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Systematische Analyse von Kernbankensystemen

Core Banking Radar

SolitX: Smart Financial Contracts als neuer Ansatz der Systemunterstützung für Banken

Der Schweizer Softwarehersteller Ariadne Business Analytics bringt mit seiner Plattform SolitX einen neuen Ansatz der Systemunterstützung für Banken in den Markt der Kernbankensysteme.

 

Das Grundkonzept basiert dabei auf der Digitalisierung von finanziellen Kontrakten – sogenannten «Smart Financial Contracts». Mit diesem Konzept werden Bankservices in algorithmischer Form mit eindeutigen Handlungsanweisungen abgebildet. Das heisst, die Eigenschaften und Veränderungen über den zeitlichen Ablauf lassen sich standardisiert abbilden. Mit dem Basiskonzept lassen sich grundsätzlich sämtliche Bankinstrumente abbilden. Durch einen API-basierten Open-Banking-Ansatz werden bank- und unternehmensübergreifende Einsatzszenarien im Sinne der durchgängigen Digitalisierung von Bankprozessen ermöglicht.

 

Der Ansatz von Ariadne mit ihrem System «SolitX» wird in diesem Artikel aus der Reihe des Core Banking Radars von Swisscom in Zusammenarbeit mit dem Business Engineering Institute St. Gallen (BEI) analysiert.

Text: Werner Gygax / Thomas Zerndt, Bilder: Zense,

SolitX – Basis bildet ein ambitioniertes Standardisierungsvorhaben

Die Gründer von Ariadne haben mit einem weltweit erfolgreich vertriebenen Asset-Liability-Management-System (ALM) bereits mehrere Jahrzehnte Erfahrung in der Entwicklung und dem Vertrieb von Software für die Finanzindustrie.

 

Mit dem aufgebauten Know-how in der Analyse von Risiken für Banken sowie der standardisierten Abbildung von Finanzinstrumenten initiierten die Ariadne-Gründer zusammen mit internationalen Finanzmarktexperten und auf Basis akademischer Kollaboration im Jahre 2010 im Zusammenhang mit dem Dodd-Frank Act das Open-Source-Projekt ACTUS (Algorithmic Contract Type Unified Standard, vgl. www.actusfrf.org). ACTUS bietet seit 2016 einen validierten, algorithmischen Standard – also elektronisch verarbeitbare verbindliche Handlungsanweisungen – als nachvollziehbare Grundlage zur maschinenlesbaren Abwicklung von Finanzinstrumenten. Basierend auf der ACTUS-Taxonomie bilden 32 elementare Klassen von Finanzkontrakten, die sogenannten «Smart Financial Contracts», den Datenkern von SolitX. Ein Finanzkontrakt ist im Grunde nichts anderes als ein rechtlich geregelter, im Voraus vereinbarter Austausch von Cashflows zwischen zwei Gegenparteien. So basiert für jede der 32 Finanzkontraktklassen die Herleitung der algorithmischen Regel auf einer durchgängigen Finanzperspektive.

 

Die zentrale Innovation, welche die konsequente Anwendung des ACTUS-Standards ermöglicht, basiert auf folgender Erkenntnis: Eine effiziente, konsistente Abbildung und Verarbeitung eines Finanzinstrumentes über den gesamten Lebenszyklus muss zu jedem Zeitpunkt die Kombination der kontraktspezifischen algorithmischen Regel, also die Kontraktlogik, wie auch die jeweiligen Kontraktdaten zur Verarbeitung verfügbar haben.

