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Interview mit Patrick Weibel





Leiter 5G Programm zum Netzausbau

«Wir planen, 60 Orte bis Ende 2019 mit 5G auszubauen.»

5G entwickelt sich rasant. Im Sommer 2017 präsentierte Swisscom erste 5G-Testanwendungen. Heute stehen 5G-Testnetze bereits in Burgdorf, Lausanne, Genf, Zürich, Bern und Luzern. Patrick Weibel, Leiter des 5G Programms bei Swisscom, erklärt, was 5G besonders macht und wie der weitere Netzausbau vorangehen wird.

Michael Lieberherr, 8. November 2018

Erste 5G-Testnetze sind gebaut. Wann wird die ganze Schweiz mit 5G versorgt sein?

Mit den Testausbauten in Burgdorf, Lausanne, Bern, Zürich, Genf oder Luzern sind wir weltweit unter den Ersten. Diese Testnetze sind keine Demoshows, sondern als komplett standardisierte Netze ausgebaut. Wir planen aktuell bis Ende 2019 rund 60 Städte und Gemeinden punktuell auszubauen.

Wovon hängt die weitere Ausbauplanung ab?

Zuerst muss die 5G-Frequenzauktion der ComCom erfolgen. Diese ist für den Januar 2019 geplant. Der weitere Ausbau hängt zudem stark von den politischen Rahmenbedingungen ab. Die seit 1999 unverändert geltende NISV (Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung) ist in der Schweiz zehnmal restriktiver als im Grossteil Europas. 

Was bedeutet das für den Netzausbau?

Mit den steigenden Datenvolumen und der geltenden Rahmenbedingungen gelangen wir an eine physikalische Grenze. An vielen Standorten ist das zugewiesene Spektrum aufgrund dieser Restriktionen nahezu ausgeschöpft. Das Netz benötigt mehr Antennenstandorte, die wiederum schwierig zu finden sind. Bestimmte Vorteile von 5G sind in der Schweiz mit den geltenden Bestimmungen somit nicht nutzbar.

Viele Menschen schöpfen heute nicht einmal die Möglichkeiten des 4G-Netzes voll aus. Warum braucht es jetzt schon ein 5G-Netz?

Die meisten denken bei den Möglichkeiten primär an Geschwindigkeit. Wie schnell kann ich auf dem Handy surfen? Das greift aber zu kurz. 4G ist ein rasend schnelles, mobiles Breitbandinternet, genau dafür wurde es konzipiert. 5G ist die neue Plattform für die Digitalisierung, die vieles zusammenbringt. Wir haben mit den Ausprägungen von 5G mehr Möglichkeiten, auch kritische Anwendungen zu digitalisieren. Industrien können mit digitalisierten Fabriken wettbewerbsfähiger werden – wie wir es mit Ypsomed gezeigt haben. Klar ist, viele Anwendungen werden erst noch entstehen, wenn die Infrastruktur «up and running» ist. Darum brauchen wir das Netz jetzt, sonst verpassen wir den Anschluss. Die gleiche Frage hat man mir übrigens schon bei 4G gestellt.

Was ist an 5G anders als bisher?

Bisher hatten Mobilfunknetze eine Hauptbestimmung und für alle anderen Anwendungen hat man sie telquel benutzt. 2G hatte man für die Sprachtelefonie entwickelt. 3G brachte erstmals mobiles Breitbandinternet. 4G war die Fortsetzung von 3G und brachte massiv mehr Bandbreite und Kapazitäten auf dem Netz. Fokus waren Smartphones und deren Anwendungen. 5G verbindet künftig Millionen von Dingen, Geräten, Maschinen, Gebäuden, Autos und natürlich Smartphones. Diese Anwendungen stellen unterschiedliche Anforderungen an das Netz, die 5G mit einem Netz erstmals adressieren kann. Hier liegt der grosse Unterschied zu den bisherigen Netzen. 

