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Wie viel Bildschirmzeit wird für welches Alter empfohlen? Was macht mein Kind eigentlich am Handy? Und wie setze ich Grenzen, ohne dass es jedes Mal eskaliert? Auf dieser Seite gibt’s konkrete Bildschirmzeit-Empfehlungen nach Alter, Tipps, die im Alltag wirklich funktionieren, und Antworten auf die häufigsten Elternfragen.
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Als Richtwerte gelten: Kinder unter 3 Jahren sollten möglichst gar nichts mit Bildschirmen zu tun haben. Zwischen 3 und 6 Jahren sind maximal 30 Minuten Bildschirmzeit pro Tag vertretbar, ab der Primarschule bis zu 60 Minuten pro Tag. Später ist ein Wochenbudget sinnvoll.
Die maximal empfohlene Bildschirmzeit für Kinder und Jugendliche variiert je nach Quelle leicht. In der Tendenz gehen alle Empfehlungen jedoch in eine ähnliche Richtung. Hier findest du eine Übersicht, in der wir verschiedene Angaben von Fachleuten zusammengetragen haben, um dir eine praktische Hilfe an die Hand zu geben.
Max. empfohlene Bildschirmzeit*
0 Min.
Ergänzende Hinweise
Die WHO empfiehlt, in diesem Alter gänzlich auf Bildschirme zu verzichten.
Worauf ist zu achten?
Das Gehirn entwickelt sich rasant und braucht möglichst viele reale Sinneserfahrungen (spüren, sehen, hören, riechen) sowie menschliche Interaktionen, um die nötigen neuronalen Strukturen und Kompetenzen aufbauen zu können.
Max. empfohlene Bildschirmzeit*
30 Min./Tag
Ergänzende Hinweise
Besser sind kurze Einheiten über den Tag verteilt.
Worauf ist zu achten?
Nur altersgerechte, bewusst ausgewählte Inhalte für Kinder zeigen und nie unbeaufsichtigt schauen lassen. Tipps: Stelle einen Timer oder vereinbart eine Anzahl Videos, die der maximal empfohlenen Bildschirmzeit entspricht. Und sprich mit deinem Kind über den Inhalt und seine Erfahrungen (Kontextualisierung).
Max. empfohlene Bildschirmzeit*
30–60 Min./Tag
Ergänzende Hinweise
Die aktive Nutzung einer ersten eigenen Smartwatch zählt dazu.
Worauf ist zu achten?
Fördere die kreative und aktive Nutzung und führe erste Gespräche über Werbung und ungeeignete Inhalte. Tipps: Ein gemeinsam erstellter Mediennutzungsvertrag schafft (öffnet ein neues Fenster)eine klar Grundlage. Biete deinem Kind nicht nur Grenzen, sondern auch Alternativen und Ideen, was nach dem Ende der Bildschirmzeit getan werden könnte. Integrierte Kindersicherungs-Funktionen können beim Erlernen eines bewussten Umgangs mit der Bildschirmzeit helfen.
Max. empfohlene Bildschirmzeit*
Faustregel: 1 Std. pro Lebensjahr pro Woche
(Rechenbeispiel für 10-jähriges Kind: 10 Std. / 7 Tage = ca. 85 Min./Tag)
Ergänzende Hinweise
Ein eigenes Smartphone lässt die Bildschirmzeit meist rasch ansteigen.
Worauf ist zu achten?
Ab diesem Alter wird dein Kind eigenverantwortlich aktiv und nutzt die Geräte vermehrt zur Kommunikation. Zeige deinem Kind auf, was sich bei der Online-Kommunikation ändert, begleite es bei der ersten Nutzung verschiedener Apps und halte an einem regelmässigen Dialog über die Erfahrungen fest.
Tipps: Bringt den Mediennutzungsvertrag (öffnet ein neues Fenster)auf den neusten Stand und passt auch die Jugendschutz-Funktionen dem Alter gerecht an.
Max. empfohlene Bildschirmzeit*
Bildschirmfreie Zeiten und Räume festlegen
Ergänzende Hinweise
Die technischen Kindersicherungen verlieren an Wirkung. Die Kommunikation wird zentraler und die Aufmerksamkeit der Eltern nimmt ab.
Worauf ist zu achten?
Jugendliche sollten die Funktionsweisen und Gefahren von Social Media, Games, Fake News oder unbedachter Selbstdarstellung verstehen, um medienkompetent (re)agieren zu können. Thematisiere auch den Wert und den Schutz privater Daten.
Tipps: Schafft bildschirmfreie Zeiten und bewahrt das Smartphone in der Nacht ausserhalb des Schlafzimmers auf.