Fokus auf Core Banking Core

In der Umsetzung dieser Erkenntnis fokussiert Ariadne ihre Neuentwicklung auf all jene Bankfunktionalitäten, welche für die Verarbeitung der Finanzkontrakte stets die Kombination von ACTUS-Kontraktlogik und Kontraktdaten nutzen müssen. Der Hersteller nennt dies «Core Banking Core», der in der Ariadne-Lösungs-Suite mit zwei Hauptelementen angeboten wird:

 

  • SolitX für das Transaktionssystem und die Buchführung mit einem technischen API Layer und einem DLT (Blockchain) Adapter
  • AnalytX für jegliche Arten von Risikomanagementanalysen, Simulationen, ALM sowie die bankinterne Steuerung und Geschäftsplanung

 

Mit dem Konzept eines Kerns, welcher technologieunabhängig Finanzkontrakte abbildet, fokussiert sich SolitX auf die Abbildung des spezifischen Wertschöpfungsteils der Finanzprodukte über deren Lebenszyklus. Diese Technologieunabhängigkeit ermöglicht mit dem Adapter auch die Nutzung von DLT-Technologie (Blockchain).

 

Anders als die anderen bekannten Kernbankensystemanbieter hat dieser Ansatz nicht zum Ziel, alle Funktionalitäten in einer Kernanwendung zu vereinen, sondern stellt die Verarbeitung von Transaktionen, die Booking Engine, die integrale Risiko- und Simulationsanalyse sowie die Bankenplanungs- und Steuerungsinstrumente als Kernfunktionen zur Verfügung. Wie in der Autoindustrie ist Ariadne auf Zulieferer unterschiedlicher Bau- respektive Softwareteile angewiesen. Anders als die sonstigen Anbieter von Neo-Kernbankensystemen ist Ariadne ein Schweizer Produkt und bietet die Möglichkeit der Verarbeitung von Wertschriften-Transaktionen. Andere Neo-Kernbankensystemhersteller meiden bisher diese Funktionalitäten, da sie viel Komplexität mitbringen.

 

In Kombination mit dem sogenannten ACTUS Enterprise Data Hub hat der Anwender die Möglichkeit, mehrere Sichten wie Kunde oder Cashflow auf die laufenden Finanzkontrakte einzunehmen.

 

Für alle andern Funktionalitäten, die ohne Kontraktlogik allein auf Basis von Finanzkontraktdaten arbeiten können, ist das System bewusst offen ausgestaltet. Solche Funktionalitäten, die Core-Banking-Systeme oftmals von Haus aus mitbringen wie CRM, Wealth Management, KYC, AML oder Payment, müssen API-basiert an SolitX angebunden werden. Die Ansteuerung und die Ausführung der Finanzkontrakte erfolgen dann über diese angebundenen Anwendungen.

 

Wenn beispielsweise ein Kreditnehmer im Rahmen einer Hypothek zunächst Zahlungen erhält und diese dann in einer bestimmten Laufzeit zurückzahlt, folgen diese Transaktionen einer bestimmten mathematischen Logik. Der formalisierte Kontrakt mit seinen Handlungsanweisungen liegt bis zu seiner Saldierung in SolitX vor, und die weiteren Systeme können diese Informationen abrufen.

 

Durch den cashflowbasierten Ansatz können vergangene Transaktionen dargestellt und auf Basis der Kontraktregeln zu jedem Zeitpunkt auch die heute zu erwartenden zukünftigen Transaktionen (Zinszahlungen, Principal-Zahlungen, Zinsänderungen, etc.) erzeugt werden. Damit können Simulationen sowohl aus der Sicht des Kunden wie auch aus der Sicht des Marktes dargestellt werden. Ebenso ist es möglich, Strategien für Produkte, Produktgruppen oder ganze Geschäftsbereiche abzubilden und diese mit unterschiedlichen Marktszenarien zu testen.

 

Zusammenfassend fokussiert das architektonische Konzept von SolitX auf:

  • Standardisierte Abbildung aller Finanzprodukte im Core Banking: Der standardisierte und vertragsorientierte Ansatz soll die Time-to-Market in der Entwicklung verkürzen. Produkte können effizient konfiguriert werden. Dies wird als Standard durchgängig auch über Unternehmensgrenzen hinweg etabliert.

