Kleiner Roboter mit vier Rädern fährt über ein Rapsfeld. Auf der Oberfläche des Roboters sind Solarpanels montiert.
Mobilfunk

5G und Gamer Hightech auf dem Rapsfeld erhalten die Biodiversität

Gamer Hightech, Künstliche Intelligenz und Mobilfunk können den Einsatz von Pflanzenschutzmittel massiv reduzieren – bis 95 Prozent. Ein Westschweizer Startup ist vorne dabei.
Michael Lieberherr
Michael Lieberherr, Communication Consultant
02. März 2022

Über den Einsatz von Pestiziden scheiden sich die Geister, denn es geht um Lebensmittel. Die eine Seite argumentiert mit der Versorgungssicherheit, die andere Seite fordert den totalen Verzicht. Der gesellschaftliche Trend ist klar, die Akzeptanz für den Einsatz von Chemie sinkt. Gamer Hightech, Künstliche Intelligenz und Mobilfunk können die Menge massiv reduzieren. Das ist keine Zukunftsmusik, sondern die Mission des Startup Ecorobotix aus Yverdon.

 

Ecorobotix hat sich auf landwirtschaftliche Maschinen spezialisiert, die sie hochtechnologisch ausrüstet. Der Weg dahin war jedoch lang, wie einer der Gründer, Steve Tanner, erklärt: «Als wir die erste Idee für ein autonomes Gerät hatten, war der Markt noch nicht reif genug.» Das Startup begann mit einem autonomen Fahrzeug, das solarbetrieben auf dem Feld fuhr. Als Konzept sprach alles dafür: verminderte Bodenverdichtung, saubere Sonnenenergie sowie die vollautonome Funktion. Das 2014 gegründete Startup gewann mit seinen Anwendungen seit 2015 zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2017 die Swisscom Startup Challenge.


Charmeoffensive

Bis die Technologie den Weg auf viele Felder fand, sollte noch einige Zeit vergehen. Steve Tanner erzählt: «Die Akzeptanz eines vollautonomen Geräts war kaum da. Traktoren sind Emotionen. Es ist wie beim Autofahren. Assistenz ja, volle Übernahme nein. Der Roboter würden vielen Bauern das wegnehmen, was sie gerne machen.» Das Startup kam zum Entschluss, den Roboter als Traktoranhänger zu adaptieren. Steve Tanner berichtet: «Als unsere Mitarbeitenden aus den Sommerferien im Jahr 2020 zurückkamen, erklärten wir ihnen, dass wir unsere Technologie des ultra präzisen Besprühens nicht auf einen Roboter bauen, sondern an den Traktor – als Anhänger. In wenigen Wochen war der Prototyp gezeichnet und in der eigenen Werkstatt gebaut.»

 

Der Anhänger wurde zwar neu gebaut, das Wissen für die Anwendung hat sich Ecorobtix über Jahre erarbeitet. Auf dem Anhänger vereint sind Hightech Grafikchips aus dem Gamerumfeld, Hochleistungskameras, Rechner sowie eine Mobilfunkanbindung. Steve Tanner führt aus: «Unser Anhänger erkennt auf dem Feld Unkraut und besprüht dieses während der Fahrt zielgenau mit einer Auflösung von mindestens acht Mal drei Zentimeter. Dafür sind auf rund sechs Meter Breite alle vier Zentimeter Sprühdüsen angebracht.» Konventionell fährt ein Traktor über das Feld und bringt die Pestizide über das gesamte Feld aus.

Neues Unkraut per Software Update erkennen

Damit das funktioniert, filmen die sechs Kameras das Feld ab, speisen die Daten in den Rechner und dieser wiederum erkennt mit der künstlichen Intelligenz über die Bilderkennung die Pflanze. Bei einer Blacke oder anderem Unkraut gibt er quasi in Echtzeit den Befehl auf die Düse über dem jeweiligen Unkraut, um eine dosierte Menge zielgenau auf das Unkraut zu spritzen. Mit regelmässigen Softwareupdates wird die Maschine laufend verbessert. Das System ist inzwischen schlau genug, dass es Pflanzen auf dem Feld erkennt, die es bereits bespritzt hat. Die Pflanzenerkennung Ecorobotix vermindert bereits heute den Mitteleinsatz um bis zu 95 Prozent, weil es nur das Unkraut bespritzt und nicht die eigentlichen Nutzpflanzen.

 

Steve Tanner erklärt: «Dies schützt die Umwelt. Es reduziert die chemischen Rückstände in unserem Trinkwasser und in unseren Lebensmitteln. Und Landwirte sparen Geld. Ausserdem steigert es die Ernteerträge leicht, weil die Chemie für die Kulturpflanzen schädlich ist.» Denn mit dem reduzierten Chemieeinsatz sind Pflanzen gesünder. Gesündere Pflanzen sind widerstandsfähiger gegen Krankheiten und wachsen besser. Der leichte Mehrertrag für den Bauern ist somit auch ökologischer Gewinn.

Echtzeitvernetzung über Mobilfunk

Für die weiteren Entwicklungsschritte kommt nun die Echtzeitvernetzung mit Mobilfunk ins Spiel. Steve Tanner erklärt: «Unsere Anwendung kann auch ohne Verbindung funktionieren. Das ist elementar, den in anderen Ländern gibt es auf Feldern kaum oder gar keine Verbindung. Mobilfunk und insbesondere 5G helfen uns aber, die Maschinen zu verbessern und die Präzision zu erhöhen.» Mit dem Austausch von Echtzeitdaten kann Ecorobotix mehr Datenanalysen durchführen. Es kann daraus die Unkrautentwicklung über die Zeit anzeigen oder die Maschinen erfassen die Gesundheit der Pflanze: Wachstum, Pilz- oder Insektenbefall. Steven Tanner fasst zusammen: «5G trägt zu einer besseren Verbindung mit unseren Maschinen bei, so können wir ihre Wirkungskraft verbessern. Effizientere Maschinen reduzieren die Umweltauswirkungen der Landwirtschaft. Das ist eine gute Neuigkeit für die Natur, - und für unsere Lebensmittel.»

Ecorobotix und Swisscom

Ecorobotix gewann 2017 die Startup Challenge von Swisscom. 2021 investierte Swisscom Ventures in einer sogenannten Serie C-Runde in Ecorobotix. Zudem unterstützt Swisscom Ecorobtix mit ihrer 5G-Kompetenz.

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