*Richtwerte beziehen sich nur auf Bildschirmzeit in der Freizeit, Bildschirmzeit für schulische Zwecke werden separat berechnet.
Quellen: WHO Guidelines on Physical Activity, Sedentary Behaviour and Sleep (2019), Pro Juventute, Jugend und Medien, SCHAU HIN! und klicksafe.de
Diese Zahlen dienen der Orientierung und ersetzen natürlich nicht deinen individuellen Blick auf dein Kind. Berücksichtige also nicht nur die Zeit, die dein Kind am Bildschirm verbringt, sondern auch die Nutzungsform.
Frag dich:
Wenn du insbesondere die letzteren Fragen mit Ja beantworten kannst, seid ihr auf einem guten Weg. Selbst wenn die effektive Bildschirmzeit mal etwas über den empfohlenen Richtwerten liegt.
Diese Frage beschäftigt alle Eltern früher oder später. Das Durchschnittsalter fürs erste Handy liegt gemäss der MIKE-Studie 2021 (ZHAW) bei 9,4 Jahren. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass dieses Alter für dein Kind das richtige ist. Frage dich vor dem Kauf eines Smartphones für dein Kind darum: Kann mein Kind Abmachungen einhalten? Versteht es, was öffentlich und was privat bedeutet? Und braucht es das Handy wirklich (oder will es nur eins, weil alle anderen auch eines haben)?
Mehr zum Thema findest du auf unserer Themenseite: Erstes Smartphone für mein Kind
Mit Wochenbugdets kann dein Kind die Impulskontrolle lernen: Indem es sich selbst einschränken muss, übt es Verzicht. Wenn dein Kind ein Wochenbudget von 10 Stunden hat, lernt es, sich seine Zeit selber einzuteilen: am Mittwoch weniger, damit es für den Samstag auch noch reicht. Das ist näher an der Realität als starre Tageslimiten und nimmt viel Konfliktpotenzial aus dem Alltag.
30 Minuten durch TikTok scrollen oder 30 Minuten ein eigenes Stop-Motion-Video drehen hat nicht dieselbe Wirkung auf die Entwicklung eines Kindes. Forschende sind sich einig: Wie ein Kind die Zeit am Bildschirm verbringt, ist mindestens genauso entscheidend wie die Dauer.
Für Eltern ist gut zu wissen, dass Bildschirmzeit nicht gleich Bildschirmzeit ist. Es kommt tatsächlich darauf an, ob das Kind am Bildschirm kreativ aktiv ist oder lediglich passiv konsumiert. Letzteres bringt entwicklungstechnisch wenig und kann bei übermässigem Konsum problematisch werden. Für dich zur Einordnung:
Kreativ aktive Tätigkeiten sind:
Passiv konsumierende Tätigkeiten sind:
Frage dein Kind darum regelmässig: «Was hast du heute am Handy gemacht? Was hat dir Spass gemacht? Was hast du gelernt?» Damit zeigst du dein Interesse und baust eine gute Beziehungsbasis mit deinem Kind auf.
Die MIKE-Studie belegt, dass jüngere Kinder das Handy vor allem dazu nutzen, um Musik zu hören, Games zu spielen oder Videos im Internet zu schauen. Mit zunehmendem Alter (insbesondere ab 10 Jahren) ändert dieses Handynutzungsverhalten jedoch deutlich. Das Handy wird zu einem zentralen Bestandteil des Medienrepertoires und vermehrt auch zur Kommunikation (Telefon, Nachrichten und Messenger-Apps) sowie zur Informationssuche eingesetzt.
Auch die JAMES-Studie bestätigt den Trend, dass Jugendliche das Smartphone verstärkt zur Kommunikation nutzen:
der Jugendlichen nutzen Instagram, Mädchen (86%) etwas häufiger als Jungen (80%).
der Jugendlichen nutzen TikTok. Auch hier sind Mädchen (73%) aktiver als Jungen (64%).
der Jugendlichen nutzen WhatsApp mehrmals pro Woche. Es gibt kaum Geschlechterunterschiede.
der Jugendlichen nutzen Snapchat als Messenger, Mädchen (85%) häufiger als Jungen (75%).
So lange spielen die gamenden Jugendlichen (80%) an einem Wochentag durchschnittlich (Mittelwert).
Am Wochenende steigt die Gaming-Zeit stark an
(Mittelwert).
Quelle: JAMES-Studie 2024 (ZHAW), S. 49–50, 57; Selbsteinschätzung von über 1000 Jugendlichen aus der Schweiz (12–19 Jahre).