  • Kombination von Kontraktlogik und Kontraktdaten: Im Sinne des ACTUS-Datenkonzepts liegt der Fokus des Herstellers auf all jenen Funktionalitäten, die zwingend die Kombination von Kontraktlogik und Kontraktdaten zur Verarbeitung verwenden müssen (Transaktionssystem, Booking Engine, Risikomanagement- und Simulationslösungen, Planungs- und Steuerungssysteme).

  • DLT (Blockchain) ready: Die Logik der technologieneutralen Finanzkontrakte eignet sich auch für die Abbildung auf einer Blockchain-Technologie. Neben der Abbildung der bekannten Finanzprodukte soll diese Logik auch für den Kryptohandel oder die Asset Tokenization verwendet werden können. Folgende beispielhafte Nutzenaspekte könnten hierbei erschlossen werden:

    Die Unveränderlichkeit in der Blockchain ermöglicht Vertragssicherheit zwischen unbekannten Parteien.

    Mit einem digitalisierten und selbstausführenden Kontrakt reduzieren sich die Transaktionskosten.

  • Modulare Prinzipien: Es gibt keine Bindung an proprietäre Systeme. Das Frontend greift über APIs auf die Datenarchitektur und die Kontrakte des ACTUS-basierten Kerns zurück. Dadurch können die Geschäftsprozesse abgebildet werden, die sich auf einen Finanzkontrakt beziehen.

  • Offenheit und Interoperabilität: Die offene Plattformarchitektur mit einem API-basierten Integrationskonzept erlaubt eine benutzerspezifische Konfiguration und eine hohe Skalierbarkeit. Kontraktinformationen lassen sich in anderen Applikationen abbilden. Mit der Übersicht auf sämtliche Kontrakte ist die Gesamtsicht auf alle Bankgeschäfte jederzeit möglich.
Das Grundkonzept von Ariadne basiert auf der Digitalisierung von finanziellen Kontrakten.

Das Grundkonzept von Ariadne basiert auf der Digitalisierung von finanziellen Kontrakten.

Bankprozesse werden dadurch sehr individualisiert End-to-End abbildbar. Die Ausprägung der Bankgeschäfte lässt sich eventgesteuert an den jeweiligen Kundenwunsch anpassen. Neue Services und Geschäftsmodelle auch über die Finanzindustrie hinaus sind denkbar.

 

Üblicherweise werden in einem Kernbankensystem die Stammdaten wie Kunde, Konten und Depot angelegt. Transaktionen wie beispielsweise Zahlungsaufträge oder Aktienkäufe werden dem Kunden, Konto und Depot zugeordnet. Dies ermöglicht den gesamthaften Blick auf den Kunden und seine Positionen. Der architektonische Ansatz von Ariadne stellt entgegen den bestehenden Kernbankensystem-Konzepten nicht den Kunden und seine Transaktionen in den Mittelpunkt. Vielmehr bilden die digitalen Finanzkontrakte das Primat der architektonischen Strukturierung. Das heisst, über die vertragliche Abbildung der Bedürfnisse in Einzelprodukte des Kunden werden die dazugehörigen Cashflows ausgelöst. Dadurch wird die standardisierte, systemunabhängige Abbildung der Finanzprodukte über den ganzen Lebenszyklus ermöglicht. Die konsolidierte Gesamtsicht auf den Kunden und seine Positionen erfolgt über die Zusammensetzung seiner getätigten Transaktionen.

Marktpositionierung von Ariadne

Ariadne ist aktuell mit unterschiedlichen Anbietern von beispielsweise CRM-Systemen, Portfoliomanagement oder API-Plattformen in Kontakt, um ein für die Schweiz stabiles Partnernetz aufzubauen und somit ihre Lösungs-Suite mit SolitX und AnalytX zu einem umfassenden Kernbankensystem auszubauen. Die Basis bildet immer der standardisierte Finanzkontrakt in ihrem sogenannten Core Banking Core von SolitX. Das Konzept verlangt somit eine hohe Integrationskompetenz von Partnern im Netzwerk.

