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Menschen auf Dachterrasse
5G

Antenne verhindert – Eigentor geschossen

Mobilfunkausbau erhitzt die Gemüter: Kommt eine neue Antenne oder ein 5G-Upgrade in Sichtweite, formieren sich Kritiker, um sie zu stoppen. Sie haben in der Regel Bedenken gegenüber Funksignalen. Mit einer Blockade oder Verzögerung wird jedoch meist das Gegenteil erreicht: mehr Strahlung statt weniger.
Michael Lieberherr
Michael Lieberherr, Communication Consultant
21. April 2021

Die Nutzung im Mobilfunknetz explodiert – die dafür nötige Infrastruktur aber möchte niemand sehen. Sobald eine Antenne in der Nähe gebaut werden soll, kochen die Emotionen hoch. Vielerorts sammeln Gegner Unterschriften gegen geplante Antennenprojekte. Und nicht selten verteilen sie dafür Flyer, auf denen als Kontakt eine Handynummer angegeben ist – ein fast schon symbolischer Widerspruch.

 

Wehrt man sich gegen eine bessere Versorgung im Quartier, nutzt das Handy automatisch eine weiter entfernte Antenne mit schlechterem Empfang. Die Folge: Mehr, statt weniger Strahlung für den eigenen Körper – ausser man würde komplett auf das eigene Gerät verzichten und sich auch von anderen körpernahen Geräten Dritter fernhalten. Die oft gehörte Forderung, Antennen aus Wohngebieten zu verbannen, ist also ein Eigentor. Sie verbannt zwar die Antenne aus dem Blickfeld, die Strahlung ist dafür aber um ein Mehrfaches präsent.

 

Denn schlechter Empfang führt zu einem Effekt, den man aus dem persönlichen Gespräch kennt: Wollen sich zwei Menschen unterhalten, die weit entfernt voneinander sitzen, müssen beide schreien, um gehört zu werden. Beim Mobilfunk heisst das: Antenne und Handy müssen mehr Leistung abgeben, um die Verbindung zueinander aufrecht zu erhalten. Beim Handy kann die Sendestärke bis um das 1000-fache ansteigen, notabene in unmittelbarer Nähe des Körpers.

Mehr ist weniger

Auch eine Verschärfung der Grenzwerte, meist verpackt in die Forderung, Innen- und Aussenversorgung zu entkoppeln, führt zu einem ähnlichen Effekt. Denn es gibt schlicht keine Geräte, die für diesen Schweizer Sonderweg konzipiert wären. Alle Teile des Mobilfunks sind nach internationalen Standards ausgelegt. Würde man nun die Grenzwerte weiter senken, damit keine Signale mehr in Gebäude gelangen können, erhöht das wiederum die "Bestrahlung" durch das eigene Gerät, das den schwachen Empfang durch ein wesentlich höheres Sendesignal kompensieren muss. Oder um im Bildnis der beiden sprechenden Menschen zu bleiben: Je leiser es draussen ist, umso lauter wird’s drin.

 

 

Auch die oft von Gegnern kritisieren adaptive Antennen stehen bei diesen Gruppen zum Unrecht am Pranger. Denn auch sie senken die Strahlenbelastung, weil sie gezielter in die Richtung der Geräte senden können. Oder anders gesagt: Sie "beschreien" nicht einen ganzen Sektor, damit sie von einem einzigen Mobilfunkgerät gehört werden, sondern sprechen zielgenau dahin, wo sich das aktive Gerät befindet. Die adaptive Antenne registriert nämlich zuerst, in welcher Richtung sich ein Handy befindet, peilt es so direkt wie möglich an und kann es dann so zielgenau wie möglich, aber nur so stark wie nötig ansprechen. So vermeidet das Netz unnötigen Strahlung für alle diejenigen, die zu diesem Zeitpunkt ihr Gerät nicht nutzen.

 

Bei der adaptiven Antenne handelt es sich in Tat und Wahrheit um eine effizientere Technologie. Sie tut genau das, was gerade von strahlungskritischen Kreisen immer gefordert wurde: Sie sendet nur dann und dorthin, wo Signal gebraucht wird und verschont die Nicht-Nutzer.

Verdrängungseffekte

Der grösste Irrtum betrifft jedoch meist den Ursprung von Strahlung. Beim Mobilfunk verursachen das eigene Gerät und andere körpernahe Geräte wie vernetzte Uhren, Tracker oder Geräte von Dritten rund 90 Prozent der täglichen Belastung (wissenschaftlich gesprochen: Exposition). Im Bereich des Kopfes sind es gar 95 Prozent. Mit jedem Zentimeter vom Körper weg verringert sich die Intensität stark. Die Mobilfunkantenne macht im Durchschnitt lediglich einen Zwanzigstel bis zu einem Zehntel aus. Zudem gelten in der Schweiz viel strengere Grenzwerte, so dass die effektiv gemessenen Werte nochmals weit unter den möglichen Werten liegen. Die Antenne wird oft verteufelt, dem Gerät gehuldigt – damit die Kommunikation funktioniert, müssen aber beide Komponenten richtig zusammenspielen.

 

Zusammengefasst lässt sich festhalten: Eine gute Netzversorgung sorgt dafür, dass Netz und Geräte in einer möglichst effizienten Weise miteinander kommunizieren können. Sprich: Nicht mehr strahlen, als wirklich nötig ist. Und genau das kann 5G besser, ganz im Unterschied zu seinen Vorgängertechnologien. Doch dafür muss die Antenne dort stehen, wo sie auch genutzt wird und es braucht die adaptive Antenne. Die Verbannung von Antennen weg vom Nutzer, das Verzögern des Ausbaus oder noch strengere Grenzwerte führen am Ende zu mehr Strahlung beim Nutzer. Ausser man verzichtet komplett auf die Mobilfunknutzung und hält sich auch von körpernahen Drittgeräten fern.  

Um die Einwirkung von Handy und WLAN auf den Körper vorsorglich zu reduzieren, helfen folgende Tipps.

  • Mit Headset telefonieren. Mit jedem Zentimeter Entfernung vom Endgerät nimmt die Strahlung stark ab.
  • Ein Handy mit einem tiefen SAR-Wert (Maximum der Abstrahlung) wählen.
  • Keine «Strahlenblocker» verwenden. Sie bewirken oft das Gegenteil, so dass Geräte viel stärker senden müssen.
  • Wer die elektromagnetische Strahlung zu Hause vorsorglich eindämmen will, darf aber auch die Quellen tiefer Frequenzen wie Wecker, Haushaltsgeräte, Lampen, Bügeleisen oder elektrische Heizkörper oder Infrarotheizungen nicht vergessen.
  • Auf guten Empfang achten. Je besser der Empfang, desto tiefer die Exposition. Je näher die Antenne, desto schwächer sendet das Handy.
  • Auf der Swisscom Home App das WLAN so einstellen, dass es sich in der Nacht ausschaltet – das spart auch Energie. Ebenso kann die Stärke des WLAN der Wohnungsgrösse angepasst werden.

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