Der Inhalt, den sich dein Kind ansieht, sollte auf jeden Fall altersgerecht sein. Auch die Dauer oder Anzahl Videos solltest du bereits am Anfang festlegen. Besonders für jüngere Kinder empfiehlt sich YouTube Kids, wo lediglich kindgerechte Inhalte verfügbar sind. Entscheide mit, was dein Kind schaut, und vereinbart gemeinsame Regeln. Ist dein Kind bereits älter, macht eine angemessene zeitliche Beschränkung durchaus weiterhin Sinn.
Die JAMES-Studie 2024 zeigt, dass die durchschnittliche Gaming-Dauer seit 2014 stabil bei rund 1 Stunde pro Wochentag und 2 Stunden am Wochenende liegt. Kritisch wird es, wenn andere Lebensbereiche dauerhaft aufgrund des Gamens leiden: Schlaf, Schule, Freundschaften. Drei Check-Fragen findest du im Kapitel «Was sind Warnzeichen?».
In der MIKE-Studie 2021 (ZHAW) haben sich die befragten Kinder zu positiven und negativen Erfahrungen mit Medieninhalten im Internet geäussert. Das Fazit der Studie:
«Bei den Internetinhalten überwiegen die positiven Erfahrungen […] sehr deutlich, bei über 70% der Internet-Nutzenden, wobei die positiven Erfahrungen auch hier mit dem Alter signifikant zunehmen. Weniger als die Hälfte der Kinder hat schon negative Erfahrungen im Internet gemacht.
[…] ist es sicher wichtig, zu bemerken, dass schon die Jüngsten im Internet und beim Fernsehen mit Inhalten konfrontiert waren, die ihnen Angst gemacht haben oder die sie als ungeeignet für Kinder eingeschätzt haben.
Dies zeigt, dass der Jugendmedienschutz früh ansetzen muss und Eltern und weitere Bezugspersonen darin gestärkt werden sollten, wie sie einerseits ihre Kinder vor solchen Inhalten schützen können, aber auch wie sie damit umgehen können, wenn ihre Kinder bei der Mediennutzung etwas Negatives erlebt haben.»
Was also sind ungeeignete Inhalte für Kinder und Jugendliche und wie kannst du dein Kind davor schützen und begleiten?
Wenn digitale Medien zu früh oder übermässig genutzt werden, kann dies negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Besonders für die körperliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist es wichtig, darauf zu achten, dass sie sich viel bewegen und gut schlafen.
Obwohl bereits bei der Geburt hundert Milliarden Hirnzellen vorhanden sind, müssen diese vom Gehirn erst noch aktiv verknüpft werden. Das Gehirn folgt dabei einem bestimmten Bauplan, manche Teile des Gehirns werden früher ausgebaut, andere später. Abgeschlossen ist der Reifeprozess des Gehirns erst ungefähr mit dem 20. Lebensjahr. Was das mit Medienkompetenz zu tun hat? Nun, diese Entwicklung des Gehirns ist auf Sinnes- und Interaktionsimpulse aus der physischen Welt angewiesen, um sich optimal entwickeln zu können. Je nach Entwicklungsstand des Gehirns wirken digitale Medien unterschiedlich auf Körper, Geist und Entwicklung der Kinder und Jugendlichen:
Entwicklung des Gehirns
Um sich optimal entwickeln zu können, muss die Welt mit allen Sinnen erforscht werden.
Auswirkungen digitaler Medien
Beim Blick auf den Bildschirm, verharren Kinder oft in einer Position. Es fehlt die Interaktion mit Personen und der physischen Umgebung. Hör- und Sehsinne werden angesprochen und entwickelt, die restlichen Sinne kaum.
Entwicklung des Gehirns
Das Gehirn unterscheidet noch nicht aktiv zwischen real und fiktiv.
Auswirkungen digitaler Medien
Darstellungen in Videos und Games werden von Kindern als real empfunden.
Entwicklung des Gehirns
Um die eigene Position in einer Gemeinschaft zu finden, braucht das Gehirn jetzt Vergleiche, Wettkampf und Herausforderungen.
Auswirkungen digitaler Medien
Viele Games und Apps zielen mit ihren Mechanismen bewusst auf das Belohnungszentrum im menschlichen Gehirn. Kinder tauchen in eine digitale Welt ein, die sich gut anfühlt, aber auch kompetitiv ist. Werden sie aus dieser Welt herausgerissen, kann das für sie sehr frustrierend sein.
Entwicklung des Gehirns
Der Frontalkortex ist noch nicht vollständig entwickelt. Handlungskontrolle, Emotionsregulierung und Risikoeinschätzung sind darum noch schwierig.
Auswirkungen digitaler Medien
Eine häufige Folge ist es, impulsiv zu reagieren. Den Versuchungen und Mechanismen der digitalen Welt zu widerstehen, ist für Jugendliche deshalb noch deutlich schwieriger als für Erwachsene.