 

International und im Zielmarkt Schweiz fokussiert sich Ariadne vorerst auf Teilbereiche von bestehenden Banken und kann hierbei in Kooperation mit Partnern einen Funktionsbereich, wie zum Beispiel die Abbildung von Kreditprodukten, übernehmen. Anderen Anbietern von Neo-Kernbankensystemen, welche sich vielfach zuerst auf den Zahlungsverkehr fokussieren, wird durch SolitX die Abbildung komplexer Produkte ermöglicht. Ebenso sind aufkommende Kryptobanken und Plattformen im Fokus. Letztere entbündeln Teile der Wertschöpfungskette (z.B. mit der Vermittlung von Geldern aus Hypothekenplattformen, der Verbriefung auf Plattformen oder der Abbildung von Peer-to-Peer Lending).

 

In der Schweiz und international entstehen zahlreiche Chancen durch die Gründung neuer Banken, z.B. durch Gründungen auf der grünen Wiese von bestehenden Grossbanken, welche neue Technologien in einer separaten neuen Einheit ohne IT-Altlasten einsetzen wollen. Ariadne generiert ihre Erträge über ein herkömmliches Lizenzmodell oder in einem SaaS-Modell.

Hervorstehende Merkmale von Ariadne.

Hervorstehende Merkmale von Ariadne.

Erste Einsatzgebiete von SolitX

Mobile First Finance, ein indisches FinTech und Anbieter für CRM-, Workflow- und KYC-Lösungen, setzt die Software SolitX produktiv ein. Ihre zusammengesetzte Lösung aus eigenen Softwarekomponenten und denen von Ariadne ermöglicht zunächst ein durchgängiges digitales Client Onboarding und greift dann auf SolitX zu. Damit sollen dem Kunden bei Nutzung der mobilen Anwendung die Produkte der angeschlossenen Finanzdienstleister zugänglich gemacht werden, welche im ACTUS-Format strukturiert sind.

 

Aktuell wird die Lösung in Projekten von verschiedenen Unternehmen eingesetzt:

 

  • Kooperative Kreditgesellschaft in Indien für Mikrofinanzierungen: Die Organisation mit mehreren Niederlassungen benötigt für ihre Produkte und Kunden eine robuste Lösung, die sowohl Mobilitätsanforderungen für den Kunden als auch Kernbankanforderungen erfüllt. SolitX als Core Banking bildet die Produkte zur Mikrofinanzierung in Kontrakten ab, stellt das Transaktionsmanagement sicher und unterstützt eine rechtskonforme Doppelbuchhaltung. Die dazu benötigte KYC-Lösung wird von Mobile First Finance gestellt.

  • Kreditinstitut als Anwender von Mobile First Finance: Das Institut bietet Autokredit- und Konsumentenkreditfinanzierungen an. Die Kundenstruktur erfordert eine vollständig integrierte und mobile Anwendung mit Client Onboarding, CRM-Workflow-Lösung und Core-Banking-Funktionalitäten für die angebotenen Produkte.

  • Kooperation in Distributed Ledger Technologie (DLT): Ariadne-Gründer sind beteiligt an der Partnerfirma atpar AG in Zürich. Atpar macht die ACTUS-Kontrakte auch über unterschiedliche Blockchainvarianten verfügbar. Erste Projekte und Anwendungen zur Abbildung, Abwicklung und Analyse von tokenised Krypto-Assets wurden durchgeführt.

Gegenüberstellung mit gängigen Kernbankensystemen in der Schweiz

Das Business Engineering Institute St. Gallen und Swisscom Banking haben im Rahmen des Core Banking Radars alle gängigen Kernbankenlösungen untersucht. Aufgrund des architektonischen Ansatzes von SolitX, sich im Kern auf die Abbildung von Finanzkontrakten jeglicher Art zu fokussieren, gibt diese Gegenüberstellung der funktionalen Abdeckung einen Erkenntnisgewinn für die Bereiche, in denen SolitX Funktionen über Kooperationen abdecken muss.

