Rechtliche und psychische Auswirkungen von Hate Speech im Internet
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Rechtliche und psychische Auswirkungen von Hate Speech im Internet

Hassrede ist leider ein Phänomen, das sich auch im Internet zunehmend verbreitet. Im dreiteiligen Medienstark-Podcast gehen wir dem Thema von rechtlicher, psychologischer und Opfer-Seite auf den Grund.

Jeder vierte Schweizer Jugendliche wurde im Netz schon einmal mit Hass konfrontiert. Im Rahmen des «Mute the hate»-Engagements der Swisscom, widmet sich Jugendmedieschutz-Beauftragter Michael In Albon im Podcast diesen Monat dem Thema Hate Speech. 
Um dieses vielschichtige Thema beleuchten zu können, nähren wir uns ihm in drei Teilen: Im Gespräch mit Rechtsanwältin Dr. Sarah Schläppi, mit Psychologe Franz Eidenbenz und mit TikToker Sami Loft.

Über «Mute the hate»

Hassrede ist leider ein Phänomen, das sich auch im Internet zunehmend verbreitet. Als nachhaltigste Telco-Anbieterin der Welt nehmen wir unsere Verantwortung wahr und gehen auf Anliegen ein, die uns und die kommenden Generationen beeinflussen. Im Rahmen von «Mute the hate» erklären wir, welche Strategien gegen Hate Speech nützen und welche Konsequenzen systematischer Hass im Internet hat.

Alle Episoden der dreiteiligen Hate Speech Reihe sind in diesem Artikel als Video Podcast zusammengefasst. Die Episoden sind auch als Audio-Podcast auf Spotify verfügbar:

Teil 1: Rechtliche Aspekte von Hate Speech
«Oft scheitert es an der Identifikation des Täters»

Dr. Sarah Schläppi

Dr. Sarah Schläppi ist Rechtsanwältin und Geschäftsführerin in der Kanzlei Bracher & Partner in Bern. Sie hat sich auf Strafrecht, inkl. Jugend- und Wirtschaftsstrafrecht, spezialisiert und berät regelmässig Jugendliche und deren Eltern zum Thema Hate Speech und Cybermobbing.

Im Strafgesetz gibt es keinen Abschnitt, der die Begriffe «Hassrede» oder «Cybermobbing» direkt erwähnt. Das Verhalten, das man typischerweise als Hassrede oder Mobbing definieren würde, kann jedoch über andere Straftatbestände zur Anzeige gebracht werden. Beispiele sind «Üble Nachrede», «Beschimpfung», «Verleumdung» oder «Rassendiskriminierung».

Betroffenen geht es, so Dr. Sarah Schläppi, aber meist nicht darum den Täter zu bestrafen, sondern vor ihm geschützt zu werden. Hier kommt das Zivilrecht zum Zug. Schutzmassnahmen, die Richter verhängen – wie Beispielsweise ein Kontaktverbot – müssen an eine konkrete Person adressiert sein. Ohne die Identifikation der Täter kann dies nicht geschehen – und das erweist sich in der Praxis oft als grosses Problem.

Teil 2: Hate Speech aus der Perspektive eines Opfers
«Als Influencer muss man mental stark sein»

@samiloft

Sami ist seit 2019 auf TikTok aktiv und hat etwa 1 Millionen Follower. In seinen kurzen Lifestyle Clips erreicht er regelmässig über 400’000 Nutzer.

Sami legt in seiner Arbeit auf TikTok grossen Wert darauf, seiner Community sein wahres Ich zu zeigen. So spricht er auch offen über seine sexuelle Orientierung. Ihm ist bewusst, dass er sich dadurch persönlich exponiert und so auch Angriffsfläche für Hass bietet.

Seine ersten Videos veröffentliche Sami schon mit 13 Jahren auf YouTube. Jetzt mit 18 Jahren, so sagt er, hat er gelernt mit negativen Kommentaren umzugehen. Viele Kommentare blendet er aus, oder ignoriert sie schlichtweg. Teils reagiert er aber auch offensiv, z.B. auf homophobe Kommentare oder nutzt sie direkt für elegante Konter in seinen Videos.

Teil 3: Psychologischer Aspekt von Hate Speech
«Wer Hassreden absondert, gibt einen Hinweis, dass das eigene Selbstwertgefühl geschwächt ist.»

Franz Eidenbenz

Fachpsychologe für Psychotherapie FSP. Er leitet neben seiner Praxistätigkeit den Bereich «Behandlung» am Zentrum für Spielsucht und andere Verhaltenssüchte RADIX in Zürich. Franz Eidenbenz ist zudem Ausbildner und Supervisor für phasische Paar- und Familientherapie.

In dieser Episode spricht Michael mit Franz Eidenbenz. Der Psychotherapeut aus Zürich zeigt auf, was auf Opfer-, aber auch auf Täterseite abgeht, wenn Hass die Kommunikation bestimmt.

Es ist nicht so einfach Opfer und Täter von Hate Speech zu charakterisieren. Häufig handelt es sich aber in beiden Fällen um Personen, die eher ein geringes Selbstwertgefühl besitzen. Bei Opfern ist dies der Fall, da solche Personen eher verletzbar sind. Wichtig für Opfer ist es, sich Verbündete zu suchen und mit jemandem über die Verletzung zu sprechen.

Täter sind auch häufig Menschen mit einer gewissen Schwäche im Selbstwertgefühl, die in der Realität niemand sind, um sich dann in der Anonymität stark zu fühlen. Im Podcast gehen Michael und Franz Eidenbenz zudem darauf ein, ob und wenn ja, wie, Täter therapiert werden könnten und auf weitere spannende Themen.

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