Tiefer ins Thema eintauchen? Pro Juventute: «Wie digitale Medien aufs kindliche Gehirn wirken»(öffnet ein neues Fenster)
Bildschirme strahlen blaues Licht aus, das die Produktion des Schlafhormons Melatonin hemmt. Das Gehirn «dünkt», es sei noch Tag. Die Folge: Dein Kind schläft später ein, schläft unruhiger und ist am nächsten Tag müder. Langfristig leidet die Konzentration in der Schule.
Was du tun kannst:
Das Gehirn von Kleinkindern entwickelt sich in den ersten 3 Lebensjahren so schnell wie nie mehr danach. Es braucht in dieser Phase vor allem eines: echte Sinneserfahrungen. Wir haben oben bereits darüber gesprochen. Bildschirme liefern zwar Reize, aber in einer Form, die das Gehirn nicht aktiv verarbeiten muss. Es konsumiert, statt zu lernen.
Forschungen beschreiben, dass Kinder, die in den ersten Lebensjahren regelmässig und ohne Begleitung Bildschirmmedien ausgesetzt sind, häufiger Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit und Konzentration entwickeln. Das Gehirn gewöhnt sich an schnelle Bildwechsel und ständige Stimulation. Sich danach auf eine ruhige Aktivität wie Zuhören, Lesen oder eine Aufgabe in der Schule zu konzentrieren, fällt schwerer.
Was du tun kannst:
Für Kinder unter 3 Jahren gilt die Empfehlung der WHO: möglichst keine Bildschirmzeit. Ab dem Kindergartenalter ist begleitete, zeitlich begrenzte Nutzung in Ordnung. Entscheidend ist, dass Bildschirmzeit andere Aktivitäten ergänzt und nicht ersetzt.
Die digitale Welt kann Ängste verstärken, die ohnehin zum Aufwachsen gehören. Drei Mechanismen spielen dabei eine Rolle:
Psychische Belastungen bei Jugendlichen haben in den letzten Jahren zugenommen. Laut der Gesundheitsförderung Schweiz(öffnet ein neues Fenster) begann dieser Trend schon vor der Pandemie und hat sich seither verstärkt. Angststörungen und Depressionen gehören heute zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei jungen Menschen, Mädchen sind dabei besonders betroffen. Soziale Medien sind nicht die alleinige Ursache, aber sie können bestehende Belastungen verstärken. Das heisst nicht, dass jedes Kind, das Social Media nutzt, psychische Probleme entwickelt. Aber es unterstreicht, wie wichtig es ist, hinzuschauen und im Gespräch zu bleiben.
Was du tun kannst:
Sprich mit deinem Kind offen über das, was es online sieht und erlebt. Kinder, die wissen, dass sie mit ihren Ängsten zu dir kommen können, verarbeiten belastende Erfahrungen besser. Bei anhaltenden Ängsten, die den Alltag beeinträchtigen, ist eine Fachperson die richtige Anlaufstelle.
Sprache lernen Kinder nicht von einem Bildschirm. Sie lernen sie, indem jemand mit ihnen spricht, ihnen zuhört, auf ihre Laute reagiert, Blickkontakt hält. Dieses Hin und Her zwischen zwei Menschen ist der Motor der Sprachentwicklung.
Wenn ein Bildschirm regelmässig zwischen Eltern und Kind steht, gehen genau diese Momente verloren. Das Kind bekommt zwar Wörter zu hören, aber keine Reaktion auf seine eigenen. Fachleute aus der Frühförderung beobachten seit Jahren eine Zunahme von Sprachentwicklungsverzögerungen bei Kindern im Vorschulalter. Epidemiologische Studien aus verschiedenen Ländern stützen diesen Befund.
Das betrifft nicht nur die Sprache: Auch die Fähigkeit, Mimik zu lesen, Emotionen bei anderen zu erkennen und darauf zu reagieren, entwickelt sich im direkten Kontakt mit Menschen.
Was du tun kannst:
Lege dein eigenes Handy bewusst weg, wenn du mit deinem Kind interagierst. Besonders in den ersten Lebensjahren zählt jeder Moment an echter Aufmerksamkeit. Vorlesen, zusammen singen oder gemeinsam kochen: All das fördert die Sprachentwicklung mehr als jede Lern-App.
Wer am Bildschirm ist, bewegt sich kaum bis gar nicht. Bewegungsmangel ist damit auch von der Bildschirmzeit abhängig: je mehr Bildschirmzeit, desto weniger Bewegung ist möglich. Dieser Zusammenhang ist gut belegt: Kinder, die mehr als 2 Stunden täglich vor dem Bildschirm verbringen, haben ein erhöhtes Risiko für Übergewicht. Dazu kommt, dass vor dem Bildschirm oft nebenbei gegessen wird, ohne bewusst wahrzunehmen, wenn man satt ist. Und auch die Augen leiden: Lange Naharbeit am Bildschirm begünstigt Kurzsichtigkeit. Augenärzt*innen beobachten diesen Trend weltweit.