Die funktionale Abdeckung unterscheidet sich stark zwischen heute und dem Ziel in 12 Monaten, da sich das System noch im Aufbau befindet. Betrachtet man den zeitlichen Horizont, charakterisiert sich die funktionale Abdeckung wie folgt:

 

  • Vertriebs- und Beratungsunterstützung: Da Ariadne auf die Einbindung von externen Systemen wie Beratungsunterstützung, Online Banking oder CRM setzt, ist die Ausprägung hier gering. Heute besteht nur die rudimentäre Möglichkeit einer direkten Dateneingabe. Die Abdeckung mit eingebundenen Umsystemen soll in 12 Monaten gängige Funktionalitäten eines CRM umfassen.

  • Ausführung und Abwicklung: Aktuell deckt das System die grundlegende Funktionalität für die Ausführung und Abwicklung ab. Sie soll in den nächsten 12 Monaten markant ausgebaut werden.

  • Handhabung Transaktionen (auch transaktionsübergreifende Sicht): Überwachung und Bewirtschaftung sind heute noch wenig abgedeckt. Auch hier sollen in 12 Monaten massgebliche Fortschritte erzielt werden. Es ist allerdings der produktfokussierte architektonische Ansatz zu beachten. Übergreifende Positionssichten, Legitimationen, Abstimmungen oder Verpfändungen werden aufgrund der Logik mittels Umsystemen abgedeckt. In SolitX lassen sich die Positionen durch die Cashflow-Sicht auf Basis der Kontrakte erzeugen. Dadurch werden Funktionen, die darauf basieren und auf sämtliche Transaktionen zugreifen, wie Bilanzanalyse, Risikomanagement, ALM oder Geschäftsplanung und -Simulation, umfassend im Teilsystem AnalytX unterstützt.

  • Unterstützungsfunktionen: Aufgrund der Architektur sind Buchhaltungsfunktionalitäten umfangreich abgedeckt. Künftig liegt der Fokus auch auf Business-Prozess-Management und Dokumentation.

 

Auch umfassende Bankservices rund um Zahlungen, Brokerage & Handel sowie Finanzieren befinden sich in SolitX noch im Aufbau. Vorzu werden gemäss dem vorgegebenen Standard von ACTUS Produkte umgesetzt. Heute sind erst rudimentäre Zahlungsverkehrsfunktionen sowie über die Logik der Kontrakte Kreditarten abgedeckt. In 12 Monaten sollen auch die gängigen Produkte im Handel/Brokerage von Wertschriften funktional unterstützt sein. Übergreifende Marktplatzfunktionalitäten wie beispielsweise Crowdfunding sind noch nicht geplant. Grundsätzlich bieten die 32 Finanzkontraktklassen die Möglichkeit, über Parametrisierung in SolitX im Rahmen dieser Klassen eigene Produkte zu kreieren oder bestehende zu kombinieren.

Hervorstehende Merkmale von Ariadne.

Das Angebot von Ariadne im Vergleich mit den bereits untersuchten Systemen.

Betrachtet man die nicht funktionalen Eigenschaften des Systems, zeigt sich folgendes Bild:

 

  • Architektur und Betreibbarkeit: Aufgrund des architektonisch offenen Ansatzes mit standardisierten Finanzkontrakttypen als Basis einer flexiblen Produktabbildung ist eine effiziente und stabile Betreibbarkeit gegeben. Beispielsweise ermöglicht die Technologieunabhängigkeit eine flexible Gestaltung der Datenbank und Betriebsumgebung. Bei Bedarf ist dies auch auf Basis einer Distributed Ledger Technologie (DLT) möglich. Ebenso zeigt der Ansatz eine hohe Skalierbarkeit und eine flexible Parametrisierbarkeit. Das System ist cloudfähig und unterstützt containerbasierte Betriebsmodelle.

  • Markt: Da es sich um ein Schweizer Produkt handelt, ist die Helvetisierung vollständig gegeben. Referenzinstallationen in der Schweiz fehlen allerdings noch. Dies schlägt sich in der Auswertung in einer entsprechend tiefen Ausprägung im Diagramm nieder.