Eigenschaften von 5G

5G wird Millionen an Geräten, Dingen und Maschinen verbinden. Die Technologie adressiert unterschiedliche Bedürfnisse von Anwendungen mit den folgenden Bausteinen:

Mehr Kapazitäten

Eine Funkzelle wird zehntausende unterschiedliche Geräte verbinden können – Geräte, Dinge, Autos, Maschinen, Gebäudekomponenten und vieles mehr.

Tiefe Latenz (Reaktionszeit)

Extrem kurze Latenzzeiten ermöglichen Anwendungen, die haptische Rückmeldungen benötigen, beispielsweise in der Telemedizin, in der Robotik oder bei Gaming.

Geschwindigkeit

Die Geschwindigkeit steigt massiv an und wird neue und erweiterte digitale Anwendungen in Echtzeit bringen.

Edge Computing

Bringt Rechenleistung direkt in das Mobilfunknetz, um beispielsweise Daten einer Produktionsmaschine direkt in Echtzeit zu verarbeiten.

Netzwerk Slicing

Für sicherheits- oder infrastruktur-kritische Anwendungen können Bandbreiten reserviert werden. Eine Blaulichtorganisation kann also auch bei grossen Menschenmengen, wie beispielsweise bei der Street Parade, sicher sein, dass sie eine garantierte und stabile Verbindung hat.

Wann kommen erste 5G-Smartphones auf den Markt?

Ich gehe davon aus, dass mehrere Hersteller vor oder während dem Mobile World Congress in Barcelona Ende Februar erste Geräte vorstellen werden. Wir haben im November erstmals weltweit/europaweit ein Testgerät und einen Hotspot mit unserem 5G-Testnetz verbunden. Das Gerät war ein Prototyp in Form eines Smartphones – dessen Chipsatz in den ersten 5G-Geräten verbaut sein wird. Noch vor einem Jahr wog ein solches Testgerät eine Tonne und mass einen Kubikmeter. Die Entwicklung von 5G schreitet rasant voran. 

Die rasante Entwicklung von 5G zeigt sich an den Testgeräten. Im Sommer 2017 wog das Testgerät eine Tonne und mass einen Kubikmeter. Im November 2018 ist ein anderes Testgerät auf Smartphone-Grösse geschrumpft und enthält bereits 5G-Komponenten, die sich in Kürze in neuen 5G-Geräten finden werden.

Wie sicher ist 5G?

Gleich sicher wie 4G. Künftig wird 5G sogar noch mehr Sicherheitsfunktionen in weiteren Dimensionen erhalten. Diese umfassen beispielsweise den eigentlichen Datenverkehr, die Identifikation von Netzteilnehmern ebenso wie Sicherheitsfunktionen bei Verbindungen über verschiedene Netzanbieter oder Sicherheitsmechanismen für Netzwerkkomponenten. Aktuell benutzt 5G im Kern die Standards von 4G, die laufend weiterentwickelt werden. Diese werden nach und nach abgelöst, bis der gesamte Kern eine reine 5G-Sicherheitsarchitektur haben wird. 

Führt 5G zu mehr Emissionen?

5G unterscheidet sich nicht grundsätzlich von älteren Technologien wie 3G (UMTS) oder 4G (LTE). Auch wird 5G vorerst in ähnlichen Frequenzbereichen betrieben wie die Vorgängertechnologien. Die Erkenntnisse aus den zahlreichen Studien zu UMTS- und/oder LTE-Signalen sind daher auch prinzipiell auf 5G anwendbar. Wir halten uns auch mit 5G an geltende Vorschriften, welche in der Schweiz vorsorglich strikt sind.
Für die neuen Frequenzbereiche oberhalb von 6 GHz, die 5G künftig nutzen wird, gibt es verlässliche Grenzwerte, die wir selbstverständlich einhalten werden.

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Zur Person

Patrick Weibel leitet bei Swisscom das 5G Programm und verantwortet die Einführung von 5G für die Kunden. Er hat den Ausbau aller Mobilfunkgeneration hautnah miterlebt.


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