, wobei eine anschliessende Mindestlaufzeit von sechs Jahren gewährleistet ist. Franke dagegen vertreibt seine Kaffeemaschinen vorwiegend in Europa, den USA und Asien und setzt dabei auf lokale Distributoren. Sie übernehmen Vertrieb und Service.

«Erst in einem replizierbaren Setting kann der Kunde von den Skaleneffekten profitieren.»

Nils Weber, Franke

Anbieter, die mit IoT-Lösungen liebäugeln, müssen die Deployment-Szenarien und überhaupt das Lifecycle-Management der Sensoren vorgängig klären: Installation und Wartung selbst machen, dem Kunden überlassen oder einen Dienstleister beauftragen? Was verursacht den geringsten Aufwand?

Standardisierung, Notwendigkeit und Hürde zugleich

«Unsere IoT-Lösung ist auf Flottenkunden ausgerichtet, die Hunderte von Kaffeemaschinen betreiben», sagt Nils Weber, Program Director Digital Innovation bei der Franke Kaffeemaschinen AG. «Erst in einem replizierbaren Setting kann der Kunde von den Skaleneffekten profitieren.»

 

Um diese Skalierung zu erreichen und für Anbieter und Kunde zu rentieren, setzen IoT-Geschäftsmodelle auf einen hohen Grad an Standardisierung. Sonst ist der Aufwand zu gross. «Wir haben oft Anfragen, ob wir unsere Services nicht an lokale Gegebenheiten anpassen können», sagt Weber. «Doch das wäre viel zu teuer in der Entwicklung.» Webers Ansatz ist es daher, die Gemeinsamkeiten zu betonen statt die Unterschiede. Denn die Standardisierung hat auch Vorteile aus Kundensicht: «Unsere Lösung ist universell einsetzbar», ergänzt Weber.

Nils Weber, Program Director Digital Innovation bei der Franke Kaffeemaschinen AG  

Eine ganz andere Herausforderung stellt sich für Nexxiot bei der Standardisierung. «Was heisst das beispielsweise, dass ein Container angekommen ist», schildert Scheurer diese Herausforderung. «Für den Bahnbetreiber ist das vielleicht bereits der Hafen oder das Werksgelände. Für den Transporteur aber erst der Verladeplatz.» Hier braucht es also eine gemeinsame Sprache in Form von Standards. Während die europäischen Bahnbetreiber mit dem Train Information System eine solche Basis geschaffen haben, präsentiert sich die Situation im Schiffsverkehr ungleich komplexer. «Dort existieren zahlreiche Gremien und unterschiedliche Interessen», sagt Scheurer. Nexxiot arbeitet jeweils in Standardisierungsgremien mit, beispielsweise seit kurzem als eines von über 170 Mitgliedern der ITCO (International Tank Container Organisation). «Früh dabei zu sein lohnt sich», empfiehlt Scheurer.

Marcel Scheurer, Chief Customer Officer bei Nexxiot

Damit die Informationen aber überhaupt fliessen, benötigen die Sensoren eine Verbindung zum Mobilfunknetz am jeweiligen Standort. Das wiederum setzt einen Anbieter voraus, der den Netzzugang in allen gewünschten Ländern anbietet. In Westeuropa funktioniere dies einwandfrei, meint Scheurer.

«Wir müssen die Kunden mit einem Gesamtservice überzeugen.»

Marcel Scheurer, Nexxiot

Wohin mit den neuartigen Daten?

Für die Speicherung von IoT-Daten gibt es noch keine umfassenden Standards. Klar ist nur, dass in der heutigen Zeit die Informationen zur Auswertung in der Cloud gespeichert werden. Dabei setzen Nexxiot und Franke auf eine zentrale Plattform. «Nur mit einem ‹Cloud first›-Ansatz können wir einen Standard bei der Datenhaltung einhalten», sagt dazu Weber. Bei einer uneinheitlichen Aufbereitung und Speicherung wäre die Wirtschaftlichkeit der Services nicht mehr gewährleistet.