  • Sicherheit: Die Funktionen und Konzepte befinden sich noch im Aufbau. Grundlagen wie die Datenanonymisierung oder Identity Management sind gegeben.

  • Financials: Das architektonische Grundkonzept verspricht tiefe Entwicklungskosten sowie tiefe Kosten für den Kunden. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass nur ein spezifischer und eher kleiner Teil der benötigten Funktionalitäten einer durchschnittlichen Schweizer Bank von SolitX unterstützt wird. Die Einbindung von unterschiedlichen Anbietern ist für die Abdeckung der Gesamtbankfunktionalität nötig.

 

Ariadne baut auf die Erschliessung von Ecosystemen mit Partnern. Bewusst setzt Ariadne auf das Konzept der Integration von Drittsystemen. Betreiber von Ariadne werden viele Themen wie CRM, Portfoliomanagement oder Finanzplanung mit Drittsystemen abdecken.

 

Die Einbindung von Drittsystemen bedeutet allerdings Management von Integrationsvorhaben und Aufwänden. Es bestehen viele Funktionsbereiche, die durch Umsysteme oder bestehende Kernbankensysteme abgedeckt werden. Ariadne muss weniger als eigenständiges Kernbankensystem, sondern eher als verbindendes System mit der Fähigkeit der durchgängig standardisierten Verwaltung und Abwicklung von Kontrakten gesehen werden. So könnte eine vergleichbare Abdeckung von Funktionalitäten wie bei den acht bereits untersuchten Kernbankensystemen erreicht werden.

 

Eine potenzielle Herausforderung bei der Umsetzung und Anwendung von SolitX wird die durchgängige Einhaltung des ACTUS-Standards bei der Abbildung auch komplexer Produkte und Produktbündel sein. Erste Tests im Betrieb zeigen, dass diese Datenarchitektur einen performanten Betrieb ermöglicht.

Smart Contracts als neues Konzept für Open Banking?

Open Banking und offene Plattformen transformieren die Finanzindustrie. Der Gedanke der Customer Journeys und der End-to-End-Digitalisierung im Sinne des Endkunden zwingt die Beteiligten zu unternehmensübergreifenden Konzepten. Open Banking ist als Schlagwort aktuell allgegenwärtig und bedeutet für die Finanzindustrie ein fundamentales Umdenken in der Systemunterstützung.

Dies führt Actus zu ihrer zentralen Idee, dass der gegenseitige Austausch von Informationen und Geldflüssen zwischen den Akteuren nach algorithmischen Regeln in Form von digitalen Finanzkontrakten erfolgt. Dadurch können Transaktionen über Banken oder andere Unternehmen zentral oder auch dezentral abgewickelt werden. Egal wie: Jedem Akteur ist dabei der einzelne Finanzkontrakt über den kompletten Lebenszyklus mit seinen Regeln, Daten und den getätigten Transaktionen bekannt. Analyse, Risk Management, Buchhaltung, Controlling oder Reporting können sich darauf abstützen.


Folgende drei unternehmensübergreifende Einsatz- und Nutzungsszenarien sind theoretisch denkbar im Zusammenspiel von FinTechs, Banken, Betreibern und branchenfremden Unternehmen:

Szenario 1: Austausch von Kontrakten

Banken und weitere beteiligte Unternehmen nutzen die gleichen Kontrakte und begleiten den Kunden dabei entlang einer gemeinsamen Customer Journey. Für den Kunden erfolgt dies in Form einzelner Services.

Szenario 2: Cost Sharing

Banken teilen sich für ausgewählte Bankdienstleistungen eine gemeinsame Plattform, die sie in der Form von standardisierten Kontrakten abbilden.

Szenario 3: Appstore-Modell

Unternehmen stellen basierend auf den durchgängigen Standards von ACTUS ihre Produkte auf einer gemeinsamen SolitX-Plattform bereit. Die Abwicklung erfolgt unternehmensübergreifend. Leistungen einzelner Unternehmen können entsprechend der Customer Journey durchgängig bereitgestellt werden.

