Die Stadt St. Gallen tritt seit Jahren als engagierter Akteur rund um nachhaltige Stadtentwicklung auf und engagiert sich unter anderem für eine gute und innovativ ausgestaltete Kommunikationsinfrastruktur. Qualitativ hochwertig, schnell, verlässlich, bedarfsgerecht und immissionsarm soll diese sein. Bezüglich des letztgenannten Kriteriums ist Swisscom der Ansicht, dass Mobilfunk in der Schweiz a priori "immissionsarm" betrieben wird, dies aufgrund der strengen Grenzwerte hierzulande. Weitere Bestrebungen in dieser Hinsicht hätten technische Einschränkungen zur Folge und wären nicht durch Resultate der Gesundheitsforschung gerechtfertigt.
Das public WLAN der Stadt St. Gallen, welches Teile des Stadtkerns mit Internet versorgt, erlangte schweizweite Aufmerksamkeit und wurde vielerorts als "smarte" Lösung zur Bewältigung der steigenden Datenmengen gesehen. Eine fast unsichtbare Integration ins Stadtbild und schwache Sendeleistungen mit tiefen Immissionen wurden als Gründe für den kleinzelligen Netzansatz genannt.
Dass Mobilfunk deutlich höhere Anforderungen in Sachen Qualität und Leistungsfähigkeit als WLAN bedingt, wurde lange ausgeblendet und so wurde das "Wireless St. Gallen" rasch als Musterlösung für zukunftsgerichteten Mobilfunk genannt. Vergessen ging dabei oft, dass es sich nach wie vor um ein blosses WLAN-Netz handelte und keine Mobilfunkdienstleistung. Funktionalitäten wie Laststeuerung, Handover, Fallback, etc. sind auf WLAN-Technologie nur sehr begrenzt oder gar nicht möglich.
Das Konzept schien umso populärer zu werden, als im Parlament zweimal hauchdünn abgelehnt wurde, die hierzulande vorsorglichen Grenzwerte moderat zu lockern, so dass zukünftige Technologien auch auf bestehenden Standorten ausgebaut werden können. Das "smarte" Kleinzellennetz aus der Ostschweiz wurde zunehmend auch in den Köpfen vieler Politiker und sogar bis hin zu den Bundesbehörden eine realistische Alternative zu höheren Grenzwerten.
Vergangenes Jahr stiegen Swisscom und die Stadt St. Gallen schliesslich in ein gemeinsames Projekt ein, worin Fakten geschaffen werden sollten. Fakten, welche technisch gut abgestützt und objektiv nachvollzogen werden können. Im Rahmen des gemeinsamen Evaluationsprojekts galt es also aufzuzeigen, welche Vor- und Nachteile eine mit Kleinzellen priorisierte Netzstruktur im Gegensatz zur herkömmlichen Vorgehensweise im Netzbau aufweist. Dabei sollten insbesondere die technische Machbarkeit sowie Erstellungs- und Betriebskosten im Vordergrund stehen.