 

Beide Unternehmen bieten ihren Kunden deshalb die Datenplattform als Dienstleistung an. Betreiber von Kaffeemaschinen haben darüber beispielsweise Zugriff auf Nutzungsdaten und können die Displays der Maschinen zentral konfigurieren. Nexxiot-Kunden erhalten über das Dashboard Auskunft über die Standorte von Wagen und Container und über den Verlauf eines Transports. «Wir konnten die Kunden nur mit einem Gesamtservice überzeugen», sagt dazu Scheurer.

 

Dieses Gesamtpaket mit Messgeräten und Datenauswertung ist nötig, weil eine Integration der Daten in bestehende Applikationen bei Kunden eine Herausforderung darstellt. Im besseren Fall fehlt es «nur» an den Schnittstellen. Oft scheitert die Integration aber an der Art der Daten, weil die Erfassung von Transport- und Nutzungsinformationen in den Unternehmensanwendungen schlicht nicht vorgesehen ist. Nexxiot setzt deshalb verstärkt auf Aufbereitung und Analyse der Daten, so Scheurer: «Wir sehen uns als Enabler für optimierte Prozesse und ergänzende Lösungen von unseren Kunden an die Verlader.» Anbieter von IoT-Lösungen müssen sich also vorgängig überlegen, welche Rolle sie übernehmen: Datenlieferant für Drittsysteme oder zentraler Informationsanbieter?

Wenn die Connectivity Grenzen setzt

Schwieriger wird es in Ländern, in denen der Zugang zum Mobilfunknetz teuer ist. Dort entwickelt sich die Connectivity zu einem Kostentreiber. «Das erschwert es uns, einen Service zu einem Pauschalpreis anzubieten», erläutert Scheurer die Schwierigkeiten. Kein Wunder, wünscht er sich eine globale Daten-Flatrate. Bis dahin müssen Anbieter globaler IoT-Lösungen die unterschiedlichen Kosten für den Netzzugang in der Rentabilität ihrer Angebote einberechnen.

 

Und Einschränkungen bei der Datenübertragung können sich ebenfalls aufs Geschäftsmodell auswirken. Wenn aus gesetzlichen oder regulatorischen Gründen eine lokale Verarbeitung der Daten notwendig ist, widerspricht das dem Konzept einer zentralen Cloud-Plattform und verursacht zusätzlichen Aufwand.

 

Doch am Ende des Tages geht es bei IoT-Lösungen nicht nur um technische Herausforderungen. Eine vielleicht nicht so offensichtliche Hürde sieht Weber bei den Menschen. «Unsere Lösungen verändern vertraute Abläufe», sagt er. «Umso wichtiger ist ein Change-Management, das das Verständnis aller Beteiligten fördert.»

 

Worauf müssen Unternehmen bei einem globalen Roll-out von IoT-Lösungen achten?

Das Whitepaper «Global oder lokal – Checkliste zum Erfolg» geht auf die acht wichtigsten Punkte ein.  


Franke Kaffeemaschinen AG

Das Unternehmen mit Sitz in Aarburg (AG) bei Olten gehört zur international tätigen Franke Gruppe und vertreibt über ein Distributionsnetz Kaffeemaschinen für den kommerziellen Einsatz. Sensoren in den Geräten messen dabei die Nutzung und liefern die Daten an eine zentrale Cloud-Plattform. Darüber können die Betreiber beispielsweise auslesen, ob die Maschinen ordnungsgemäss gereinigt werden und wie viele Getränke bezogen wurden. Aber auch das Display ansteuern und verschiedene Getränkeangebote sowie Werbung auf sämtliche Kaffeemaschinen gleichzeitig ausspielen.

Nexxiot AG

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Zürich versteht sich als Enabler für die Digitalisierung von Lieferketten. Sensoren in Bahnwagen und Containern messen wichtige Grössen wie Temperatur, Erschütterungen und ob ein Behälter geöffnet wurde. Dadurch wissen die Suppy-Chain-Betreiber nicht nur, ob eine Fracht ordnungsgemäss transportiert wurde, sondern auch, wo sich Behälter und Bahnwagen befinden. Das Spin-off der ETH Zürich baut sein Angebot laufend aus, beispielsweise in den Bereich der Schifffracht. Kürzlich hat Nexxiot bekanntgegeben, 2020 die gesamte Flotte an Tankcontainern des internationalen Logistikers VTG zu digitalisieren.



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