Kolumne Coworking: Verschiedene Coworking Spaces im Vergleich





Kolumne: Ruggero Crameri, Future Work Experience Developer, Swisscom

Fahrt durch den Coworking-Dschungel


Auftrag vom Chef: «Binde Coworking in das Arbeitsplatzkonzept unseres Unternehmens ein.» Eine Recherche zu Coworking beginnt mit neun Buchstaben im Suchfeld und endet mit tausenden von Treffern auf Google.


Ruggero Crameri, 01. September 2017




Eine Reise auf verschiedenen Wegen mit einem Ziel

Schnell wird klar, welch grosse Community sich rund um den Globus zum Thema gebildet hat. Bei der Fülle des Angebots läuft man Gefahr, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen. Denn obwohl die Angebote alle etwas gemein haben, unterscheiden sie sich in ihrem Konzept voneinander. Der Versuch einer Typologie.


Die Leidenschaftlichen

Es gibt die, die mit praktisch nichts anderem als dem Willen zur Veränderung einen Coworking Space starten. Dazu gehören www.buerolokal.ch in Wil oder - bereits seit 2007 - www.citizen-space.ch in Zürich. Mitglieder nutzen den Space meist zu einem wiederkehrenden Preis gemäss den im Abo inbegriffenen Leistungen.




Die Netzwerker

Anbieter wie www.digitalglarus.ungleich.ch arbeiten mit anderen ähnlich gelagerten Firmen in Coworking Spaces zusammen und können so gemeinsam Kunden aus einer Hand bedienen.


Die Wirtschaftlichen

Andere wie www.zurich.impacthub.ch erstrecken sich über mehrere Lokalitäten, bieten Raum für Members und schliessen Partnerschaften mit Grossunternehmen. Sie erreichen damit eine gute Grundauslastung und erreichen und eine hohe mediale Wirkung.




Die Verbinder




Solche wie www.popupoffice.ch oder www.workspace2go.ch machen ihre Coworking Spaces über ein Interface sicht- und buchbar. Unternehmen stehen die Lokalitäten schweizweit zur Verfügung, und sie müssen nur mit einem Partner verhandeln. Die Plattform, die Abrechnung und das Reporting gehören zu den Leistungen des «Brokers».


Die Oasen

Wiederum andere wie www.alpineCoworking.com oder www.miaengaidina.ch nutzen etwa die Ruhe der Berge, um den gestressten Menschen aus den Metropolen einen Rückzugsort für inspirierende Arbeit oder Workshops zu bieten. Damit schaffen sie in Gebieten, die sonst als digitale Randregionen gelten, neues Business und rücken diese näher zueinander, indem sie sie zu einer Community vernetzen.






Die Nachhaltigen





Während sich die meisten auf die Städte konzentrieren, setzen einzelne wie www.villageoffice.ch auf Nähe. Ganz gemäss dem Slogan «Arbeite wo du lebst» streben sie bis 2030 ein engmaschiges Netzwerk an lokalen Coworking Spaces an - Räumlichkeiten, die in 15 Minuten umweltschonend mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad vom Wohnort her erreichbar sind. Sie fördern den Aufbau neuer Village Offices und erstellen eine IT-Plattform, um dieses Ökosystem zu unterstützen.


Die Allrounder

Space-Vermieter wie www.regus.ch und www.wework.com bieten im grossen Stil ein globales Netz von Büros mit Rundum-Service, Executive-Suiten, Besprechungsräumen und Kurzzeit-Arbeitsplätzen an. Die Büros lassen sich stunden-, tages-, monats- oder jahresweise mieten.



Die Sippen





Und zu guter Letzt gibt’s die Internationalen wie www.betahaus.com in Berlin, Barcelona, Hamburg und Sofia. Wenn jemand Coworking zelebriert, dann diese hier. Man spricht nicht von Mitgliedern, sondern von Familie. Man meldet sich nicht einfach an - nein, man bewirbt sich! Eine weitere Besonderheit: Der Fokus geht weit über Wissensarbeiter hinaus. So gibt es eine Holzwerkstatt und Messgeräte, womit beispielsweise Elektroniker Prototypen direkt vor Ort bauen können.


Die Liste liesse sich weiterführen - aber sie reicht aus, um das Bedürfnis sichtbar zu machen: Menschen wollen neue Arbeitsmodelle leben. Arbeitsmodelle, die neue Organisationsformen ermöglichen, Organisationsformen, die auf Selbstbestimmung, Vernetzung und Vertrauen aufbauen. Sie liegt in der Luft - die Bewegung, gleichzeitig an verschiedenen Orten dieser Welt, mit Leuten, die sich vorher noch nie gesehen haben, die dasselbe wollen und die gleichen neuen Wertvorstellungen haben. Die Pioniere der Bewegung haben schon längst den Grundstein gelegt. Es stellt sich nun die Frage, wie sich die grossen, hierarchisch organisierten Unternehmen diese Bewegung zunutze machen.








Ruggero Crameri begleitet seit vielen Jahren Swisscom auf dem Weg zur grenzenlosen Zusammenarbeit. Mit Leidenschaft unterstützt er Organisationen und ihre Mitarbeitenden dabei, in neue, smarte Arbeitswelten einzutauchen.


Sein erklärtes Ziel: das Leben von Menschen zu vereinfachen und dabei Nutzen für Unternehmen zu stiften. Zusammen mit seinem Team erfindet Ruggero die Arbeitsplatzkonzepte von morgen, mischt Generationen auf und erfindet Regeln neu.