«Dank dem Smartphone fühle ich mich weniger alleine»
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«Dank dem Smartphone fühle ich mich weniger alleine»

Es benötigte drei Tage und ein wenig Geduld, bis die 79-jährige Vincenza Teti Vazzaz ganz von selbst mit ihrem neuen Smartphone ihre Familie per Video anrief. Ihre Schwiegertochter Loyse Jaton ist Trainerin bei Swisscom Academy und berichtet im Interview, wie sie ihre Schwiegermutter per Festnetz anleitete, welche Herausforderungen sie meisterten und warum sich ihre Tochter besonders darüber freut, ihre Grossmutter nun sehen zu können.

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Loyse Jaton, Ihre Schwiegermutter wollte früher kein Smartphone. Das hat sich durch die momentane Situation geändert. Warum?
Um ihre Gesundheit zu schützen, lebt sie seit März isoliert. Wir deponieren Einkäufe vor ihrer Haustüre und hatten seither nur telefonischen Kontakt. Ihre Kinder und Grosskinder fehlen ihr. Während eines Gespräches mit meinem Mann haben wir gedacht, dass es praktisch wäre, wenn sie WhatsApp bedienen könnte: Damit könnten wir uns wenigstens mit Videoanrufen sehen. Wir haben ihr also den Vorschlag gemacht, dass sie mein altes iPhone mit einer Prepaid-Karte erhält, damit wir uns per Video sehen können. Das hat sie auf der Stelle dankend angenommen. Am 26. März habe ich ihr dann das Smartphone vorbereitet vor die Türe gelegt.

Sie gingen methodisch vor beim Erklären des iPhones (ausgeführt im Anschluss). Wo zeigten sich Schwierigkeiten?
Als ich ihr das iPhone vorbeibrachte, war die Idee, dass sie damit einfach Anrufe entgegennehmen sollte, nichts weiter. Heute würde ich ihr das Smartphone mit Whatsapp im Navigationsbalken vorbereiten, sodass es noch einfacher ist, die App zu finden. Eine Herausforderung war auch, nachvollziehen zu können, bei welchem Schritt sie sich gerade befindet, als ich ihr jeweils erklärte, was sie auf dem iPhone tun sollte.

Und für Ihre Schwiegermutter?
Sie berichtete mir im Nachhinein: «Ich musste meine Gewohnheiten ändern. Zuerst war ich auf der Suche nach irgendeinem roten Knopf, um das Handy an- oder auszuschalten. Dann musste ich das richtige grüne Quadrat finden (die WhatsApp-App), welche die Videotelefonie ermöglicht. Ohne meine Brille war es schwierig zu lesen, wie die Apps hiessen.»

Was war einfacher als ursprünglich gedacht?
Schlussendlich muss ich sagen, dass eigentlich nichts wirklich schwierig war. Mit etwas Geduld und Ruhe konnte meine Schwiegermutter das Smartphone schnell erfolgreich bedienen! Ich war allerdings überrascht darüber, dass es ein so grosses und positives Erlebnis für sie war. Sie war sehr bewegt und berührt.

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Freut sich Ihre Tochter, dass sie nun mit ihrer Grossmutter per Video telefonieren kann?
Unsere viereinhalbjährige Tochter hat schon mit ihren anderen Grosseltern und ihren Schulkolleginnen per Video telefoniert. Sie hat oft gefragt, ob sie ihre andere Nonna auch so anrufen könne.

Worüber sprechen Enkelin und Grossmutter?
Sie erzählt, was sie tagsüber alles erlebt hat, was sie gespielt oder gegessen hat, welche Geschichten sie gehört hat. Aber was sie besonders liebt, ist, Sachen zu zeigen: beispielsweise wie sie sich verkleidet hat oder was sie gerade mit ihren Puppen anstellt. An einem Abend hat sie sogar eine kleine Tanzaufführung vorbereitet. Es ist wirklich magisch, solche Momente teilen zu können mit der Familie – trotz der Distanz.

Wie geht es Ihrer Schwiegermutter nun mit ihrem Smartphone?
Es passieren ihr zwar noch Missgeschicke bei der Bedienung, doch sie schafft es schlussendlich. Die Möglichkeiten, die sie nun hat, helfen ihr über die Einsamkeit hinweg und sie fühlt sich etwas weniger alleine. Und in Zukunft, wenn sie ihre Ferien in Italien verbringt, kann sie dank den Videoanrufen auch den visuellen Kontakt mit der Familie aufrechterhalten.