Was du tun kannst:
Die einfachste Regel lautet: Erst Bewegung, dann Bildschirmzeit. Eine halbe Stunde draussen spielen, bevor das Tablet erlaubt ist zum Beispiel. Und für die Augen hilft die 20-20-20-Regel: Nach 20 Minuten Bildschirmzeit 20 Sekunden in die Ferne schauen (mindestens 20 Meter weit). Das entspannt die Augenmuskulatur.
Unterm Strich heisst das: Nicht die Bildschirmzeit allein ist das Problem, sondern was durch zu viel Bildschirmzeit zu kurz kommt. Wenn dein Kind also genügend schläft, sich bewegt, regelmässig Freund*innen trifft und auch mal Langeweile aushält, ist moderate Bildschirmzeit in der Regel unproblematisch.
haben keine feste Regel, die vorgibt, was mit dem Handy in der Nacht geschehen soll.
geben an, dass das Handy nachts nicht im
Zimmer bleiben darf.
geben an, das Handy mindestens einmal pro Woche zu nutzen, wenn sie eigentlich schlafen sollten. Bei rund der Hälfte dieser Kinder (16%) geschieht das sogar jede oder fast jede Nacht.
Quelle: JAMES-Studie 2024 (ZHAW), S. 49–50, 57; Selbsteinschätzung von über 1000 Jugendlichen aus der Schweiz (12–19 Jahre).
Nicht bei jedem Kind, das oft am Handy ist, ist das ein Problem. Gerade wenn ein neues Spiel oder eine neue App entdeckt wird, ist eine Phase intensiver Nutzung völlig normal. Die Frage ist: Wann ist es eine Phase und wann kippt es? Die Grenze ist nicht immer gut erkennbar. Die folgenden Warnsignale helfen dir bei der Einordnung.
Tritt ein einzelnes Warnsignal der nachfolgenden Liste bei deinem Kind auf, bedeutet das noch nicht zwingend ein Problem. Wenn aber mehrere dieser Anzeichen über Wochen oder Monate bestehen und Gespräche in der Familie nicht weiterhelfen, hol dir fachliche Unterstützung. Dein Kinderarzt oder deine Kinderärztin sowie die Schulsozialarbeit sind eine gute erste Anlaufstelle. Auch Pro Juventute bietet unter der Nummer 147 kostenlose Beratung für Kinder und Jugendliche in der Schweiz.
Das passiert vor allem dann, wenn das Ende überraschend kommt. Gib deinem Kind eine Vorwarnzeit: «Noch fünf Minuten» oder besser «Noch eine Runde» oder «Noch ein Video». Ein akustischer Timer, den dein Kind selber stellt, hilft zusätzlich. So wird das Ende vorhersehbar und fühlt sich weniger willkürlich an. Mehr dazu findest du im Kapitel «Regeln und Grenzen».
Wenn Sport, Basteln, Lesen oder Draussen-Spielen plötzlich uninteressant werden und der Bildschirm alles andere verdrängt, ist das ein Signal, genauer hinzuschauen. Plane gemeinsam mit deinem Kind Offline-Tätigkeiten. Vielleicht gibt es einen Verein in der Nähe, den dein Kind mal ausprobieren möchte?
Heimliche Handynutzung nach dem Zubettgehen ist weiter verbreitet, als viele Eltern denken. Was du tun kannst, liest du hier.
Wenn dein Kind anfängt, seine Nutzung zu verstecken, steckt dahinter meistens keine böse Absicht, sondern die Angst vor Konsequenzen. Reagiere nicht mit Vorwürfen, sondern mit ehrlichem Interesse. «Ich möchte dich verstehen.» Wenn dein Kind merkt, dass es bei dir ehrlich sein darf, ohne dass sofort das Handy eingezogen wird, entsteht Vertrauen. Das ist langfristig wirksamer als jede Überwachung.
Müdigkeit und sinkende Konzentration in der Schule hängen oft mit zu viel Bildschirmzeit am Abend zusammen. Zwei Massnahmen helfen am meisten: Legt gemeinsam fest, dass Bildschirmzeit spätestens 1–2 Stunden vor dem Schlafengehen endet. Und vereinbart eine klare Reihenfolge: erst Hausaufgaben und Bewegung, dann Bildschirm.
