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Interview mit Roland Siegwart und Roger Wüthrich-Hasenböhler

Neueste Drohnentechnologie

«Ein Meilenstein für das Drohnenland Schweiz»

Die ETH und Swisscom spannen zusammen: Erstmals fliegt eine vernetzte Drohne einen 70 Kilometer langen Pfad – über den Neuenburgersee. Gesteuert via Swisscom Netz, angedacht von der ETH. Warum und wie? Das erklären ETH-Professor Roland Siegwart, einer der weltweit führenden Robotik-Experten, und Roger Wüthrich-Hasenböhler, Chief Digital Officer und Leiter Digital Business Swisscom.
Denise Liebchen
Denise Liebchen, Corporate Journalist
25. Januar 2019

Roland Siegwart und Roger Wüthrich-Hasenböhler, Ihre vernetzte Solardrohne hat den Jungfernflug mit Bravour bestanden. Sie flog Anfang Januar zwei Stunden durch die Westschweizer Luft. Wie fühlen Sie sich?

Roland Siegwart: Das ist ein Meilenstein für uns und das Drohnenland Schweiz. Die Begeisterung ist riesig. Dieser Jungfernflug zeigt eindrücklich, was neuste Dohnentechnologie kombiniert mit einem starken Mobilnetz leisten kann. Es ist jetzt möglich mit Drohnen sehr grosse Flächen voll autonom abzudecken und die Missionen einfach vom Schreibtisch über das Mobilnetz zu steuern.

Roger Wüthrich-Hasenböhler: Ich bin begeistert. Die Solardrohne glitt still durch die Lüfte entlang eines komplexen Flugpfads. Dieser Flug hat bewiesen, dass die Technologie da ist, um solche ambitionierten Drohnenflüge umzusetzen.

Diese komplexe Route von über 70 Kilometer ist die solarbetriebene Drohne völlig autonom geflogen aufgrund von Daten, die in Echtzeit über das Mobilfunknetz von Swisscom übermittelt wurden.

Was bringt Sie, Roland Siegwart, mit der Swisscom zusammen?

Im Rahmen der Start-up-Förderung und DigitalSwitzerland arbeite ich seit vielen Jahren mit Roger Wüthrich-Hasenböhler und anderen Personen von Swisscom zusammen. Swisscom ist eine der stärksten Förderinnen von Innovation und Unternehmertum in der Schweiz. Sie hat massgeblich zum heute ausgezeichneten Ökosystem zwischen Forschung, Start-ups und Unternehmen beigetragen. Ein kleines Beispiel ist die grossartige Zusammenarbeit für Langstreckenflüge mit Drohnen.

Was treibt Sie dabei an?

Roland Siegwart: Die Schweizer Universitäten, speziell die ETH und EPFL, und ihre Start-ups sind Pioniere in der Entwicklung von Drohnen. Mein Ziel ist es, die Schweiz definitiv als das weltweit führende Land für professionelle Drohnen zu etablieren. Dazu braucht es ausgezeichnete Forschung und Start-ups, aber auch eine starke Zusammenarbeit mit Netzbetreibern und Flugsicherung, und viele Testflüge. Die Schweiz soll das erste Land weltweit sein, wo Drohnen nahtlos in den zivilen Luftraum integriert sind. Unser Flug ist ein erster grosser Meilenstein in diese Richtung.

Roger Wüthrich-Hasenböhler, warum setzt sich Swisscom für dieses Drohnenprojekt ein?

Damit die Schweiz ihre führende Stellung in der Drohnentechnologie halten und ausbauen kann. Dazu gehört, dass wir den heute unkontrollierten Luftraum unter 600 Metern digitalisieren und die Voraussetzungen schaffen, damit der kommerzielle Drohnenverkehr sicher und effizient gesteuert werden kann. Dafür braucht es ein leistungsstarkes, flächendeckendes Netz, das der Drohne während des Fluges Daten übermittelt, damit sie sicher fliegen kann.

«Der Flug zeigt, wie wichtig ein funktionierendes Ökosystem ist zwischen Forschung, Start-ups, Wirtschaft und Behörden.»

Roger Wüthrich-Hasenböhler

Der Flug zeigt, wie wichtig ein funktionierendes Ökosystem ist zwischen Forschung, Start-ups, Wirtschaft und Behörden. Die Kombination von Forschung, Innovation und Umsetzung zwischen ETH und Unternehmen wie der Swisscom ist ein Schlüssel für erfolgreiche Innovationsprojekte, die Arbeitsplätze schaffen und die Innovationskraft der Schweiz stärken.

Wieso muss eine Drohne überhaupt vernetzt sein?