So erklärte Swisscom-Academy-Trainerin Loyse Jaton ihrer Schwiegermutter Schritt für Schritt, wie das iPhone funktioniert. Am dritten Tag folgte die grosse Überraschung.

Tag 1
Ich habe sie auf dem Festnetztelefon angerufen um ihr zu erklären, wie sie auf dem Smartphone einen Anruf entgegennehmen kann.

Ich habe sie Schritt für Schritt angeleitet. Zuerst habe ich ihr erklärt, wie sie den Bildschirm entsperren kann, nämlich mit der Seitentaste rechts vom Telefon und einem Wisch. In dem Moment, wo sie die Taste entdeckt hat, erklärte ich ihr, diese lediglich kurz anzutippen, in dem ich einfach «tick» sagte. So zeigte ich ihr, dass sie nicht lange darauf zu drücken brauchte. Ich fragte sie dann, ob sie ein grünes Quadrat entdeckt, das WhatsApp heisst.

Dann liess ich ihr etwas Zeit, sich mit ihrem neuen Gerät anzufreunden und so keinen Druck aufzubauen. Ich habe sehr schnell erkannt, dass es hilft, wenn sie erklärte, was sie auf dem Bildschirm sieht. Ich habe sie dann nochmals auf ihrem iPhone angerufen und sie gefragt, ob sie Whatsapp gefunden habe – und ihr wieder mit dem Hinweis «tick» erklärt, dass sie, um den Anruf anzunehmen, nur kurz antippen muss: und schwupps, sahen wir uns via Whatsapp-Anruf!

Elya kann jetzt mit Nonna Vincenza videotelefonieren.

Es dauerte einen Moment bis sie begriff, dass wir uns jetzt über Video unterhielten und nicht mehr am Festnetztelefon. Wir mussten lachen und ich sagte ihr, jetzt kannst du das andere Telefon auflegen. Sie lächelte lange und war sehr glücklich, dass sie uns endlich sehen konnte.

Tag 2
Am zweiten Tag habe ich wieder mit der gleichen Methode losgelegt und sie auf dem Smartphone angerufen um zu schauen, ob sie den Anruf entgegennehmen kann. Aber irgendwie wollte es an diesem Tag nicht klappen. Ich habe dann einen anderen Ansatz gewählt und ihr vorgeschlagen, dass sie umgekehrt, jetzt einfach uns direkt anrufen soll über WhatsApp. Sie erklärte mir stets, was sie auf dem Bildschirm sah.

Ich hab ihr erklärt, dass es verschiedene Bildschirm-Ebenen gibt und sie das grüne Feld mit WhatsApp suchen soll. Dazu musste ich ihr beschreiben, dass sie mit dem Daumen die verschiedenen Bildschirmseiten von links nach rechts durchblättern kann. Ich liess ihr Zeit, die App zu suchen. Dann forderte ich sie auf, kurz draufzuklicken und mir zu sagen, was sie sieht. So wusste ich immer, wo sie sich gerade befand. Sie hat so die Anruferliste gefunden und die letzten Anrufe gesehen. Dann hat sie auf meinen Namen geklickt und konnte so erfolgreich den Anruf tätigen!

Tag 3
An Tag drei war ich mit meinem Mann zu Hause und wir spielten mit unserer Tochter, als plötzlich mein Smartphone klingelte: wir waren überrascht, weil meine Schwiegermutter von sich aus über WhatsApp anrief. Wir haben ihr gratuliert für ihren ersten selbständigen Anruf! Darauf war sie sehr stolz.

Folgende Apps empfiehlt die Swisscom-Academy-Trainerin zum Videotelefonieren:

WhatsApp ist eine App, die viele Funktionen mit sich bringt, und für alle gängigen Smartphones verfügbar ist. Überall auf der Welt wird WhatsApp gebraucht, was die Nutzung natürlich attraktiv macht. Es bietet viele Möglichkeiten: Sprachnachrichten, Videoanrufe, Textnachrichten aber auch Fotos und noch mehr kann man verschicken.

FaceTime ist sehr einfach anzuwenden: allerdings können seine Möglichkeiten nur auf Apple-Produkten genutzt werden.

Skype: Wenn die Angehörigen auch dieses Programm nutzen und einen Account haben, dann können sie dies für Videoanrufe nutzen.

Tipp: Diejenige App auswählen, die im Umfeld am meisten genutzt wird. Für diejenigen, die eine Prepaid-Karte nutzen: nicht vergessen, das Guthaben regelmässig aufzuladen.

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