Wenn dein Kind über längere Zeit Freundschaften meidet, nicht mehr rausgehen will und sich zunehmend in seine digitale Welt zurückzieht, nimm das ernst. Suche das Gespräch. Wenn der Rückzug über Wochen anhält und du dir Sorgen machst, zieh eine Fachperson hinzu.
Es kann, muss aber nicht. Rückzug und Traurigkeit gehören bis zu einem gewissen Grad zur Pubertät. Aber wenn sich das Verhalten deines Kindes stark verändert, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Studien zeigen, dass exzessive Social-Media-Nutzung mit einem erhöhten Risiko für depressive Verstimmungen und Ängste zusammenhängt. Besonders drei Mechanismen spielen dabei eine Rolle: der ständige Vergleich mit anderen («Alle haben ein besseres Leben als ich»), die Angst, etwas zu verpassen (FOMO), und negative Erlebnisse wie Ausgrenzung oder gemeine Kommentare. Mädchen sind davon in der Regel stärker betroffen als Jungen.
Aber selbst wenn Social Media eine Ursache ist, ist es selten die einzige. Schulischer Druck, Konflikte mit Freund*innen, familiäre Veränderungen oder die ganz normale Unsicherheit des Erwachsenwerdens spielen fast immer mit. Die Frage ist also weniger «Ist Social Media schuld?» und eher «Was braucht mein Kind gerade?». Frage darum offen und ohne Vorwurf, wie es deinem Kind geht. Zeig, dass du zuhörst. Und wenn die Traurigkeit über Wochen anhält, dein Kind sich aus Freundschaften zurückzieht und du dir Sorgen machst, kann ein Besuch beim Kinderarzt oder der Kinderärztin sinnvoll sein.
Streit um die Bildschirmzeit gehört in den meisten Familien leider zum Alltag dazu. Ganz vermeiden lässt er sich meist nicht, aber mit fairen Regeln und klaren Grenzen wird es leichter für alle. Der Schlüssel: Die Regeln werden gemeinsam vereinbart und gelten für alle. Auch für die Eltern.
Wenn du neue Regeln einführst, gehe dabei am besten schrittweise vor. Regeln, die man nach und nach gemeinsam testet, optimiert und sich daran gewöhnt, halten deutlich länger, als wenn in einem Rundumschlag eine ganze Regelordnung eingeführt wird. Letzteres kann alle Beteiligten überfordern und möglicherweise am ersten Wochenende schon wieder kippen.
Legt gemeinsam fest, welche Medienregeln für eure Familie gelten sollen. Eine Orientierung gibt unser Medienvertrag(öffnet ein neues Fenster).
Feste Zeiten, in denen alle das Handy weglegen, schaffen Struktur, Auszeiten und reduzieren Diskussion. Sinnvolle handyfreie Zeiten können sein: während dem Essen, eines Besuchs, den Hausaufgaben oder in der Nacht.
Neben festen Zeiten helfen auch festgelegte Orte, wo bei euch kein Handy aufleuchtet, zum Beispiel am Esstisch, im Schlafzimmer oder auf dem Sofa. Legt am besten auch einen Ort fest, wo das Handy stattdessen sein soll.
Statt jeden Tag mühsam neu zu verhandeln, hilft ein klarer Rahmen. Legt gemeinsam fest, wo die Tages- und/oder Wochenlimiten der erlaubten Bildschirmzeit liegen.
Welche Chats, sozialen Medien oder Games sind erlaubt? Wo braucht es zusätzliche Regeln und Vereinbarungen?
WhatsApp, Snapchat und Co. gehören ab einem gewissen Alter vermutlich zum sozialen Leben deines Kindes dazu. Besprecht gemeinsam: Mit wem darf dein Kind chatten? Was tun bei Nachrichten von Unbekannten? Welche Inhalte dürfen geteilt werden? Wie berücksichtigt dein Kind den Datenschutz?
Um Streit rund um die Bildschirmzeit zu vermeiden, helfen diese Strategien:
Tipp: Dani von Pro Juventute erklärt «Wie bringe ich das Kind vom Bildschirm weg?»(öffnet ein neues Fenster)
Möglichst bides nicht. Wenn Bildschirmzeit zur Belohnung wird, erhöht das den Stellenwert in den Augen des Kindes. Behandle die Bildschirmzeit besser als normalen Teil des Tages, mit festen Zeitfenstern, genau wie die Essens- und Schlafenszeiten.
«Aber bei meinem Freund, meiner Freundin Zuhause darf ich das auch!» Diesen Satz kennst du als Eltern bestimmt. Und ja: Möglicherweise gelten in anderen Familien andere Regeln. Wie also gehst du damit um, wenn dein Kind seine Freund*innen, Grosseltern oder die Tante besucht und dort öfter digitale Medien nutzen darf?
