Stromfresser erkennen und Energie sparen
4 min

«Sparsame Geräte stiften zu grösserem Verbrauch an, leider»

Wie erkennt man Stromfresser? Und wie kann ich meinen Energieverbrauch optimieren? Im Interview gibt Andreas Rumsch, Wissenschaftler am iHomeLab der Hochschule Luzern Tipps, wie die Energieeffizienz von Geräten nicht leichtsinnig zunichte gemacht wird.

Andreas Rumsch, Sie forschen am iHomeLab der Hochschule Luzern zu Smart Energy Management. Derzeit beschäftigen Sie sich unter anderem mit dem Energieverbrauch einzelner Geräte. Welches sind richtige Stromfresser?

Das sind vor allem Geräte, die man nicht abschaltet, wie die Kaffeemaschine oder die Spielekonsole. Alle diese Geräte hängen häufig ununterbrochen am Netz und arbeiten: Die Kaffeemaschine heizt das Wasser, die Spielekonsole hält permanent die Verbindung zum Internet aufrecht und der WLAN-Router sucht ständig nach der besten Verbindung.

Muss ich mich bei stromsparenden Geräten noch um den Verbrauch kümmern?

Unbedingt. Nehmen wir das Beispiel LED-Lampen. Natürlich brauchen diese im Vergleich zu Glühbirnen bis zu 80 Prozent weniger Energie. Leider stiften sparsame Geräte aber manche zu einem grösseren Verbrauch an. Wenn man überall das Licht brennen lässt und zusätzliche Lampen installiert, weil es ja «kaum Strom» braucht, macht dies den Spareffekt zunichte.

Wie erkennt man «Stromfresser»?

Strom sparen mit myStrom WiFi Switch 

Mit dem Zwischenstecker von myStrom können Sie Geräte ein- und ausschalten und mit intelligenten Stromsparfunktionen über Ihr Smartphone steuern. Den myStrom WiFi Switch können Sie über die Swisscom-Home-App konfigurieren. So steuern Sie alle Smart-Home-Produkte bequem über dieselbe App. 

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass alles, was Wärme oder Kälte produziert, sehr energieintensiv ist. Dazu zählen unter anderem Heizung, Boiler, Tumbler und Waschmaschine, aber auch der Kühlschrank und das Gefrierfach. Wenn Geräte warm werden – oft passiert das bei Ladegeräten oder Adaptern –, ist das ein Zeichen für einen schlechten Wirkungsgrad, weil viel Energie in Form von Wärme verpufft.

Mit welchen Massnahmen können Private einfach Strom sparen?

Den grössten Effekt erzielt man mit einer einfachen Regel: Schalten Sie Geräte ganz aus, wenn Sie sie nicht brauchen. Seit Januar 2013 schreibt das Gesetz vor, dass Geräte im Standbymodus nicht mehr als 0,5 Watt pro Stunde verbrauchen dürfen. Dennoch summiert sich diese Zahl, wenn mehrere Geräte nie ganz abgeschaltet sind.

Gibt es weitere Tipps, wie man seinen Energieverbrauch optimieren kann?

Das geschieht immer häufiger mit Technik, wie etwa mit Apps oder Switch-Steckdosen und -Schaltern. Damit kann man alle möglichen Geräte programmieren, beispielsweise, dass die Kaffeemaschine im Büro um 7 Uhr das Kaffeewasser aufwärmt und um 18 Uhr automatisch ausschaltet. Oder dass das Licht im Gang nach zwei Minuten automatisch ausschaltet.

Welche Smart-Home-Produkte nutzen Sie selbst?

Ich habe ein Smart-Home-System. Damit reguliere ich vor allem die Beschattung und die Beleuchtung. Auf meinem Hausdach ist eine Solaranlage installiert, mit der ich unter anderem das Wasser im Boiler aufheize, wenn die Sonne scheint. Solche Systeme verbrauchen Energie direkt vor Ort, wenn sie produziert wird.

Persönlicher Energiebedarf: Wie hoch ist mein Fussabdruck? 

Elektrische Geräte verbrauchen Energie, das wissen wir. Aber das ist nur ein Teil der Realität. Den versteckten Energieverbrauch hat man oft nicht auf dem Schirm: Wie viel Energie wurde für die Produktion meiner Nahrung aufgewendet? Wie viel CO2 verursacht meine Mobilität? Wie steht es um mein Haus oder meine Wohnung? Swisscom unterstützt als Partnerin den WWF Footprint-Rechner und die WWF Ratgeber-App. Lassen Sie ganz einfach Ihren Fussabdruck berechnen und lernen Sie, wie Sie auf kleinerem Fuss leben können.

Woran forschen Sie im iHomeLab?

In meiner Gruppe Smart Energy Management forschen wir vor allem an drei Projekten: Wir entwickeln erstens Verfahren, die den Stromverbrauch einzelner Geräte eines Haushalts klar aufschlüsseln. Im zweiten Projekt ermitteln wir den Stromverbrauch von Geräten «in Betrieb ohne Nutzen». Zum Beispiel: Wie viel Energie verbraucht ein Wasserspender, wenn er nicht gebraucht wird? Oder ein Drucker? Der dritte grosse Bereich orientiert sich an der Sprache. Wir möchten lokale Lösungen für Sprachassistenten wie Alexa oder Siri entwickeln, die ohne Internet funktionieren und mit dem Besitzer proaktiv interagieren.

In welchen Bereichen werden Smart-Home-Produkte künftig Einzug halten? 

Neubauten werden beispielsweise vermehrt mit Smart-Home-Technologien ausgestattet sein. Wenn Eigentümer ein Haus oder eine Überbauung autark mit Energie versorgen möchten, sind Steuerungssysteme nötig. Sie stimmen alle Geräte optimal auf die Solaranlage auf dem Dach oder auf die Wärmepumpe ab. Bei Mietwohnungen wird der Smart-Home-Komfort wahrscheinlich vermehrt mit Switches in die eigenen vier Wände geholt – sie lassen sich einfach installieren und bei einem allfälligen Umzug wieder mit wenigen Handgriffen demontieren.

Zur Person

Andreas Rumsch
Andreas Rumsch, Wissenschaftler am iHomeLab

Andreas Rumsch hat an der ETH Zürich ein Elektroingenieurstudium absolviert. Nach jahrelanger Erfahrung im IT- und Forschungsbereich unterrichtet er aktuell an der Hochschule Luzern am Departement Technik und Architektur. Zudem forscht er am iHomeLab der HSLU zu anwendungs- und nutzenorientierter Gebäudeintelligenz und leitet die Gruppe Smart Energy Management.

Werden Sie zum Energieeffizienz-Profi! 

Energie sparen mit Smart Home Produkten

Energieeffizienz in den eigenen vier Wänden – testen Sie Ihr Wissen

Erfahren Sie im Quiz, wie Sie zu Hause einfach Energie sparen. Wissenschafter Andreas Rumsch von der HSLU gibt dazu zielführende Energieeffizienz-Tipps.

Mehr lesen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Jetzt lesen