Roger Wüthrich-Hasenböhler: Gegenwärtig soll es in der Schweiz über 100'000 private Drohnen geben. Diese werden direkt mit einer Fernsteuerung bedient. Wenn jedoch ein Landwirt mit einer Drohne seine Felder analysieren möchte, dann braucht er eine autonom fliegende Drohne – gesteuert durch einen Computer, ohne dass der Landwirt vor Ort sein muss. Eine vernetzte Drohne weiss, wo sie lang fliegen muss, und kann einem Feldroboter Daten übermitteln, damit dieser weiss, wo er bewässern und düngen soll. Ihren Flugpfad korrigiert die Drohne dank Sensoren des Schweizer Start-ups Involi, die an unseren Broadcast-Antennen montiert wurden.

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Weniger Dünger, kein überflüssiges Wasser, keine Lebensmittelverschwendung mehr: Ein visionäres Smart-Farming-Projekt der ETH. Swisscom unterstützt es – und vernetzt die Drohnen, damit die Informationen übermittelt werden können. Video ETH Zürich Gesamtlänge 01:48 Min.

Wie wird sich unser Umgang mit Drohnen in den nächsten Jahren verändern?

Roger Wüthrich-Hasenböhler: Wir stehen erst am Anfang des kommerziellen Einsatzes von Drohnen. Die Zukunft wird viele heute undenkbare Anwendungsfälle hervorbringen, in fast allen Branchen. Deshalb werden von regulatorischer Seite weitere Regeln für den Betrieb von Drohnen aufgestellt werden, damit ein sicherer Betrieb gewährleistet werden kann.

Roland Siegwart: Ich bin überzeugt, dass sich Dohnen in den nächsten Jahren zu einem selbstverständlichen und wertvollen Werkzeug entwickeln. Sie werden Landwirtschaftsfelder täglich analysieren, vermisste Menschen in den Bergen oder Lawinen suchen, die Feuerwehrleute unterstützen oder gar Brücken und andere Infrastrukturen auf Sicherheit überprüfen. So werden sie eine viel nachhaltigere Landwirtschaft ermöglichen, viele Menschenleben retten und die Risiken für Such- und Rettungstruppen drastisch senken.

Was ist Smart Farming?

Smart Farming macht es möglich, Felder kontinuierlich zu überwachen, das Wachstum und die Gesundheit der Pflanzen zu analysieren und zu intervenieren, wo es nötig ist. Damit können Mangel an Wasser und Dünger oder ein Befall durch Schädlinge früh erkannt und präzise bekämpft werden. Pestizide können so um das 10- bis 100-fache reduziert werden.
Die Schweiz hat eine lange Tradition in der nachhaltigen Landwirtschaft und ist weltführend in den für Smart Farming nötigen Technologien wie Robotik, Sensortechnik oder Künstliche Intelligenz.
Das Matterhorn-Projekt «Swiss Smart Farming» von DigitalSwitzerland will die Schweiz zu einem der führenden Länder für Smart-Farming-Technologie entwickeln und so einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Welternährung leisten.

Mit dem Flug über den Neuenburgersee wurde nun erstmals gezeigt, dass eine Drohne mehrere Stunden autonom – das heisst ohne Steuerung z.B. durch den Bauern – in der Luft sein kann. Über ein stetig wachsendes Konsortium von Partnern aus Universitäten, Industrie, Start-ups und Politik soll die Smart-Farming-Technologie mit hoher Geschwindigkeit vorangetrieben werden, zum Wohl der Menschheit und unserer Natur.

Zu DigitalSwitzerland



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Roland Siegwart 

Roland Siegwart (1959) ist Professor an der ETH Zürich. Das von ihm geleitete Forschungslabor im Bereich der Robotik nimmt weltweit eine Spitzenstellung ein. Er hat einige Hochtechnologie-Start-ups mitbegründet. Siegwarts Forschungslabor brachte schon einiges Aussergewöhnliches hervor: Vor 15 Jahren der weltweit erste Flug einer Quadrotor-Drohne; verschiedene Rekorde mit Solardrohnen, die mehrere Tage in der Luft bleiben, erste vollautonome Flüge mit Kameras.

  

Roger Wüthrich-Hasenböhler 

Roger Wüthrich-Hasenböhler leitete bei Swisscom den Geschäftsbereich KMU, bevor er 2016 zum Leiter des Bereichs Digital Business ernannt wurde. Als Chief Digital Officer bündelt, koordiniert und fördert er Start-up-Initiativen von Swisscom wie die StartUp Challenge, den Pirates Hub oder die Aktivitäten der Swisscom Outposts im Silicon Valley und in China. Er ist Vorsitzender von localsearch.ch und Mitglied von diversen weiteren Verwaltungsräten, unter anderem der Axpo Holding AG.