Halte grundsätzlich an deinen Prinzipien fest, aber zeig auch Flexibilität in der Umsetzung. Du willst schliesslich nicht, dass die Freundschaften und Beziehung deines Kindes deswegen leiden müssen.
Regeln funktionieren besser, wenn sie mit technischen Hilfsmitteln ergänzt werden. Technische Kindersicherungen erinnern zum Beispiel an festgelegte Bildschirmzeiten, filtern ungeeignete Inhalte oder beschränken Zugriffe im Internet. Nützlich auf jeden Fall, doch auch sie sind kein Allerheilmittel beim Kinderschutz.
Je nach Alter sind unterschiedliche Kinderschutz-Funktionen sinnvoll. Richte sie am besten gemeinsam mit deinem Kind ein und erkläre, warum sie da sind. Heimlich aktivierte Sperren führen nicht selten zu einem nervenaufreibenden Katz-und-Maus-Spiel zwischen dir und deinem Kind.
Empfohlene Kindersicherungen
Eigenes Kinderprofil auf Streamingdiensten wie YouTube Kids, Altersfreigaben aktivieren, keine eigenen Geräte für Kinder
Empfohlene Kindersicherungen
Einstiegsgeräte wie Smartwatch für Kinder, Inhaltsfilter und Zeitlimiten einrichten, App-Downloads nur mit Freigabe durch Eltern, In-App-Käufe deaktivieren
Empfohlene Kindersicherungen
Kindersicherung schrittweise lockern, Bildschirmzeit-Statistiken gemeinsam besprechen, Fokus-Modus für Schulzeiten einrichten
Empfohlene Kindersicherungen
Privatsphäre-Einstellungen auf Social Media gemeinsam einrichten, technische Kontrolle durch Eltern reduzieren, dafür Gespräche intensivieren, Nachtruhe-Einstellungen beibehalten
Das Ziel sollte der Weg der Kinder und Jugendlichen zu einem bewussten Umgang mit der eigenen Bildschirmzeit sein, nicht eine dauerhafte Kontrolle durch die Eltern.
Mach dir auch bewusst, was die technischen Hilfestellungen nicht leisten können. Sie schützen zum Beispiel nicht vor Inhalten, die über Freundeshandys kommen. Sie erkennen auch nicht die Stimmung deines Kindes und was bestimmte Inhalte mit ihm machen. Besonders ältere Kinder finden häufig auch Wege, um die Sperren zu umgehen. Technische Hilfsmittel bieten also nie einen hundertprozentigen Schutz vor den Gefahren im Netz. Darum braucht es immer auch Gespräche.
Bildschirmzeit auf iPhone einrichten
Family Link auf dem Android Phone einrichten
Ärgere dich nicht, sondern versuche diese Tatsache als Gesprächsanlass zu nehmen. Im Grunde zeigt es doch, dass dein Kind technisch fähig ist, oder? Besprich mit deinem Kind, warum die Grenzen da sind und verhandelt neu.
Das ist eine heikle Frage und kommt auf eure Situation an. Zur Einordnung: Bei Kindern unter 10 Jahren ist eine Begleitung grundsätzlich sinnvoll. Ab 10 Jahren ist zunehmend die Privatsphäre deines Kindes zu respektieren. Wenn du heimlich die Nachrichten deines Kindes liest, kann das eurer Vertrauensbasis schaden. Sprich darum lieber offen an, wenn du eine Frage oder etwas auf dem Herzen hast, und schaut bei einem Verdacht auf Gefährdung lieber gemeinsam in die Nachricht.
Kinder kopieren, was sie mit eigenen Augen sehen. Wenn dein Handy beim Znacht also auf dem Tisch liegt, lernt dein Kind: Das gehört dazu. Wenn du auf dem Spielplatz scrollst, lernt es: Der Bildschirm ist wichtiger als der Moment. Du musst nicht perfekt sein. Aber es lohnt sich, dir deiner Vorbildrolle bewusst zu sein.
Ehrliche Frage an dich: Fühlst du dich in Sachen Medienkompetenz fit genug, um dein Kind zu begleiten? Die MIKE-Studie 2021 (ZHAW) hat die Eltern genau das gefragt. Auf einer Skala von 1 bis 11 lag der Durchschnitt der Antworten bei 7,8.
Um medienkompetent zu sein, musst du kein*e Digitalexpert*in sein. Du brauchst nicht jede App zu kennen, die dein Kind nutzt. Aber es lohnt sich, dich interessiert zu zeigen und die grundlegenden Mechanismen sozialer Netzwerke zu verstehen, um dein Kind bewusst begleiten zu können.