Fazit – Ist SolitX mit Smart Contracts ein neues Konzept für das Banking der Zukunft?

Für Banken stellt sich die Herausforderung, eine tragfähige Strategie für die zukünftige Systemunterstützung zu erarbeiten. Die Öffnung der Systeme ist bei allen Herstellern ein zentrales Thema. Startups und FinTechs bieten Lösungen in immer zentraleren Bereichen der Finanzindustrie. Branchenübergreifende Vernetzung als Bestandteil neuer Geschäftsmodelle ist bereits heute ein wichtiges Thema und wird unter dem Schlagwort «Ecosystems» diskutiert.

 

Die Lösung dieser Herausforderung wird mit grosser Wahrscheinlichkeit für viele nicht im Ersatz des Kernbankensystems und einer erneuten Welle von klassischen Migrationsvorhaben liegen. Diese risikoreichen Vorhaben verschlingen mehrstellige Millionensummen und binden finanzielle und personelle Ressourcen, die auch für eine marktgerichtete Weiterentwicklung genutzt werden könnten.

 

Das Konzept der Produktentwicklung mittels plattformunabhängigen Smart Contracts unterstützt die Öffnung im Sinne des Open Bankings, die Modularisierung mit dem Primat der Servicesicht und die unternehmensübergreifende Vernetzung entsprechend dem Ecosystem-Gedanken. Alle drei Entwicklungen greift Ariadne in ihrer Lösung SolitX auf. Im Unterschied zu anderen neuen Systemen, welche ihren Ursprung im Retailbanking und somit im Zahlungsverkehr haben, deckt Ariadne bereits umfangreiche Services aus der Finanzierung und dem Wertpapiergeschäft ab. Das Thema der Helvetisierung sollte hierbei auch kein Hindernis darstellen, da die Lösung aus der Schweiz kommt. Zudem trifft der partnerbasierte Ansatz von SolitX den aktuellen Trend: Das Kernbankensystem besteht «lediglich» aus einer Lösung zur Verarbeitung und Buchung von Transaktionen bzw. bei SolitX von Smart Contracts. Alle weiteren Funktionen wie Beratungsunterstützung, Online Banking, CRM oder gar Transaktionsüberwachung werden in spezialisierten Umsystemen gelöst.

 

Ariadne verspricht mit diesem Ansatz eine zukunftsgerichtete Modernisierung der aktuellen Systemunterstützung von Banken. Der Core Banking Radar wird die Entwicklung weiter verfolgen.

Ausblick kommende Artikel 2020

  • Kundensicht-Artikel: Zukünftige Bedürfnisse der Systemunterstützung aus der Gesamtbankensicht

Firmen-Steckbrief 

Name: Ariadne Business Analytics AG

Gründung: 2015

Hauptsitz: Zug

 

Gründer: Willi Franz Brammertz, Wolfgang Breymann, Nils Bundi, Daniel Imfeld, Shirish Kumar, Jeff Braswell

CEO: Willi Franz Brammertz

Angestellte: 18 (inkl. Hyderabad)

 

Weitere Entwicklungsstandorte: Nänikon (ZH), Hyderabad (Indien)

 

Erste Auslieferung: AnalytX: 2017, SolitX 2019

Umsatzquellen: Vermietung der Software, Beratung

Besitzverhältnisse: AG Aktionäre = (alle involviert)


Business Engineering Institute St. Gallen

Swisscom und das Business Engineering Institute St. Gallen (BEI) pflegen eine langjährige Partnerschaft im Rahmen des Kompetenzzentrums «Ecosystems». Dieses bearbeitet Themen wie Ecosysteme, Digitalisierung, Transformation sowie Fragestellungen rund um die zukünftige Ausgestaltung der Finanzindustrie. Ergänzend zu den Forschungsaktivitäten führt das BEI Projekte zur Gestaltung und Umsetzung innovativer, branchenübergreifender Geschäftsmodelle durch.

 

> Core Banking Radar Methodik




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