Schau mal auf deine eigene Bildschirmzeit: Wie hoch ist sie? Möglicherweise wirst du überrascht sein. Wenn du deinem Kind Bildschirmzeiten vorgibst, hilft es, die eigenen Werte zu kennen, um sie vergleichen zu können. So kannst du auch deine Gewohnheiten nötigenfalls ändern, um ein besseres Vorbild zu sein.
Du musst nicht jedes TikTok-Format kennen. Aber du solltest verstehen, was ein Algorithmus ist und warum er deinem Kind immer mehr vom Gleichen zeigt. Dass «Likes» ein Belohnungssystem sind. Und dass «kostenlos» meistens bedeutet: Dein Kind bezahlt mit Aufmerksamkeit und Daten.
Auf dem Handy deines Kindes die wichtigsten Sicherheitseinstellungen vornehmen zu können, gehört zu den Basics. Das betrifft vor allem: Standortfreigaben, Profilsichtbarkeit, Kontaktanfragen von Fremden und In-App-Käufe. Schritt-für-Schritt-Anleitungen findest du im Kapitel «Kindersicherung einrichten».
Die wichtigste Kompetenz ist keine technische. Es ist die Fähigkeit, mit deinem Kind über seine digitale Welt zu reden, ohne dass es sich verschliesst. Das gelingt, wenn du Interesse zeigst, statt Kontrolle auszuüben. «Zeig mir doch mal, was du da schaust» funktioniert besser als «Gib mir dein Handy». Und wenn dein Kind dir etwas erklärt, hör zu.
Die MIKE-Studie 2021 (ZHAW) zeigt: knapp die Hälfte der befragten Primarschulkinder sahen Inhalte, die nicht für ihr Alter geeignet waren oder ihnen Angst machten. Altersfreigaben wie PEGI bei Games, FSK bei Filmen sind eine Orientierungshilfe, aber nicht mehr. Schau dir Inhalte im Zweifelsfall kurz selbst an, bevor du sie freigibst. Portale wie «Flimmo» oder «Internet-ABC» helfen bei der Einschätzung. Auf Blue TV kannst du zusätzlich den Jugendschutz-PIN aktivieren, der nicht altersgerechte Inhalte ausblendet.
Medienkompetent heisst nicht, alles selber wissen zu müssen. Viele Informationen findest du hier auf dem Swisscom Campus. Darüber hinaus helfen diese Anlaufstellen weiter: Pro Juventute (147), Jugend und Medien (jugendundmedien.ch), die Schulsozialarbeit oder deine Kinderärztin bzw. dein Kinderarzt.
Das ist nachvollziehbar und geht nicht nur dir so. Zum Glück musst du nicht jeden Abend Medienerziehung betreiben. Was am meisten hilft, sind technische Grundstrukturen aufzubauen, die nach einem initialen Aufwand auch ohne dich funktionieren (Kinderschutzfunktionen bei WLAN, Bildschirmzeit und Handystationen einrichten). Den Rest, das Gespräch mit deinem Kind, legst du dann aktiv auf Momente, in denen ihr beide aufnahmebereit seid. Am Wochenende beim Frühstück zum Beispiel, nicht abends um neun nach einem langen Tag.
Genau hier. Du liest diese Seite, das ist bereits der erste Schritt. Drei Einstiege, die wenig voraussetzen: Lass dir von deinem Kind die Apps zeigen. Kinder erklären gerne, und du lernst die Plattform kennen, ohne dich einlesen zu müssen. Nutze einen konkreten Anlass wie ein neues Spiel, ein neues Handy oder eine neue App als Moment, um gemeinsam hinzuschauen und Abmachungen zu treffen. Und falls du gar nicht weiterweisst: Pro Juventute (Telefon 147) berät kostenlos, anonym und in mehreren Sprachen.
Das süsse Foto vom ersten Schultag, das witzige Video vom Schwimmkurs: Bevor du Bilder deines Kindes online teilst, frag dich, ob dein Kind in zehn Jahren damit einverstanden wäre. Was Sharenting mit der Privatsphäre deines Kindes zu tun hat und worauf du achten solltest, erfährst du auf unserer Themenseite zu Sharenting.
Weitere Informationen und Inhalte zum Thema «Kinder begleiten in der digitalen Welt» haben wir hier zusammengetragen.
Bildschirmzeit auf dem iPhone einrichten.
Family Link auf dem Android Phone einrichten.
Kinderschutz auf der Internet-Box.
Kinder begleiten in der digitalen Welt
Michael In Albon ist der Jugendmedienschutz-Beauftragte bei Swisscom. Er steht Ihnen bei allen Fragen rund um Kinder und Medien zur Verfügung.
Jugendmedienschutz-Beauftragter,
Leiter Schulen ans Internet (SAI)